25.02.1992 Exkursion nach Fatehpur Sikri

Zuletzt aktualisiert vor 2 Monaten

Exkursion nach Fatehpur Sikri

In Agra habe ich meine Freunde Ulli und Jürgen getroffen. Die nächsten Tage bis sie Anfang März von Delhi aus wieder nach Deutschland zurück fliegen, verbringen wir gemeinsam. Es gibt ja so viel zu erzählen! Die Gesellschaft der beiden, das gemeinsame Erleben, mildern manche heftige Eindrücke.

Indien zerreisst mich! Manches ist unglaublich schön, manches schrecklich verstörend. Ich merke, dass es durchaus Vorteile hat, nicht alleine zu reisen.

25.02.1992 Tagesausflug aufs Land

Durch das viele Erzählen verbummeln wir ein wenig unsere Zeit. Es ist schon ziemlich spät, als wir auf dem Busbahnhof in den Bus nach Fatehpur Sikri einsteigen. Eigentlich erwarten wir, dass der vollbesetzte Bus gleich losfährt. Doch es dauert fast eine Stunde, in der wir in dem heißen Bus sitzen. Selbst die Inder, die doch Kummer gewöhnt und sehr geduldig sind, fangen an, sich zu beschweren. Dann fährt der Bus endlich los.

Fatehpur Sikri

Bild von Makalu auf Pixabay

Über die rote Ebene, die nur spärlich mit grünen Büschen und Bäumen bewachsen ist, geht die Fahrt noch eine Stunde bis zu dem Berg, auf dem der alte Palast von Fatehpur Sikri liegt.

Fatehpur Sikri
Fatehpur Sikri (Hindi: फ़तेहपुर सीकरी, Fatehpur Sikrī) ist eine Stadt im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh in Indien mit etwa 35.000 Einwohnern. Hier befand sich Ende des 16. Jahrhunderts die ehemalige Hauptstadt des Mogulreiches. Die Baudenkmäler des Palastbezirks stehen seit 1986 unter dem Schutz der UNESCO und gehören zum Weltkulturerbe der Menschheit. Wikipedia

Innerhalb der Stadtmauer liegt ein Dorf, das viel zu klein wirkt für die lange Mauer und den riesigen Palast, der über allem thront. Mir fallen sofort die vielen Fliegen auf, die überall herumsurren. Wir haben Hunger und suchen uns ein kleines Restaurant.

Wir bestellen zu dem Essen aus Reis und Gemüse jeder einen Lassi, ein salzig schmeckendes erfrischendes Joghurt-Getränk. Ich sehe zu meinem Erschrecken, dass das Getränk mit Eiswürfeln gemischt wird. Ich habe Durst und mag auch nicht ablehnen. Deshalb trinke ich mit Todesverachtung dieses dubiose Getränk. Schließlich leide ich in letzter Zeit eher an Verstopfung als an Durchfall. Ulli und Jürgen scheinen sich da weniger Gedanken zu machen.

Fatehpur Sikri

Innerhalb des Palastes aus roten Steinen liegt eine kleine Moschee mit dem Mausoleum eines islamischen Heiligen (Mausoleum des Salim Chishti). Wir müssen die Schuhe ausziehen, um es zu besichtigen. Natürlich erwartet man ein Backschisch für das Bewachen der Schuhe. Ich nehme meine in der Hand mit, was den Wächter zu einer erbosten Tirade bewegt.

Mausoleum Salim Chishtis
Das unter Akbar erbaute, zuerst wohl nur einfache Mausoleum Salim Chishtis steht im Hof der Freitagsmoschee von Fatehpur Sikri. Es wurde unter den Großmogulen Jahangir und Shah Jahan (reg. 1627–1658) erneuert und ist rundum mit feinsten Marmorgittern (jalis) und farbigen Steininkrustationen in der Sockelzone versehen. Darüber hinaus ist das Gebäude mit schlangenförmigen Stützelementen geschmückt, die – ebenso wie der flachgedeckte Portal- und Umgangsbereich – ganz offensichtlich der hinduistischen Tempelarchitektur entlehnt sind. Unter einer zentralen Kuppel befindet sich das stets mit farbigen Tüchern bedeckte Kenotaph des Heiligen. Frauen aller Religionen binden farbige Stofffäden an die Jali-Gitter und geben so ihrer Verehrung sowie ihrem Wunsch nach der Geburt eines Sohnes Ausdruck.

