Lotusfüße

Lotusfüße: Die qualvolle Geschichte eines chinesischen Schönheitsideals

Als Lotus- (auch Lotos-Füße) oder Lilienfüße (chinesisch 纏足, Pinyin chánzú) bezeichnete man die Füße der Frauen im kaiserlichen China, die durch extremes Einbinden und Knochenbrechen zugunsten eines etwa tausend Jahre lang anhaltenden Schönheitsideals deformiert wurden. Allerdings wurde lange Wert darauf gelegt, dass die Frauen trotz ihrer gebundenen Füße noch laufen konnten.

Lotusfüße – die Legende

Einst lebte im China des 10. Jahrhunderts die Tänzerin Yao Niang. Sie hatte Füße, die so klein waren, dass die Männer ganz hingerissen von ihrer Schönheit waren. Sie wurde die Konkubine des Königs Li Houzhou (937 – 978), der damals in Kaifeng lebte, der Hauptstadt einer Dynastie, die man die südliche Tang nannte.

Obwohl die Tänzerin ihre Füße eng bandagierte, konnte sie doch tanzen. Li Houzhou baute ihr der Legende nach eine kleine Bühne in Form einer Lotosblüte aus Gold, Edelsteinen und Seide. Auf dieser tanzte sie mit kleinen Schritten und ihren gebundenen Füßen. Ihre Schönheit und ihre kleinen Füße wurden sehr bewundert. So schaffte sie die Grundlage für eine Mode, die sich weit verbreitete und zu immer enger gebundenen Füßen führte, die euphemistisch als Lotusfüße (bzw. Lotosfüße) bezeichnet werden.

Schuhe für die Lotosfüße

Schuhe

Das chinesische Aschenputtel

In der Tang-Dynastie (618 – 907) wurde von dem chinesischen Gelehrten Duan Chengshi 段成式 (803-863) im heutigen Shandong eine Geschichte aufgeschrieben, die dem Märchen vom Aschenputtel verblüffend ähnelt.

Es handelt von einem Mädchen, das misshandelt und verachtet von der Stiefmutter zu einer Schönheit heranwächst.

Die Fee ist in dieser Geschichte ein Fisch, der hilft und sie mit allem ausstattet, was sie braucht, um zu einem Fest zu gehen. Der Fisch ist in China ein bekanntes Symbol für Glück und Reichtum.

Auf dem Fest begeistert sich der König für die Schönheit. Doch als sie von ihrer Stiefmutter erkannt wird, flieht sie und verliert ihren Schuh. Der König sucht mit dem Schuh nach ihr. Doch kein Fuß passt in den winzigen Schuh. Bis er endlich das Mädchen trifft.

Die Geschichte macht deutlich, welch einen hohen Stellenwert die kleinen Lotosfüße schon damals in China hatten.

Interessant ist auch, dass manche heutige Literaturwissenschaftler meinen, dass diese Geschichte, die in Europa erst im 16. Jh. aufgeschrieben wurde, das Märchen vom Aschenputtel inspiriert hat. Kulturaustausch über die Seidenstraße?

Von der Song-Dynastie (Die „Nördliche regierte 960–1126 in Kaifeng, die „Südliche“ Sòng 1126–1279 in Hangzhou) an, war es üblich, den kleinen Mädchen die Füße zu binden. Man rechnete sich durch die Lotusfüße bessere Chancen für die Töchter auf eine gute Heirat aus.

Außerdem galt der Gang der Frauen, die sich wegen der verkrüppelten Füße nur mühsam fortbewegten und dabei angestrengt mit den Hüften wackelten, als sexy.

Natürlich verzichtete man auf dem Land nach Möglichkeit auf das Füße Binden, da nur Frauen mit normal großen Füßen in der Lage waren, auf dem Feld und bei der Arbeit zu helfen. Während der letzten, der Mandschu-Dynastie Qing, erlies man in China ein Verbot der Lotusfüße. Das setzte sich lange Zeit nicht durch.

Li Yu:   Die vollkommene Frau (1671):

Was sind die Übel des zu kleinen Fußes? Wenn sich eine Frau wegen ihrer zu kleinen Füße nur schwer bewegen kann und sich immer an Wänden und Mauern stützen muss, so geht das ja nur sie allein an. Wenn aber die Füße wegen der Bindung der Zehen schmutzig bleiben und die anderen sich die Nase zu kneifen und die Augenbrauen runzeln müssen, so geht das auch die Mitmenschen an.

