Parasiten unterwegs: Heimtückische kleine Biester

Parasiten unterwegs: Wie man sie sich einfängt und wie man sie wieder loswird.

Unterwegs in der Welt kann man sich manche Parasiten holen. Die meisten der kleinen Biester sind zwar lästig aber überwiegend nicht besonders gefährlich.

Bettler in Hamburg, so holt man sich am ehesten Parasiten.
Was sind Parasiten?
Ursprünglich wurde der Begriff „Parasit“ für Menschen verwendet: In der griechischen Antike war ein Parasit ein ausgewählter Opferbeamter, der – stellvertretend für das Volk – an Opfermahlen teilnahm und so auf Kosten der Allgemeinheit Speis und Trank erhielt. Später bezeichnete man auch jene als Parasit, die sich bei reichen Leuten für eine Mahlzeit einschmeichelten.

Heute verwendet man das Wort Parasit hauptsächlich in seiner biologischen Bedeutung: Parasiten sind Tiere und Pflanzen, die in oder auf einem Organismus einer anderen Art leben und von ihm Nahrung beziehen. Da auch krankheitserregende Bakterien und Pilze nur auf Kosten des Wirts leben, zählen sie ebenfalls zu den Schmarotzern.

Parasiten leben also mit ihrem Wirt nicht in einer Symbiose, die beiden Seiten Vorteile bringt, sondern sie nutzen ihren Wirt aus. Häufig wird der Wirt dabei auch geschädigt: Der Parasit verletzt die Haut, zerstört Gewebe, scheidet giftige Stoffwechselprodukte aus. www.planet-wissen.de

Ich persönlich habe von dem Folgenden nur die Bettwanzen kennengelernt. Schon das war schlimm genug. Doch auch die anderen hier aufgeführten Parasiten kann man sich nicht nur unterwegs auf Reisen einfangen. Hier beschreibe ich sie und auch, wie man sie wieder loswird.

Bettwanzen/Bedbugs

Fange ich mit dem an, was ich aus eigener Erfahrung kenne: Den Bettwanzen oder auch Bedbugs. Ich hatte zweimal das Vergnügen. Einmal als ich mit dem Boot über Nacht von Hongkong nach Kanton unterwegs war, und einmal in Bangkok.

Sie sind winzig kleine Insekten (Cimex lectularius), die sich nachts vom Blut ernähren und sich tagsüber verstecken. Sie fühlen sich am wohlsten in Bettwäsche. Wenn die nicht gewaschen wird, können sie auch ohne Nahrung bis zu einem Jahr überleben.

Sie verbreiten sich überall dort, wo viele Menschen zusammen kommen: Zum Beispiel In Schlafsälen und Öffis. Der Reisende nimmt sie als blinde Passagiere mit im Gepäck und in der Kleidung.

Woran merke ich, was los ist?

Man kann sie kaum sehen. Manchmal entdeckt man Blutflecken in ungewaschener Bettwäsche oder Matratzen. Wer sie dann doch eingefangen hat, merkt man das am ehesten durch juckende Stellen, meistens bei den Gelenken, wie Ellbogen oder Knien. Da ist es besonders warm, dunkel und kuschelig..

Merkmale

  • Mehrere Flecken in einer Reihe oder um eine Stelle herum. Denn wenn eine Bettwanze beim ersten Biss kein Blutgefäß trifft, beißt sie daneben erneut zu.
  • Flecken an Körperstellen, die oft nicht ganz von der Bettdecke bedeckt werden: etwa an Armen, Schultern, Hals, Gesicht und Beinen.
  • Stark juckende Punkte.
  • Krankheiten werden durch die Bedbugs nicht verbreitet.

Was kann ich gegen Bedbugs tun?

Am besten Du ziehst sofort um, wenn Du sie bemerkst und sie noch nicht in Deiner Kleidung sind. Der Juckreiz hört nach spätestens einer Woche auf.

