Internationaler Frauentag

08.03. Der Internationale Frauentag – gefeiert und doch mit einem kleinen Beigeschmack. Warum gibt es immer noch so viel Ungerechtigkeit? Warum müssen wir immer noch betonen, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind?

Frauen der Minderheit der Naxi. Internationaler Frauentag.
Naxi-Frauen in Tracht.

Warum ich dies Bild für den Internationalen Frauentag gewählt habe.

Das Bild zeigt zwei Frauen der Naxi in tradioneller Kleidung in Yunnan. Die Naxi waren matriarchalisch organisiert und sind noch heute sehr selbstbewusst.

Der Internationale Frauentag

Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen. Erstmals fand der Frauentag am 19. März 1911 statt. 1921 wurde sein Datum durch einen Beschluss der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen in Moskau endgültig auf den 8. März gelegt.

Dieses Datum wählten auch die Vereinten Nationen (UN) im Internationalen Jahr der Frau 1975 zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ und richteten dazu erstmals am 8. März 1975 eine Feier aus. Mitte 1975 wurde dann in Mexiko-Stadt die erste UN-Weltfrauenkonferenz abgehalten und es folgte die „UN-Dekade der Frau“ (1976–1985).

Wikipedia

1975 also.

Der Internationale Frauentag und ich

Irgendwann Anfang der 1980ern habe ich erfahren, dass es diesen Tag der Frau gibt. Ich wurde von eine Freundin zum Frauenfrühstück in der Baptischen Gemeinde in Hannover eingeladen. Das war nett und interessant. Aber irgendwie auch merkwürdig.

Ich bin in den 60ern aufgewachsen, mit dem Bild einer damals noch typischen Familie: Vater arbeitet und Mutter kümmerte sich als Hausfrau um Kinder und Haushalt. Auch ich wäre am liebsten Hausfrau und Mutter geworden. Allerdings ohne auch nur einen Moment daran zu zweifeln, dass ich genausoviel Rechte und Freiheiten hatte wie Jungs in meiner Umgebung.

Mit viel Staunen habe ich viel später gelernt, dass Frauen erst mit dem Gleichberechtigungsgesetz 1958 den Führerschein ohne explizierte Zustimmung ihre Mannes oder Vaters machen durften.

Auch dass eine Frau arbeiten durfte, wenn sie wollte, was bis 1958 nicht selbstverständlich. Aber: Noch bis 1977 durfte eine Frau in Westdeutschland nur dann berufstätig sein, wenn das „mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar“ war. Aufgaben im Haushalt und in der Kindererziehung waren also klar der Frau zugeordnet.

Erst 1977 trat das erste Gesetz zur Reform des Ehe- und Familienrechts in Kraft. Demzufolge gab es keine gesetzlich vorgeschriebene Aufgabenteilung in der Ehe mehr.

Ich habe immer gemacht, was ich wollte. Als ich mit 30 Jahren feststellte, dass das Dasein als Mutter und Hausfrau nicht vorgesehen war, konzentrierte ich mich aufs Reisen.

Meine Freunde kamen nicht immer damit zurecht, dass ich einen eigenen Willen hatte. Dann eben nicht! Ich dagegen hatte keine Lust, bei manchen Jungs die Ersatzmutter zu spielen. Mit meinem Mann hatte ich dann einen Glücksgriff getan. Wir waren Partner auf Augenhöhe. Leider ist er viel zu früh verstorben.

Ich habe mich nicht darum gekümmert, ob Frauen das gleiche verdienen oder einen Vorstandsposten bekommen. Da sollten die Frauen, die das wollten, sich selbst drum kümmern.

Begegnungen mit der Emanzipation auf Reisen

Unterwegs wurde mir bewusst, wie privilegiert ich war, dass ich in Deutschland lebte. Dass ich all diese Freiheiten hatte.

Manches regte mich zur Rebellion auf und an. So lange man nicht als westliche Frau nach Saudi Arabien durfte, hatte ich den Wunsch dazu. Jetzt kann man, jetzt will ich nicht mehr.

Ich war immer der Meinung, dass die Frauen sich selbst emanzipieren sollten. Doch unterwegs lernte ich schnell, dass die Frauen in manchen Ländern dabei Hilfe benötigen.

Polizisten beobachten die Veranstaltung
Soldaten bei einer Veranstaltung zum Internationalen Frauentag in New Delhi

Ganz konkret wurde ich damit konfrontiert, wie nachlässig Frauen behandelt wurden. Die weinende Frau auf einer Polizeistation in Indien, die Mutter von drei kleinen Kindern, die im Zug (indien) stehen sollte (bis ich ihr meinen Sitzplatz anbot) usw. Vielleicht nichts wildes aber genug, um mich wachzurütteln.

In Peking teilte ich mein Zimmer mit einer Australierin, die sich für emanzipiert hielt. Doch sie verhielt sich unterwürfig, wenn ein Mann dazu kam. Sie hielt es für unmöglich, wenn ich im Studentenheim für Frauen in Slip und T-Shirt aufs Klo ging. Es könnte ja ein Mann sehen.

Sie unterstützte es auch, dass ich abends nicht alleine von Freunden auf dem Gelände nach Hause ging. Dagegen wehrte ich mich. Schließlich waren es nur ein paar Hundert Meter durch beleuchtete Wege.

Das sind alles keine großen Sachen, aber damit fängt es an.

Es gibt viele Beispiele und Themen, die ich hier anführen könnte.

Fazit

Wir haben in Deutschland Zeit, uns um so „wichtige“ Fragen wie das Gendern zu kümmern, während in anderen Ländern Frauen wirklich unterdrückt werden. Abhängig sein vom Mann, nicht in die Schule gehen dürfen oder sogar schlechteres Essen zu sich nehmen: Das und noch viel mehr ist das Schicksal vieler Frauen. Und das nicht nur in fernen Ländern!

Deshalb ist es so wichtig, dass wir nicht nur am Internationale Frauentag an die Frauen denken, die Mao Zedong einst „die Hälfte vom Himmel“ nannte.

Mit ein paar Blümchen und netten Worten ist es nicht getan. Trotzdem habe ich sehr gefreut, als mir mein gehörloser Azubi damals zum Internationalen Frauentag seine Glückwünsche übermittelte.

Durch unser Reisen als Frau, nicht nur alleine, bringen wir unsere Ideen von Gleichberechtigung in die Welt. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass auch in Deutschland noch viel Luft nach oben ist.

Wir könnten so viel ändern, wenn wir wollten! Das fängt schon bei der Erziehung der Söhne an. Woher haben die Männer denn die Idee, dass sie den Frauen überlegen sind?! Wenn das die Mütter nicht durch ihr Vorbild und ihren Einfluss den kleinen Jungen schon suggerieren, dass sie, die männlichen Nachkommen, die Herren im Haus sind gleich nach dem Vater, würde dann nicht auch Ideen der Emanzipation bei ihnen ankommen?

Warum sagen Frauen nicht mit Nachdruck, dass es ein NoGo für den Jungen ist, sich von der Schwester bedienen zu lassen, oder sie herum zu kommandieren?

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