Endlich war ich mal wieder in einer faszinierenden Ausstellung. Nachdem ich wegen Krankheit beinahe den Termin verpasst hatte, setze ich mich in den Nahverkehrszug (Deutschlandticket!), fahre mehr als 4 Stunden und mit einmal Umsteigen nach Berlin. Die Ausstellung war verhältnismäßig klein. Trotzdem habe ich mich fast 2 Stunden aufgehalten.
Hat es sich gelohnt?
Ja, ganz bestimmt. Aber darüber später mehr. Zunächst möchte ich Euch virsttel, was man über Göbekli Tepe weiß.
Das archäologische Projekt
Taş Tepeler (türkisch für „Steinhügel“) ist der Name eines archäologischen Forschungsprojekts in der Südosttürkei. Es umfasst eine Gruppe von derzeit mehr als einem Dutzend jungsteinzeitlicher Fundplätze, die zwischen etwa 10.000 und 8.000 v. Chr. entstanden. Die Anlagen gelten als einige der ältesten bekannten Monumentalbauten der Menschheit und verändern das Verständnis vom Übergang der Menschen vom Jäger-und-Sammler-Leben zu sesshaften Gemeinschaften grundlegend.
Was ist Taş Tepeler?
Taş Tepeler ist kein einzelner Fundort, sondern eine Region mit zahlreichen archäologischen Stätten, die viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Dazu gehören monumentale T-förmige Kalksteinstelen, aufwendig bearbeitete Reliefs mit Tierdarstellungen, steinerne Rund- und Rechteckbauten sowie Skulpturen von Menschen und Tieren. Die bekannteste Anlage ist Göbekli Tepe, doch inzwischen zeigen zahlreiche weitere Fundplätze, dass es sich um eine weit verbreitete Kultur handelte.
Die Menschen dieser Zeit lebten überwiegend noch als Jäger und Sammler, begannen jedoch bereits, Wildgetreide zu nutzen und Tiere schrittweise zu domestizieren. Die Errichtung monumentaler Steinbauten deutet darauf hin, dass komplexe soziale Organisation bereits vor der vollständigen Sesshaftigkeit existierte.
Wer errichtete die Anlagen?
Die Bauwerke wurden von präkeramischen neolithischen Gemeinschaften errichtet. Schriftliche Quellen existieren aus dieser Epoche nicht, weshalb weder ihre Eigenbezeichnung noch ihre Sprache bekannt sind.
Archäologen gehen davon aus, dass mehrere hundert Menschen zeitweise zusammenarbeiteten, um die bis zu sechs Meter hohen und mehrere Tonnen schweren Kalksteinstelen aus den umliegenden Steinbrüchen zu gewinnen, zu transportieren und aufzustellen. Wahrscheinlich dienten die Anlagen als Versammlungs-, Ritual- und Begegnungsorte verschiedener Gemeinschaften.

Wo liegt Taş Tepeler?
Die Fundplätze befinden sich überwiegend in der türkischen Provinz Şanlıurfa in der Region Obermesopotamien. Diese Landschaft gilt als eine der wichtigsten Kernregionen der neolithischen Revolution.
Zu den bedeutendsten Fundorten gehören:
- Göbekli Tepe
- Karahantepe
- Sefertepe
- Sayburç
- Çakmaktepe
- Harbetsuvan Tepesi
- Gürcütepe
- Yeni Mahalle Höyük
Weitere Fundorte werden kontinuierlich untersucht, sodass die Zahl der bekannten Siedlungen weiter zunimmt.
Warum ist Taş Tepeler so bedeutend?
Die Entdeckungen zeigen, dass monumentale Architektur, religiöse Vorstellungen und soziale Organisation bereits viele Jahrtausende vor den ersten Städten Mesopotamiens existierten. Lange nahm die Forschung an, dass erst Ackerbau und Sesshaftigkeit zur Entstehung großer Kultzentren führten. Taş Tepeler legt nahe, dass sich dieser Zusammenhang teilweise umgekehrt haben könnte: Gemeinsame Rituale und große Versammlungen könnten den Anstoß für dauerhafte Siedlungen und schließlich für die Entwicklung der Landwirtschaft gegeben haben.
Besonders spektakulär sind die zahlreichen Tierreliefs mit Schlangen, Wildschweinen, Füchsen, Geiern, Auerochsen und Raubkatzen sowie lebensgroße menschliche Skulpturen, die zu den ältesten bekannten Darstellungen des Menschen zählen.
Das Forschungsprojekt
Das türkische Kultur- und Tourismusministerium bündelt die Erforschung der Fundplätze unter dem Projekt Taş Tepeler. Ziel ist es, die verschiedenen Stätten gemeinsam zu untersuchen, ihre Zusammenhänge besser zu verstehen und die Region als Wiege früher monumentaler Architektur und gesellschaftlicher Entwicklung zu erforschen.
Göbekli Tepe
Sie ist mehrere Jahrtausende älter als die berühmten Pyramiden in Ägypten oder Stonehenge. Aufgrund ihres außergewöhnlichen Alters und ihrer monumentalen Architektur wird Göbekli Tepe häufig als der älteste bekannte Großtempel der Menschheitsgeschichte bezeichnet. Doch dies ist nach wie vor umstritten und die genaue Funktion der Anlage weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen.