Ein junger Mann folgt uns, um uns seine Dienste als Guide anzubieten. Es ist heiß, die Sonne steht direkt über uns, die Wärme wird von den roten Steinen zurückgeworfen. Ich habe keine Geduld für alle diese Menschen, die etwas von mir wollen.

Als wir in die hinteren Palasthöfe vordringen, lassen die Leute von uns ab. Anscheinend haben sie verstanden, dass wir keine Führung möchten. Von der Mauer um den kleinen Garten des Palastes aus haben wir einen wunderschönen Blick in die trockene Ebene rundum.

Es heißt, dass ein Maharadscha in der Wüste am Verdursten war, als er an dieser Stelle auf einen Heiligen traf, der ihm half. Als Dank versprach der Maharadscha, hier einen Palast und eine Moschee zu bauen. Nachdem der Fürst sein Versprechen eingelöst hatte, musste er wenige Jahre später feststellen, dass es nicht genug Wasser gab, um seinen Haushalt und die Bewohner der Stadt zu versorgen. Da verlegte er seinen Wohnsitz zurück nach Agra.

Der Palast wirkt fast wie neu mit seinen guterhaltenen roten Mauern. Im hinteren Bereich gibt es einen riesigen Stall für die Reitelefanten des Maharadschas. In der langsam sinkenden Nachmittagssonne wirkt das Rot der Steppe und der Mauern noch intensiver. Dagegen steht der Kontrast des tiefen Grüns weniger Bäume.

Ich bin völlig hingerissen von der riesigen Anlage. Viele Fenster und Säulen sind mit filigranen Reliefs verziert. Voller überwältigender Eindrücke kehren wir am späten Nachmittag nach Agra zurück.

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Ulrike
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5 Kommentare

  • Danke! Indien kann sehr anstrengend sein. Aber es ist auch faszinierend schön!
    LG
    Ulrike

  • Dieser Mogulkaiser Akbar ist eine faszinierende Persönlichkeit gewesen… Indien stand viele Jahre ganz weit oben auf meiner Will-Sehen-Liste, aber ich fürchte, dass eine Reise dorthin nun in schier unerreichbare Ferne gerückt ist. Aber man soll ja bekanntlich niemals nie sagen. 😉
    Vielen Dank für deinen interessanten und auch inspirierenden Post, liebe Ulrike.

  • Nemorino

    Ich war noch nie in Indien, meine Tochter hat aber drei Jahre lang dort gearbeitet. Schon deshalb lese ich gerne solche Berichte.

  • Liebe Ulrike.
    Danke für Deine lieben Worte! Meine Berichte von der Großen Asienreise 1991/1992 sind schon online. Ich habe nur beim ersten Publizieren die eine oder andere Episode ausgelassen. Jetzt bin ich dabei, die alten Beiträge zu optimieren. Dabei fällt mir einiges ein, was ich ursprünglich nicht auf dem Blog hatte. Das trage ich nun nach. So ist das auch mit dem Ausflug 1992 nach Fatehpur Sikri.
    Liebe Grüße
    Ulrike

  • Hallo Ulrike
    ein wunderschöner Bericht, der mich in Erinnerungen schwelgen lässt. Es ist richtig: Indien ist einerseits sehr schön, andererseits gibt es auch vieles zu sehen, was nicht so schön ist. Allerdings finden wir es beim Reisen sehr wichtig, dass man sich nicht nur die schönen Orte ansieht, sondern auch einmal “hinter die Kulissen schaut”. Ich freue mich auf viele weitere Berichte von dir.
    Viele Grüße
    Ulrike

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