An freien Tagen mit Sonnenschein, wenn ich keine Lust auf große Unternehmungen habe, gehe ich gerne in einem der Schrebergärten in der Nähe spazieren. Das wird immer zu einem spannenden Ausflug, bei dem ich stets was Neues entdecke: blühende Bäume, ein Garten voller Gartenzwerge, ein anderer mit beeindruckenden Blüten, der nächste voller Gemüse oder Äpfel.
Einigen Gärten sehe ich an, wie sehr sie von seinen Besitzern geliebt und sorgfältig gepflegt werden. Dann überlege ich manchmal, wer das wohl sein mag, der sich so liebevoll um seinen Garten kümmert und mit lustigen Gartenzwergen eine Geschichte aufgestellt hat.

Auch wenn ich niemals einen Garten hatte und ich Schwierigkeiten habe, meinen Balkon jedes Jahr herzurichten, so habe ich doch einen Blick für die Schönheit eines Gartens. Ich kann den geordneten Reihen von angepflanzten Gemüse genau soviel Genugtuung abgewinnen wie dem üppig wuchernden Biotop.
Schrebergärten gelten vielfach noch als Ausdruck des Kleinbürgertum, die Besitzer werden gesehen als Leute, die jedes Gemüse in einer ordentlichen Reihe brauchen und bei denen keine Blüte aus der Reihe tanzen darf. Manchem scheint die Vereinsmeierei zu stark eingrenzend zu sein. Es gibt Vorschriften dafür, wie hoch eine Hecke sein darf und wie groß der Anteil des Gemüseanbaus sein soll.
Doch das hat sich gelockert. Der Garten wird als ein Platz der Erholung gesehen. Ein Platz, wo man relaxen kann und wo man Berge von Fleisch und Gemüse grillt. An manchen Sommerabenden zieht der Duft von gebratenen Fleisch und leckeren Bratwürsten durch die Luft.
Die Geschichte der Schrebergärten
Schrebergärten, auch Kleingärten genannt, haben ihren Ursprung im 19. Jahrhundert und sind eng mit den sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Industrialisierung verbunden. Besonders in Deutschland entstanden sie als Reaktion auf die zunehmende Verstädterung, beengte Wohnverhältnisse und die oft schwierigen Lebensbedingungen der Arbeiterbevölkerung.
Namensgebend war der Leipziger Arzt Moritz Schreber, der sich für die körperliche und geistige Gesundheit von Kindern einsetzte. Obwohl er selbst keine Kleingärten anlegte, inspirierten seine Ideen die Einrichtung von Grünflächen für Familien, aus denen sich später die Schrebergärten entwickelten.

Der alte Schrebergarten in Leipzig
Der älteste heute noch existierende Schrebergartenverein der Welt befindet sich in Leipzig: die Anlage Kleingärtnerverein Dr. Schreber.
Sie wurde im Jahr 1864 gegründet und gilt als Ursprung der gesamten Schrebergartenbewegung. Anfangs war das Gelände allerdings noch kein klassischer Kleingartenverein, sondern ein Spielplatz für Kinder, der auf die Ideen von Moritz Schreber zurückging. Erst später entstanden daraus die typischen kleinen Parzellen, die von Familien bewirtschaftet wurden.
Heute existiert die Anlage noch immer und beherbergt zusätzlich das Deutsche Kleingärtnermuseum. Damit ist sie nicht nur der älteste erhaltene Schrebergarten, sondern auch ein historisch bedeutender Ort, der die Entwicklung der Kleingartenkultur bis heute sichtbar macht.
Die ersten organisierten Kleingartenanlagen entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, unter anderem in der Stadt Leipzig. Ursprünglich dienten diese Gärten vor allem als Spiel- und Bewegungsräume für Kinder. Bald jedoch begannen Familien, kleine Parzellen zu bewirtschaften, um Obst und Gemüse anzubauen und so ihre Ernährung zu verbessern. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Not boten die Gärten eine wichtige Möglichkeit zur Selbstversorgung.
Im frühen 20. Jahrhundert verbreitete sich die Kleingartenbewegung in ganz Deutschland und wurde zunehmend organisiert. Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs gewannen Schrebergärten nochmals an Bedeutung, da sie zur Sicherung der Lebensmittelversorgung beitrugen. In dieser Zeit wurden viele städtische Flächen in Nutzgärten umgewandelt, um Engpässe zu überbrücken.
Der Schrebergarten heute
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben Schrebergärten weiterhin wichtig, insbesondere in den zerstörten Städten, wo Wohnraum knapp war und viele Menschen auf zusätzliche Anbauflächen angewiesen waren. Mit zunehmendem Wohlstand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sich ihre Funktion jedoch: Aus reinen Nutzgärten wurden zunehmend Orte der Erholung, Freizeit und Gemeinschaft. Gartenlauben, gepflegte Beete und gemeinschaftliche Vereinsstrukturen prägen seitdem das Bild vieler Anlagen.

