Januarregen in Hannover

Januar? Regen in Hannover? Das klingt nach einer geradezu typischen Kombination für ein Wochenende in Norddeutschland. Ich habe mal in Hannover gelebt. Viele Freunde wohnen noch dort. Da mache ich mir in der Regel keine Gedanken um das Wetter, wenn ich sie besuche.

Regen in Hannover

Dann war ich endlich mal wieder in Hannover und der übliche Zoobesuch mit meiner Schwester stand auf dem Programm. Zoo im Regen kann ich machen (Zoo Dresden bei Regen), muss ich aber nicht. Also diskutieren wir bei einem leckeren Frühstück über Alternativen. Draußen in den Bäumen des grünen Hinterhofs tummeln sich zahllose Vögel. Entzückt freut sich meine Schwester über ein paar Distelfinken. So viel Natur direkt vor dem Haus, mitten in der Stadt!

Doch zurück zum Alternativ-Programm für Regen in Hannover: Wir entscheiden uns für das Amazonas-Panorama am Zoo. Da können wir ja doch noch in den Zoo, wenn es später vielleicht trockener ist. Auf geht’s!

Bus 128

Erstmal machen wir die lange Tour mit dem Bus vom Moltkeplatz rund ums Stadtzentrum und durch das Zoo-Viertel bis zum Zoo. So kann ich nach einem Jahr Abwesenheit endlich wieder einen Blick auf meine Lieblingsstadt werfen. Hach! Auch wenn ich mich an Hamburg gewöhnt habe, so gefällt mir Hannover immer noch sehr gut! Hannover ist eine schöne überschaubare Stadt mit interessanten architektonischen Highlights: Goseriede-Hochhaus, Gehry-Tower, Bushaltestelle Steintor, Hauptbahnhof…

Amazonas Panorama am Zoo

Es brauche einen Künstler, um den Regenwald in seiner schier überwältigenden Artenvielfalt begreifbar zu machen, sagte einst Naturforscher Alexander Humboldt. Mehr als 200 Jahre später hat sich Yadegar Asisi genau dieser Aufgabe angenommen und mit AMAZONIEN das weltgrößte Naturpanorama geschaffen.

Starke Worte! Wir betreten staunend die große Halle. Warm ist es, aber keine tropischen Temperaturen. So genau wollte man Amazonien doch nicht erlebbar machen. Das ist sehr angenehm. Doch ich fühle mich gleich wie im Tropenwald. Rundum mächtige Baumriesen, üppige Vegetation. Dazu leise Musik mit vielen Urwald-Geräuschen. Vögel zwitschern, ein Tier schreit, leises Kirchern, Frösche quaken. Der Urwald wird lebendig. Dann: Ein krachendes Gewitter! Innerhalb weniger Minuten wechselt die Beleuchtung von dunkler Nacht, in der nur der Vollmond sein kaltes Licht scheinen lässt, zu hellem Tag. Plastisch scheinen die Bäume und Büsche mit ihren Blättern und Blüten aus dem Dunkel hervorzutreten.

Amazonas Panorama Hannover

Wir gehen auf Entdeckungstour mit Hilfe eines kleinen Plans. Überall gibt es liebevoll gestaltete Details: Auf einem Blatt ein Frosch, ein Jaguar, der an einem Teich trinkt, spielende Kinder, ein Krokodil, bunte Papageien. An einer Stelle starrt das schielende Opossum Heidi (bekannt vom Leipziger Zoo) etwas bösartig auf einen grün gepunkteten Frosch. Leider darf ich die netten Fotos davon nicht veröffentlichen.

Mitten in dem Saal steht ein Gerüst, ein Treppenaufgang, auf dem man bis zu 15 Meter hinaufsteigen kann. Dadurch komme ich auch den oberen Stockwerken des Dschungels näher. Bunte Papageien, ein Junge, der auf einem Ast hoch hinaus balanziert, ein Regenbogen. Faszinierend, wie sich die Perspektiven ins Dreidimensionale verschieben!

Amazonas Panorama aus 12m Höhe.

Amazonas Panorama aus 12m Höhe

Im Foyer gibt es einen kleinen Raum, in dem ein kurze Film über die Entstehung des Amazonas-Panoramas berichtet. Sehr interessant! Die Bilder des Panoramas sind aus eigenen Expeditionen des Künstlers entstanden. Mehr als 50.000 Zeichnungen, Gemälde und Skizzen sind zusammengefügt worden.

Amazonas Panorama in Hannover
Eintrittspreis: Tageskarte: € 11,50 pro Erwachsenen ab 25 Jahre

Zoo und Panorama Kombi-Ticket: € 23,50 pro Erwachsenen ab 25 Jahre

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 – 18:00 Uhr

Webseite

Hinweis: Es gibt einen Aufzug für Gehbehinderte. Dafür muss man sich an der Kasse eine spezielle Karte besorgen.

Leider dürfen keine Detailfotos veröffentlicht werden.

Mittagspause

Für die Mittagspause wollen wir in die Holländische Kakao-Stube, ein Hort der Ruhe mitten in Hannover. Berühmt für seine köstlichen Torten. Ein wenig altmodisch kommt das Cafe herüber. Nennt man das heute “Vintage”? Irgendwie scheint sich seit Jahrzehnten nichts verändert zu haben. Dunkles Holz, bequeme Stühle, weißes Porzellan. Die freundlichen Kellnerinnen mit ihren weißen Spitzenschürzchen.

