Der Hannoversche Bahnhof in Hamburg

Endlich, bei schönstem Wetter machte ich mich heute (04.10.2026) auf in die Hafencity. Dort gibt es einen Ort, der der Hannoversche Bahnhof hieß. Zwei Gründe führten mich dahin: Zum einen wurde er nach meiner Heimatstadt genannt und zum anderen handelt es sich um eine fast vergessene Gedenkstätte an die Deportationen in Hamburg. Es ist nicht mehr viel Originales zu sehen, nur ein paar rostige Schienen. Das große Bahnhofsgebäude ist nach dem Krieg verschwunden.

Der Bahnhof war 1872 eröffnet worden und diente zunächst als Personenbahnhof. Nach der Eröffnung des Hamburger Hauptbahnhofs 1906 wurde er vor allem als Güterbahnhof genutzt.

Rundum die Gedenkstätte ist ein schmaler Park entstanden mit vielen Möglichkeiten zum Sitzen und Gedenken. Da der Lohse-Park noch sehr jung ist, sind seine Bäume auch noch nicht so groß und hoch. Drumherum sieht man die modernen Gebäude der Hafencity und auch noch eine große Baustelle. Im Hintergrund hört man die ICEs auf der nahe gelegen Trasse.

Lohsepark und Gedenkcontainer Hannoverscher Bahnhof
Lohsepark und Gedenkcontainer

Der Hannoversche Bahnhof

Er war in Hamburg während der Zeit des Nationalsozialismus ein zentraler Ort für die Deportation jüdischer Menschen sowie von Sinti und Roma. Zwischen 1940 und 1945 wurden von dort mehr als 8.000 Menschen in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Zu den Zielorten gehörte auch das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Nur wenige der Deportierten überlebten. (Hannoverscher Bahnhof)

Dabei ist wichtig: Die Deportationen waren kein Vorgang, der nur an einem weit entfernten Ort stattfand. Die Menschen wurden in Hamburg aus ihren Wohnungen geholt, zu Sammelstellen gebracht und anschließend zum Hannoverschen Bahnhof transportiert. Von dort begann ihre Fahrt in die Ghettos und Vernichtungslager. Die Deportationen fanden teilweise öffentlich sichtbar statt. Auch Hamburger Behörden waren an ihrer Organisation beteiligt

Eine dieser Personen war Julius Hamburger. Seine Lebensgeschichte zeigt, wie die nationalsozialistische Verfolgung jüdische Menschen Schritt für Schritt aus ihrem normalen Leben drängte und schließlich in die Vernichtung führte.

Eine Geschichte für alle: Julius Hamburger

Julius Hamburger wurde am 23. November 1910 in Neu-Isenburg bei Frankfurt am Main geboren. Er wurde Lehrer und arbeitete später in Hamburg. Über seine Kindheit und Jugend sind heute weniger Einzelheiten bekannt als über seine berufliche Tätigkeit. Dokumentiert ist jedoch, dass er als Volksschullehrer ausgebildet war und in Hamburg an einer jüdischen Schule unterrichtete. (Stolpersteine Hamburg)

Julius Hamburger als Lehrer in Hamburg

Am 15. August 1938 begann Julius Hamburger seine Tätigkeit an der Talmud-Tora-Schule in Hamburg. Die Schule war eine wichtige jüdische Bildungseinrichtung. Hamburger unterrichtete dort zunächst an der Talmud-Tora-Oberrealschule und später an der Volks- und Höheren Schule für Juden.

Für jüdische Lehrer wurde das Leben unter der nationalsozialistischen Herrschaft immer schwieriger. Die jüdische Bevölkerung wurde durch Gesetze und Verordnungen systematisch ausgegrenzt und entrechtet.

Auch Julius Hamburger verlor seine bisherige berufliche Stellung. Zum Ende des Schuljahres 1940/41 wurde ihm unter dem Vorwand von „Sparmaßnahmen“ gekündigt. Anschließend setzte ihn die jüdische Gemeindeverwaltung als Erzieher im jüdischen Waisenhaus Papendamm 3 ein. Hamburger zog sogar in das Waisenhaus, sodass er dort mit den Kindern und anderen Beschäftigten lebte. (Stolpersteine Hamburg)

Die Deportation

Im Jahr 1942 verschärfte sich die Verfolgung der Hamburger Juden. Für den 11. Juli 1942 war ein Transport nach Auschwitz vorbereitet. Etwa 300 jüdische Menschen aus Hamburg wurden an diesem Tag deportiert. Sie mussten sich zuvor an einer Sammelstelle einfinden und man brachte sie anschließend zum Hannoverschen Bahnhof gebracht. Von dort fuhr der Deportationszug nach Auschwitz. (Gedenkstätten Hamburg)

Julius Hamburger gehörte zu diesem Transport. Gemeinsam mit den letzten Kindern des Waisenhauses Papendamm sowie den dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde er am 11. Juli 1942 nach Auschwitz deportiert. In den erhaltenen Unterlagen ist sein Name auf der Deportationsliste für diesen Transport dokumentiert. (Stolpersteine Hamburg)

Der Hannoversche Bahnhof war dabei nicht einfach ein normaler Bahnhof. Er war Teil des nationalsozialistischen Deportationssystems. Die Menschen wurden dort zusammengetrieben und anschließend in Zügen in die besetzten Gebiete und Vernichtungslager gebracht. Die Deportationen geschahen nicht vollständig geheim: Sammelstellen, Transporte durch die Stadt und die Abfahrt der Züge waren für viele Menschen sichtbar. (Geschichtsbuch Hamburg)

Lohsepark
Die Schienen sind knapp zu erkennen

Auschwitz

Das Ziel des Transports vom 11. Juli 1942 war Auschwitz, genauer der Konzentrations- und Vernichtungsort Auschwitz-Birkenau im besetzten Polen.

