Der Strandkorb, typisch deutsch

Ich habe mich auf etwas eingelassen, das ich „spießbürgerlich“ nenne, nämlich den Strandkorb. Zahlreiche Urlaube am Meer, an Nordsee und Ostsee habe ich überlebt mit einen Strandtuch. Was hat mich nun heute dazu gebracht, das zu überwinden?

Das ist eigentlich ganz einfach: Ich wollte ein paar Stunden am Strand verbringen. Da ich seit meinem Schlaganfall vor einigen Jahren Schwierigkeiten, vom Boden wieder aufzustehen, habe, kam ein Strandtuch für mich nicht in Frage. Hinzu kam eine kürzlich überstandene Krankheit. Ich fühlte mich immer noch sehr schwach. Da war ein Strandkorb die Idee!

Also fuhr ich an einem eher durchwachsenen Tag nach Travemünde und mietete mir einen Strandkorb. Das war mit 16,- Euro ziemlich teuer. Aber was solls! Ich machte es mir gemütlich, packte meine mitgebrachten Brote aus und hörte ein spannendes Hörbuch. Doch dann wurde kälter – es waren 28 Grad angesagt gewesen. Aber es fühlte sich mehr wie 21 Grad an. Also aß ich noch ein kleines Softeis und fuhr wieder nach Hause.

Trotzdem: Es war ein schöner Tag!

Der Strandkorb

Wer schon einmal an der Nord- oder Ostsee Urlaub gemacht hat, kennt ihn ganz bestimmt: den Strandkorb. Er gehört zu den bekanntesten Symbolen der deutschen Küsten und ist für viele Menschen ein fester Bestandteil eines entspannten Tages am Meer. Er schützt vor Wind, Sonne und Sand und bietet einen gemütlichen Platz zum Ausruhen, Lesen oder Genießen des Blicks auf das Wasser.

Der Strandkorb wurde im Jahr 1882 von dem Rostocker Korbmacher Wilhelm Bartelmann erfunden. Eine Kundin wünschte sich damals einen bequemen Sitzplatz für den Strand, da sie aus gesundheitlichen Gründen nicht lange in der Sonne sitzen konnte. Bartelmann baute daraufhin einen großen Korbstuhl mit einem schützenden Dach. Die Idee war so erfolgreich, dass schon bald viele Menschen einen solchen Korb nutzen wollten. Innerhalb weniger Jahre wurden Strandkörbe an vielen Badeorten aufgestellt und vermietet.

Von Arthur Langhammer – Edmund Hoefer: Küstenfahrten an Nord- und Ostsee, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21383874

Ein Strandkorb besteht heute aus einem stabilen Holzrahmen und einem wetterfesten Geflecht aus Kunststoff oder Naturmaterialien. Im Inneren befinden sich bequeme Sitzpolster, die das Sitzen angenehm machen. Viele Strandkörbe verfügen außerdem über ausziehbare Fußstützen, kleine Klapptische, Taschen für Zeitschriften sowie verstellbare Rückenlehnen. Dadurch können sich die Besucher bequem zurücklehnen und entspannen.

„Vom Kurhause ging ich an den Strand und dämmerte so von Bank zu Bank. Als ich an der Hauptstelle war, wo viele hunderte von Korbhütten stehen, in denen man die Seeluft genießt, fühlte ich mich von hinten her gepackt, und der kleine jüdische Maler-Professor Michael stand vor mir. […] Er schleppte mich an seine Korbhütte, wo ich nun der Frau Professorin […] vorgestellt wurde.“

Theodor Fontane: Brief aus Norderney, 12. August 1882.

Es gibt zwei bekannte Bauarten: den Nordsee- und den Ostsee-Strandkorb. Der Nordsee-Strandkorb besitzt meist eine runde Form und bietet besonders guten Schutz vor starkem Wind. Der Ostsee-Strandkorb hat dagegen eine etwas geradere Form und wirkt oft eleganter. Beide Modelle erfüllen jedoch denselben Zweck: Sie machen den Aufenthalt am Strand angenehmer und gemütlicher.

Strandkorb Mengen in Travemünde

Der Strandkorb ist nicht nur praktisch, sondern auch ein wichtiger Teil der deutschen Urlaubskultur. Viele Familien mieten jedes Jahr denselben Strandkorb für ihren Urlaub. Dort verbringen sie Stunden mit Spielen, Lesen, Picknicken oder einfach beim Beobachten der Wellen. Besonders bei wechselhaftem Wetter zeigt der Strandkorb seine Vorteile, denn er schützt vor kühlem Wind und leichtem Regen.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht spielt der Strandkorb eine wichtige Rolle. In vielen Küstenorten werden jedes Jahr Tausende Strandkörbe vermietet. Sie tragen zum Tourismus bei und schaffen Arbeitsplätze, beispielsweise in der Herstellung, Pflege und Vermietung. Außerdem werden viele Strandkörbe noch heute in Handarbeit gefertigt, was sie zu einem hochwertigen und langlebigen Produkt macht.

In den letzten Jahren wurden Strandkörbe immer moderner. Manche Modelle verfügen über wetterfeste Materialien, integrierte Getränkehalter oder sogar USB-Anschlüsse zum Laden von Smartphones. Trotzdem hat der klassische Strandkorb seinen traditionellen Charme behalten und erinnert viele Menschen an entspannte Urlaubstage am Meer.

Travemünde

Der Strandkorb ist weit mehr als nur ein Sitzmöbel. Er steht für Erholung, Gemütlichkeit und die besondere Atmosphäre der deutschen Nord- und Ostseeküste. Seit über 140 Jahren begeistert er Urlauber jeden Alters und wird auch in Zukunft ein unverzichtbarer Begleiter für einen gelungenen Strandurlaub bleiben.

Der Strandkorb in anderen Ländern

Der Strandkorb wurde in Deutschland erfunden und ist vor allem an der Nord- und Ostsee weit verbreitet. In anderen Ländern werden stattdessen häufig Liegestühle, Sonnenschirme oder Strandliegen verwendet. Dennoch findet man Strandkörbe auch in einigen anderen Regionen:

  • Niederlande: An einigen Nordseestränden stehen Strandkörbe oder ähnliche Modelle, besonders in beliebten Badeorten.
  • Belgien: Vor allem an der belgischen Nordseeküste gibt es vereinzelt Strandkörbe für Urlauber.
  • Dänemark: Einige Ferienorte bieten Strandkörbe an, sie sind jedoch nicht so verbreitet wie in Deutschland.
  • Polen: An der Ostseeküste, beispielsweise in bekannten Seebädern, werden ebenfalls Strandkörbe vermietet.
  • Österreich und Schweiz: An einigen Seen oder in Hotelanlagen stehen Strandkörbe als gemütliche Sitzgelegenheiten, obwohl es dort kein Meer gibt.
  • Andere Länder: In Urlaubsorten wie Spanien, Italien oder Frankreich sind Strandkörbe eher eine Ausnahme. Dort bevorzugt man meist Sonnenliegen mit Sonnenschirmen.

Der deutsche Strandkorb ist sogar ein beliebtes Exportprodukt. Einige Hersteller liefern ihre Strandkörbe in viele Länder Europas und sogar nach Nordamerika oder Asien. Dort werden sie oft in Hotels, Wellnessanlagen oder privaten Gärten genutzt.

Strandkorb Travemünde

Insgesamt bleibt der Strandkorb jedoch ein besonderes Symbol der deutschen Küstenkultur und ist an den Stränden der Nord- und Ostsee am häufigsten anzutreffen.

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Ulrike

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