Umweltfreundlich reisen in China

Umweltfreundlich reisen – geht das in China überhaupt?

Das Thema “Nachhaltigkeit unterwegs” ist eine große Herausforderung für jemanden, der gerne nach China reist. Ich muss auch gleich als erstes gestehen, dass ich mir früher wenig Gedanken um umweltfreundliches Reisen gemacht habe.

Umweltfreundlich reisen

In der alten Stadt Wuzhen

Doch die Prinzipien, an die ich mich Zuhause halte, vergesse ich auch unterwegs nicht so einfach. Eigentlich gehe ich mal wieder den „Mittleren Weg“, der mir aus dem Buddhismus vertraut ist: Nicht zu viel aber auch nicht zu wenig. In China kommt hinzu, dass sich auf den ersten Blick kaum jemand, auch kein Einheimischer Gedanken um Nachhaltigkeit und Umweltschutz macht.

Da werden lustig Plastikflaschen in größeren Mengen aus dem Zugfenster geworfen, Plastiktüten und Plastik überhaupt geliebt. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt, ohne an sowas wie Bio-Anbau zu denken.

Immer mehr Umweltschutz in China

Allerdings ändert sich das jetzt. Es gibt immer mehr Initiativen, die sich um Umweltschutz in China bemühen. Großangelegte Aufklärungskampagnen versuchen, die Menschen zum Umdenken zu bewegen.

Ich versuche, mich unterwegs an das Motto “Leave nothing but footprints; take nothing but pictures” zu halten. Wie ich das mache, welche Gedanken mich vor allem beim Reisen in China bewegen, lest Ihr hier:

Umweltfreundlich reisen

Ich bin mir unterwegs immer darüber bewusst, wer ich bin:

1991 Südkorea - im kompletten Outfit

1991 Südkorea – im kompletten Outfit

–         Ich bin Gast, also benehme ich mich entsprechend respektvoll.
–         Ich bin reich, jedenfalls in den Augen der Einheimischen in Ländern wie China oder sonstwo in Asien, denn ich habe Zeit und Geld genug, um zu reisen. Ich kann mir einen 60l-Rucksack voll Kleidung leisten, eine Kamera, einen Laptop usw. Mit zunehmendem Wohlstand in China können das die Einheimischen auch. Aber fragt mal den Bauer auf dem Dorf! Touristen sind reich!
–         Ich bin Tourist. Egal, wie sehr ich versuche, mich den örtlichen Gegebenheiten anzupassen, ich bin und bleibe die Fremde, die ungewöhnlich aussieht, merkwürdige Fragen stellt und Fotos macht.

Fortbewegung: Ich fliege und mache mir kein schlechtes Gewissen daraus. Schließlich ist China für einen kurzen Trip mit dem Fahrrad viel zu weit weg. Aber ich fliege auch, wenn ich in die Türkei oder nach Irland will. Da steht mir das Ziel über dem Weg. Ich verlasse mich darauf, dass auch das Fliegen immer umweltbewusster wird und mache mir weiter keine Gedanken drum. Dazu lest Ihr mehr unter “Ich schäme mich nicht!”

Thailand 1992 Mit dem Fahrrad unterwegs

Thailand 1992 Mit dem Fahrrad unterwegs

Öffentliche Verkehrsmittel

Vor Ort nutze ich öffentliche Verkehrsmittel, und zwar immer das, mit dem ich am einfachsten und schnellsten zu meinem Ziel komme. Oder aber auch das, das mir den größten Erlebnisgewinn gibt: Fahrradtouren sind toll und längere Wanderungen führen mich zu Orten, wo ich nie hingekommen wäre. Doch genau damit habe ich auch so meine Bedenken. Ich fühle mich unwohl, wenn ich merke, dass ich einer der ersten Touristen an einem Ort bin.

Umweltfreundlich reisen in China

Nehmt den Schnellzug!