Das Kuchenbuffet! Wow! Hier heißt es, entweder Torte oder Mittagessen. Ich entscheide mich für ein Stück cremigen Frankfurter Kranz. Köstlich! Auf der Speisekarte entdecke ich so antike Köstlichkeiten wie Ragout Fin oder Bockwurst im Teigmantel. Antik nur Rezept und Name natürlich. Alles wird frisch zubereitet.

Die Holländische Kakao-Stube ist ein Muss für mich, wenn ich in Hannover bin. Ich kann sie nur empfehlen (auch wenn ich für diesen Satz nicht bezahlt werde und meinen Kuchen selbst zahle). Genau der richtige Platz, um sich an einem Tag mit Regen in Hannover ein wenig aufzuwärmen!

Zur Webseite: Holländische Kakao-Stube

Uestra Stadtbahn TW3000Den Rest des Tages benutzen wir die Stadtbahnen der Uestra, die mit ihren gerade erst 2018 eingeführten neuen TW 3000 – Wagen großen Eindruck auf mich machen. Ich finde sie gequem und vor allem hell und modern. Sie scheinen aber in Hannover nicht unumstritten zu sein, wie eine Bemerkung meiner Schwester andeutet.

Der Berggarten bei Regen

Es regnet immer noch in Strömen. Deshalb machen wir uns auf zum Berggarten. Dieser existiert seit 1704 und ist ein Bestandteil der berühmten barocken Herrenhäuser Gärten.  Er löste einen seit 1666 existierenden Küchengarten ab. Von Anfang an war der Bergarten Aufzuchtstation für seltene Pflanzen der hannoverschen Könige.

Kurfürstin Sophie (1630 – 1714) hatte ein großes Interesse an fremdartigen Pflanzen. Sie und auch ihre Tochter Charlotte gaben regelmäßig einen Teil ihres “Nadelgeldes” für die Anschaffung neuer Gewächse aus. Der Berggarten diente so mehr und mehr der Anzucht und Pflege seltener Pflanzen.

In den Schauhäusern wuchsen und wachsen Pflanzen, denen das herbe norddeutsche Klima nicht zuträglich ist. Die Orchideensammlung ist weltbekannt.

Hibiskus im Berggarten

Hibiskus

Diese Schauhäuser eignen sich ganz beonders für einen Ausflug bei Regen. Denn es ist mollig warm und trocken. Nur in den Häusern mit tropischen Pflanzen ist die Luftfeuchtigkeit etwas höher.

Kakteen im Berggarten Hannover

Mir gefallen die vielen Kakteen und besonders die zauberhaften Orchideen. Gerade findet eine Ausstellung mit Schwerpunkt Thailand statt. Ich kann gar nicht all die einzelnen Orchideen und exotischen Pflanzen beim Namen nennen. Deshalb gehe ich nur langsam durch und genieße die Farbenpracht und die tropische Atmosphäre.

Rote Orchiedde im Berggarten Hannover

Meiner Schwester gefällt das Kanaren Schauhaus besonders, weil es sie an ihre vielen Reisen nach La Palma und Teneriffa erinnert. Hier ist es etwas kühler, aber auch noch angenehm.

Regentropfen an einem Strauch mit roten Beeren.Dann wagen wir es! Wir machen eine Runde durch den Berggarten. Es hat fast aufgehört zu regnen. Die Erde duftet frisch und das eine oder andere Schneeglöckchen steckt schon den Kopf aus der Erde.

Der Berggarten bei Regen

Berggarten Info 2019

Eintrittspreis: Tageskarte: € 3,50 pro Erwachsenen

Kombi-Ticket: € 6,- pro Erwachsenen

Öffnungszeiten: täglich 9:00 – 16:00 Uhr

Webseite

Tipp: Ganz besonders schön ist der Berggarten im Mai, wenn der Rhododendron blüht!

Fazit: Es war ein toller Tag trotz Regen in Hannover

Weitere Impressionen von meinem Tag mit Regen in Hannover:Regen in Hannover Rote Beeren

Ulrike

Jahrgang 1955. Mehr als 30 Jahre Reise-Erfahrung in China und Asien. China-Expertin bei feel China. Lasst Euch von meinen Erfahrungen inspirieren! Nicht nur über China! Weitere Themen: Museen, Hamburg, Hannover, Rom, Paris, London u.v.m.
Ich freue mich über Eure Kommentare!
Ulrike

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8 Kommentare

  • meimei

    Und hier meldet sich nun auch die beteiligte Schwester: Ja, manchmal braucht es einfach Besuch von außerhalb, damit man mal wieder merkt, wie schön die Heimatstadt ist, auch und gerade bei Schietwetter, wie die Hamburger sagen.
    Toller Bericht, liebevolle Details und die Fotos sind wie immer Spitze!
    Lieben Dank, große Schwester!

  • Nemorino

    Irgendwo im Zentrum von Hannover, in der Fußgängerzone, gibt es eine Skulptur von einem kleinen Mann mit einem Regenschirm. Immer fallen ein paar Tropfen Wasser von seinem Schirm, auch an schönen Sonnentagen.

  • Da sieht man’s mal wieder, dass man an Regentagen keineswegs schmollend zuhause bleiben muss, sondern auch bei solchem Wetter genügend Alternativen findet, um etwas Sinnvolles unternehmen zu können.

    • Richtig! Und auch direkt vor der Haustür findet man immer etwas Schönes zu entdecken. Deine wunderbaren artikel und Fotos sind das beste Beispiel!
      LG
      Ulrike

  • Bravo, Ulrike, da hast Du einen ganz tollen Bericht hingelegt! Du hast damit das Deutschland auch schön sein kann und das auch bei Regenwetter! Hut ab, ich hasse diese andere ausprache! 😉
    LG Reiner

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