Die Entdeckung
Die Stätte wurde bereits in den 1960er-Jahren im Rahmen archäologischer Untersuchungen registriert, ihre tatsächliche Bedeutung erkannte jedoch erst der deutsche Archäologe Klaus Schmidt, der ab 1995 systematische Ausgrabungen leitete. Dabei kamen mehrere kreisförmige und ovale Steinanlagen mit bis zu sechs Meter hohen T-förmigen Kalksteinpfeilern ans Licht. Einige dieser Pfeiler wiegen über 15 Tonnen und sind mit kunstvollen Reliefs von Wildtieren wie Löwen, Schlangen, Füchsen, Wildschweinen, Geiern und Skorpionen verziert. Die Darstellungen gehören zu den ältesten bekannten monumentalen Steinreliefs der Welt und geben Einblicke in die Symbolwelt der frühen Jäger- und Sammlergesellschaften.
Wer waren die Erbauer von Göbekli Tepe?
Besonders bemerkenswert ist, dass Göbekli Tepe offenbar von Menschen errichtet wurde, die noch nicht dauerhaft sesshaft waren und deren Lebensweise überwiegend auf Jagd und Sammeln beruhte. Lange Zeit ging die Forschung davon aus, dass erst die Entwicklung der Landwirtschaft und fester Siedlungen den Bau großer religiöser Bauwerke ermöglichte. Die Entdeckung von Göbekli Tepe stellte diese Vorstellung grundlegend infrage. Viele Forschende vertreten heute die Auffassung, dass gemeinsame religiöse oder kultische Aktivitäten ein wichtiger Antrieb für die Zusammenarbeit großer Menschengruppen gewesen sein könnten und möglicherweise sogar die spätere Sesshaftigkeit und Landwirtschaft förderten. Diese Hypothese wird jedoch weiterhin wissenschaftlich diskutiert.

Ein weiteres Rätsel ist die bewusste Verfüllung der Anlage. Etwa 8000 v. Chr. wurden die steinernen Kreisanlagen mit Erde, Geröll und Tierknochen zugeschüttet. Warum dies geschah, ist bis heute ungeklärt. Die Verfüllung trug jedoch wesentlich dazu bei, dass die Bauwerke über Jahrtausende außergewöhnlich gut erhalten blieben.
Seit dem Jahr 2018 gehört Göbekli Tepe zum UNESCO-Welterbe. Die Fundstätte gilt heute als Schlüssel zur Erforschung der Anfänge komplexer Gesellschaften und religiöser Vorstellungen. Sie hat das Verständnis der frühen Menschheitsgeschichte nachhaltig verändert und liefert bis heute neue Erkenntnisse, da bislang nur ein kleiner Teil des Geländes archäologisch freigelegt wurde.
Ausstellung „Gebaute Gemeinschaft“ in Berlin
Die Sonderausstellung „Gebaute Gemeinschaft. Göbeklitepe, Taş Tepeler und das Leben vor 12.000 Jahren“ wurde vom Vorderasiatisches Museum in Zusammenarbeit mit der Istanbul University und dem Şanlıurfa Archaeology Museum organisiert. Sie war vom 6. Februar bis 19. Juli 2026 in der James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel zu sehen. (Berlin.de)
Im Mittelpunkt der Ausstellung standen die neuesten Forschungsergebnisse zu Göbekli Tepe und den weiteren Fundplätzen der sogenannten Taş-Tepeler-Region im Südosten der Türkei. Während Göbekli Tepe lange Zeit als einzigartiges Heiligtum galt, zeigen neuere Ausgrabungen, dass es Teil einer ganzen Landschaft früher neolithischer Siedlungen und Kultzentren war. Dadurch wird deutlich, dass der Übergang von mobilen Jäger- und Sammlergruppen zu dauerhaft siedelnden Gemeinschaften nicht an einem einzelnen Ort stattfand, sondern das Ergebnis einer umfassenden gesellschaftlichen Entwicklung war. (Berlin.de)

