Das Telefon auf Reisen gestern und heute

Ein Telefon war in meiner Familie eine Selbstverständlichkeit schon in den 1960ern, aber eine teure und von uns Kindern nicht einfach so zu benutzen. Unser Telefon stand immer zentral und leicht erreichbar. Es hatte eine runde Wählscheibe und einen verhältnismäßig schweren Höhrer.

Es gab bestimmte Zeiten, an denen das Telefonieren ok war. Zum Beispiel durfte ein Ferngespräch erst ab 22:00 Uhr geführt werden, da es dann billiger war. Tagsüber durfte nur im Notfall telefoniert werden. Und schon gar nicht von uns Kindern!

Geschichte des Telefons

Die Geschichte des Telefons beginnt im 19. Jahrhundert und ist eng mit dem Wunsch verbunden, menschliche Stimmen über große Entfernungen zu übertragen. Bereits vor der eigentlichen Erfindung des Telefons gab es Versuche, Schall mechanisch weiterzuleiten, etwa mit Sprechrohren oder dem sogenannten „Dosentelefon“, bei dem Schwingungen über eine gespannte Schnur übertragen wurden.

Telefon

Der entscheidende Durchbruch gelang 1876 dem aus Schottland stammenden Erfinder Alexander Graham Bell. Ihm gelang es erstmals, elektrische Signale so zu übertragen, dass sie am anderen Ende wieder als verständliche Sprache hörbar wurden. Fast zeitgleich arbeitete auch Elisha Gray an ähnlichen Ideen, doch Bell meldete das Patent zuerst an. Die frühen Telefone waren noch einfache Geräte, bestehend aus einem Hörer und einer Sprechmuschel, und funktionierten über feste Leitungen. Zunächst waren sie vor allem in Unternehmen und bei staatlichen Einrichtungen im Einsatz.

Alexander Graham Bell

Alexander Graham Bell (1847–1922) war ein schottisch-amerikanischer Erfinder, Wissenschaftler und Lehrer für Hörgeschädigte. Er gilt als der Erfinder des ersten praktisch nutzbaren Telefons.

Bell beschäftigte sich intensiv mit Akustik und der menschlichen Stimme, auch weil seine Mutter schwerhörig war und er später selbst mit Gehörlosen arbeitete. Diese Auseinandersetzung führte ihn zu Experimenten mit der elektrischen Übertragung von Schall. Am 7. März 1876 erhielt er das Patent auf das Telefon, und nur wenige Tage später gelang ihm der berühmte erste übermittelte Satz: „Mr. Watson, come here, I want to see you.“

Neben dem Telefon entwickelte Bell weitere technische Neuerungen, etwa auf dem Gebiet der Tonaufzeichnung, der Luftfahrt und der optischen Signalübertragung. Er war Mitbegründer der späteren Telefongesellschaft AT&T und erhielt für seine Arbeiten zahlreiche Auszeichnungen. Alexander Graham Bell starb 1922, doch seine Erfindung veränderte die menschliche Kommunikation dauerhaft und legte den Grundstein für die moderne Telekommunikation.

Mit der raschen Ausbreitung der Telefonnetze Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Telefon zunehmend Teil des Alltags. Telefonzentralen mit Vermittlerinnen stellten die Verbindungen manuell her, indem sie Kabel in Steckfelder steckten. Erst ab den 1920er- und 1930er-Jahren setzten sich automatische Wählsysteme durch, die das direkte Anwählen einer Rufnummer ermöglichten. Das Telefon selbst entwickelte sich weiter: Der Nummernschalter wurde eingeführt, später kamen stabilere Materialien und verbesserte Klangqualität hinzu.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich das Telefon in vielen Ländern rasant. In Privathaushalten wurde es nun selbstverständlich, und die Netze wurden stetig ausgebaut. Ab den 1960er-Jahren ersetzte die elektronische Vermittlungstechnik zunehmend die mechanischen Systeme. Gleichzeitig entstanden neue Funktionen wie der Tastwahlblock, Anrufbeantworter und Faxgeräte. Das Telefon war längst nicht mehr nur ein technisches Hilfsmittel, sondern ein zentrales Kommunikationsmittel der modernen Gesellschaft.

Der nächste große Schritt war die Entwicklung der mobilen Telefonie. Bereits in den 1940er-Jahren gab es erste Autotelefone, doch sie waren groß, teuer und nur begrenzt nutzbar. Den Durchbruch brachte die digitale Mobilfunktechnik in den 1980er- und 1990er-Jahren. Die ersten Handys waren noch schwer und vor allem für Geschäftsleute gedacht, doch sie ermöglichten erstmals Telefonieren unabhängig von einem festen Standort. Mit der Einführung von GSM-Netzen wurde die mobile Telefonie massentauglich.

Seit den 2000er-Jahren hat sich das Handy rasant weiterentwickelt. Aus reinen Mobiltelefonen wurden multifunktionale Geräte mit Kamera, Internetzugang, Musikplayer und Navigationssystem. Spätestens mit dem Aufkommen der Smartphones, die Touchscreens und leistungsfähige Betriebssysteme nutzen, verschmolzen Telefon, Computer und Mediengerät zu einem einzigen Alltagsgegenstand. Heute ist das Handy nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern ein ständiger Begleiter, der Arbeit, Freizeit und soziale Beziehungen maßgeblich prägt und die lange Entwicklungsgeschichte des Telefons in einer hochmodernen Form fortsetzt.