Auschwitz-Birkenau war eines der wichtigsten Vernichtungslager des nationalsozialistischen Deutschen Reiches. Dort wurden vor allem Juden aus vielen europäischen Ländern ermordet. Die Menschen wurden unter unmenschlichen Bedingungen in das Lager gebracht und viele unmittelbar nach ihrer Ankunft getötet.

Auch Julius Hamburger überlebte die Deportation nicht. Er wurde im Alter von 31 Jahren nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. (Stolpersteine Hamburg)

Bedeutung seiner Geschichte

Die Geschichte von Julius Hamburger macht deutlich, dass hinter den Zahlen der Holocaust-Opfer einzelne Menschen mit einem eigenen Leben standen. Hamburger war Lehrer und Erzieher. Er arbeitete mit Kindern und hatte eine Aufgabe in der jüdischen Gemeinde Hamburgs.

Die Nationalsozialisten nahmen ihm zunächst seine beruflichen Möglichkeiten. Danach wurde sein Lebensraum immer stärker eingeschränkt. Schließlich wurde er zusammen mit den Kindern und Beschäftigten des jüdischen Waisenhauses deportiert und ermordet.

Seine Geschichte zeigt außerdem, dass die Verfolgung nicht erst mit der Deportation begann. Sie bestand aus vielen einzelnen Schritten: Ausgrenzung, Berufsverbote, Entrechtung, Zwangsunterbringung und schließlich Deportation und Ermordung.

Erinnerung heute

Heute erinnert der Gedenkort „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ im Hamburger Lohsepark an die Menschen, die von dort deportiert wurden. Auf Namenstafeln wird an die Opfer erinnert. Auch Julius Hamburger gehört zu diesen Menschen.

Hannoverscher Bahnhof
Gedenktafeln mit den Namen der Deportierten. Man beachte die kleine Rose auf jeder Tafel!

Sein Name steht damit stellvertretend für viele Hamburger Juden, deren Leben durch die nationalsozialistische Verfolgung zerstört wurde. Die Erinnerung an Menschen wie Julius Hamburger ist wichtig, damit die Opfer nicht nur als anonyme Zahl in der Geschichte erscheinen.

Die Biografie von Julius Hamburger zeigt, wie die nationalsozialistische Verfolgung einen Menschen Schritt für Schritt aus der Gesellschaft ausschloss und schließlich zur Vernichtung führte. Die Erinnerung an Julius Hamburger und die anderen Deportierten ist deshalb ein wichtiger Teil der Hamburger Erinnerungskultur.

Quellen

Geeignete Quellen: Das wichtigste Material stammt vom offiziellen Hamburger Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof, von der Stolperstein-Datenbank Hamburg und aus der Dokumentation zu den Opfern der Talmud-Tora-Schule. (Hannoverscher Bahnhof)

Der Lohsepark heute

Lohsepark

Der Lohsepark liegt in der Hamburger HafenCity zwischen dem heutigen Überseequartier und dem Baakenhafen. Die offizielle Eröffnung fand am 9. Juli 2016 statt. Er ist heute eine öffentliche Grünanlage mit Wegen, Bäumen, Freiflächen und Aufenthaltsbereichen.

Der Name geht auf Hermann Lohse (1815–1893) zurück, einem Hamburger Architekten und Ingenieur. Er war der Entwerfer des Hannoverschen Bahnhofs und der ersten Hamburger Eisenbahn-Elbbrücke über die Norderelbe. Der frühere Bahnhofsvorplatz hieß bereits 1907 „Lohseplatz“ – nach Hermann Lohse. Von diesem Namen leitet sich heute der Name „Lohsepark“ ab. Es ist wichtig, dass der Name „Lohsepark“ nicht bedeutet, dass der Park selbst nach den deportierten Menschen benannt wurde. Die Erinnerung an sie erfolgt durch den integrierten Gedenkort denk.mal Hannoverscher Bahnhof.

Die U-Bahn-Station HafenCity Universität

HafenCity Universität ist eine Haltestelle der U4 in der Hamburger HafenCity. Die Station liegt an der Überseeallee, direkt am südlichen Bereich des Lohseparks.

Man baute die U4, um die neu entstehende HafenCity besser mit der Hamburger Innenstadt zu verbinden. Das erste Teilstück der U4 eröffnete man am 28. November 2012. Die Station HafenCity Universität folgte 2013.

Die Station ist architektonisch besonders interessant. An den Bahnsteigen befinden sich große Stahlplatten und Lichtobjekte in Form von Containern. Damit soll sie man die große Bedeutung des Hamburger Hafens und des Containerumschlags erinnern.

Besonders bekannt ist die Lichtinstallation: Die Container-Leuchten verändern ihre Beleuchtung und erzeugen eine besondere Atmosphäre. An Wochenenden und Feiertagen kann man dort eine Lichtshow sehen.

Die Gestaltung passt damit bewusst zur HafenCity: alter Hafen, moderner Containerverkehr und neue Stadtarchitektur werden miteinander verbunden

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Ulrike
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