John Rabe, ein Hamburger in Nanjing

John Rabe (1882–1950) ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten, die Hamburg und die chinesische Stadt Nanjing auf besondere Weise verbinden. Der Kaufmann und Siemens-Manager wurde durch sein mutiges Handeln während des Massakers von Nanjing 1937/38 zu einer Symbolfigur der Menschlichkeit – in China gilt er bis heute als der „gute Deutsche“.

Für mich ist John Rabe ein großes Vorbild. Er schuf mit Zivilcourage eine Geschichte, die mir wie ein Licht in den dunklen Zeiten des 3. Reiches und des Zweiten Weltkriegs erscheint. Sicherlich war er nicht ohne Fehler, aber am Ende bleibt die Erinnerung an einen wahrhaft großen Mann, der zahlreiche Leben rettete.

DEU, Deutschland, Berlin-Siemensstadt, Harriesstrasse 3, 23.11.2012: Einweihung der Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus von John Rabe. (Foto: Dietmar Gust / SIEMENS)

Am 23. November 2012, anlässlich des 130. Geburtstages von John Rabe sowie des 75. Jahrestages der Gründung der Schutzzone von Nanjing am Vortag, wurden in Nanjing, Berlin und Hamburg identische Gedenktafeln in feierlichem Rahmen enthüllt. Bei den Gedenkzeremonien in China und Deutschland waren Vertreter der Firma Siemens und Repräsentanten der Botschaft bzw. des Generalkonsulates (und ich) zugegen.

Kindheit und Leben in Hamburg

Geboren wurde John (Heinrich Detlef) Rabe am 23. November 1882 in Hamburg. Die Hansestadt war damals ein Zentrum des Handels, auch mit Ostasien. Rabe absolvierte hier seine kaufmännische Ausbildung. 1903 bis 1906 war er in Afrika und trat 1908 in den Dienst der Firma Siemens ein. Hamburg prägte sein Weltbild: weltoffen, hanseatisch und stark vom Handel mit Übersee geprägt.

John Rabes Zeit in Nanjing

In China arbeitete Rabe von 1911 bis 1938 bei der Siemens China Co., einer Tochtergesellschaft des Siemens & Halske-Konzerns. Ab 1931 war er Geschäftsführer der Siemens & Halske-Niederlassung in Nanjing, der damaligen Hauptstadt der Republik China. Mit seiner Ehefrau Dora lebte er dort in einer Villa im Stadtviertel Xiaguan.

Der Japanische Überfall 1937

Im Dezember 1937 griff die japanische Armee Nanjing an. Nach der Eroberung begann eines der schlimmsten Kriegsverbrechen des 20. Jahrhunderts – das Massaker von Nanjing. Schätzungen gehen von 200.000 bis über 300.000 getöteten Zivilisten aus, dazu kamen systematische Vergewaltigungen und Plünderungen.

John Rabe trat März 1934 der NSDAP bei. Dabei spielte auch eine Rolle, dass er durch seine Parteizugehörigkeit in Nanjing bleiben und seine besondere Position als Geschäftsführer dort, weiterverfolgen konnte.

Die Internationale Sicherheitszone

Um die Zivilbevölkerung zu schützen, schlossen sich westliche Geschäftsleute, Ärzte und Missionare zusammen und gründeten die Internationale Sicherheitszone Nanjing. Zum Vorsitzenden wurde John Rabe gewählt.

  • Die Zone umfasste etwa 3,8 Quadratkilometer.
  • Dort fanden über 250.000 Menschen Zuflucht.
  • Rabe setzte sein Ansehen als Deutscher und Mitglied der NSDAP ein, um gegenüber japanischen Offizieren Autorität auszustrahlen.
John Rabe
Bild von 国明 李 auf Pixabay

Mut und Menschlichkeit

Rabe öffnete auch seinen eigenen Garten und Keller für Flüchtlinge. In seinen Tagebüchern schilderte er detailliert die japanischen Gräueltaten und die verzweifelte Lage der Bevölkerung. Diese Aufzeichnungen sind heute eine der wichtigsten historischen Quellen.

Rückkehr nach Hamburg

1938 kehrte Rabe nach Deutschland zurück. In Berlin berichtete er zunächst über die japanischen Kriegsverbrechen, wurde jedoch von den Nationalsozialisten zum Schweigen gebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er in Hamburg-Winterhude in großer Armut. Unterstützt wurde er paradoxerweise von ehemaligen Kollegen aus Nanjing, die ihm Lebensmittelpakete nach Deutschland schickten.

John Rabe starb am 5. Januar 1950 in Berlin. Sein Grabstein wurde später nach Hamburg gebracht..

Auf Beschluss des Berliner Senats ist das Grab von John Rabe auf dem Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Friedhof (Feld BWB 2.5/6) seit 2018 als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet.

Nachwirkung und Erinnerung

In China wird Rabe als „Held von Nanjing“ bzw. „Guter Deutscher von Nanjing“ verehrt.

  • Seine ehemalige Villa in Nanjing ist heute das John-Rabe- und International Safety Zone Memorial Hall Museum.
  • Schulen und Straßen in Nanjing und Hamburg (bzw. Deutschland) tragen seinen Namen.
  • Viele Chinesinnen und Chinesen verehren ihn als Symbol für Menschlichkeit inmitten von Grausamkeit.

Auch in Hamburg erinnert man an ihn: 2009 wurde im Stadtteil Winterhude, unweit seines letzten Wohnortes, der John-Rabe-Weg eingeweiht. Gedenkveranstaltungen und Ausstellungen schlagen eine Brücke zwischen Hamburg und Nanjing.

Quellen

Links

Magnolien

Zuletzt aktualisiert vor 3 Monaten ago

Ulrike

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