Deutschland in 1970ern und 80ern

Als ich 1974 von zuhause auszog und mein Studium in Kiel anfing, musste ich meinen Eltern hoch und heilig versprechen, einmal in der Woche anzurufen. Natürlich hatte ich damals kein eigenes Telefon. Also bedeutete es für mich, abends eine Telefonzelle aufzusuchen. Da viele Studenten in meiner Straße wohnten, bedeutete das oft, dass sich vor der einzigen Telefonzelle lange Schlangen bildeten. Natürlich musste man sich kurz fassen.

Einmal hatte ich es zwei Wochen nicht geschafft, die Telefonzelle aufzusuchen und meine Eltern anzurufen. Da rief mein Vater im Archäologischen Institut an! Ob es mir gut ginge. Das war mir so peinlich, dass ich den Anruf zuhause nie mehr vergaß.

Telefon

Wenn wir „Kinder“ verreisten, war es selbstverständlich, dass wir zuhause anriefen, sobald wir angekommen waren. Ich nutzte es oft, dass es in den Ländern, in die ich reiste, die Telefone rar waren oder die Gespräche zu teuer. So entkam ich der manchmal aufwändigen Suche nach Telefon und Kleingeld.

Auch meine Große Reise nach Fernost 1991/1992 war noch ganz ohne Handy und lästige Telefonanrufe. Jedes Land hatte eigene Telefone und andere Tarife usw. Ich ließ mich nicht beeindrucken. Meistens kümmerte es mich nicht und ich schrieb regelmäßig Briefe.

Nur Südkorea fiel mir auf. Unterschiedliche öffentliche Telefone, je nachdem man innerhalbe des Ortes, innerhalb von Südkorea oder aber in die Ferne telefonieren wollte. Als in einer Ecke von Südkorea die Cholera ausbrach, dachte ich, dass es eine gute Idee war, meine Eltern telefonisch zu beruhigen. Naja. die hatten von der Cholera in Südkorea noch nichts gehört. Aber sie freuten sich über meinen Anruf. Nur bis ich herausgefunden, welches Telefon ich mit wieviel Münzen füttern sollte, hatte ich fast einen ganzen Tag gebraucht.

Telefonieren in Südkorea 1991

Um 1990 befand sich die Telefonlandschaft in Südkorea in einer Phase des rasanten Wandels, die eng mit dem wirtschaftlichen Aufstieg des Landes verbunden war. In den Jahrzehnten zuvor war der Zugang zu Telefonen stark begrenzt gewesen. Noch in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren galt ein Festnetzanschluss als Luxus, auf den viele Haushalte jahrelang warten mussten. Telefongespräche wurden häufig über Gemeinschaftstelefone oder öffentliche Telefonzellen geführt.

In den 1980er-Jahren begann die südkoreanische Regierung jedoch massiv in den Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur zu investieren. Bis etwa 1990 hatte sich die Situation deutlich verbessert: In Städten besaßen immer mehr Haushalte einen eigenen Festnetzanschluss, während auf dem Land der Ausbau noch langsamer voranschritt. Die meisten Telefone waren klassische Festnetzgeräte mit Wählscheibe oder – zunehmend – mit Tastenwahl. Internationale Gespräche waren möglich, aber teuer und wurden meist nur zu besonderen Anlässen geführt.

Parallel dazu entstanden die ersten mobilen Kommunikationsformen. Autotelefone und frühe Mobiltelefone existierten bereits, waren jedoch groß, schwer und sehr kostspielig. Sie wurden fast ausschließlich von Geschäftsleuten, Politikern oder staatlichen Stellen genutzt. Diese frühen Mobiltelefone funktionierten über analoge Netze und hatten nur eine begrenzte Reichweite sowie eine geringe Gesprächsqualität. Für die breite Bevölkerung spielten Handys um 1990 noch kaum eine Rolle.

Insgesamt spiegelten Telefone in Südkorea um 1990 den Übergang von einer knapp verfügbaren Technik zu einem zunehmend selbstverständlichen Kommunikationsmittel wider. Dieser Ausbau legte den Grundstein für die spätere rasante Entwicklung des Mobilfunks, durch die Südkorea bereits in den 1990er- und 2000er-Jahren zu einem der weltweit führenden Länder im Bereich der Telekommunikation wurde.

Heute

Heute haben die meisten ein Handy mit Internet, Whatsapp und allen möglichen Apps. Die einzige Sorge ist es, die richtige SIM zu haben oder die Roaminggebühren zu umgehen. Ansonsten ist es fast von jedem Ort möglich zu telefonieren. Man ist jederzeit erreichbar. Ich weiß nicht, ob das so wirklich erstrebenswert ist.

Smombies im Museum
Smombies im Museum

Zu guter Letzt

Das Telefon auf Chinesisch

电话 • diànhuà = Telefon

手机 • shǒujī = Handy

Links

Zuletzt aktualisiert vor 1 Stunde ago

Ulrike

Schreibe einen Kommentar