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf monumentalen Steinskulpturen, T-förmigen Kalksteinpfeilern und Reliefs mit Tierdarstellungen, die erstmals außerhalb der Türkei präsentiert wurden. Ergänzt wurden die Originalfunde durch Rekonstruktionen, Modelle, digitale Medien und interaktive Stationen.
Die Bauweise, Symbolik und mögliche Nutzung der Anlagen wird anschaulich dargestellt . Besucherinnen und Besucher konnten nachvollziehen, wie bereits vor rund 12.000 Jahren monumentale Bauwerke entstanden, deren Errichtung eine enge Zusammenarbeit zahlreicher Menschen erforderte. (Berlin.de)
Die Ausstellung verdeutlichte außerdem, dass die Entstehung monumentaler Architektur vermutlich nicht die Folge einer bereits entwickelten Landwirtschaft war. Vielmehr sprechen die aktuellen Forschungsergebnisse dafür, dass gemeinschaftliche Rituale, soziale Organisation und religiöse Vorstellungen bereits vor der Sesshaftigkeit eine zentrale Rolle spielten. Damit greift die Ausstellung eine der wichtigsten Erkenntnisse der modernen Neolithikumsforschung auf. Religion und Gemeinschaft könnten den Übergang zur sesshaften Lebensweise entscheidend mit angestoßen haben. (Berlin.de)
Riesige Monolithen und faszinierende Reliefs
Die T-förmigen Steinstelen von Göbekli Tepe gehören zu den faszinierendsten Kunstwerken der frühen Menschheitsgeschichte. Sie entstanden vor rund 11.500 Jahren, also lange bevor Keramik, Metall oder die ersten Städte existierten. Die bis zu sechs Meter hohen und mehrere Tonnen schweren Kalksteinpfeiler sind mit zahlreichen Reliefs verziert, deren Bedeutung bis heute nicht endgültig entschlüsselt werden konnte. Archäologen können deshalb nur auf Grundlage der Funde und vergleichbarer prähistorischer Kulturen Deutungen vorschlagen.

Die T-Form der Stelen wird heute von den meisten Forschenden als stilisierte menschliche Gestalt verstanden. Besonders deutlich wird dies an einigen der zentralen Pfeiler, auf denen Arme und Hände in flachem Relief dargestellt sind. Die Hände liegen vor dem Bauch, außerdem sind Gürtel und ein Lendenschurz eingemeißelt. Ein Gesicht fehlt dagegen vollständig. Wahrscheinlich sollten die Pfeiler keine konkreten Personen darstellen, sondern übernatürliche Wesen, Ahnen oder Gottheiten. Die monumentalen Zentralpfeiler scheinen dabei eine herausgehobene Rolle gespielt zu haben.
Tierdarstellungen
Die Tierdarstellungen gehören zu den auffälligsten Dekorationen. Zu sehen sind unter anderem Füchse, Wildschweine, Auerochsen, Schlangen, Skorpione, Löwen, Wildesel, Kraniche, Geier, Gazellen sowie zahlreiche weitere Tiere. Bemerkenswert ist, dass kaum domestizierte Tiere erscheinen – fast alle dargestellten Arten waren gefährliche oder wichtige Wildtiere der damaligen Landschaft.
Die einzelnen Tiere könnten unterschiedliche Bedeutungen besessen haben. Schlangen werden häufig mit Gefahr, Tod oder Erneuerung in Verbindung gebracht. Füchse erscheinen besonders häufig und könnten Schutztiere oder Symbole einer bestimmten Gruppe gewesen sein. Skorpione und Raubtiere könnten Bedrohungen dargestellt haben, während Geier möglicherweise auf den Umgang mit den Toten hinweisen. In verschiedenen Kulturen des Vorderen Orients wurden Geier mit Himmelsbestattungen verbunden, bei denen die Körper Verstorbener von Vögeln freigelegt wurden. Ob dies auch für Göbekli Tepe zutrifft, ist jedoch nicht sicher.
Besonders berühmt ist die sogenannte Geierstele (Pfeiler 43). Sie zeigt einen Geier, weitere Vögel, verschiedene Tiere und abstrakte Zeichen. Über ihre Bedeutung wird seit ihrer Entdeckung intensiv diskutiert. Einige Forschende vermuten eine Darstellung eines Mythos oder einer religiösen Erzählung. Andere sehen darin Hinweise auf astronomische Beobachtungen oder Sternbilder. Wieder andere halten die Darstellung für eine Erinnerung an ein besonderes historisches Ereignis. Für keine dieser Deutungen gibt es bislang eindeutige Belege, weshalb sie spekulativ bleiben.
Abstrakte Symbole
Neben den Tieren finden sich zahlreiche abstrakte Symbole. Besonders häufig erscheinen H-förmige Zeichen, Halbmonde, Kreise, Punkte sowie parallele Linien. Ihre Bedeutung ist unbekannt. Manche Archäologen vermuten darin eine frühe Form symbolischer Kommunikation, andere sehen religiöse Zeichen oder Kennzeichen verschiedener Gemeinschaften. Von einer eigentlichen Schrift kann jedoch keine Rede sein, da keine systematische Zeichenfolge erkennbar ist.