Und was sind die guten Seiten des kleinen Fußes? Die kleinen Füße sind so schlank, dass man sie beinahe nicht sieht. Je mehr man sie ansieht, desto mehr Rührung überkommt einen: das ist ihr Nutzen bei Tage. Sie sind so zart, als hätten sie keine Knochen, und je mehr man sie liebkost, desto lieber streichelt man sie: das ist ihr Nutzen bei Nacht. …

Der Schöpfer hat doch den Menschen die Füße gegeben, damit sie gehen können. Früher sagte man von einem schönen Mädchen „aus jedem ihrer Schritte wachsen Lotosblumen“, oder „jeder ihrer Schritte ist wie Jade“ und drückte damit aus, dass ihre Füße zwar klein waren, aber dass sie doch laufen konnten. Und zwar war ihr Gang schön, und darum wurden sie so bewundert und geschätzt.

Sind aber die Füße so klein, dass sie nicht damit laufen können, so sind solche Frauen ja genauso wie jemand, dem man die Beine abgehackt hat. Darum darf es also diese Nachteile der zu kleinen Füße nicht geben.

Schuhe für die Lotusfüße

Schuhe

Wie wichtig für viele Frauen die gebundenen Füße waren, welche Ideale sie selbst damit verbanden, liest man sehr gut in

Pearl S. Buck: Ostwind Westwind (1927)

Als der Gatte von seiner traditionell erzogenen Frau verlangt, dass sie ihre Lotosfüße aufbindet, reagiert die Erzählerin des Buches entsetzt:

Ich jedoch zog die Füße rasch unter den Sessel. Ich war entsetzt über seine Worte. Nicht schön? Immer war ich auf meine winzigen Füße stolz gewesen! Während meiner ganzen Kindheit hatte meine Mutter persönlich das Aufweichen im heißen Wasser und das jeden Tag fester werdende Wickeln des Verbandes beaufsichtigt, und wenn ich vor Schmerz weinte, erinnerte sie mich daran, dass eines Tages mein Gatte die Schönheit dieser Füße preisen werde.

Ich neigte nun den Kopf, um meine Tränen zu verbergen. Ich dachte an alle jene unruhigen Nächte und an die Tage, da ich nicht essen konnte und kein Verlangen hatte zu spielen, an die Stunden, da ich auf der Kante meines Bettes saß und meine armen Füße schwingen ließ, um ihnen die Last des Blutes zu erleichtern. Und jetzt, nachdem ich das alles erduldet und der Schmerz auch seit einem kurzen Jahr aufgehört hatte, musste ich erfahren, dass mein Gatte sie für hässlich hielt! “Ich kann nicht“, sagte ich mit erstickter Stimme. Ich stand auf und verließ, unfähig, meine Tränen zurückzuhalten, das Zimmer.

Nicht, dass ich mir gar so viel aus meinen Füßen gemacht hätte, aber wenn selbst meine Füße in ihren verführerisch bestickten Schuhen keine Gnade vor seinen Augen fanden, wie konnte ich je hoffen, sein Liebe zu gewinnen?

Schließlich gibt sie nach und erlaubt ihrem Gatten, die Füße aufzubinden. Das bedeutet einen fast genauso schlimmen Schmerz wie das Binden selbst. Doch schließlich ist das überstanden. Sie fängt an, freier zu laufen und dies zu genießen. Damit läutet sie die Annäherung zu ihrem westlich gebildeten Mann ein, was letztlich zu einer glücklichen Ehe führt.

Das Ideal der Lotusfüße

Die ideale, angestrebte Länge eines solchen Lotusfußes war 10 Zentimeter. Doch die meisten erreichten dies nicht. Meistens ergab sich nach Abschluss der qualvollen Prozedur eine Länge von 13 bis 15 cm, was immer noch sehr kurz ist, wenn man bedenkt, dass ein normaler Frauenfuß (meiner zum Beispiel) rund 25 cm misst.

Im 19. Jahrhundert der Qing-Dynastie, der Dynastie der Mandschu-Kaiser, versuchte man vergeblich, den Han-Chinesinnen den Brauch des Füße Bindens zu verbieten. Der gesellschaftliche Druck war einfach zu groß.

Die Mandschu stammen von einem sibirischen Nomadenvolk ab und das Füße Binden gehörte nicht zu ihren Traditionen.