In China gibt es mittlerweile rund 20.000 Kilometer an Schnellzugstrecken! Das macht auf vielen Strecken das Fliegen überflüssig! Die Hochgeschwindigkeitszüge sind bis zu 400kmh schnell und bieten sehr viel Komfort. Auch ist die Frequenz auf beliebten Strecken sehr hoch. Von Shanghai nach Peking gibt es im Schnitt mindestens alle halbe Stunde einen Zug. Für 1.300km benötigen diese zwischen 4,5 bis 6 Stunden. Ein Traum!Umweltfreundlich reisen mit dem Zug

Unterkünfte in China

Irgendwer hat mal gesagt: Macht mehr Camping! Übernachtet im Zelt! Sorry, aber aus dem Alter bin ich raus. Und in China ist Camping noch sehr wenig bekannt. Ich übernachte gerne in Backpacker-Hostels, ziehe mittlerweile das Einzelzimmer mit Dusche dem Schlafsaal vor.

Auf vielen Reisen habe ich auch schon in Luxus-Hotels übernachtet. Gegen die ist eigentlich nichts einzuwenden. Viele der Luxus-Hotels können sich leisten, was Hostels oder private Unterkünfte nicht können: Eine vernünftige  Müllentsorgung, Kläranlagen, Wärmedämmung…

Mit der Karte erst fließt der Strom

Mit der Karte erst fließt der Strom

In vielen Unterkünften, ob Luxus oder Herberge, bin ich auf folgende Umweltmaßnahmen gestoßen: Ein Schild, das darauf hinweist, dass man Wasser sparen soll. Licht und Fernseher funktionieren nur, wenn der Gast im Zimmer ist und seine Zimmerkarte in einen entsprechenden Kasten gesteckt hat. Besonders freue ich mich, wenn darauf hingewiesen wird, dass Bettwäsche oder Handtücher nur auf besonderen Wunsch des Gastes gewechselt werden. Das gibt es mittlerweile auch in Hotels der Luxus-Klasse. Und das gibt es auch in China!

Essen unterwegs

Ich esse gerne die lokalen Spezialitäten. Für mich muss es nicht immer Pommes oder Cola geben. Eine Nudelsuppe beim lokalen Bauern ist mir lieber als das 5-Gänge-Menue im Restaurant. Nur beim Frühstück habe ich eine Schwäche: Ich mag das chinesische/asiatische Frühstück nicht. Dazu hier mehr. Aber ich bestehe nicht auf Toast und Kaffee. Mir reicht manchmal einfach ein Stück Fladenbrot oder eine Dampfnudel (Baozi).

Umweltfreundlich reisen und essen kann in China aber auch zur Herausforderung werden! Vor allem wenn man dann sowas sieht: Plastik-Geschirr eingeschweißt in Plastik-Folie:

Umweltbewusst reisen in China: So nicht!

Wutaishan

Reisen abseits der Touristenpfade

Ich habe immer ein ungutes Gefühl, wenn mal wieder jemand davon erzählt, welche Anstrengungen er unternommen hat, um irgendwo hin zu kommen, wo noch nie ein Tourist/Fremder war. Da wird dann gerne mal angegeben: „Das Dorf da, da kannte man nicht einmal Cola!“

Ich halte mich gerne in Städten auf, besuche örtliche Tempel und alte Stadtviertel. Ich betrete nur nach Einladung das private Grundstück einer Familie. So sehr die Neugier mich plagt, aber ich mag nicht hinter jede Haustür gucken. Da ist China ideal! In den Parks und auf der Straße treffe ich die Einheimischen, lache und rede mit ihnen. Auch zwischen Hochhäusern kann man so das authentische China kennen lernen.

Link: 10 Tipps, wie man in China die Touristenmassen vermeidet

Link: Abfallbeseitigung auf dem Yangtze 1991

Schau genau hin!

Umweltbewusst reisen in China: Ich schaue schon genau hin: Wie dreckig ist der Yangtze? Was passiert mit dem Müll? Wo wird Wasser verschwendet? Das kann in China ziemlich deprimierend sein. Aber ich sehe auch die positiven Entwicklungen. Schließlich reise ich seit rund 30 Jahren durch China.

Nachhaltigkeit unterwegs in CHINA. ein vermüllter See

Ein vermüllter See bei der Großen Mauer von Huanghuacheng

Ganz große Fortschritte hat die Aufforstung überall gemacht. Beispiel: Als ich 1988 die Yungang-Grotten bei Datong besichtigte, lagen diese in einer trockenen staubigen Wüste. Eine dünne Schicht von schwarzem Kohlenstaub über allem von den zahlreichen Bergwerken in dieser Gegend. 2011 war ich wieder dort: Die Berge rundum waren bedeckt mit Bäumen, der Kohlestaub war nicht mehr so aufdringlich. Die Bäume waren noch jung, aber ich konnte mir schon gut die Wälder der Zukunft vorstellen.

