Viel habe ich von der Pest gelesen, allerdings meistens von ihrem Erscheinen in Norditalien und Südeuropa. Manchmal ist sie über die Seidenstraße nach Europa gekommen. Was aber weiß man über die Pest und deren Folgen in Hamburg?
Die Pest wird hauptsächlich durch das Bakterium *Yersinia pestis* übertragen. Es gibt verschiedene Übertragungswege:
1. **Flohbisse (häufigster Weg)**
Flöhe, die zuvor infizierte Nagetiere (z. B. Ratten) gestochen haben, übertragen die Erreger auf Menschen.
2. **Direkter Kontakt**
Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Körperflüssigkeiten kann ebenfalls zur Ansteckung führen.
3. **Tröpfcheninfektion**
Die besonders gefährliche Lungenpest kann von Mensch zu Mensch durch Husten oder Niesen übertragen werden.
4. **Selten über kontaminierte Materialien**
Zum Beispiel über Gewebe oder Tierprodukte infizierter Tiere.
Historisch spielte die Ausbreitung über Handelswege und schlechte Hygienebedingungen eine große Rolle, etwa während des „Schwarzen Todes“ im Mittelalter.
Die erste große Ausbruch der Pest um 1350
Die Pest erreichte Hamburg vermutlich in den Jahren 1348 bis 1350 im Zuge der großen Pandemie, die als Schwarzer Tod bekannt ist. Die Seuche breitete sich von Südeuropa über die Handelswege des Kontinents aus und gelangte schließlich auch in die norddeutschen Hafenstädte. Als bedeutendes Handelszentrum der Hanse war Hamburg besonders anfällig für die Einschleppung von Krankheiten durch Schiffe, Händler und Reisende.

Genaue Zahlen über die Opfer in Hamburg sind nicht überliefert. Viele mittelalterliche Quellen gingen verloren oder enthalten nur knappe Angaben. Historiker gehen jedoch davon aus, dass auch in Hamburg ein erheblicher Teil der Bevölkerung starb. Für zahlreiche europäische Städte wird ein Bevölkerungsverlust von etwa einem Drittel bis zur Hälfte angenommen, und Hamburg dürfte von der Seuche ähnlich schwer betroffen gewesen sein. Die Krankheit führte zu einem drastischen Rückgang der Einwohnerzahl und hinterließ tiefe soziale und wirtschaftliche Folgen.
Die Menschen des 14. Jahrhunderts kannten die Ursachen der Pest nicht. Sie deuteten die Krankheit häufig als göttliche Strafe oder als Folge schlechter Luft. Entsprechend waren die Möglichkeiten zur Bekämpfung begrenzt. Kranke wurden gemieden, religiöse Prozessionen abgehalten und Gebete gesprochen. Gleichzeitig entstanden Gerüchte und Schuldzuweisungen, die in vielen europäischen Städten zu Verfolgungen von Minderheiten führten. Auch in Hamburg kam es 1350 zu einem Pogrom gegen die jüdische Gemeinde, das im Zusammenhang mit den Ängsten und Spannungen der Pestzeit stand.
Nach dem Abklingen der ersten großen Welle erholte sich die Stadt nur langsam. Der Mangel an Arbeitskräften veränderte die wirtschaftlichen Verhältnisse, während die Erinnerung an die Katastrophe über Generationen fortlebte. Die Pest kehrte in den folgenden Jahrhunderten immer wieder in kleineren oder größeren Ausbrüchen zurück, doch der Schwarze Tod der Jahre 1348 bis 1350 blieb die verheerendste Seuchenkatastrophe des Mittelalters.