Doch die Mandschu-Frauen, für die dies Verbot ganz besonders galt, fanden die kleinen Füße der Han-Frauen so attraktiv, dass sie sich spezielle Schuhe anfertigen ließen. Eine wichtige Motivation war auch, dass nur so die Chance bestand, einen wohlhabenden Han-Chinesen zu ehelichen.

Die speziellen Mandschu-Schuhe standen auf kleinen zierlichen Klötzen, so dass man die “großen” Füße der Mandschu-Frau unter den langen Gewändern nicht sehen konnte. Im Übersee-Museum in Bremen gibt es eine umfangreiche Sammlung an chinesischen Schühchen.

Schuh mit Erhöhung

Schuh einer Mandschu-Dame

Leiden und Perversion

Wie schrecklich die kleinen Mädchen unter der Prozedur des Füße Bindes leiden mussten, wie sehr dies ihre Kindheit zerstört hat, muss ich wohl nicht noch deutlicher schreiben. Doch die Leiden hörten damit nicht auf!

Folgen des Abbindens der Füße waren oft das Absterben des Fleisches und Entzündungen. Eingewachsene und entzündete Fußnägel, eitrig infizierte Knochensplitter, verfaulte Haut und abgestorbene Zehen gehörten zu den alltäglichen Qualen der Frauen mit den Lotosfüßen. Viele Mädchen und Frauen starben an Entzündungen und Blutvergiftungen.

In der Regel wurden die Bandagen parfümiert und kunstvoll gestaltete, kleine Spezialschuhe getragen. Bandagen und Schuhe wurden meist auch im Bett anbehalten, um das weitere Wachstum der Füße zu verhindern und Entzündungen und faulige Gerüche zu kaschieren.

Manche Männer dagegen  mochten besonders den Geruch der sog. “Stinkefüße”. Der mühsame Gang der verstümmelten Frauen wirkte, als wenn sie aufreizend mit den Hüften wackelten. Es gab einige perverse Möglichkeiten, sich an den verkrüppelten Füßen zu “erfreuen”.

Häufig liest man, dass sich Frauen im alten China erst dann wirklich begehrt fühlten, wenn sie gebundene Füße hatten. Dadurch wird deutlich, dass diese Qual ein ursprünglich von Männern gefördertes Ideal war. Die Frauen standen unter enormen gesellschaftlichen Druck, vergleichbar nur mit der Beschneidung (Genitalverstümmelung) in anderen Ländern.

Den Männern war es außerdem sehr recht, wenn ihre Frauen sich wenig bewegen konnten. Damit waren die Frauen ans Haus gebunden und völlig abhängig von ihren Ehemännern. Sie stellten zudem keine Bedrohung für die männliche Oberherrschaft dar.

Lotusfüße heute

Die Tradition der Lotosfüße gibt es nicht mehr! Man trifft nur noch selten hochbetagte Frauen, die sich mühsam auf winzigen Füßen vorwärts bewegen. Ich habe sie noch gesehen in den Altstadtvierteln Pekings.

Bereits im 19. Jahrhundert mehrten sich die Stimmen chinesischer Männer und Frauen, die sich gegen diese brutale Sitte wandten. Schließlich wurde das Füße Binden gesetzlich verboten. Trotzdem hielt sich die Tradition bis in die 1930er Jahre.

Qiū Jin (1875 -1907), Dichterin und Feministin sagte zu den Lotusfüßen:

Warum lassen wir Frauen uns das gefallen, dass wir unser Leben für zwei Füße opfern, deren Knochen zerquetscht und deren Füße verkümmert sind? (…) Die Ursache liegt nur bei euch selbst, die ihr euch für wertlose Wesen haltet und die ihr nicht danach trachtet, euch beruflich zu qualifizieren, so dass ihr euren Lebensunterhalt selbst verdienen könnt. Es ist eure Schuld, dass ihr euch immer den Männern anvertraut und eure ganze Energie daran wendet, ihnen zu schmeicheln und tausend neue Wege zu finden, wie ihr euch bei ihnen lieb Kind machen könnt. (Wikipedia)

Nachdem dann langsam die Gesetze konsequent durchgesetzt wurden und diese Sitte ausstarb, kamen auf die Frauen mit Lotosfüßen neue Qualen während der Anfänge der Volksrepublik hinzu. Sie wurden geächtet und teilweise gezwungen, unter großen Schmerzen ihre Füße aufzubinden.

