Holland wie aus dem Bilderbuch – Reisebericht

Ein ungewöhnlicher Wochenendausflug zur Tulpenblüte in Holland

Reisebericht einer lustigen Exkursion mit einem chinesischen Reiseveranstalter zur Tulpenblüte in Holland.Ulrike und die Tulpen

Tag 1

Das fängt ja gut an!

Wenn man nur knapp zwei Stunden vor Abfahrt des Busses aufsteht und noch nicht gepackt hat, dann muss jeder Handgriff sitzen. Da kann ich nicht mehr lange überlegen, ob nun der Rucksack oder die Tasche besser ist, ob ich die grüne oder die schwarze Hose anziehe. Raus aus den Federn! Zwischen Dusche und Butterbrote schmieren ergreife ich alles, was mir in die Finger kommt und das mitsoll. Ein paar Dinge hatte ich ja schon am Abend vorher zurechtgelegt. Der Rucksack stellt sich als etwas unpraktisch heraus. Es ist ja auch nur der kleine, in den jetzt alles reingestopft werden muss. Auf mein Notebook muss mit (Akku nicht vergessen!). “Geld, Ausweis, Fotoapparat, Handy…”, murmel ich vor mich hin, während ich hin und herspringe, packe, wühle, einen Schluck Kaffee trinke. Dann ist es soweit! Ich schließe die Tür hinter mir. Es ist schon fast hell. Um 7 Uhr muss ich am Bahnhof sein!

Zügig gehe ich zur U-Bahnstation. Hui! Das ist ja schon ziemlich spät! Und die passende U-Bahn fährt los, bevor ich auf dem Bahnsteig stehe. Ich gucke mich um: Kein Taxi weit und breit! Mit der nächsten Bahn werde ich zu spät kommen! Wie gut, dass es Handys gibt! Ein schneller Anruf, als ich etwas hechelnd in der Bahn sitze: “Ich komme 5 Minuten später!” “Kein Problem!”, lacht mein Kollege Herr Zhu, der jetzt für zwei Tage mein Reiseleiter ist. Kurz darauf hält die Bahn in einer Haltestelle. Durchsage: “Wegen eines Feuerwehreinsatzes haben die Züge der U2 ca. 5 bis 10 Minuten Verspätung!” Das hat mir gerade noch gefehlt! Aber ich kann ja nichts machen. Und Zhu weiß ja jetzt, dass ich unterwegs bin.

Allein unter 15 Chinesen

Dann ist es geschafft! Ich werde mit einem erstaunten Raunen im Bus begrüßt, als ich mich mit meinem besten Chinesisch für die Verspätung entschuldige. Ah, eine Deutsche fährt mit und die kann auch noch Chinesisch! Die Fahrt geht los und Zhu fängt an zu erzählen – auf Chinesisch! Ohje! Der spricht so schnell, ich verstehe ja kaum etwas! Übrigens sind meine Mitreisenden lauter junge Chinesinnen. Ich falle schon durch mein Alter völlig aus der Reihe.

Schneeregen unterwegs

Schneeregen unterwegs

Reisevorbereitung, was ist das?

Ich gebe zu, ich habe noch nie eine Reise, einen Ausflug so wenig vorbereitet. Meinen Reiseplan habe ich mir kaum angeguckt. Ist ja alles auf Chinesisch. Zhu hatte mir noch ein paar Tage vorher erklärt, dass es am 1. Tag, dem Samstag, durch Holland geht zu einem Gebiet, wo es ausgedehnte Tulpenfelder gibt. Erst am Sonntag wird der berühmte Keukenhof besucht.BusticketIch döse vor mich hin, lasse mich von dem gleichmäßigen Geräusch des Busses einlullen. Zhu redet und redet. Irgendwann scheinen sich Synapsen in meinem Hirn zu verbinden und ich fange an zu verstehen. Da wird als erstes ein Naturschutzgebiet besucht. Aha! Währenddessen fallen erste Schneeflocken. Dann findet ein Sonnenstrahl für kurze Zeit den Weg durch die düsteren Wolken.Holland Landschaft

