St. Nicolaus Kirche in Alsterdorf

Eine kleine Kirche mit einer Vergangenheit, die nachdenklich stimmt. St. Nicolaus ist einen Besuch wert!

Das kleine Kirchlein steht seit ca. 130 Jahren oberhalb der Sengelmannstraße und ist die zentrale Kirche der Stiftung Alsterdorf (vormals Alsterdorfer Anstalten).

St. Nicolaus Alsterdorf

Sie ist eng verbunden mit Pastor Sengelmann.

Pastor Sengelmann
Heinrich Matthias Sengelmann (* 25. Mai 1821 in Hamburg; † 3. Februar 1899) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Pastor und Gründer der Alsterdorfer Anstalten.
Sengelmann wurde zum wichtigsten Lobbyisten der kirchlichen Anstaltsfürsorge für geistig Behinderte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die sich von der pädagogischen wie der medizinischen Richtung abgrenzte.

Eigentlich wäre nichts Besonderes zu berichten über die St. Nikolaus Kirche, wenn da nicht das Jahr 1938 wäre. Wenn da nicht die Renovierung und das große Altarbild von 1938 wäre.

Das Altarbild von 1938

1938 war die Zeit der Nazis. Das schlägt sich auch im Altarbild nieder.

Neben Jesus und 12 Personen mit Heiligenschein sind auch drei graue Gestalten zu sehen: ein Kleinkind, ein Jugendlicher und ein alter, behinderter Mensch.

St. Nicolaus Altarbild

Die eine Botschaft des Bildes ist:

“Wir halten die Menschen mit Behinderung fest. Der Staat bekommt sie nicht.”

Die andere lautet dagegen:

“Die Menschen mit Behinderung sind anders. Sie sind nicht gleichwertig. Sie sind überzählig.”

Dies sorgte von den 1980er Jahren an zu einem immer deutlicher werdenden Widerspruch in der Gemeinde. Schließlich entschied man sich, das Bild aus St. Nicolaus entfernen. Aber es sollte nicht einfach in der Versenkung verschwinden. Siehe die ausführliche Geschichte der Kirche auf Wikipedia.

So entstand 2021 eine Gedenkstätte und Mahnmal für die Gräueltaten der Nazis, von denen auch die Alsterdorfer Anstalten nicht verschont blieben.. Das umstrittene Altarbild, an dem auch das arische Aussehen des Jesus kritisiert wird, steht nun hinter der St. Nicolaus Kirche (oder vor der Kirche, wenn man vom Alsterdorfer Markt kommt).

Es ist das Zentrum auch des Gedenkens an rund 600 (behinderte) Menschen, die in den 40er Jahren in die Konzentrationslager deportiert wurden. 513 Menschen starben dort.

Mahnmal für 513 Menschen.

“1938 – nur wenige Tage nach dem 75-jährigen Stiftungsjubiläum – wurden ohne äußeren Druck 22 jüdische Bewohner selektiert und in andere Einrichtungen zur dortigen Ermordung verlegt.

Ein Jahr später, die Stiftung hatte inzwischen 1900 Bewohner, wurden im Schatten des Zweiten Weltkrieges die NS-Vernichtungsaktionen ausgeweitet, 1940 begann die systematische Euthanasie. Unter Lensch als Direktor und ausgewählt von Kreyenberg, wurden 1941 insgesamt 71 Bewohner, im August 1943 nach den schweren Bombenangriffen auf Hamburg weitere 469 Bewohner der Alsterdorfer Anstalten in solche Anstalten deportiert, die eigens zur Tötung der Neuankömmlinge eingerichtet worden waren.

Die meisten dieser Deportierten waren Erwachsene, die Euthanasie-Ärzte durch systematisches Verhungernlassen und Überdosierung von Medikamenten ermordeten.

Erwachsene und Kinder wurden auch in die Fachabteilung des Krankenhauses Rothenburgsort verlegt, wo sie Opfer medizinischer Experimente und der sogenannten Kinder-Euthanasie wurden.”

Wikipedia

Es wird alles genau dokumentiert. Man kann sich auch die Geschichten an bestimmten Stationen anhören.

Auf jeden Fall sollte man sich das Mahnmal ansehen! Mich hat das Denkmal jedenfalls sehr beeindruckt.

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