Honig wird in China seit mehreren Jahrtausenden genutzt und gehört zu den ältesten bekannten Naturprodukten des Landes. Schon in der Jungsteinzeit sammelten Menschen wilden Honig, der aufgrund seiner Seltenheit als wertvolles Nahrungsmittel galt. Bevor Zucker verfügbar war, stellte er eine der wichtigsten natürlichen Süßungsquellen dar und wurde zugleich wegen seiner heilenden Eigenschaften geschätzt.

Ich habe auf Honig in China wenig geachtet, denn ich mag ihn nicht so gerne. Aber im äussersten Westen fiel er mir direkt auf. Was war das für eine goldgelbe Flüssigkeit, die auf dem Weg zum Sailim-See verkauft wurde? Immer wieder kamen wir an einfachen Verkaufsständen vorbei. Gut, dass ich mit einer Gruppe dort war! Unser Reiseleiter hielt schließlich den Bus an und erklärte uns, dass die Einheimischen ihren Honig verkauften.
Geschichte
Bereits in der frühen chinesischen Hochkultur fand Honig Eingang in die Medizin. In der Traditionellen Chinesischen Medizin, die sich während der Zeit der Streitenden Reiche und der Han-Dynastie systematisierte, wurde er unter der Bezeichnung „蜂蜜 feng mi“ beschrieben. Im klassischen Arzneibuch Shénnóng Běncǎo Jīng wird er als mildes, süßes und ausgleichendes Mittel dargestellt, das den Körper stärkt, entgiftend wirkt und die Lebensenergie harmonisiert. Besonders häufig wurde er zur Behandlung von Husten, zur Förderung der Verdauung und zur Unterstützung der Wundheilung eingesetzt.

蜂蜜 • fēngmì = der (Bienen-) Honig
Mit der Entwicklung der organisierten Imkerei während der Tang- und Song-Dynastie verbreitete sich Honig stärker im Alltag. Er fand zunehmend Verwendung in der Küche, etwa für Süßspeisen, Saucen und Marinaden, aber auch zur Konservierung von Früchten. Gleichzeitig wurde Honig in kosmetischen Anwendungen genutzt, etwa zur Hautpflege. In gebildeten und wohlhabenden Kreisen galt er als edles und gesundheitsförderndes Produkt.
In der Ming- und Qing-Dynastie wurden die medizinischen Anwendungen weiter verfeinert. Honig diente häufig als Trägerstoff für Kräuterpillen und wurde mit wertvollen Heilpflanzen wie Ginseng oder chinesischen Datteln kombiniert. In der medizinischen Theorie wurde er als neutral und den Funktionskreisen von Lunge, Milz und Darm zugeordnet. Obwohl Zucker in dieser Zeit allmählich bekannter wurde, behielt Honig seinen besonderen Status als natürliches und gesundes Süßungsmittel.

