Frauen in der Verbotenen Stadt – Leben zwischen Langeweile und Prunk

Zuletzt aktualisiert vor 3 Wochen

Der geheimnisvollste und abgeschlossenste Teil des Kaiserpalastes waren die Paläste der Kaiserin und der Konkubinen. Im Inneren Hof lebten zeitweise bis zu 9000 Frauen.

Frauen, einsames Leben in der Verbotenen Stadt

Manch ein Kaiser hatte mehrere Kaiserinnen und viele Konkubinen, die einer strengen Rangordnung unterlagen. Hinzu kamen zahlreiche Dienerinnen. Auch die Kinder des Kaisers  lebten mit ihren Ammen und Betreuerinnen im Inneren Palast.

Ein ödes Leben

Alle führten ein äußerst zurückgezogenes Leben. Es war z.B. den Konkubinen nach dem Einzug in den Palast nur noch ein einziges Mal erlaubt, ihre Eltern zu besuchen. Weite Teile des Palastes waren auch ihnen verboten.

Es gab einige Möglichkeiten, sich die Zeit am Hof zu vertreiben, denn es gab eigene Opernhäuser und Theaterbühnen, kleine Tempel und ruhige Gärten. Die Damen widmeten sich ihrer Schönheit und bereiteten manchmal sogar selbst ihre Kosmetika zu, wie u.a. ein Rouge aus lange gepressten Rosenblättern. Manche malten, stickten oder schrieben Gedichte.Im Palast der Frauen

Die meiste Zeit aber wurde mit Kartenspielen und Klatsch und Tratsch verbracht. Höhepunkte im Jahr waren Feierlichkeiten und der Umzug zum Sommerpalast, wo man für einige Monate die Sommerfrische genießen konnte. Trotzdem: Die meiste Zeit verbrachten sie in nicht enden wollender Langeweile.

Viele Frauen hatten Schoßhündchen (Pekinesen). Deren Anzahl hing von dem Rang ab. Es gab spezielle Diener, die sich nur um die Hunde kümmerten.

Hundeliebe in China Pekinese

Pekinese

Makeup der Frauen

Make-up im kaiserlichen China
Viele Stunden am Tag widmeten die Frauen in der Verbotenen Stadt ihrer Schönheitspflege und brachten ihr Make-up zur Perfektion.

Peking Oper

In der Peking Oper lebt das kaiserliche Make-up weiter.

Gesichtspuder: Bekannt und nachgewiesen seit der Frühlings- und Herbst-Periode (770-476 v. Chr.). Es wurde zunächst aus feinem Reis-Mehl hergestellt. Manchmal wurde auch Blei genommen. Obwohl das sehr giftig war, nahm man das Risiko einer Vergiftung auf sich, weil es ein reines und leuchtendes Weiß ergab.

Rouge: Rouge soll es sogar schon 1.000 Jahre früher gegeben haben. Die Farben wurden vor allem aus roten und blauen Blüten hergestellt. Diese wurden häufig mit dem o.g. Puder vermischt.

Augenbrauen: Die richtige Form der Augenbrauen war äußerst wichtig. Diese änderte sich immer wieder über die Jahrhunderte. Die richtige Form und Farbe konnte über Heiratsaussichten und das weitere Wohlergehen entscheiden.

Strenge Hierarchie unter den Frauen des Kaisers

Die Frauen in der Verbotenen Stadt unterlagen einer sehr strengen Hierarchie. Bis ins Kleinste war der Alltag geregelt. Kleidung und Schlafplatz hingen ganz und gar von dem Rang der Frau ab. Wichtig war für viele Frauen der Verbotenen Stadt auch das Essen: Je höher ihr Rang, desto mehr und besseres Essen gab es für sie.

Kaiserinnen Krone

Kaiserinnen-Krone

Eigene Zimmer, Privatsphäre? Das gab es für die Frauen der Verbotenen Stadt nicht. Die Frauen des Kaisers, seine Mutter und die Witwen vorangegangener Kaiser hatten eine Sonderstellung und ein bisschen mehr Platz. Überall gab es auch ein Plätzchen für die zahlreichen Hofdamen, Dienerinnen und Eunuchen.

Starb der Kaiser, mussten sie ihr Leben neu ordnen. Sie bekamen spezielle Paläste in der Verbotenen Stadt zugewiesen.

