Konkubine Zhen – eine tragische Geschichte

Konkubine Zhen, die tragische Geschichte einer schönen und klugen jungen Frau am Hofe des chinesischen Kaisers Guangxu (1871 – 1908, Kaiser ab 25. Februar 1875)

Es war einmal…

…eine junge hübsche Frau in China. Sie wuchs Ende des 19. Jahrhunderts in einer reichen Mandschurischen Familie auf, dem Tatara Klan. Im Alter von 12 Jahren kam sie zusammen mit ihrer wenig älteren Schwester Jin an den Hof des Kaisers Guangxu und erhielt um ihren 13. Geburtstag herum den Titel „Konkubine Zhen“ (Zhenfei).

Verbotene Stadt, Paläste der Frauen und Konkubinrn

In den Palästen der Frauen

Das Leben am Hof des Kaisers von China war für Frauen nicht ganz einfach (siehe auch “Frauen in der Verbotenen Stadt”) und viele der Konkubinen bekamen den Kaiser nie zu Gesicht. In der Blüte der Qing-Dynastie lebten bis zu 20.000 Konkubinen in der Verbotenen Stadt.

Was ist eine Konkubine?
Erfolgreiche Männer hielten sich Nebenfrauen und Konkubinen, die Kaiser verfügten über Tausende. Konkubinen halfen dabei, die wichtigste Aufgabe eines Mannes zu erfüllen: so viele männliche Nachkommen wie möglich zu zeugen.

Weil Ehen ohne Rücksicht auf das Brautpaar von den Eltern arrangiert wurden, sollten Konkubinen dem Mann schenken, was er in seiner Ehe vermisste. Konkubinen galten als persönliches Eigentum des Hausherrn, sie konnten gekauft und verschenkt werden. In Gedichten der Tang-Dynastie findet sich die Formulierung “eine Konkubine für ein gutes Pferd eintauschen”.

Verlor eine Konkubine die Gunst des Kaisers, verbannte er sie in den “Kalten Palast”. Manchmal mussten Konkubinen, die dem Kaiser keinen Sohn geboren hatten, diesem in den Tod folgen. Doch während ein Mann viele Frauen gleichzeitig unterhalten konnte, durfte sich eine Frau nicht an mehrere Männer binden.

Wenn man nun glaubt, es handelt sich um ein Phänomen des überwundenen Feudalismus, so irrt man sich. Zunehmender Wohlstand ermöglicht es, heute mehrere Frauen zu haben. Deren Status ist ein vollkommen rechtloser.

Die künstlerischen Talente der Konkubine Zhen (Zhenfei 1876 – 1900) fielen schließlich der mächtigen Kaiserinwitwe Cixi auf. Diese förderte anfangs das Mädchen und ließ ihr Unterricht im Malen und in Musik erteilen.

Zhen war auch dem Kaiser ins Auge gefallen, der sie nicht nur wegen ihrer Schönheit sondern auch wegen ihrer Klugheit schätzte. So bekam Zhen immer mehr Einfluss auf den Kaiser. Sie unterstützte ihn in seinem Willen zu Reformen und seinem Interesse an einer Öffnung zum Westen. Es wird erzählt, dass Konkubine Zhen auch sehr an Fotografie interessiert war und gerne westliche Ausländer einlud, sie zu unterrichten und zu fotografieren.

Zhens Kontakte zu Westlern und ihr Einfluss auf politische Entscheidungen des Kaisers waren der Kaiserinwitwe Cixi zunehmend ein Dorn im Auge. Auch außerhalb des Palastes wurde von Skandalen geredet. Das führte dazu, dass Zhen und ihre Schwester Jin zeitweilig in Ungnade fielen. Sie wurden zwar schnell wieder rehabilitiert, wurden aber fortan von allen Aktivitäten am Hof fern gehalten. Schließlich wurde Zhen in einem kleinen abgeschiedenen Raum im Kaiserpalast unter Arrest gestellt.

Das Ende von Konkubine Zhen

Als im Jahr 1900 der kaiserliche Hof vor den alliierten Truppen (Stichwort “Boxeraufstand”) fliehen musste – auch Cixi machte sich schweren Herzens auf die Flucht nach Xi’an – kam Zhen wieder frei. Cixi machte ihr den unglaublichen Vorschlag, Selbstmord zu begehen, da sie auf der Flucht Gefahr lief, von den verfolgenden ausländischen Soldaten vergewaltigt zu werden.