Die furchtbare Wiederkehr der Pest im 18. Jahrhundert
Die Pest gehörte über Jahrhunderte zu den größten Bedrohungen für Hamburg. Besonders verheerend war der letzte große Pestausbruch der Stadt in den Jahren 1712 bis 1714. Die Krankheit hatte sich im Gefolge des Großen Nordischen Krieges über den Ostseeraum ausgebreitet und erreichte schließlich auch die Hansestadt. Obwohl der Hamburger Rat bereits früh Handelsbeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und die Kontrolle der Stadttore anordnete, konnte die Einschleppung der Seuche nicht verhindert werden. (ndr.de)
Im Herbst 1712 wurden die ersten Pestfälle in der Nähe der heutigen Michaeliskirche bekannt. Die Erkrankten litten unter hohem Fieber, starken Schmerzen und den typischen Pestbeulen. Die Angst in der Bevölkerung war enorm, denn die Pest galt als nahezu unaufhaltsam. Kranke wurden isoliert, Häuser gesperrt und spezielle Pestfriedhöfe angelegt. Trotzdem breitete sich die Krankheit rasch aus. Allein in Hamburg starben während dieser Epidemie mehr als 10.000 Menschen – bei einer damaligen Einwohnerzahl von etwa 70.000 bis 80.000 Menschen ein gewaltiger Verlust. (ndr.de)
Die Seuche hatte nicht nur demografische Folgen, sondern beeinträchtigte auch Handel und Wirtschaft erheblich. Als wichtige Hafen- und Handelsstadt war Hamburg auf den Austausch mit anderen Regionen angewiesen. Die Furcht vor Ansteckung führte jedoch zu Handelshemmnissen und strengen Kontrollen von Waren und Reisenden. Besonders Textilien, Betten, Pelze und andere Gegenstände galten als mögliche Überträger der Krankheit und wurden teilweise vom Handel ausgeschlossen. (ndr.de)

Nach dem Abklingen der Epidemie verbesserte Hamburg schrittweise seine Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung. Die Pest von 1712/14 war der letzte große Pestausbruch in der Stadt. Spätere Generationen wurden zwar noch von anderen Epidemien wie der Cholera heimgesucht, doch die Pest verschwand aus Hamburg. Die Erinnerung an die Katastrophe blieb jedoch lange lebendig und prägte das städtische Gesundheitswesen sowie den Umgang mit Seuchen über viele Jahrzehnte hinweg. (ndr.de)
Der schwarze Tod als Volksbelustigung?
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Wusstest du, dass sich kaum jemand fand, um die Kranken und Sterbenden zu versorgen? Deshalb wurden untere Gesellschaftsschichten engagiert, um die Pestinfizierten zu pflegen – zum Beispiel Gefängnisinsassen oder Prostituierte. Die Leichenberge waren in den engen Gassen ein wahrer Alptraum, so dass am heutigen Bahnhof Dammtor eine Pestgrube ausgehoben wurde.
So stellt das Hamburg Dungeon die Pest auf seine Seite vor. „witzig und beliebt“ – ist das noch zu fassen?
Wo lagen die Siechenhäuser und Pestfrieghöfe?
Für das mittelalterliche Hamburg des 14. Jahrhunderts sind die Standorte von Pestfriedhöfen und Krankenhäusern nur teilweise sicher belegt, da die Quellenlage lückenhaft ist. Dennoch kennt man einige wichtige Orte:
Krankenhäuser und Siechenhäuser
Bereits im Mittelalter verfügte Hamburg über mehrere Hospitäler, die Kranke, Arme und Reisende aufnahmen. Besonders bedeutend war das Heilig-Geist-Hospital in der Altstadt nahe der heutigen Speicherstadt. Es war eine der wichtigsten Wohlfahrts- und Pflegeeinrichtungen der Stadt. Ob dort Pestkranke behandelt wurden, ist nicht eindeutig belegt, doch während Seuchen spielten solche Hospitäler eine zentrale Rolle bei der Versorgung Erkrankter.
Außerhalb der Stadtmauern befanden sich sogenannte Siechenhäuser, in denen Menschen mit ansteckenden Krankheiten untergebracht wurden. Dazu gehörte das St.-Jürgen-Hospital vor dem Millerntor. Solche Einrichtungen lagen bewusst außerhalb der dicht besiedelten Stadt, um die Ansteckungsgefahr zu verringern.
Pestfriedhöfe
Während großer Epidemien reichten die gewöhnlichen Kirchhöfe oft nicht aus. Deshalb wurden zusätzliche Begräbnisplätze außerhalb der Stadt genutzt. Für die Pestzeit des 14. Jahrhunderts lassen sich keine exakt lokalisierten „Pestfriedhöfe“ wie in späteren Jahrhunderten nachweisen. Historiker vermuten jedoch, dass viele Opfer auf Feldern und Begräbnisplätzen vor den Stadttoren bestattet wurden, insbesondere in der Nähe der Siechenhäuser.
