Der alte Bunker am Gojenboom

Zuletzt aktualisiert vor 4 Wochen

Der alte Bunker am Gojenboom in Hamburg Horn

April 2022: Von dem Bunker ist nichts mehr übrig. Eine Geschichte der Erinnerung.

Der Bunker am Gojenboom ist nicht mehr, An seiner Stelle ich jetzt eine Baustelle.
An dieser Stelle hat einmal der Bunker gestanden

Update Februar 2021: Der Abriss des Bunkers am Gojenboom ist in vollem Gange! Dies geschieht im Zusammenhang mit dem Ausbau der U4. Zwei neue Haltestellen „Stoltenstraße“ und „Horner Geest“ und ein Anschluss an die „Horner Rennbahn“ sind geplant. Die neue Strecke soll bis 2026 fertiggestellt werden.

Bunker am Gojenboom
Der Bunker am 06.02.2021

Ob jetzt nur der runde Einstieg abgerissen wird und wieweit die unterirdischen Teile betroffen sind, konnte ich bislang noch nicht herausfinden.

Foto von der Baustelle Manshardtstraße,
Foto von der Baustelle Manshardtstraße,

Die Challenge „Abandoned“

Bunker am Gojenboom

Der ursprüngliche Artikel

Diese Weekly Photo .Challenge* „Abandoned = Verlassen, aufgegeben“ war wirklich eine große Herausforderung. Bis mir die zahlreichen verlassenen Städte am Rande der Taklamakan-Wüste einfielen. Weitere Ideen gesellten sich dazu: Irland ist das Land der verlassenen, aufgegebenen Kirchen und Orte. Auch da hatte ich genügend Fotos.

Bunker am Gojenboom in Horn

Doch schon seit einiger Zeit hatte ich überlegt, dass dringend mal wieder ein Beitrag über Hamburg-Horn fällig war. Dabei dachte ich bei „Abandoned“ jetzt an den alten Rundbunker, der gleich an der U-Bahn-Haltestelle Horner Rennbahn, Ausgang Am Gojenboom, steht. Unter Bäumen, vergessen, aufgegeben.

Bunker am Gojenboom

Ein Foto, aufgenommen im Sommer 2008, hatte ich auch. Trotzdem machte ich mich heute morgen auf, um noch weitere Fotos zu machen, Details, die vielleicht mehr über Sinn und Zweck der Anlage aussagen.

Außer dem Relief mit der Jahreszahl 1941 fand ich nicht viel. Weitere Recherchen im Internet ergaben, dass es sich bei diesem Bunker am Gojenboom um den Einstieg eines Röhrenbunkers handelt, der zum Schutz der Bevölkerung erbaut wurde. Es gab im Bunker am Gojenboom Platz für 50 bis 100 Personen. Nicht gerade viel. Ganz in der Nähe gibt es übrigens einen solchen Bunker, den man besichtigen kann: Hamm Bunkermuseum

In Hamburg gab es im 2. Weltkrieg rund 700 Bunker, die unterschiedlichste Bestimmungen und Formen hatten: Wikipedia: Bunker in Hamburg

Am Gojenboom

29. Mai 1760: Erstmalige Erwähnung der Vogelstange, im norddeutschen Raum oft Papagoyenboom genannt, als sich Bauernvogt Jacob Bostelmann und Konsorten zum Landherren begaben, um die Erlaubnis zum Vogelschießen einzuholen. Wegen Schadhaftigkeit der Stange war seit 1751 nicht mehr geschossen worden. 

Demnach wissen wir, dass dieser Brauch in Horn schon seit langem bestand. Die Wandsbecker Schützengilde beispielsweise wurde 1637 gegründet, die Harburger Schützen blicken sogar auf das Jahr 1528 zurück, und ältester Verein der Welt ist die Oldenburger „St. Johannis Toten- und Schützengilde von 1192.“ Mit dem Schießen durfte erst am Sonntag nach Trinitatis und nach Beendigung des nachmittäglichen Gottesdienstes begonnen werden, anno 1760 also am 8. Juni.

Vogel und Schilde verwahrte die Witwe de Hertoghe in ihrem Haus.Über das Vogelschießen heißt es in einem Bericht: Man errichtete eine hohe Stange, an der Tritte angebracht waren, um hinaufsteigen zu können. An einem mächtigen Haken war oben ein großer hölzerner Papagei befestigt, über dem sich ein viereckiger leinener Schirm befand, um die Geschosse aufzufangen. Mit einer großen Armbrust, die an einem Gerüst vor der Stange befestigt und höher oder niedriger zu schrauben war, schoss man nach dem Ziel. Die Spannung geschah mit einem klauenartigen Haken, der durch eine am Gerüst befindliche Winde angezogen wurde. Die Geschosse bestanden aus Bolzen von Holz und Blei und flogen mit großer Kraft gegen den Vogel.

Die heutigen Straßennamen „Am Gojenboom“, „Bei den Zelten“ und „Sebastiangasse“ (Patron der Schützen) erinnern an dieses einst so beliebte Volksvergnügen.“

So steht es auf der Seite der Horner Chronik.

*Der Artikel entstand ursprünglich als Beitrag zur Weekly Photo Challenge, die es aber leider nicht mehr gibt.

Links

Der Artikel stammt von 2014

3 Kommentare

  • BambooBlog

    Ja, ich verstehe. Aus den gleichen Gründen war mir auch Irland in den Sinn gekommen.
    Danke für den Kommentar!

  • Eine Lebensart, die verloren gegangen ist bzw. verloren geht, wollte ich sagen 😉

  • Sehr interessante Idee. Mir fallen zu Abandoned erst einmal die ganzen Mauerreste in Schottland ein, die auf verlassene Kleinbauernhöfe (Crofts) hinweisen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden massenhaft Kleinbauern aus den schottischen Highlands vertrieben, sodass die Einwohnerzahl massiv abnahm und die Highlands heute viel einsamer sind als früher. Eine sehr traurige Geschichte, die diese verbliebenen Grundmauern erzählen.
    Außerdem fällt mir noch eine verlassene Alm auf einem Wanderweg im Tannheimertal ein, den ich immer gehe. Auch dort sieht man nur noch die Grundmauern.
    Ich finde beide Fälle recht traurig, weil sie nicht nur für einen verlassenen Hof stehen, sondern auch für eine Lebensart.

Ich freue mich auf Deinen Kommentar!