Wüstenbegrünung und Aufforstung in China

1992 bin ich das erste Mal durch die Taklamakan gefahren. Das bedeutete eine anstrengende und tagelange Reise durch ziemlich eintönige Landschaft. Die Straße führte von Oase zu Oase mit langen Strecken, die von der dort steinien und flachen Wüste geprägt waren. Schon damals gab es erste Zeichen, dass man sich bemühte ,die Wüste zurückzudrängen. Dann las ich von dem ehrgeizigen Projekt der Grünen Mauer in China. Jetzt bin ich fasziniert von dem Gedanken, dass diese Grüne Mauer einen Ring rundum die Taklamakan-Wüste bildet und ein großer Schritt in der Frage der Wüstenbegrünung fertig gestellt wurde.

Die Wüstenbegrünung in China zählt zu den ambitioniertesten Umweltprojekten der Gegenwart. Seit Jahrzehnten kämpft das Land gegen die Ausbreitung von Wüsten, insbesondere in den nördlichen und nordwestlichen Regionen wie der Gobi-Wüste. Ursachen für die fortschreitende Desertifikation sind unter anderem Überweidung, Abholzung, Klimawandel und intensive landwirtschaftliche Nutzung. Die Folgen sind gravierend: Sandstürme bedrohen Städte wie Peking, fruchtbares Land geht verloren, und die Lebensgrundlagen vieler Menschen werden zerstört.

Tianshan - Taklamakan
Pappeln am Rande der Taklamakan Wüste. Im Hintergrund das Tianshan Gebirge

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, startete die chinesische Regierung bereits 1978 eines der größten Aufforstungsprogramme der Welt, bekannt als „Grüne Mauer Chinas“. Ziel dieses langfristig angelegten Projekts ist es, durch das Pflanzen von Milliarden Bäumen eine Art Schutzgürtel gegen die Ausbreitung der Wüsten zu schaffen. Bis zum Jahr 2050 soll sich dieser „grüne Wall“ über tausende Kilometer erstrecken und große Teile Nordchinas stabilisieren.

Beispiel Kubuqi Wüste

Ein besonders bekanntes Beispiel für erfolgreiche Wüstenbegrünung ist die Region um die Kubuqi-Wüste. Dort wurden innovative Methoden eingesetzt, um Sand zu fixieren und Vegetation anzusiedeln. Dazu zählen das Verlegen von Strohgittern zur Stabilisierung des Bodens sowie die gezielte Auswahl trockenresistenter Pflanzenarten. Unternehmen wie Elion Resources Group haben hier gemeinsam mit staatlichen Stellen großflächige Begrünungsprojekte umgesetzt. Inzwischen gilt die Region als Vorzeigemodell: Wo früher Sand dominierte, wachsen heute Sträucher, Gräser und sogar landwirtschaftliche Nutzpflanzen.

Dennoch ist die Wüstenbegrünung nicht frei von Kritik. Expertinnen und Experten bemängeln, dass häufig Monokulturen gepflanzt werden, die anfällig für Krankheiten sind und wenig zur Biodiversität beitragen. Zudem benötigen viele der gepflanzten Bäume erhebliche Mengen Wasser – eine knappe Ressource in ohnehin trockenen Regionen. Einige Projekte scheiterten auch daran, dass die ökologischen Bedingungen vor Ort nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

Trotzdem

Trotz dieser Herausforderungen zeigt sich, dass sich Teile der Wüsten in China tatsächlich zurückbilden. Satellitendaten belegen, dass die Vegetationsfläche in einigen Regionen zugenommen hat. Auch die Intensität von Sandstürmen hat in den letzten Jahren abgenommen. Die Wüstenbegrünung ist damit ein Beispiel dafür, wie staatlich koordinierte Umweltmaßnahmen in großem Maßstab Wirkung zeigen können – wenn sie wissenschaftlich begleitet und langfristig angepasst werden.

Wüstenblume Tamariske in der Taklamakan Wüste.
Wüstenblume

Langfristig wird der Erfolg jedoch davon abhängen, ob es gelingt, ökologische Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Interessen und soziale Bedürfnisse miteinander in Einklang zu bringen. Die Erfahrungen aus China liefern wertvolle Erkenntnisse für andere Länder, die ebenfalls von Desertifikation betroffen sind.

Beispiel Taklamakan-Wüste

Ein besonders eindrückliches Beispiel für extreme Trockenheit ist die Taklamakan-Wüste im Nordwesten von China. Sie gehört zu den trockensten Wüsten der Erde und stellt damit eine enorme Herausforderung für Begrünungsprojekte dar.