Die Oper “Liberation”

Ich wurde auf meiner Reise in die Provinz Shanxi an die Sitte des Füßebindens erinnert. Denn im Zentrum unseres ersten Gala-Abends in Taiyuan stand die Aufführung von Teilen einer modernen chinesischen Oper. Die Oper heisst „Liberation“ (Befreiung) und hat die Lotusfüße zum Thema. Ich fürchte, die alte Tradition des Füßebindens wird in der Oper wenig kritisch dargestellt.

Die Mädchen mit ihren winzigen Füßen (sie tanzen auf Zehenspitzen in kleinen Schühchen) sehen wunderschön aus, die Musik ist mitreißend. Ich war am Anfang so entsetzt, dass ich unsere Reiseleiterin verwirrt fragte, ob da nicht das Füße Binden verherrlicht wird. „Nein, nein!“, meinte sie erschrocken und bat mich, bis zum Ende zu warten. Ja, es kam zum Beispiel noch eine Sängerin auf die Bühne, die als „alte Frau“ ihr Leid besang, das sie durch die Lotusfüße erfahren hat. Leider habe ich im Internet gar nichts über diese Oper gefunden.

Da es anscheinend immer noch Männer gibt, die Lotosfüße perverserweise für schön halten, zeige ich als Beispiel hier nur noch zwei Fotos von der Show. Ich habe allerdings schon lange überlegt, ob ich diese Fotos überhaupt zeige, denn sie sind überhaupt nicht dem tragischen Thema angemessen. Auf dem ersten Foto zeigt eine junge Frau begeistert, wie schön ungebundene Füße sind. Auf dem zweiten ist zu sehen, wie bei einer alten Hochzeitszeremonie die kleinen Füße bewundert werden.LotusfüßeLotosfüé

Späte Zeugen

Alte Frau in Nordchina

Peking 1988: eine alte Frau bewegt sich nur mühsam mit Hilfe eine alten Kinderwagens vorwärts.

1992 begegnete ich in Dunhuang einer alten Frau bei den Mogao-Grotten. Sie zeigte ihre kleinen Lotosfüße und erbat sich einen kleinen Geldbetrag für’s Fotografieren. Ich habe sie nicht fotografiert, ihr aber trotzdem etwas gegeben. Wie schade, dass ich da nicht mit ihr sprechen konnte!

Die Fotografin Jo Farrell hat auf ihren Reisen in neun Jahren noch 50 Frauen mit gebundenen Füßen, den Lotosfüßen, gefunden und befragt.

The photographer Jo Farrell tracked down 50 surviving women whose feet had been bound. Many could no longer walk, and kept their disfigurement hidden. Her images reveal the survivors’ strength, determination – and hope

Zitat

“Ich fragte sie, ob sie noch einmal ihre Füße binden lassen würden, wenn sie die Zeit zurückdrehen könnten. Die meisten von ihnen sagten nein.”

http://www.theguardian.com/artanddesign/2015/jun/15/the-last-women-in-china-with-bound-feet

Ein Artikel voller bewegender Geschichten und eindrucksvoller Fotos.

Was haben diese Frauen an Qualen gelitten, um Männern zu gefallen!

Das Fußbinde-Museum von Wuzhen
Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass es in dem schönen Wasserstädtchen Wuzhen bei Shanghai ein Museum gibt, das sich ganz der Geschichte des Füßebindens widmet: mehr Ein Besuch des Ortes Wuzhen lohnt sich in jedem Fall!

2017 besuchte ich in Peking das Museum für Frauen und Kinder. In der Abteilung Chinesische Frauen in der Geschichte gab es nicht viel über die Lotosfüße. Interessant finde ich, dass in der betreffenden Vitrine ein altes Foto von chinesischen Prostituierten über den kleinen Schuhen hing.Lotosfüße im Museum

Wer übrigens mal sehen möchte, wie gräßlich die gebundenen Füße ohne Schuhe aussehen, braucht nur mal die Bildersuche von Google zu bemühen. Ich verzichte an dieser Stelle darauf.

Dieser Artikel erschien zuerst im Oktober 2015 und wurde komplett überarbeitet im November 2019.