Honig ist gut erhältlich und wird sowohl kulinarisch als auch medizinisch (TCM) genutzt.
Häufige Sorten:
- Akazienhonig (洋槐蜜) – sehr hell, mild, einer der beliebtesten
- Litschi-Honig (荔枝蜜) – fruchtig, aromatisch (v. a. Südchina)
- Longan-Honig (龙眼蜜) – kräftiger Geschmack
- Jujuben-Honig (枣花蜜) – süß und malzig
- Wald-/Blütenhonig (百花蜜) – Mischung verschiedener Blüten
👉 In Supermärkten und Apotheken erhältlich; Qualität variiert stark, besonders bei sehr billigem Honig.
Bis in die Gegenwart hinein hat Honig in China seine Bedeutung bewahrt. Heute ist China einer der größten Honigproduzenten der Welt, und er wird sowohl in der traditionellen Medizin als auch in der modernen Lebensmittel- und Kosmetikindustrie verwendet. Die jahrtausendealte Vorstellung von Honig als natürlichem Heilmittel und Symbol für Harmonie, Ausgleich und Langlebigkeit ist dabei bis heute lebendig geblieben.
Traditionelle Alternativen
Malzzucker / Maltose (麦芽糖 màiyátáng)
- Aus gekeimtem Getreide (Reis oder Gerste)
- Dickflüssig, karamellig
- Häufig in Süßigkeiten, Glasuren (z. B. Peking-Ente)
Zuckersirup aus Rohrzucker (糖浆 tángjiāng)
- Aus Zuckerrohr oder Rübenzucker
- Neutral süß, oft industriell
Fruchtzucker / Fruchtsirup
- Litschi-, Dattelsirup (枣糖浆) oder Osmanthus-Sirup (桂花蜜)
(桂花蜜 heißt zwar „Honig“, ist aber oft Sirup!)
Reissirup (米糖浆)
- Mild, weniger süß
- In vegetarischer/buddhistischer Küche beliebt
Brauner Zucker (红糖 hóngtáng)
- Unraffinierter Rohrzucker
- In Getränken und TCM (z. B. für „wärmende“ Wirkung)
Honig in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)
- Honig gilt als befeuchtend, gut für Hals, Lunge und Verdauung
- Häufig in Kräuterrezepturen oder warmem Wasser/Tee
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gilt Honig als ein mildes, nährendes Naturmittel mit vielfältigen Wirkungen. Er wird dem Element Erde zugeordnet, schmeckt süß und wirkt thermisch neutral bis leicht warm. Honig tritt vor allem in die Funktionskreise Lunge, Milz und Dickdarm ein und wird dort sowohl therapeutisch als auch zur Unterstützung von Rezepturen eingesetzt.
Eine zentrale Wirkung von Honig ist das Tonisieren und Befeuchten. Er stärkt das Milz-Qi, fördert die Bildung von Qi und Blut und eignet sich daher besonders bei Erschöpfung, Schwäche oder nach längerer Krankheit. Durch seine befeuchtenden Eigenschaften wird er häufig bei Trockenheit eingesetzt, insbesondere bei trockenem Husten, Reizhusten oder trockenem Stuhl. In der Lunge befeuchtet er Yin und lindert Husten, während er im Dickdarm die Peristaltik unterstützt und Verstopfung bei Trockenheit oder Blutmangel lösen kann.
Darüber hinaus wirkt Honig entgiftend und krampflösend. In der TCM wird er verwendet, um Toxine zu neutralisieren, Schmerzen zu lindern und Spannungen zu lösen, etwa bei Magen- oder Bauchkrämpfen. Eine besondere Bedeutung hat Honig auch in der Kräutermedizin: Durch das sogenannte „Honig-Rösten“ (mì zhì) von Arzneipflanzen werden deren tonisierende und harmonisierende Eigenschaften verstärkt und ihre Verträglichkeit verbessert.
Trotz seiner vielen positiven Wirkungen wird Honig in der TCM mit Bedacht eingesetzt. Bei ausgeprägter Feuchtigkeit, Schleimansammlungen oder bei Hitze-Erkrankungen mit Fülle ist Vorsicht geboten, da der süße Geschmack Feuchtigkeit fördern kann. Insgesamt gilt er jedoch als wertvolles, sanft wirkendes Mittel, das den Körper nährt, harmonisiert und insbesondere bei Mangel- und Trockenheitszuständen eine wichtige Rolle spielt.
Tipp für Reisende
- Achte auf Begriffe wie “纯蜂蜜” (reiner Honig)
- Vorsicht bei sehr günstigen Produkten oder „桂花蜜“ → oft kein echter Honig
Honigbiene
Die Honigbiene spielt in China eine wichtige ökologische, wirtschaftliche und kulturelle Rolle. Neben der aus Europa eingeführten westlichen Honigbiene (Apis mellifera) ist vor allem die heimische östliche Honigbiene (Apis cerana) verbreitet. Letztere ist seit Jahrtausenden in China beheimatet und besonders gut an die lokalen Klimabedingungen angepasst. Sie gilt als widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und kann auch in bergigen oder waldreichen Regionen überleben, liefert jedoch geringere Honigerträge als Apis mellifera, weshalb in der modernen Landwirtschaft häufig die westliche Honigbiene eingesetzt wird.
蜂 • fēng = die Biene
China zählt heute zu den größten Honigproduzenten und -exporteuren der Welt. Honigsorten wie Akazien-, Raps-, Kastanien- oder Longan-Honig stammen häufig aus chinesischer Produktion. Die Imkerei reicht von traditioneller Bienenhaltung in kleinen Dörfern bis hin zu groß angelegten, industriellen Betrieben. Gleichzeitig sind Honigbienen unverzichtbar für die Bestäubung zahlreicher Nutz- und Wildpflanzen. In einigen landwirtschaftlichen Regionen Chinas hat der Rückgang von Bestäubern bereits dazu geführt, dass Obstbäume teilweise von Hand bestäubt werden müssen.
Trotz ihrer Bedeutung stehen die Honigbienen in China vor großen Herausforderungen. Der intensive Einsatz von Pestiziden, der Verlust natürlicher Lebensräume und großflächige Monokulturen setzen den Populationen zu. Hinzu kommen Krankheiten und Parasiten, insbesondere die Varroa-Milbe, die vor allem für Apis mellifera problematisch ist.
In der chinesischen Kultur gilt die Biene traditionell als Symbol für Fleiß, Ordnung und Gemeinschaft. Honig wird zudem seit Jahrhunderten in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet, was die enge Verbindung zwischen Mensch und Honigbiene in China unterstreicht.
Links
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