Für die spätere Pestepidemie von 1712–1714 sind die Quellen deutlich besser. Damals wurden besondere Pestfriedhöfe vor den Toren der Stadt angelegt, unter anderem im Bereich von St. Pauli und den damaligen Vorstädten westlich der Stadt. Diese lagen bewusst entfernt von den dicht belegten Kirchhöfen innerhalb der Befestigungen.
Hamburg zur Zeit des Schwarzen Todes (1348–1350)
Um die Mitte des 14. Jahrhunderts war Hamburg noch deutlich kleiner als heute. Die Stadt lag im Wesentlichen zwischen Alster und Elbe und war von Mauern, Gräben und Toren umgeben. Die Bevölkerung lebte dicht gedrängt innerhalb der Befestigungen – ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Seuchen.
Die wichtigsten Orte im Zusammenhang mit Krankheit und Bestattung lagen meist außerhalb der Wohnviertel:
- Heilig-Geist-Hospital: Im nordöstlichen Teil der Altstadt nahe der damaligen Stadtmauer. Es diente der Versorgung von Armen, Alten und Kranken.
- St.-Jürgen-Hospital: Vor dem westlichen Stadttor (Millerntor) gelegen. Es war ursprünglich ein Leprosen- und Siechenhaus und lag bewusst außerhalb der Stadt.
- Kirchhöfe der Hauptkirchen: Die meisten Toten wurden zunächst bei den Pfarrkirchen bestattet, insbesondere bei St. Petri Kirche, St. Nikolai Kirche und St. Katharinen Kirche.
- Notfriedhöfe vor den Toren: Als die Sterblichkeit während der Pest anstieg, wurden vermutlich zusätzliche Begräbnisplätze außerhalb der Mauern genutzt. Ihre genaue Lage ist für die Jahre 1348–1350 jedoch nicht überliefert.
Anders als für die Pest von 1712–1714 gibt es keine sicher dokumentierten Pestfriedhöfe in Hamburg. Historiker können die Existenz solcher Begräbnisplätze zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, ihre genaue Lage aber nicht mehr rekonstruieren. Die sicher belegten Einrichtungen sind vor allem das Heilig-Geist-Hospital innerhalb bzw. am Rand der Stadt und das St.-Jürgen-Hospital vor den Toren.
Ein interessanter Zusammenhang: Das Gebiet um das spätere St. Pauli und die heutigen Wallanlagen war im 14. Jahrhundert noch weitgehend unbebaut. Gerade solche Flächen außerhalb der Stadtmauern eigneten sich für Siechenhäuser und Notbestattungen, weil man Erkrankte und Verstorbene möglichst weit von den dicht besiedelten Quartieren fernhalten wollte.
Lage im heutigen Stadtbild
Das Heilig-Geist-Hospital befand sich ungefähr im Gebiet zwischen heutiger Altstadt und Speicherstadt. Das St.-Jürgen-Hospital lag südwestlich der damaligen Stadt vor dem Millerntor, etwa im Bereich des heutigen St. Pauli. Von den mittelalterlichen Gebäuden ist heute nichts mehr erhalten, doch ihre Standorte lassen sich auf historischen Stadtplänen nachvollziehen.
