Das waren Zeiten! Da gab es noch enge, einfache Elefantenställe in den Zoos, die manchmal kleine Kunststücke zeigten. Ich war noch nicht einmal angedacht, da passierte etwas Unglaubliches: Ein Elefant in: der Schwebebahn machte Schlagzeilen-und meine Großtante Marthe Schmeetz befand sich unmitteöbar dabei! So wurde der Elefant Tuffi zur Familienlegende.
Es war 1950 und man dachte noch nicht an artgerechte Haltung usw. Die großen Gehege gab es nicht. Der Mensch musste dem Tier überlegen sein. Man sah zwar schon die Lehraufträge des Zoos, aber man machte sich noch keine Gedanken. Gerade erst hatte man die unsäglichen Völkerschauen in den Zoos aufgegeben.

Wir gingen mehrmals im Jahr in den Wuppertaler Zoo, weil meine Großeltern in Wuppertal wohnten. Meine Großmutter war Mitglied des Zoovereins.Der Zoo war bekannt für seine einzigartige Lage am Rande eines Waldes. Die Gehege war auf den Hügeln angelegt. Am Eingang begrüßten uns Aras. Ihre bunten Farben leuchteten in der Sonne. Ihr Krächzen und manchmal ein „Hallo“ war das erste, was ich beim Eintritt in den Zoo als erstes Hörte.
Artgerechte Haltung
Wir besuchten auf alle Fälle „Lina“ das Nilpferd, das in einerm Becken schwamm, das kaum größer war als der schwere Körper des Tieres. Manchmal durften wir sie mit einem Laib Brot füttern. Wir sahen die Quälerei darin nicht.
Das elende Dasein der Affen hinter dicken Gittern, die stolzen Löwen, die kaum beschäftigt auf dem nackten Betonbaden lebten – all das sahen wir, aber wir konnten noch keine Verbindung zwischen Quälerei und Tierwohl herstellen. Es war einfach normal! Konnte ein Tier überhaupt Kummer und Sehnsucht nach Freiheit empfinden?
Erst nach und nach wandelte sich die Gesellschaft und unser Blick auf „artgerechte“ Unterbringung der Tiere. Ich weiß noch, wie schockiert ich war (1978) vom Anblick eines mächtigen Orang-Utan-Mannes in einem kleinen aber starken Käfig sich hin und her bewegt und seinen eigenen Kot fraß.
Versteht mich nicht falsch: Ich liebe Zoos! Sie ermöglichen mir, fremde Tiere aus fernen Ländern zu sehen. Ich bin froh, dass man uns so die Möglichkeit gibt, zu lerne und unser Verhalten zu ändern.
Man schützt nur, was man liebt, und man liebt nur, was man kennt
Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz
Aber: Dressierte Tiere in Zirkus-Vorstellungen konnte ich schon früh nicht ertragen. Wenn sie dazu gezwungen wurden, sich unnatürlich zu verhalten und Kunststücke zu machen, war schnell eine Grenze bei mir erreicht. Selbst schoßhündchen, die „Männchen machen“ für Leckerlis finde ich unerträglich.
Tuffi, der aus Elefant, der aus der Schwebebahn fiel
Die Wuppertaler Schwebebahn ist das bekannteste Wahrzeichen der Stadt Wuppertal und zugleich eines der außergewöhnlichsten Verkehrsmittel der Welt. Sie wurde am 1. März 1901 eröffnet und verbindet seitdem die Stadtteile Vohwinkel und Oberbarmen auf einer Strecke von rund 13,3 Kilometern. Der größte Teil der Strecke verläuft in etwa acht bis zwölf Metern Höhe über dem Fluss Wupper, während ein kleiner Abschnitt über Straßen führt. Anders als bei einer normalen Eisenbahn hängen die Wagen an einer Schiene, die von einem Stahlgerüst getragen wird. Dadurch benötigt die Schwebebahn nur wenig Platz und konnte trotz der engen Bebauung im Tal der Wupper gebaut werden. Bis heute wird sie täglich von vielen tausend Menschen genutzt und ist ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs in Wuppertal.
Tuffi und der berühmte Sprung aus der Schwebebahn
Am 21. Juli 1950 ereignete sich in Wuppertal eine Geschichte, die bis heute untrennbar mit der Stadt und ihrer berühmten Schwebebahn verbunden ist. An diesem Tag sollte ein junges Elefantenmädchen namens Tuffi für einen Werbeauftritt des Circus Althoff mit der Wuppertaler Schwebebahn fahren. Tuffi war damals erst vier Jahre alt und sollte durch die ungewöhnliche Fahrt für die Vorstellungen des Zirkus Werbung machen. Die Idee war spektakulär: Ein Elefant in einer Schwebebahn war etwas, das die Menschen auf sich aufmerksam machen musste. Tatsächlich wurde die Fahrt zu einer der bekanntesten Geschichten der Wuppertaler Stadtgeschichte. (Wuppertal)