In der Taklamakan fallen im Durchschnitt weniger als 50 Millimeter Niederschlag pro Jahr – in manchen Gebieten sogar nur etwa 10–20 Millimeter. Zum Vergleich: In Mitteleuropa sind es oft 600–800 Millimeter jährlich. Regen ist dort also ein äußerst seltenes Ereignis. Statt regelmäßiger Niederschläge kommt es meist nur zu vereinzelten, unregelmäßigen Regenfällen, die manchmal monatelang oder sogar über ein Jahr ganz ausbleiben können.

Die wenigen Niederschläge treten zudem oft in Form kurzer, intensiver Schauer auf, die kaum in den Boden eindringen, sondern schnell verdunsten oder oberflächlich abfließen. Gleichzeitig ist die Verdunstungsrate extrem hoch, was bedeutet, dass selbst vorhandenes Wasser rasch verloren geht.

Für die Wüstenbegrünung bedeutet das:

  • Pflanzen müssen extrem trockenresistent sein (z. B. Tiefwurzler oder salztolerante Arten)
  • Bewässerung ist oft künstlich nötig, etwa durch Tröpfchenbewässerung oder Grundwassernutzung
  • Schutzmaßnahmen wie Sandbarrieren sind entscheidend, damit junge Pflanzen überhaupt überleben

Trotz dieser harschen Bedingungen gibt es entlang von Infrastrukturprojekten – etwa Straßen oder Pipelines – erste Begrünungsansätze. Diese funktionieren jedoch meist nur mit massivem technischem und finanziellem Aufwand.

Wüstenbegrünung

Die Taklamakan zeigt damit sehr deutlich die Grenzen der Wüstenbegrünung: Während in Regionen wie der Kubuqi-Wüste Fortschritte sichtbar sind, bleibt die dauerhafte Begrünung in extrem ariden Gebieten wie der Taklamakan eine der größten ökologischen Herausforderungen.

Die Taklamakan-Wüste gehört zu den lebensfeindlichsten Regionen der Erde – extreme Hitze im Sommer, eisige Kälte im Winter und kaum Wasser. Dennoch haben sich einige bemerkenswerte Tierarten an diese Bedingungen angepasst.

Tiere der Wüste

Zu den bekanntesten Bewohnern zählt das Trampeltier, genauer gesagt das wilde Trampeltier. Es ist perfekt an das Wüstenleben angepasst: Es kann lange ohne Wasser auskommen, speichert Fett in seinen Höckern und verträgt große Temperaturschwankungen.

Ein weiteres faszinierendes Tier ist der Schneeleopard. Obwohl er eher in den umliegenden Gebirgen wie dem Tian Shan lebt, streift er gelegentlich auch in Randgebiete der Wüste. Als geschickter Jäger ernährt er sich von kleineren Säugetieren.

In den wenigen Oasen rund um die Wüste finden sich zudem Vögel und andere Tiere, die auf Wasser angewiesen sind. Dazu gehören Zugvögel sowie kleinere Säugetiere.

Viele dieser Arten sind stark bedroht, da ihr Lebensraum durch Klimawandel, Infrastrukturprojekte und menschliche Nutzung zunehmend eingeschränkt wird. Die Taklamakan-Wüste zeigt damit nicht nur extreme Bedingungen, sondern auch, wie anpassungsfähig Leben sein kann – selbst dort, wo es auf den ersten Blick unmöglich erscheint.

Zentrale Erfolge und Meilensteine

  • Vollständige Umkreisung: Nach über 40 Jahren Arbeit von rund 600.000 Menschen wurde der grüne Ring um die Taklamakan Ende 2024 geschlossen.
  • Vom CO₂-Emittenten zum Absorber: Neuere Studien von April 2026 zeigen, dass die Wüste durch die massive Vegetation nun mehr Kohlendioxid aufnimmt als sie abgibt – jährlich etwa 8,3 Millionen Tonnen CO₂.
  • Infrastrukturschutz: Ein 436 km langer Schutzgürtel bewahrt den Tarim Desert Highway vor der Verschüttung durch Wanderdünen.

Methoden und Technologien zur Wüstenbegrünung

Um in der extremen Trockenheit zu überleben, setzt China auf spezialisierte Techniken:

  • Sandfixierung: Einsatz von Stroh-Schachbrettmustern und Netzen, um den Sand am Boden zu halten, bevor gepflanzt wird.
  • Spezialpflanzen: Verwendung von trockenheitsresistenten Hybridpflanzen wie Haloxylon und Tamarix, die in Laboren für diese Bedingungen optimiert wurden.
  • Tropfbewässerung: Ein ausgeklügeltes System aus Rohren leitet das (oft salzhaltige) Grundwasser direkt an die Wurzeln, um Wasserverluste zu minimieren.
  • Solar-Integration: Die Bewässerungspumpen entlang der Wüstenstraßen werden zunehmend mit Solarenergie betrieben, was den Highway zu einer „Null-Kohlenstoff-Straße“ macht.