Vorbeugend kannst Du Dein Lager nach suspekten Insektenleichen und Flecken absuchen. Wenn es Dich erwischt hat, heißt es zunächst einmal umziehen. Und Wäsche waschen! Die Tierchen kommen hoffentlich (gewöhnlicherweise) nicht mit in das neue Quartier.

Das Bett muss am besten mit einem Insektizid ausgeräuchert werden.

Läuse und Flöhe

Die Flöhe und die Läuse,
Die hatten sich beim Schopf
Und kämpften gar gewaltig
Auf eines Buben Kopf.
Das nahm der Bube übel
Und haschte Floh und Laus
Und macht‘ mit seinem Nagel
Den Kämpfern den Garaus.
Ich und mein Lieb, wir kosten
Auf meines Nachbars Land –
Hätt bald der grobe Schlingel
Uns beide untergerannt.
Theodor Storm

(Kopf-)Läuse

Die Kopflaus (Pediculus humanus capitis) gehört genau wie die Filzlaus oder die Kleiderlaus zur Familie der Menschenläuse. Als blutsaugender Parasit lebt sie auf dem menschlichen Kopf im Haar.

Sich lausende Affen

Es gibt eine spezifische Menschenlaus, die sich auf Menschen befindet, niemals auf Tieren. Bei uns in Europa findet man sie hauptsächlich auf Kinderköpfen. Da sind Kindergärten die idealen Übertragungsorte. Aber auch Erwachsene können befallen sein.

Menschenläuse sind ungefähr 2 bis 3 mm groß.

Woran merke ich, was los ist?

Ihr könnt sie am besten erkennen, wenn sie Eier (Nissen) ablegt haben. Das sind rund 150 pro Laus. Sie kleben an den Haaren und sind schwierig loszuwerden.

Sie ernähren sich von Blut, das sie aus dem Menschen saugen und was zu dem üblichen Juckreiz führt.

Das sind die ersten Merkmale:

  • ein Kitzeln auf der Kopfhaut oder das Gefühl, dass sich etwas im Haar bewegt
  • Juckreiz an den Biss- und Einstichstellen, auch wund gekratzte Hautstellen
  • juckreizbedingte Schlafstörungen, da Kopfläuse nachtaktiv sind

Läuse können nicht springen, aber sie klettern von Mensch zu Mensch.

Was kann ich gegen Läuse tun?

Zuallererst: Niemals fremde Mützen tragen!

Sie haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Aber wenn man nicht auf Hygiene achtet, macht man es ihnen leicht. Regelmäßiges Haarewaschen ist gut. Dabei kann man als Eltern auch die Parasiten am ehesten erkennen.

Es gibt mittlerweile gut wirkende Shampoos gegen Läuse, so dass es nicht mehr notwendig ist, wie früher die Haare zu rasieren.

Weitere Maßnahmen sind

  • Kämme, Bürsten und Haarspangen mit heißem Wasser und Seife gründlich reinigen und ein paar Tage nicht benutzen,
  • benutzte Bettwäsche, Schlafanzüge, Kleidung und Handtücher bei 60 Grad waschen oder in den Trockner geben,
  • Kleidung und Gegenstände wie Kuscheltiere, die nicht bei 60 Grad waschbar sind, drei Tage in einer Plastiktüte verschließen.

Ein sog. Läusekamm kann vor allem bei der Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen helfen.

Ich habe mal in Südchina eine Frau getroffen, die hatte den Läusebefall in Papua-Neuguinea mitten im Dschungel erlebt. Da musste sie ihre ganze Haarpracht – ich hatte Fotos gesehen – abschneiden!

Es besteht nur eine sehr geringe Gefahr von Übertragung von Krankheiten.