Bilderbuch-Holland

Wir erreichen Holland und verlassen die Autobahn. Damit tauchen wir ein (ja wirklich!) in eine andere Welt. Rechts und links der schmalen Landstraße kleine Dörfer, weite Felder, Alleen, reetgedeckte Häuschen. Idylle pur! Wenn ich noch nie in Holland gewesen wäre, würde hier alles, aber auch wirklich alles meiner Klischeevorstellung von dem sauberen, netten Holland entsprechen. Die Straße wird immer wieder von akkuraten sauberen Kreisverkehren unterbrochen.Holland Idylle: Reetgedecktes Haus

Nationalpark Weerribben – De Wieden

Schließlich biegen wir auf einen Parkplatz ein. Unsere erste Station ist erreicht. Ich schaue mich um: Ein fast leerer Parkplatz, niedrige reetgedeckte Häuser, schmale Kanäle, struppige Kopfweiden. Und der nächste Hagelschauer! Wir flüchten uns ins kleine Besucherzentrum.

Besucherzentrum de Wieden - es regnet.

Besucherzentrum

Tja, was soll ich sagen? Wir sind nicht mehr in Deutschland. Die Grenze haben wir fast unbemerkt überquert. Verblüfft stelle ich fest, dass hier niemand Deutsch spricht. Wenn ich nur ein wenig nachgedacht hätte! Ich bin richtig froh, dass auch hier der Euro gilt. Da brauche ich mich nicht noch für zwei Tage an eine fremde Währung zu gewöhnen.

Der Naturpark de Wieden ist ein ausgedehntes Feuchtgebiet, in dem man seltene Tiere und Pflanzen sehen kann. Für uns “sehen könnte”, denn die kurzen Pausen, die die Hagelschauer einlegen, bieten kaum Zeit für einen Spaziergang. Trotzdem bleibt der Eindruck von holländischer Idylle und Freundlichkeit. Bei einem leckeren Kaffee im Besucherzentrum wärme ich mich auf. Dann geht es weiter auf der Suche nach der Tulpenblüte in Holland!De Wieden HollandDe Wieden Holland

Schokland, mysteriöses Dorf

Nein, mit Schokolade hat Schokland nichts zu tun! Es ist der Name eines untergegangenen Dorfs im Ijsselmeer. Zentrum endloser flacher fruchtbarer Landschaft. Hier sehen wir die ersten Tulpenfelder. Alle hängen an den Fenstern. Zhu weiss auch eine gute Stelle für erste Tulpenfotos. Der schweigsame Busfahrer kurvt geduldig durch die schmalen Strassen.Tulpenblüte in Holland

Da, wo es die leuchtenden Farben der Tulpenfelder zu sehen gibt, können wir auch die Profis sehen, die mit riesigen Kameras und Stativen die schönen Blüten von allen Seiten fotografieren.

Dann erreichen wir Schokland. Flache, typisch holländische Landschaft, durchzogen von schmalen Kanälen. Schokland selbst liegt leicht erhöht. Ein Kirchlein, ein paar Holzhäuser, ein Besucherzentrum, ein Museum und ein Restaurant, mehr nicht. UNESCO Weltkulturerbe! Für das Museum fällt eigentlich ein Eintrittsgeld von 7,50 € an. Aber heute ist es nur ein Euro! “Heute ist Tag des Museums!” lacht mir die nette Frau an der Kasse entgegen. Diese freudige Nachricht muss ich gleich an die anderen weitergeben, die wegen der Gebühr beinahe auf das Museum verzichtet hätten.Schokland Holland

Schokland lag einst auf einer Insel im Ijsselmeer. Die Menschen lebten vom Fischfang und vom Handel. Es war immer eine arme Gegend. Besonders schlimm setzten dem Dorf die wiederkehrenden Sturmfluten zu. 1859 entschloss man sich, das Dorf zu evakuieren und die Bewohner umzusiedeln. Durch umfangreiche Landgewinnungsmassnahmen wurde es 1949 wieder möglich, in dem Dorf zu wohnen. Es gab Ausgrabungen, die kleine Kirche wurde renoviert. Hier an diesem besonderen Ort kann man sogar heiraten!Schokland

Ich bin natürlich begeistert, ein so interessantes kleines Museum zu finden. Von prähistorischen Funden bis in die Zeit des 19. Jahrhunderts wird das Bild dieser Gegend aufgezeigt. Fossile Knochen, antike Gerätschaften, Trachten und alte Fotos. Eine Gegend, die schon sehr lange besiedelt ist.