Yungang bei Datong

Yungang bei Datong

Deutsche Freunde, die in China leben, berichten begeistert von dem immer grüner werdenden China! Kaum eine Straße, die nicht mit Bäumen bepflanzt wird!

Elektro-Autos und Ebikes

China ist Vorreiter, was die Nutzung von elektrischen Verkehrsmittel betrifft. In den großen Städten kann man sich wunderbar bequeme Ebikes ausleihen. Ein weiterer Schritt zum umweltbewusst reisen wird demnächst angegangen: Immer mehr Taxis sollen auf Elektrisch oder Gas eingerichtet werden. Neue Möglichkeiten für umweltfreundliches Reisen in China!

Es wird besser und einfacher!

China ist ein riesiges Land mit großen Problemen. Man hat viele Fehler gemacht. Doch man bemüht sich auf allen Gebieten um ein besseres Leben mit mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein.

Das vollständige Zitat
Leave nothing but footprints: Präge Deine Gastgeber nicht durch Deine Wünsche und Vorstellungen. Und Dein Name hat auf der Großen Mauer nichts zu suchen!

Take nothing but pictures: Lass die Blumen stehen, kratze nicht an alten Mauern.

Keep nothing but memories

Kill nothing but time

Lustige Schilder zum Umweltschutz

Schild in Lijiang gesehen 2011

Schild in Lijiang gesehen 2011

In Lijiang hat man sich sehr viel Mühe gemacht, um dem Besucher zivilisiertes Benehmen nahezulegen.

Interessanterweise steht auf dem obigen Schild in jeder Sprache ein leicht anderer Text. Der Chinesische Text lautet übersetzt:

Liebe und beschütze die Umwelt,
Es gibt Dich, mich und ihn/sie
Reise zivilisiert!
Das nutzt Dir selbst, dem Land und dem Volk

Die Stadt Lijiang in der Provinz Yunnan ist berühmt für seine schöne Altstadt, die viele Touristen anzieht und UNESCO-Weltkulturerbe ist. Man hat sich große Mühe gegeben, die Menschenmassen darauf aufmerksam zu machen, dass man sich in den gepflegten Altstadtgassen ordentlich und zivilisiert benehmen soll. Hier ein paar weitere Beispiele:Lijiang: Do not make noise in the civilized ancient town Lijiang Lijiang Lijiang: Zum zivilisierten Umgang mit der Umwelt gehört auch das gute Benehmen.

Links

Wie bunt und lustig chinesische Abfallbehälter sein können, seht Ihr hier: Papierkörbe in China

Meine Gedanken zum nachhaltigen Reisen in Bezug auf Wasser: mehr

Nachrichten zu Tier- und Umweltschutz in China

Nachhaltig reisen – Ich schäme mich nicht!

Ulrike

Jahrgang 1955. Mehr als 30 Jahre Reise-Erfahrung in China und Asien. China-Expertin bei feel China. Lasst Euch von meinen Erfahrungen inspirieren! Nicht nur über China! Weitere Themen: Museen, Hamburg, Hannover, Rom, Paris, London u.v.m.
Ich freue mich über Eure Kommentare!
Ulrike

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2 Kommentare

  • Liebe Ulrike, mit diesem Bericht schreibst du mir aus der Seele 🙂

    Man muss selbst die richtigen Schritte unternehmen. Andere Menschen kann man nur schwer ändern und ich habe es aufgegeben die Chinesen ändern zu wollen.
    Ich bin guter Hoffnung, dass es der chinesischen Regierung gelingt, ihrem Volk in kürzester Zeit ein Umweltbewusstsein zu vermitteln (Sozialpunkte, Strafen, “Umschulungen” u.ä. funktionieren ja).

    Zurück in Deutschland werde ich definitiv das hervorragend funktionierende Bahnsystem vermissen…

    Grüße aus Suzhou 🙂

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