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Ulrike

Jahrgang 1955. Mehr als 30 Jahre Reise-Erfahrung in China und Asien. China-Expertin bei feel China. Lasst Euch von meinen Erfahrungen inspirieren! Nicht nur über China! Weitere Themen: Museen, Hamburg, Hannover, Rom, Paris, London u.v.m.
Ich freue mich über Eure Kommentare!
Ulrike

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26 Kommentare

  • Röttchen

    Christian, ich finde, wir sollten das bei Dir auch mal versuchen. Vielleicht checkst du dann, wie schmerzvoll sowas ist. Unfassbarer Kommentar. Kompliment an die Blogbesitzerin, dass du den überhaupt freigeschaltet hast.

    • Danke! Unfassbarerweise hat der Typ es noch einige Male versucht, seine Ansichten zu kommentieren. Er braucht wohl etwas länger, bevor er etwas merkt. 🙂 Weitere Kommentare von ihm werde ich nicht freischalten.

  • Wang Xiao Lei

    Hallo!
    Das ist ein sehr guter Artikel! Die Mutter meiner Grossmutter hatte auch kleine Fuesse. Sie hat immer Schmerzen gehabt und konnte nicht mehr gehen. Ich finde es als Mann und Chinese dass man das nicht schoen finden kann. Das ist eine seltsame Gewohnheit der Vergangenheit, die ueberwunden wurde.
    Grusse aus Beijing!

  • Wäre mal spannend, wie du das Abbinden empfinden würdest, wenn man das bei dir machen würde? Nur so aus Tradition….
    Nein. Das ist schlimm, was passiert ist und es ist gut, dass es schon lange verboten ist. Und schön aussehen tun die Stummelfüsschen meiner Meinung nach auch nicht.

    • Da gebe ich Dir vollkommen recht! Die Schühchen sehen hübsch aus. Aber die Füße sehen grauenvoll aus. Muss man nur mal googlen. Hinzu kommt, dass die Füße häufig faulten und stanken.

  • Christian Hartwig

    Warum dürfen solche wunderbar stilisierten Füße nach 1000 Jahren plötzlich nicht mehr unsäglich schön sein?
    Das ist doch ein borniertes westliches Vorurteil.

    • Das hat doch nichts mit Schönheit zu tun! Hast du nicht gelesen, wie schrecklich die Frauen schon als kleine Mädchen leiden mussten, um diesen verqueren Vorstellungen von Männern zu genügen?? Naja, ist halt so wie meine Mutter schon sagte: “Manche Männer können besser gucken als denken!”
      Übrigens wurde das Füße Binden schon während der Qing-Dynastie in China selbst bekämpft. Das hat also nichts mit westlichen Vorstellungen zu tun.

    • Christian Hartwig

      Das unreflektierte Aburteilen von Leistungen anderer Kulturen ist bestenfalls ein Ausweis eigener Dummheit. Was soll die blöd-sinnige Behauptung, chinesische Männer seien 1000 Jahre Fußfetischisten gewesen? – Die Kraft einer Kultur, die so lange dermaßen geformte Frauenfüßchen verlangen und leisten konnte, ist bemerkenswert. Bevor Feministinnen jaulen, sollten sie erst einmal imaginieren, wie chinesische Männer und Frauen glücklich sein konnten. Auch Glück ist ein historisches und kulturbedingtes Produkt. Versuchsanordnung: Das optimale Füßchen einer wohlversorgten Chinesin von damals, als Europäer noch nicht dazwischen quatschten, zum Kennenlernen in meine Hand!

      • Du outest Dich hier selbst als westlicher Mann voller Ignoranz. Und blamierst Dich ohne Ende. Deshalb lasse ich deinen Kommentar zu.

  • Wow, das ist faszinierend und erschreckend zugleich! Solche Schönheitsideale sind doch schon fanatisch…
    Vielen Dank für den sehr ausführlichen und spannenden Bericht zu solch einem furchtbaren Thema!

    Michelle

    • Hallo Michelle,

      danke für deinen freundlichen Kommentar! Leider gibt es überall auf der Welt fürchterliche Schönheitsideale, die auch die Frauen selbst unterstützen. Ich kann das nicht wirklich verstehen.
      Beste Grüße
      Ulrike

  • Liebe Ulrike,
    ein sehr schöner Bericht mit de n Hintergründen der Lotusfüße. Ich habe alle Pearl S.Buck Bücher damals verschlungen. Immer wieder neu gelesen. Ich besorgte mir Hefte und Bücher über China und seine Geschichte. Ich wollte unbedingt in das Land, über das Pearl S. Buck geschrieben hat. Bis jetzt war ich noch nicht da. Vielleicht mache ich den Anfang im nächsten Sommer. Dein Blog habe ich jetzt entdeckt. Den werde ich langsam aber sicher durchlesen.
    Liebe Grüße, Selda.