Rechtliches

Da sich Kopfläuse sehr schnell verbreiten, sind Erziehungsberechtigte gesetzlich dazu verpflichtet, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen über einen Kopflaus-Befall zu unterrichten. Das kann unangenehm sein, ist aber kein Grund, sich zu schämen. Kopfläuse treten in Kitas und Schulen immer wieder auf. Außerdem ist es wichtig, auch Familienangehörige und Freunde zu informieren, die mit dem Kind in Kontakt waren.

Der Gesetzgeber schreibt außerdem vor, dass Kinder mit Kopfläusen zu Hause bleiben müssen, bis sie von den Läusen befreit sind. Wenn ein Kind mit einem nachweislich wirksamen Mittel behandelt wurde, darf es am nächsten Tag wieder in den Kindergarten oder zur Schule gehen. Zur Frage, welche Mittel das sind und für welche Präparate die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernimmt, kann man sich in der Kinderarztpraxis oder in der Apotheke beraten lassen. Vielen Einrichtungen reicht die Erklärung der Eltern, dass die Kinder behandelt wurden. Einige verlangen jedoch ein ärztliches Attest.

Gesundheitsinformation

Flöhe

Flöhe (Siphonaptera) bilden eine Ordnung in der Klasse der Insekten und gehören zur Gruppe der holometabolen Insekten. Von den etwa 2400 Arten der Flöhe sind etwa 80 Arten in Mitteleuropa nachgewiesen. Die Tiere zählen zu den Parasiten. Schreibt Wikipedia

Ein Tierarzt untersucht einen Hund auf Flöhe und Parasiten.

Flöhe sind nur 2 bis 4mm groß. Sie leben je nach Art auf diversen Tieren, wie Hunden, Katzen oder Ratten und gehen auf den Menschen zum Fressen. Die Eiablage erfolgt woanders. Sie sind nachtaktiv.

So wird der Mensch auch von anderen Floharten als dem Menschenfloh (Pulex irritans Linnaeus, 1758) befallen. Haustierbesitzer sollten um ihrer eigenen Gesundheit willen darauf achten, dass ihre Tiere frei von Flöhen sind.

Ein Floh kann maximal 1½ Jahre alt werden. Die Lebensdauer des ausgewachsenen Rattenflohs beträgt fünf bis sechs Wochen.

Woran merke ich, was los ist?

Flohstiche sind sehr stark juckend. Deshalb sollte man dann folgendes kontrollieren:

  • Gerötete Stellen an Beinen (Knien) und Hüfte
  • Gruppierte oder zickzackförmig angeordnete Punkte, umgeben von einem roten Hof
  • Blutflecken in der Unterwäsche

Nicht vergessen: Die Haustiere mit untersuchen!

Menschen werden besonders dann von Flöhen befallen, wenn aufgrund eines starken Befalls des Haustieres sehr viele Flöhe vorhanden sind. Dabei können verschiedene Krankheitserreger auf den Menschen übertragen werden und gesundheitliche Probleme verursachen. Fachleute sprechen in derlei Fällen von Zoonosen.

Was kann ich gegen Flöhe tun?

Um die Haustiere von den Parasiten zu befreien und damit einen Übergriff von Flöhen auf Menschen zu verhindern, sollten alle Tiere eines Haushalts mit geeigneten Antiparasitika behandelt werden.

Duschen mit viel Seife ist jetzt angesagt! Bei einem Flohbefall kann die Bekämpfung vor allem mit Salben und Sprays einen Zeitraum von 2 bis 4 Monaten in Anspruch nehmen.

Damit die häusliche Umgebung wieder flohfrei wird, reicht es in der Regel nicht aus, gegen die erwachsenen Flöhe vorzugehen, die auf dem Tier leben. Diese machen nur ca. 5 Prozent der gesamten Flohpopulation aus! Die weiteren 95 Prozent setzen sich aus Eiern, Larven und Puppen zusammen und befinden sich in der Umgebung des befallenen Haustiers.

Daher muss diese mitbehandelt werden: besonders die Lieblingsplätze der Vierbeiner wie Sessel, Sofa, Korb oder Lieblingsdecke sind betroffen und sollten gründlich abgesaugt oder gewaschen werden.