Die Reliefs selbst sind erstaunlich kunstvoll gearbeitet. Viele Tiere wirken plastisch und scheinen aus dem Stein hervorzutreten. Einige Darstellungen befinden sich an den Seitenflächen der Stelen und mussten bewusst in die Architektur eingeplant werden. Dies zeigt, dass die Erbauer bereits über außergewöhnliche technische und künstlerische Fähigkeiten verfügten.
Insgesamt gehen viele Wissenschaftler heute davon aus, dass die Stelen eine komplexe religiöse und symbolische Welt widerspiegeln. Wahrscheinlich dienten sie dazu, Mythen, Vorstellungen über die Natur, das Leben und den Tod sowie die Identität der beteiligten Gemeinschaften auszudrücken. Da schriftliche Quellen aus dieser Zeit fehlen, bleiben viele Fragen offen. Gerade diese Mischung aus beeindruckender Handwerkskunst und ungelösten Rätseln macht Göbekli Tepe zu einer der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der Menschheitsgeschichte.
Was war vor Göbekli Tepe?
Die Frage, was vor Göbekli Tepe existierte, beschäftigt Archäologen seit Jahrzehnten. Heute gilt als gesichert, dass Göbekli Tepe nicht plötzlich aus dem Nichts entstand. Vielmehr war die monumentale Kultstätte das Ergebnis einer langen Entwicklung, die sich über viele Jahrtausende erstreckte.
Vor etwa 15.000 bis 12.000 Jahren lebten die Menschen im Gebiet des heutigen Südostanatoliens noch als Jäger und Sammler. Sie errichteten saisonale Lagerplätze, jagten Gazellen, Wildesel und Auerochsen und sammelten Wildgetreide, Nüsse und Hülsenfrüchte. Bereits in dieser Zeit entstanden erste feste Siedlungen, in denen die Menschen über längere Zeiträume zusammenlebten.

Zu den ältesten bekannten Fundplätzen gehört Hallan Çemi. Die etwa 11.500 Jahre alte Siedlung zeigt bereits runde Steinhäuser und Gemeinschaftsgebäude. Hier finden sich Hinweise darauf, dass Menschen regelmäßig zusammenkamen und möglicherweise gemeinsame Rituale abhielten. Die Bewohner hatten Wildschweine teilweise unter Kontrolle, betrieben jedoch noch keine eigentliche Landwirtschaft.
Ein weiterer bedeutender Fundplatz ist Boncuklu Tarla. Die dort entdeckten Gebäude, Kanäle und Schmuckstücke reichen bis etwa 12.000 Jahre vor heute zurück und zeigen, dass sich bereits vor Göbekli Tepe komplexe Gemeinschaften entwickelten. Einige Archäologen vermuten sogar, dass Boncuklu Tarla zeitgleich oder in Teilen älter als Göbekli Tepe sein könnte.
Den eigentlichen Übergang zur monumentalen Bauweise markieren die Fundplätze der sogenannten Taş-Tepeler-Region. Besonders wichtig ist Karahan Tepe. Die Anlage ist etwa gleich alt oder teilweise sogar etwas älter als Göbekli Tepe. Dort fanden Archäologen ebenfalls T-förmige Kalksteinpfeiler, große Versammlungsräume und eindrucksvolle menschliche Skulpturen. Dies deutet darauf hin, dass Göbekli Tepe Teil eines weit größeren kulturellen Netzwerks war.
Weitere frühe Siedlungen wie Çayönü zeigen anschließend, wie sich aus den Jäger- und Sammlergruppen allmählich sesshafte Bauern entwickelten. Hier wurden bereits Getreide angebaut, Schafe und Ziegen domestiziert und rechteckige Häuser errichtet. Die Entwicklung führte schließlich zur sogenannten Jungsteinzeit mit dauerhaften Dörfern.