Tuffi wurde gemeinsam mit Zirkusdirektor Franz Althoff und mehreren Journalisten und Fotografen (darunter meine Tante) in einen Wagen der Schwebebahn gebracht. Anfangs schien die ungewöhnliche Werbeaktion noch problemlos zu funktionieren. Doch während der Fahrt wurde die Situation für das junge Tier offenbar immer unangenehmer. Die Enge des Wagens, die ungewohnte Bewegung und die Geräusche der Schwebebahn sorgten dafür, dass Tuffi zunehmend unruhig wurde. Sie begann zu trampeln und geriet schließlich in Panik. Die Menschen im Wagen konnten kaum etwas tun, um das aufgeregte Tier zu beruhigen.
Der Vorfall
Kurz hinter der damaligen Station Adlerbrücke kam es schließlich zum dramatischen Höhepunkt. Tuffi stieß gegen die Seitenwand des Wagens und durchbrach sie. Anschließend stürzte sie aus der fahrenden Schwebebahn etwa zehn Meter tief in die Wupper. Für die Menschen, die den Vorfall miterlebten, muss dieser Augenblick ein großer Schock gewesen sein. Ein tonnenschwerer Elefant war plötzlich aus einem fahrenden Zug gefallen und in den Fluss gestürzt. Heute ist dieses Ereignis vor allem als „Tuffis Sprung“ bekannt.
Das eigentlich Unglaubliche geschah danach: Tuffi überlebte den Sturz nahezu unverletzt. Nach Angaben der Stadt Wuppertal kam sie mit einer Schramme davon. Der Sturz aus rund zehn Metern Höhe hätte für das junge Tier sehr viel schlimmer ausgehen können. Die Wupper befand sich unterhalb der Schwebebahn, sodass Tuffi nicht auf hartem Untergrund, sondern im Wasser landete. Dadurch hatte sie offenbar großes Glück. Der Unfall, der zunächst eine Katastrophe hätte werden können, ging damit vergleichsweise glimpflich aus.
Die Schwebebahn, Wuppertal und die Folgen
Besonders interessant ist, dass das berühmte Bild, das Tuffi scheinbar mitten im Sprung aus der Schwebebahn zeigt, gar keine echte Aufnahme des entscheidenden Augenblicks ist. Das häufig verbreitete spektakuläre Foto ist eine Fotomontage. Die Fotografen und Journalisten befanden sich während der Fahrt nämlich im Schwebebahnwagen und konnten den entscheidenden Moment deshalb nicht von außen fotografieren. Das Bild, das heute so häufig mit Tuffis Geschichte verbunden wird, entstand erst später aus fotografischen Elementen. Trotzdem hat es wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Bild des „fliegenden Elefanten“ bis heute im Gedächtnis vieler Menschen festgesetzt hat.

Für Wuppertal wurde Tuffis Sprung zu einer außergewöhnlichen Stadtlegende. Die Geschichte verbreitete sich weit über die Stadt hinaus und machte sowohl Tuffi als auch die Wuppertaler Schwebebahn international bekannt. Aus einem missglückten Werbeauftritt wurde damit eine Geschichte, die bis heute immer wieder erzählt wird. Tuffi wurde zu einem Symbol für Wuppertal und taucht inzwischen auf zahlreichen Souvenirs, Bildern und Erinnerungsstücken auf. Auch an der Stelle ihres damaligen Sturzes wird an das Ereignis erinnert. In der Wupper befindet sich dort inzwischen eine Elefantenfigur, die an Tuffi und ihren ungewöhnlichen Sprung erinnert.
Heute wird die Geschichte mit einem gewissen Augenzwinkern erzählt, obwohl der damalige Unfall durchaus gefährlich war. Tuffi hatte großes Glück und überlebte ihren Sprung fast unverletzt. Gleichzeitig zeigt die Geschichte, wie aus einem kurzen und eigentlich unerwarteten Moment eine dauerhafte Legende entstehen kann. Der junge Elefant sollte ursprünglich lediglich Aufmerksamkeit für einen Zirkus erzeugen. Stattdessen wurde Tuffi selbst berühmt und zu einem festen Bestandteil der Wuppertaler Identität. Mehr als sieben Jahrzehnte später erinnern sich noch immer viele Menschen an das Elefantenmädchen, das am 21. Juli 1950 aus der Schwebebahn in die Wupper stürzte. (Wuppertal)
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