In dem schönen Restaurant esse ich eine heiße Gemüsesuppe. Köstlich und wärmend bei dem anhaltend kalten Wetter!Lecker Suppe in Schokland

Übernachtung in Nunspeet

Auf der Fahrt zu unserem Hotel in Nunspeet machen wir noch ein paar Mal Halt, um Tulpenfelder zu fotografieren. Die Tulpen sind allerdings meistens ganz weit weg. Trotzdem sind meine chinesischen Mitreisendem begeistert. Und ich gewöhne mich langsam an dies Sprachengewirr aus Chinesisch, Englisch und Deutsch.

Schon mal was von Nunspeet gehört? Nicht? Ich auch nicht. Aber das Hotel, in dem wir hier übernachten, ist eine Erwähnung wert. Klein, sauber, idyllisch. Hotel de Hoeve van Nunspeet. Es gibt anscheinend auch einen Pool, von dem ich aber in der kurzen Zeit nichts bemerke. Nun speett liegt ideal für einen Ausflug zur Tulpenblüte in Holland.

Das Hotel scheint mitten im Wald. Doch es sind nur ein paar Hundert Meter bis zum Bahnhof und zum nächsten Supermarkt. Das ist ganz praktisch. So stürzen wir gleich zum Supermarkt. Eine Mitreisende möchte sich holländisches Bier kaufen. Ich brauche noch ein wenig Proviant für Morgen. An der Kasse wieder die Frage “Englisch oder Deutsch?”. Ich bin schon so oft in Holland gewesen und wundere mich doch ein wenig, dass ich hier Englisch sprechen muss.Hotel de Hoeve

Ich komme in den Genuss eines “Luxuriösen” Einzelzimmers. Das ist recht klein. Der “Luxus” bezieht sich anscheinend auf die gediegene Möblierung und das große Badezimmer mit Dusche. Das Zimmer ist ausgerichtet auf Senioren: Nicht besonders behindertengerecht, aber mit einem Duschstuhl und Geländer an den Wänden ausgestattet.

Die Popodusche

Die Bedienungsanleitung für die Popodusche

Die Bedienungsanleitung für die Popodusche

Dann finde ich etwas, was ich so noch nicht gesehen hatte: Eine Wasserquelle in der Toilettenschüssel, die per Fernbedienung ausgefahren wird und die mit einem warmen Wasserstrahl den Popo säubert. Ob das gut ist für Senioren, die ihre hinteren Bereiche nicht mehr erreichen? Ich probiere das nicht aus.

Noch etwas interessantes entdecke ich auf dem Gang: Neben der Zimmernummer hängt ein Bild mit Innenaufnahmen des dazugehörigen Zimmers. Diese wirken alle hell und freundlich. Eine nette Idee!Hotel

Ich falle schließlich müde ins bequeme Bett und träume irgendwas auf Englisch.

Das war ein toller Tag! Für morgen ist endlich Sonne angesagt. So soll es sein, wenn man die Pracht der Tulpen im Keukenhof richtig bewundern soll!

Der 2. Teil/Tag folgt! Tulpen im Keukenhof.

Bilderbuch Holland Keukenhof

Tag 2 Keukenhof bei schönstem Wetter

Ulrike

Jahrgang 1955. Mehr als 30 Jahre Reise-Erfahrung in China und Asien. China-Expertin bei feel China. Lasst Euch von meinen Erfahrungen inspirieren! Nicht nur über China! Weitere Themen: Museen, Hamburg, Hannover, Rom, Paris, London u.v.m.
Ich freue mich über Eure Kommentare!
Ulrike

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