Dagegen wehrte sich das Mädchen verzweifelt. Sie versuchte den Kaiser dazu zu überreden, in Peking zu bleiben und mit den alliierten Truppen zu verhandeln. Cixi passte das gar nicht. Schließlich erteilte sie den Befehl, die Konkubine Zhen in einem Brunnen in der Verbotenen Stadt zu ertränken. Was umgehend ausgeführt wurde.

Als die Kaiserinwitwe und der Kaiser samt ihrem Hofstaat ein Jahr später nach Peking zurückkehrten, wurde es der Familie der Konkubine Zhen erlaubt, ihren Leichnam aus dem Brunnen zu bergen. Zhen erhielt posthum den Titel „Seniorkonkubine des Kaisers“ Keshun(恪順皇貴妃). Ihre Schwester Jin, die mit nach Xi’an geflohen war, durfte nach der Abdankung des Kaisers in der Nähe des Brunnens einen kleinen Altar mit Ahnentafel im Gedenken an Zhen errichten.

Altar für Konkubine Zhen

Ahnenaltar für Konkubine Zhen

Mythos Konkubine Zhen

Nun, ob die ganze Geschichte stimmt oder nur einer der zahlreichen Mythen ist, die sich vor allem um die Kaiserinwitwe Cixi (1835 – 1908) ranken, ist umstritten. In einer abgeschiedenen Ecke der Verbotenen Stadt wird ein Brunnen gezeigt, bei dem eine Tafel auf das Schicksal der Konkubine Zhen aufmerksam macht. Gleich daneben befindet sich die kleine Halle mit dem Altar.

Beim Anblick des Brunnens stellte sich mir die Frage, wie eine junge Frau da hineinpasst. War sie wirklich so schmal und zierlich? Und die nächste Frage: Bei meinen Recherchen habe ich einige aktuelle Fotos von dem Brunnen gesehen. Dieser dort abgebildete Brunnen ist offenbar recht neu und ganz sicher nicht der, den ich gesehen habe. Letzterer zeigt deutliche Nutzungsspuren.

Der Brunnen, in dem Konkubine Zhen ertränkt wurde

Der Brunnen, so wie ich ihn gesehen habe

Die Konkubine Zhen soll im Congling Grab der Westlichen Qing Gräber beerdigt sein.

Ihre Schwester Jin machte „Karriere“ und wurde eine der nominellen Mütter des letzten Kaisers Puyi. Sie starb 1924.

Frauen am Hof der Kaiser
In China hatten die Kaiser in der Regel mehrere Frauen, aber nur eine war die Kaiserin. Über die Jahrhunderte entwickelte sich ein ausgeklügeltes Rangsystem bei den weiblichen Angehörigen des kaiserlichen Hofes. Die Nebenfrauen und Konkubinen dienten der Unterhaltung des Kaisers.

Man konnte als Konkubine regelrecht Karriere machen. Schönheit, Kunstfertigkeit und Musikalität waren einige Faktoren. Doch das wichtigste war es, dem Kaiser einen Sohn und Nachfolger zu gebären. Wenn die Kaiserin selbst nicht dazu in der Lage war, konnte eine Konkubine durch einen Sohn selbst zur Kaiserin aufsteigen (Beispiel: Kaiserin Cixi). Aber es gab auch die Variante, dass die Kaiserin den Sohn einer Konkubine adoptierte und ihn so zum Kronprinzen machte (Beispiel: Konkubine Liang aus der Han-Dynastie). Die chinesischen Kaiser hatten unterschiedlich viele Konkubinen.

Häufig kam es zu Streitigkeiten zwischen den Frauen des Hofes. Es ging um Macht und Einfluss. Manche Kaiser nahmen ihre Konkubinen mit in den Tod. So hat man auch beim Mausoleum des Ersten Kaisers von China Qin Shi Huangdi (berühmt durch die Terrakotta-Armee) zahlreiche weibliche Skelette gefunden.

Fotos von den Konkubinen der chinesischen Kaiser gibt es hier.

Die Verbotene Stadt

Noch eine Geschichte von einer mächtigen Konkubine, die vor rund 2.000 Jahren gelebt hat: Shangguan

Ulrike

Jahrgang 1955. Mehr als 30 Jahre Reise-Erfahrung in China und Asien. China-Expertin bei feel China. Lasst Euch von meinen Erfahrungen inspirieren! Nicht nur über China! Weitere Themen: Museen, Hamburg, Hannover, Rom, Paris, London u.v.m.
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Ulrike

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