Der Floh und die Pest

Der Menschenfloh (Pulex irritans) kann in seltenen Fällen durch seinen Stich die Pest auf mechanischem Wege übertragen. Speziell der Rattenfloh (Xenopsylla cheopis), der Pestfloh, ist durch seinen Stich schon lange als biologischer Überträger der Pest bekannt.

Der Floh war Überträger der Pest im 14 Jahrhundert, bei der innerhalb kürzester Zeit rund ein Drittel der europäischen Bevölkerung starb.

Ein typisches Kennzeichen der Pestepidemie ist der Zusammenbruch im Winter. Es ist keine Epidemie der Beulenpest in einem Winter bekannt. Das hängt damit zusammen, dass bei Kälte die septische Bakteriendichte in den Ratten geringer ist, so dass die Flöhe weniger Bakterien aufnehmen, und damit, dass sich die Flöhe bei Kälte nicht vermehren. Das Ende von Pestepidemien, die durch Flöhe verbreitet werden, fällt regelmäßig auf die Wintermonate.

Glücklicherweise ist die Pest in Europa ausgerottet.

Fazit

Parasitenbefall ist möglich, aber unter normaler Berücksichtigung hygienischer Maßnahmen nur selten. Man sollte nicht in Panik geraten.

Leute ohne festen Wohnsitz haben mit Parasitenbefall keinen Zutritt zu städtischen Unterkünften oder Essensstellen. Auch die Bahnhofsmission kann sie nicht einlassen aus Rücksicht auf die anderen Gäste, die sich sonst anstecken könnten. Es gibt aber vom Gesundheitsamt offizielle Entlausungsstellen. Wenn sie einen Nachweis darüber haben, dass sie ohne Befall sind, können sie wieder an allem teilhaben.

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4 Kommentare

  • Danke, liebe Linni, ja, ich habe so einige schreckliche Parasiten weggelassen. Eigentlich ist die Idee zum Artikel auf einem Workshop der Bahnhofsmission zu dem Thema entstanden. Da gibt es noch viel mehr zu entdecken! Krätze usw. Vielleicht schreib ich mal ne Fortsetzung. LG- Ulrike

  • Hallo Ulrike,

    was für eine unangenehme, aber wichtige Aufzählung!

    Du hast einen besonders ekligen Parasiten weggelassen: Bandwürmer. Mir hat kurz nach unserer Ankunft in China ein Arzt total begeistert (!) erzählt, wie riesig die Würmer hier seien. Seine Empfehlung: Verzicht auf Blattsalate, denn die kann man anders als Gemüse und Pilze nicht richtig schrubben… Besonders der Hundebandwurm ist hier recht verbreitet – und den will man echt nicht haben.

    Beim Essen gilt deshalb eigentlich wie fast überall auf Reisen: schälen, kochen oder vergessen.

    LG Linni

  • Das war bestimmt eine nicht so einfache Zeit für Euch. Das Gemälde muss ich unbedingt sehen! Da muss ich wohl mal nach München. LG Ulrike

  • Nemorino

    Ich hatte bisher nur einmal Bettwanzen, und zwar in einer kleinen Pension im damaligen Jugoslawien (also eine Weile her).
    In den 70er Jahren haben sich unsere Kinder in Deutschland mehrmals im Kindergarten bzw. in der Grundschule mit Nissen angesteckt. Das war eine anstrengende Zeit, zumal meine Frau und ich beide voll berufstätig waren. Die Kinder mussten zu Hause bleiben, bis sie vom Kinderarzt als nissenfrei bescheinigt wurden.
    In München gibt es ein berühmtes Gemälde von Murillo (1618-1682), in dem eine Frau die Kopfhaare ihres Enkels nach Nissen absucht. https://operasandcycling.com/alte-pinakothek-in-munich/

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