Ausflug an die Ostsee

Nun wollte ich es wissen: Wie fühlt sie sich an, die Freiheit für 9,-€? Abgesehen davon, dass ich ein 9-EuroTicket sowieso habe und fürs Pendeln benutze, kam ich auf die Idee, mal einfach so an die Ostsee zu fahren, um die Lage zu peilen.

Ausflug an die Ostsee, Haffkrug.
Haffkrug

Ehrlich gesagt, für einen solchen planlosen Ausflug an die Ostsee hätte ich sonst kein Geld ausgegeben. Dazu brauche ich einen Focus, ein konkretes Ziel. Aber nun machte ich mich auf eine Fahrt ins Blaue, Haffkrug, Scharbeut, egal! Ich kannte die Orte, hatte nur Bock auf Seeluft, Strand und Möwen.

Ich wollte die Freiheit genießen, alleine unterwegs zu sein, mich einfach treiben zu lassen.

Die Fahrt fing damit an, dass ich den geplanten Zug nach Lübeck versäumte. Fahr ich halt mit dem nächsten! Ohne Diskussion! Einfach so – Freiheit!

Auf dem Bahnhof war Freitag morgen zwar viel los, aber das war nichts ungewöhnliches. Es war ja schließlich Wochenende und Pfingsten! Aber der Zug war teilwese halbleer. Ruhiges und entspanntes Fahren.

Hamburg Hauptbahnhof - Lage entspannt
Hamburg Hauptbahnhof – Lage entspannt

Nur eines hatte ich vergessen! Der Zug war noch nicht lange unterwegs, da hielt ein Mann bei meinem Platz an und blickte mich durchdringend an. Ich schaute irritiert zurück. Dann begriff ich und setzte meine Maske auf. Mit einem leisen Lächeln setzte der Bahnbeamte seinen Weg fort.

Übrigens wurde an diesem Tag meine Fahrkarte zweimal kontrolliert.

Ich genieße die ruhige Fahrt. Draußen bietet sich Deutschland in voller Schönheit im herrlichen Sonnenschein dar. Üppiges Grün der Felder, starke Alleen und Grenzen aus malerischen Bäumen.

Einmal stakst ein Reh durch den unreifen Weizen. Braune und schwarzweiße Rinder grasen friedlich, daneben springen edle Pferde über die Weiden. Weite Weizenfelder. Hach! Ich hatte ganz vergessen, wie schön Schleswig-Holstein ist!

Zwischenstation Lübeck Holstentor

Dann komme ich in Lübeck an. Da ich dank des verpassten Zugs mehr Zeit als geplant habe, ziehe ich kurz entschlossen zum Holstentor los.

Das Tor aus dem 16. Jahrhundert ist das Wahrzeichen Lübecks. Im Sonnenschein liegt es vor mir, ruhig und würdevoll. Doch leider im totalen Gegenlicht! Ich merke mir vor, noch einmal wiederzukommen und mir das Tor samt Museum ausführlich anzugucken, dann aber nachmittags!

Lübeck Holstentor
Lübeck Holstentor

Dann kehre ich zum Bahnhof zurück und steige in den Zug nach Haffkrug. Wo waren die Massen, die wie angekündigt die Züge wegen des 9,-€ Tickets stürmen? Die sind wohl alle unterwegs nach Sylt! Ich jedenfalls habe einen Sitzplatz und kann gemütlich die Landschaft genießen.

Ausflug an die Ostsee - Rosen

Haffkrug und Scharbeutz

Haffkrug, da war ich schon vor vielen Jahren mit meinem Mann gewesen. Es scheint sich nichts geändert zu haben. Es ist alles wunderbar ordentlich.

Die Strandpromenade zieht sich lange bis Scharbeutz und Timmendorf. Auf der einen Seite Meer und Strand, auf der anderen Läden, Restaurants, Hotels und Ferienwohnungen.

Alle paar Meter gibt es eine Strandkorbvermietung, ein Klohäuschen oder eine Aussichtsbucht. Alles sauber mit Steinen eingefasst, die Poller und Papierkörbe mit Fischen geschmückt.

Haffkrug
Haffkrug

Schilder künden davon, was man alles beachten soll und welche Verbote gelten. Zwischen den Strandkörben darf man nicht grillen, nicht lagern – könnte ja einer keinen Strandkorb nutzen. Der kostet 14,- € am Tag. Dazu kommen noch 3,50 Kurtaxe. Irgendwo sehe ich auch, dass man einen Korb für 3,- für eine Stunde mieten kann.

Auch die Bildung kommt nicht zu kurz. Schaubilder klären auf, was zum Beispiel ein Aal ist, oder was sonst noch kreucht und fleucht.