Heute spricht vieles dafür, dass die monumentalen Heiligtümer nicht die Landwirtschaft hervorbrachten, sondern dass beide Entwicklungen eng miteinander verbunden waren. Große religiöse oder gesellschaftliche Zusammenkünfte könnten den Bedarf an einer sicheren Nahrungsversorgung erhöht haben. Dadurch wurde die Kultivierung von Wildgetreide und später die eigentliche Landwirtschaft gefördert. Diese Sichtweise hat das frühere Bild umgekehrt, nach dem erst Bauern sesshaft wurden und anschließend Tempel errichteten.
Göbekli Tepe war also nicht der Anfang der menschlichen Zivilisation, sondern der spektakulärste Ausdruck einer bereits lange andauernden Entwicklung. Die Menschen verfügten schon vorher über erstaunliche organisatorische Fähigkeiten, komplexe soziale Strukturen und symbolisches Denken. Die Entdeckungen der letzten Jahre zeigen zudem, dass Göbekli Tepe nur eines von zahlreichen Zentren der frühen neolithischen Kultur in der Region Taş Tepeler war.
Fragen über Fragen!
Das wird über die Monolithen und mächtigen Steinskulpturen gesagt. Aber auch solche Skulpturen kommen nich aus dem Nichts und plötzlich sind sie da. In der Ausstellung werden auch zahlreiche Figuren gezeigt, das alles andere als monumental sind. Es gibt viele winzig kleine Statuen.

Allen ist gemeinsam, dass Mensch- und Tierskulpturennur grob zugehauen sind. Warum? Konnten sie es nicht besser oder legten keine besonderen Wert darauf? Die T-Pfeiler sind dagegen präzise ausgearbeitet.
Aber wie sind die Leute auf die Idee gekommen und haben die riesigen T-Pfeiler tief in den Boden getrieben? Gab es vielleicht zuerst Bauten aus Holz? Oder kleinere aus Stein und mehr an der Oberfläche? Hat man in der Gegenwart andere Fundstätten nicht als solche erkannt und sie liegen jetzt vergraben unter Häusern oder Straßen?
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen gesicherten Erkenntnissen und Hypothesen: Dass die T-förmigen Pfeiler menschliche Wesen darstellen und die Reliefs bewusst religiös oder symbolisch gestaltet wurden, gilt als gut begründet. Konkrete Aussagen darüber, welche Gottheiten, Mythen oder Himmelsereignisse dargestellt werden, sind dagegen bislang wissenschaftlich nicht bewiesen.
Schön ist an der Ausstellung, dass auch das tagliche Leben der Menschen von Göbekli Tepe in form von Werkzeugen und Töpfen gezeigt wird.
Mich hat die Ausstellung mit mehr Fragen als Antworten überschüttet. Es war eine gute Idee, die Ausstellung in Berlin zu besuchen, auch wenn ich durch eine kurz zuvor überstandene Krankheit mich völlig übernommen hatte.
Quellen
- Klaus Schmidt: Sie bauten die ersten Tempel. Das rätselhafte Heiligtum der Steinzeitjäger. C.H. Beck, München 2006.
Veröffentlichungen von Necmi Karul und Klaus Schmidt zur präkeramischen Jungsteinzeit und zu Göbekli Tepe.Göbekli Tepe gilt als eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der letzten Jahrzehnte. Die Fundstätte befindet sich etwa 15 Kilometer nordöstlich der türkischen Stadt Şanlıurfa und wurde auf einem Hügel errichtet, dessen Name aus dem Türkischen übersetzt „bauchiger Hügel“ bedeutet. Die monumentale Anlage entstand bereits um 9600 v. Chr. und gehört damit in die Zeit des frühen Neolithikums. - UNESCO-Welterbe Göbekli Tepe
- Deutsches Archäologisches Institut – Göbekli Tepe Projekt
- Staatliche Museen zu Berlin – Ausstellung „Gebaute Gemeinschaft“
- visitBerlin – Ausstellung „Built Community“
- Republic of Türkiye Ministry of Culture and Tourism – Göbeklitepe
Links zu weiteren steinzeitlichen Rätseln
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