Die Spitalerstraße
Die Spitalerstraße zählt zu den ältesten Straßen Hamburgs und gehört heute zu den bedeutendsten Einkaufsstraßen der Stadt. Ihre Ursprünge reichen bis ins Mittelalter zurück. Bereits auf einem Stadtplan von 1320 wird sie als „Spitaler Strate“ erwähnt. Der Name geht auf den Weg zum außerhalb der damaligen Stadt gelegenen St.-Georg-Hospital zurück, das bereits 1220 urkundlich genannt wurde. Über diesen Weg wurden Almosen und Lebensmittel für Kranke und Bedürftige transportiert. Aus diesem Zusammenhang entstanden sowohl der Straßenname als auch das ehemalige Spitaler Tor, das den Ausgang der Stadt in Richtung des Hospitals markierte. (Wikipedia)
Mit dem Wachstum Hamburgs entwickelte sich der ursprünglich einfache Pfad zu einer wichtigen innerstädtischen Straße. Als Anfang des 17. Jahrhunderts die neuen Hamburger Wallanlagen errichtet wurden, wurde das Spitaler Tor geschlossen. Die Straße verlor damit ihre direkte Verbindung nach St. Georg und endete fortan an den Mühren und dem damaligen Schweinemarkt. Dennoch blieb sie ein bedeutender Verkehrs- und Handelsweg innerhalb der Altstadt. (Wikipedia)
Bis ins 19. Jahrhundert war die Spitalerstraße von engen Fachwerkhäusern und den typischen Hamburger Gängen geprägt. Anders als viele andere Teile der Altstadt blieb sie vom Großen Brand von 1842 weitgehend verschont. Die schlechten hygienischen Verhältnisse in den dicht bebauten Wohnquartieren traten jedoch während der Choleraepidemie von 1892 deutlich zutage. In der Folge wurden die alten Gängeviertel großflächig saniert und abgerissen. Zwischen 1906 und 1909 entstand eine moderne Geschäftsstraße mit repräsentativen Kontorhäusern, darunter der Barkhof, die Seeburg und das Semperhaus. Die Obergeschosse wurden überwiegend von Handelshäusern und Büros genutzt, während sich im Erdgeschoss Geschäfte ansiedelten. (Wikipedia)
Die Nähe zum Hauptbahnhof, der 1906 eröffnet wurde, förderte die Entwicklung der Spitalerstraße zu einer der wichtigsten Einkaufsstraßen Hamburgs. Mit zunehmendem Autoverkehr in der Nachkriegszeit geriet die Straße jedoch an ihre Belastungsgrenze. Deshalb wurde sie am 7. September 1968 zur Fußgängerzone umgestaltet. Diese Entscheidung prägte ihren Charakter bis heute und machte sie zu einem der meistbesuchten Einkaufsstandorte Deutschlands. (Wikipedia)
Es gibt sie noch!
Diesen Artikel habe ich über die Pest in Hamburg geschrieben, weil ich dort wohne. Aber die Pest war natürlich nicht auf Hamburg beschränkt. Das habe ich schon eingangs gesagt. Sie ist auch nicht in fernen früheren Zeiten gewesen. Die Pest ist nicht ausgerottet, sie existiert noch. Nicht hier, nicht in Europa – wenigstens glaube ich das.

Immer wieder stoße ich auf Berichte aus Madagaskar, aus Indien oder gar aus Russland, wo es zu einzelnen Fällen der Pest gekommen ist.
Die Pest gehört heute zu den „vergessenen“ Krankheiten, die gut behandelbar sind, aber bei zu später Entdeckung noch immer tödlich verlaufen. Neben den traditionellen Wirts- und Zwischenwirtsträgern wie Flöhen und Ratten, die sich u. a. mit Hygienemaßnahmen gut bekämpfen lassen, sind die Ausbrüche heute oft an Murmeltiere, Präriehunde, Erdhörnchen, aber auch an wild lebende Katzen, Hasen und Kaninchen gebunden.
Ausbrüche kommen deshalb fast weltweit vor, sind aber selten und konnten mit Ausnahme von Madagaskar meist schnell eingegrenzt werden und erreichen nur niedrige Fallzahlen. Eine große Gefahr ist im Frühstadium der Erkrankung aufgrund erster Symptome die Verwechslung mit einer Erkältung, die am besten durch eine ärztliche Differenzialdiagnostik (Krankheitssymptome und Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe) ausgeschlossen werden kann.
Von 1978 bis 1992 meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1451 Todesfälle in 21 Ländern. In den USA gab es beispielsweise 1992 dreizehn Infektionen und zwei Todesfälle. Für den Zeitraum 2010 bis 2015 verzeichnete die WHO 3248 Fälle weltweit, darunter 584 an der Pest Verstorbene. Wikipedia
Bei Wikipedia finden wir auch das: „Im Juli 2025 verstarb im US-Bundesstaat Arizona eine Person an der Lungenpest“. In Madagaskar hält sich die Pest seit vielen Jahren.
Links
- Die Pest wütete auch in Hamburg - 21. Juni 2026
- Das Rauhe Haus in Hamburg, Geschichte und soziale Vision - 14. Juni 2026
- Die Feuerkatastrophe von 1842 in Hamburg - 7. Juni 2026