Haffkrug Schild

Ich finde schließlich einen Platz, wo ich mich ohne Gebühren in den Sand setzen kann. Gegen irgendeine Vorschrift verstoße ich dabei bestimmt.

Für eine Weile lausche ich dem sanften Gemurmel des Meers, das mangels Wind keine Brandung entwickelt. In der Ferne zieht ein weißes Segelboot vorbei. Ein fette Möwe hockt vor den wenigen Leuten, die schon in den Strandkörben sitzen, und wartet darauf, dass etwas Nahrhaftes für sie abfällt.

Möwe

Für ein Stückchen Rhabarberkuchen zu einem erstaunlich moderaten Preis setze ich mich in ein kleines Café. Ich genieße den Blick auf Radler, Rentnerehepaare und Familien mit kleinen Kindern. Die meisten sind angepasst gekleidet in blau und weiss.

Doch meine größte Aufmerksamkeit gilt den Spatzen. Sie fliegen unter großem Geschrei hin und her, kommen ganz nah, um sich einen Krümel Kuchen abzuholen. Waren die nicht schon fast ausgestorben? Na, hier jedenfalls nicht.

Spatz

Langsam gehe ich weiter. Mir wird diese ganze Ordentlichkeit allmählich zu viel. Klar, es ist toll, dass immer ein Klo da ist, wenn man eins braucht. Wie haben wir das nur früher gemacht?

Rückfahrt

Jetzt ist der Bahnhof von Scharbeutz nicht mehr weit. Also Gelegenheit zurückzukehren. Der Zug wird voll, aber nicht zu sehr.

In Lübeck sehe ich schon, dass die Wagen, die in der Nähe der Treppe sind, sehr, sehr voll werden. Ich lasse die Gehfaulen zurück und spaziere ganz nach hinten. Und – oh Wunder – ich finde einen fast leeren Wagen.

Knoblauch

Ein paar Reihen vor mir sitzt ein Querdenker mit seinem Freund, der mit langem Vollbart und ohne Maske sich endlos über „Schlafschafe“ auslässt. Ich lausche amüsiert.

In Hamburg wird es dann eng. Die Leute, die in den vollen Wagen gesessen haben, drängen hinaus und versperren die Wege. Interessanterweise müssen sie alle, wenn sie am Ende der Rolltreppe angekommen sind, erstmal stehenbleiben und die Lage peilen. Sie versperren den Weg für die Nachkommenden, die aber nicht stoppen können wegen der Rolltreppe.

Vor mir stürzt ein Mädchen am oberen Ende der fahrenden Treppe, eine Mutter mit Kinderwagen schiebt nach. Ich gerate kurz in Panik, denn unter mir laufen die Stufen immer weiter, aber ich kann nicht vorwärts. Dann ist die Situation gelöst, das Mädchen wird von Helfern von der Treppe gezerrt. Es geht wieder weiter!

Jetzt wird es Zeit für mich nach Hause zu kommen. Ich bin völlig platt, als ich daheim aufs Sofo falle.

Fazit

Es ist nicht so schlimm wie erwartet. Als ich am Samstagmorgen Dienst bei der Bahnhofsmission mache, ist der Bahnhof allerdings voll. Die Kombination von Pfingsten und 9,-€ Ticket ist zu viel. Aber, hey, es gibt noch Möglichkeiten für eine entspannte Fahrt mit dem Zug.

Tipp 1: In den Regionalzügen sind die Wagen umso leerer, je weiter weg sie von der Treppe entfernt sind. Das habe ich auch am Samstag gesehen, als ich jemanden vom Zug abholen sollte. Unglaublich, wie viele Menschen im Wagen direkt hinter der Lok waren! Als ich den Zug dann abging auf der Suche nach dem Menschen, den ich beim Umsteigen betreuen sollte, kam ich zu den hinteren Wagen, die fast leer waren.

Tipp 2: Lasst die Fahrräder zuhause oder steigt an einem anderen Bahnhof ein. Ihr blockiert die Wege und Fahrstühle. Und ausserdem besteht die Möglichkeit, dass Ihr in den Zug nicht reingelassen werdet. Denn Rollstuhlfahrer und Mütter mit Kinderwagen gehen vor!

Ansonsten war mein Ausflug an die Ostsee ein schönes Erlebnis, das ich aber so nicht noch einmal machen werde.

Ach, nicht unerwähnt bleiben sollte es, dass jeder der vier benutzen Züge PÜNKTLICH war!

Und Ihr so? Wart Ihr schon mit dem 9Euro-Ticket unterwegs? Schreibt doch mal in einem Kommentar von Euren Erfahrungen!

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