Ausblick bis 2025/2026

Für das Jahr 2025 plant die Region Xinjiang, die Aufforstung auf weitere 796.000 Hektar auszuweiten, wobei der Fokus auf der Verstärkung der vordersten Kontrolllinien in der Taklamakan liegt. Das übergeordnete Ziel des nationalen Programms ist die Schaffung von 35 Millionen Hektar neuem Wald bis zum Jahr 2050.

Das Karez-System

Das sogenannte Karez-System ist eine der beeindruckendsten traditionellen Bewässerungstechniken Chinas und spielt insbesondere in der trockenen Region Turpan-Becken eine zentrale Rolle. Dieses ausgeklügelte System wurde vor über 2.000 Jahren entwickelt, um Wasser aus den umliegenden Gebirgen in die extrem ariden Oasen zu leiten, ohne dass es auf dem Weg durch Verdunstung verloren geht.

Karez bei Turfan
Karez

Das Karez-System besteht aus einem Netzwerk unterirdischer Kanäle, senkrechter Schächte und oberirdischer Wasserläufe. Schmelzwasser aus den Bergen, insbesondere aus dem Tian Shan, wird dabei über leicht geneigte Tunnel in die tiefer gelegenen Siedlungen transportiert. Die vertikalen Schächte dienen sowohl der Belüftung als auch der Wartung des Systems. Diese Bauweise schützt das Wasser vor der intensiven Sonneneinstrahlung und reduziert die Verdunstung erheblich – ein entscheidender Vorteil in einer Region, in der Wasser eine äußerst knappe Ressource ist.

Historisch gesehen war das Karez-System die Grundlage für die landwirtschaftliche Entwicklung der Region. Es ermöglichte den Anbau von Obst, insbesondere Trauben, für die Turpan bis heute bekannt ist. Ohne dieses System wäre eine dauerhafte Besiedlung in dieser Wüstenlandschaft kaum möglich gewesen. Darüber hinaus gilt das Karez-System als technisches und kulturelles Erbe, das den Einfallsreichtum früherer Generationen widerspiegelt.

Heute sind viele dieser Anlagen jedoch bedroht. Durch moderne Wasserentnahme, sinkende Grundwasserspiegel und mangelnde Pflege trocknen zahlreiche Karez-Kanäle aus. Dennoch gibt es Bemühungen, dieses einzigartige System zu erhalten, da es nicht nur historisch bedeutsam ist, sondern auch als nachhaltiges Modell für Wassermanagement in trockenen Regionen dienen kann.

Erfolge der Wüstenbegrünung

Um die Pflanzen in der extrem trockenen Umgebung wachsen zu lassen, nutzt man verschiedene Techniken. Dazu gehören zum Beispiel Tröpfchenbewässerungssysteme, die Wasser sehr sparsam direkt an die Wurzeln der Pflanzen leiten. Teilweise wird auch Grundwasser genutzt oder Wasser aus nahegelegenen Flüssen herangeführt. Außerdem werden Sandbarrieren aus Stroh oder Holz gebaut, um junge Pflanzen vor starken Winden zu schützen.

Das Projekt hat bereits einige Erfolge gezeigt. In vielen Gebieten wurde die Ausbreitung der Wüste verlangsamt, und die Vegetation hat zugenommen. Dadurch können auch mehr Kohlendioxid gebunden und lokale Ökosysteme stabilisiert werden. Gleichzeitig gibt es jedoch Kritik von Wissenschaftlern. Einige der gepflanzten Bäume sterben wegen Wassermangels, und die Bewässerung kann die ohnehin knappen Wasserressourcen zusätzlich belasten. Deshalb versucht man inzwischen stärker, einheimische und besonders trockentolerante Pflanzen zu nutzen.

Turfan 2007 Wüstenbegrünung

Insgesamt gilt die Wiederaufforstung rund um die Taklamakan als ein bedeutendes Beispiel dafür, wie Menschen versuchen, Wüstenbildung zu bekämpfen und geschädigte Landschaften wieder zu begrünen.

Quellen (Auswahl):

  • Cao, Shixiong et al. (2011): „China’s Largest Environmental Restoration Program“ (Fachartikel)
  • United Nations Convention to Combat Desertification – Berichte zur globalen Desertifikation
  • NASA – Satellitendaten zur Vegetationsentwicklung in China
  • World Bank – Analysen zu Umwelt- und Aufforstungsprojekten in China
  • China Daily – Berichterstattung über nationale Umweltprogramme

Links

Dorf bei Gaochang

Ulrike

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