    • Liebe Selda,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar! Ich drück dir die daumen, dass es bald klappt mit China. Wenn Du Fragen dazu hast, kannst Du Dich gerne an mich wendne.
      LG
      Ulrike

  • Pingback: Unterwegs in Shanxi – als VIP

  • Furchtbar! Was ein fehl geleiteter Schönheitswahn Menschen, vor allem Frauen, antun kann…
    In Pearl S. Buck’s “Das Mädchen Orchidee” wird das Füße einbinden auch erwähnt. Tsu Hsi, die letzte chinesische Kaiserin, von der dieser Roman handelt, hatte, wenn ich mich recht entsinne, keine eingebundenen Füße…

    • Ulrike

      Nein, die letzte Dynastie, die Qing, waren Mandschu. Die Mandschu haben ihre Füße nicht gebunden.

  • Visuelle Augenblicke

    Hallo Ulrike,
    Danke für diesen interessanten Beitrag.
    Ich bin dem Link zum Artikel gefolgt und habe die Fotos gesehen. Schlimm. Das habe ich nicht gewusst. Ich habe zwar über Lotosfüße gelesen, aber noch keine Fotos gesehen. Jetzt ja.
    Dir ein schönes WE wünsche ich,
    liebe Grüße, Caro

    • Ulrike

      Ich mal im Überseemuseum in Bremen eine Ausstellung über die Sitte des Füßebindens gesehen. Auch in China gibt es Museen zu dem Thema. Da sieht man dann nicht nur die kleinen Schühchen sondern auch ziemlich schlimme Fotos und Modelle von den verkrüppelten Füßen.
      Liebe Caro, ich wünsche Dir auch ein schönes Wochenende . Ulrike

  • Puh, ich bin einmal dem Link zum Artikel über Jo Farrells Buch gefolgt: Ein Foto Von “Lotusfüßen” habe ich noch nie gesehen. Die Vorstellung allein behagt mir schon nicht. Das Foto ist heftig. Da sind ja wirklich alle Zehen zusammengewachsen? Was muss das für ein Schmerz gewesen sein… Furchtbar, aber ein interessantes Thema. Ich muss mich da einmal einlesen. Wünsche dir ein schönes Wochenende! Jutta

    • Ulrike

      Hallo Jutta! Die Zehen sind nicht zusammengewachsen, sondern mit Gewalt unter den Fuß gebogen. Dabei werden die Zehenknochen gebrochen. Es muss wirklich sehr schlimm gewesen sein. Es dauert Jahre, bis es nicht mehr wehtut. Ich begreife nicht, wie Mütter ihren Kindern so etwas antun können. LG Ulrike

  • Ulrike

    Mich hat in meiner Jugend das Buch von Pearl S. Buck sehr beeindruckt. So sehr, dass ich, als ich es jetzt noch einmal gelesen habe, mich gewundert habe, dass das Füßebinden nur einen ganz kleinen Teil des Buches einnimmt. Ja, es ist schlimm, was Mütter ihrne tüchtern antun, damit die töchter besser verheiratet werden können: Auch die Beschneidung gehört dazu. Und die ist leider ganz und gar nicht ausgerottet.

  • In dem Buch “Snowflower and the Secret Fan” von Lisa See wird die grausame Prozedur sehr eindringlich beschrieben. Mir hat das Buch überhaupt sehr gut gefallen. Gut sein soll auch eine Graphic Novel zum Thema namens “Lotusfüsse” von Li Kunwu, das werde ich mir demnächst mal kaufen.

    • Ulrike

      Danke für die Tipps! Eigentlich will ich gar nichts mehr darüber lesen. Das war eine Unsitte! Aber es gehörte zum Leben der Frauen früher leider hinzu.

  • Als ich als Teenager von dieser (Un)Sitte erfahren haben, löste sie kalte Wut bei mir aus. Erschreckend dabei, dass es patriarchal geprägte Frauen waren, die ihre Töchter und Enkelinnen verstümmelten. Für die Lust von Mann, dessen Hirn vermutlich schon von Geburt an abgebunden war.