Erotische Abenteuer?

Trotzdem gab es Möglichkeiten für erotische Abenteuer und auch ernsthafte Beziehungen. Es soll sogar sexuelle Beziehungen zu den Eunuchen gegeben haben. Durch die Abgeschlossenheit wurde viel in diese Beziehungen hinein geheimnist und es gibt seit alten Zeiten zahlreiche erotische Erzählungen aus dem Kaiserpalast.
Frauen in der Verbotenen Stadt lebten sehr zurückgezogen

Die viele freie Zeit und auch die strenge Hierarchie führten zu zahlreichen Intrigen. Ziel jeder Konkubine war es, möglichst häufig vom Kaiser für die Nacht ausgewählt zu werden. So stieg die Chance, den ersehnten Sohn dem Kaiser zu schenken und damit in die höchsten Ränge aufzusteigen.

Einer Legende zufolge suchte sich der Kaiser jeden Abend für seine Schäferstündchen etliche Frauen mittels einer Namensliste aus, die auf Jadestein gemeißelt war. Die Auserwählte wurde dann an den Füßen gefesselt und wie ein Geschenk in gelben Tüll gehüllt und dem Kaiser zu Füßen gelegt. Damit spätere Nachfahren auch identifiziert werden konnten, notierten Diener akribisch Datum und Uhrzeit des Beischlafs.

Übrigens: Fiel eine Kaiserin oder Konkubine in Ungnade und der Kaiser wollte sie nicht mehr sehen, wurden die betroffenen Frauen in kleine Wohnungen in abgelegenen Ecken des Kaiserpalastes verbannt.

Geschichten und Schicksale

Ein trauriges Schicksal erfuhr die Konkubine Zhen, die zur Zeit von Kaiserinwitwe Cixi Favoritin von Kaiser Guangxu (1871 – 1908) war. mehr

Interessante Eindrücke vom Leben der Frauen in der Verbotenen Stadt zum Ende der Qing-Dynastie bietet diese Geschichte:

Two Years in the Forbidden City
by the Princess Der Ling
First Lady in Waiting
to the Empress Dowager

Auch interessant: Das Leben der Kaiserinwitwe Cixi

Manch eine Frau am Kaiserhof machte erstaunliche Karriere:

Wu Zetian stieg im 7. Jahrhundert auf zur einzigen regierenden Kaiserin.

Fu Hao spielte eine große Rolle am Hof des Königs Wu Ding (ca. 1325 bis 1266 v. Chr.) der Shang-Dynastie von China.

Shangguan Wan’er (663-710) lebte am Hof von Kaiserin Wu Zetian und wurde als Politikerin und Dichterin geschätzt. Sie war Konkubine des Kaisers Zhongzong.

Links

Eine Chance, als Konkubine am Kaiserhof zu leben, hatten eigentlich nur die jungen Mädchen aus adligem Haus, deren Füße schon früh gebunden wurden. Kleine Füße waren ein Schönheitsideal vor allem während der Qing- und der Ming-Dynastie. Die Lotosfüße.

Schuh einer kaiserlichen Dame

Stiefelchen

Tempel in der Verbotenen Stadt

Tibetischer Tempel in der Verbotenen Stadt

Ulrike

6 Kommentare

  • bambooblog

    🙂 Kein Problem!

  • bambooblog

    Oh, dann bin ich mal gespannt! 🙂

  • Das Leben der Kaiserinwitwe Xi hab ich auf dem Wunschzettel 🙂

  • bambooblog

    Danke! Ich mag mich gerne mit Frauen-Geschichten befassen. Es gab auch in der Verbotenen Stadt Frauen, die “Karriere” machten und aus der gelangweilten Masse heraus stachen. Es ist nur schwierig, diese Geschichten zu finden

  • Auch dieser Teil der Geschichte zeigt, wie die Welt (Mann) über Frauen dachte und noch immer denkt. Gebärmaschinen und Objekte zur Befriedigung männlicher Lust. Leider sehen das selbst Frauen – auch Lesben – oft anders, da sie quasi anders konditioniert worden sind.
    Aber wie immer ein wirklich interessanter Eintrag, den ich gern gelesen habe.

Ich freue mich auf Deinen Kommentar!