Yao Tempel – ein Ahnentempel der besonderen Art

Zuletzt aktualisiert vor 3 Monaten

Yao Tempel in Linfen

Shanxi abseits der Touristenpfade

Zu den Anfängen des Reichs der Mitte, vor rund 4.300 Jahren, lebte ein Fürst namens Yao (尧 Yáo). Der Legende nach war er der Sohn von dem gleichfalls legendären Kaiser Shun. Schon mit 20 Jahren wurde Yao Kaiser.

Ihm wird eine besondere Glanzleistung zugeschrieben. Damals trat der Gelbe Fluss immer wieder über die Ufer und brachte schwere Flutkatastrophen mit sich. Yao soll den Fluss mit Dämmen gebändigt haben. Darüber gibt es alte Legenden, die ein wenig an die Sintflut aus der Bibel erinnern.

Yao soll auch die Himmelsrichtungen bestimmt haben und einen Kalender eingeführt haben. Er wird als weiser und bedürfnisloser Mensch geschildert. Nach einem Bericht des Philosophen Han fei nährte er sich von Hirse und „grüner Suppe“; seine Kleidung bestand im Winter aus Tierfellen, im Sommer aus rauer Pflanzenfaser.

Kaiser Yao
Kaiser Yao

Seine Hauptstadt soll Yao dort errichtet haben, wo heute die moderne Stadt Linfen steht. Es gibt eigentlich kaum etwas, was darauf hindeutet, dass es Yao wirklich gegeben hat. Er gilt als Vorbild für spätere Kaiser und als Symbolfigur für das erste einheitliche Reich der Mitte.

Er gehört zu den Fünf Urkaisern der chinesischen Legende und ist einer der Drei Erhabenen, die als Begründer der chinesischen Kultur gelten. Er ist auch unter den Namen Yaotangshi (陶唐氏), Yi Fangxun (伊放勳) und Yi Qi (伊祈) bekannt.

Yao kommt also, egal ob es ihn wirklich gegeben hat oder nicht, ein ganz besonderer Platz in der chinesischen Geschichte zu. Deshalb hat man ihm einen riesigen Tempel in Linfen gebaut.

Der Yao Tempel in Linfen 尧庙 Yáo​miào

Die Ursprünge des Tempels gehen bis in das Jahr 658 der Tang-Dynastie zurück. Im Laufe der Jahrhunderte wurde er mehrfach renoviert und umgestaltet. Die meisten Gebäude, die man heute sieht, stammen aus der Qing-Dynastie. Nur die Guanyun-Halle mit der Statue des legendären Kaisers, soll noch aus der Tang-Dynastie stammen. Noch heute kommen die Menschen hierher, um ihrem legendären Kaiser ihre Verehrung zu zeigen und zu opfern.

Impressionen vom Yao Tempel in Linfen:

Ahnentafel

Für die meisten Chinesen ist ein Gebäude ganz im hinteren Teil des Yao Tempel besonders interessant. Dort ist eine Art „Ahnentafel“ ausgestellt, eine Liste der in China geläufigen Familiennamen. Von großer Bedeutung ist die Übersicht, wie die Familien untereinander in Beziehung stehen.

Am Anfang stehen die Fünf legendären Urkaiser, dann weitere Namen verbunden mit Linien wie in einem Stammbaum: Söhne (Minister), Enkel (untergeordnete Beamte) usw. Je weiter weg von den Urkaisern, desto geringer die Bedeutung der Familie (bzw. deren Name).

Für Chinesen leitet sich davon eine Rangordnung ab, die wohl nur zum Teil scherzhaft gemeint ist. So sagte eine Reiseleiterin scherzhaft zu mir, dass sie von einer Familie abstamme, die der Sohn/Minister-Generation angehöre. Damit habe sie einen höheren Rang als die Reiseleiterin, die neben ihr stand und einen Namen weiter entfernt vom Urkaiser hatte.

Ahnentafel im Yao Tempel
Familie Liu steht fast ganz oben

In dem Yao Tempel geschah auch das, was ich „Grazie und Eleganz“ genannt habe. Ein ganz besonderes Highlight der Reise durch die Provinz Shanxi!

Aufführung im Qipao
Voller Grazie und Eleganz bewegten sich die Damen würdevoll in ihren schönen Qipao genannten Kleidern.
Yao Miao

Während die übrigen Leute von meiner Gruppe noch die schöne Anlage mit den vielen Kiefern und Vögeln genossen, setzte ich mich zu einem Schwätzchen mit den örtlichen Würdenträgern.

Info (Stand 08-2019)

Der  Yao Tempel liegt in der Stadt Linfen in der Provinz Shanxi.

Adresse: Yaomiaozhen, Yaodu, Linfen, Shanxi, China

Es gibt 2 direkte Züge von Peking nach Linfen, sowie häufige Züge u.a. von Taiyuan und Pingyao.

Eintrittspreis: RMB 40,00 pro Person

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Ulrike
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13 Kommentare

  • Das freut mich sehr!

  • Sigurd Harder

    Vielen Dank für die wertvollen Hinweise. An einigen Orten war ich im April 2007 und bearbeite jetzt, 14 Jahre später, mein Videomaterial für private Erinnerungen. Da sind Ihre persönlichen Eindrücke und geschichtlichen Fakten sehr hilfreich!

  • Ulrike Hecker

    Hihi, Danke!!

  • Wunderschön und sehr interessant – auch eure Unterhaltung über asiatische Namen und Genealogie, liebe Ulrike, liebe Nandalya. 🙂

  • Achtung Klischee: In Japan heißen alle Leute: Tanaka, Watanabe, Takahashi, Yamamoto, Kobayashi …
    Gut, die Namen sind wirklich verbreitet. Ich heiße so aber nicht! 😀

  • Ulrike Hecker

    Du hast mich da auf eine interessante Spur gebracht. Wikipedia ist da sehr aufschlussreich. Die Namen in Korea sind “sinokoreanisch”: https://de.wikipedia.org/wiki/Koreanischer_Name

  • Echt? Ich dachte, “Li” seien alles Chinesen. Das sind nun so typisch japanische Gags, die keiner zu ernst nehmen sollte. 😉

  • Ulrike Hecker

    Ja! Aber es gibt, glaube ich, auch einige wenige, die Li heißen…

  • Achtung (spaßiges!) Vorurteil: Heißen Koreaner nicht alle “Kim?” 😉

  • Ulrike Hecker

    In Korea war es bis vor wenigen Jahren so, dass Menschen mit dem Nachnamen Kim nicht untereinander heiraten durften, weil sie angeblich verwandt waren. Aber das hat sich geändert. 😉 Es gab einfach zu viele Kims!

  • Demnach wären also alle Bauer, Müller, Meier und Schulze eine große Familie. Lustige Vorstellung und totaler Quatsch. 😉

  • Ulrike Hecker

    Es gibt relativ wenige Familiennamen in China. Und irgendwie scheinen alle, die den gleichen Familiennamen haben, miteinander verwandt zu sein. Glauben sie jedenfalls.Ich wünsche Dir eine schöne Woche

  • Ahnenforschung ist bestimmt auch in China interessant. Wer weiß, wie viele Mini-KaiserInnen es dort gibt. Bei meinem nächsten China-Besuch werde ich das hinterfragen. 😉 Dankeschön für den Bericht.

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