Heute sind Schrebergärten ein fester Bestandteil der deutschen Kultur und Stadtlandschaft. Sie bieten nicht nur Raum für gärtnerische Aktivitäten, sondern auch für soziale Begegnungen und Naturerfahrung im urbanen Raum. Trotz moderner Lebensweisen erfreuen sie sich weiterhin großer Beliebtheit und stehen zugleich im Spannungsfeld zwischen Tradition, Naturschutz und städtischer Entwicklung.
Einen Schrebergarten pachten?
Einen Schrebergarten zu kaufen oder zu pachten ist für viele Menschen der Einstieg in ein Stück Natur mitten in der Stadt. Dabei ist wichtig zu wissen, dass klassische Schrebergärten in Deutschland in der Regel nicht gekauft, sondern gepachtet werden. Grundlage dafür ist das Bundeskleingartengesetz, das genau regelt, wie Kleingärten genutzt werden dürfen. Der Garten selbst gehört meist einem Verein oder einer Kommune, während Pächter lediglich das Nutzungsrecht für eine Parzelle erwerben.
Wer einen Schrebergarten pachten möchte, sollte sich zunächst bei einem örtlichen Kleingartenverein informieren. Gerade in Großstädten sind freie Parzellen oft knapp, weshalb Wartelisten üblich sind. Die Kosten setzen sich in der Regel aus einer einmaligen Ablöse für die vorhandene Laube, Pflanzen und Ausstattung sowie einer jährlichen Pacht zusammen. Diese ist meist vergleichsweise günstig, da Schrebergärten sozial verträglich bleiben sollen.
Beim Pachten gelten jedoch klare Regeln: Ein Schrebergarten dient nicht nur der Erholung, sondern auch der gärtnerischen Nutzung. Das bedeutet, dass ein Teil der Fläche für den Anbau von Obst und Gemüse vorgesehen ist. Außerdem gibt es Vorschriften zur Größe der Laube und zur Gestaltung des Gartens. Dauerhaftes Wohnen ist in Schrebergärten nicht erlaubt.

Der „Kauf“ eines Schrebergartens bezieht sich daher meist nur auf die Übernahme der bestehenden Gartenlaube und der Bepflanzung vom Vorpächter. Der eigentliche Boden bleibt im Besitz des Vereins oder der Stadt. Dennoch kann sich diese Investition lohnen, da ein gut gepflegter Garten einen hohen ideellen und praktischen Wert hat.
Insgesamt bietet ein Schrebergarten eine attraktive Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen, selbst Obst und Gemüse anzubauen und Teil einer Gemeinschaft zu werden. Wer bereit ist, sich an die Regeln zu halten und etwas Zeit in Pflege und Bewirtschaftung zu investieren, findet im Schrebergarten einen langfristigen Rückzugsort mit vielen Vorteilen.
Lustige Gartenzwerge
Gartenzwerge gehören heute zu den bekanntesten Symbolen der Gartenkultur, insbesondere im deutschsprachigen Raum. Ihre Ursprünge reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück, als sie erstmals als dekorative Figuren in privaten Gärten auftauchten. Inspiriert wurden sie von Zwergen aus Sagen, Märchen und der europäischen Volkskultur, etwa aus den Geschichten der Brüder Grimm, in denen Zwerge oft als fleißige, unterirdisch lebende Wesen dargestellt werden, die Schätze bewachen oder Handwerkskunst beherrschen.
Die ersten serienmäßig hergestellten Gartenzwerge entstanden um 1870 in Thüringen, einer Region, die damals für ihre Keramik- und Porzellanproduktion bekannt war. Besonders der Hersteller Philipp Griebel gilt als einer der Pioniere der Gartenzwerg-Produktion. Seine Figuren waren aus Ton gefertigt, handbemalt und zeigten typische Motive: bärtige Männer mit Zipfelmützen, oft bei der Gartenarbeit oder in ruhigen, beobachtenden Posen.

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verbreiteten sich Gartenzwerge rasch in ganz Europa. Sie galten als Ausdruck von Wohlstand und Liebe zum Garten. Besonders in Deutschland wurden sie zu einem festen Bestandteil vieler Kleingartenanlagen und Hausgärten. Während der Weltkriege ging die Produktion zeitweise zurück, erlebte aber in der Nachkriegszeit einen erneuten Aufschwung.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sich das Image der Gartenzwerge. Einerseits blieben sie ein beliebtes Dekorationselement, andererseits wurden sie zunehmend auch als kitschig oder humorvoll wahrgenommen. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Varianten, von klassischen Figuren bis hin zu modernen oder ironischen Interpretationen.
Heute sind Gartenzwerge sowohl traditionelle Gartenfiguren als auch Kultobjekte mit einem gewissen Augenzwinkern. Sie stehen für eine Mischung aus Nostalgie, Individualität und Gartenfreude. Trotz wechselnder Trends haben sie ihren festen Platz in der Gartenkultur behalten und sind weltweit ein bekanntes Symbol für den liebevoll gestalteten Garten.
Gibt es Schrebergärten auch außerhalb von Deutschland?
Ja, Schrebergärten bzw. ähnliche Formen von Kleingärten gibt es auch außerhalb von Deutschland – teilweise sogar schon seit über 100 Jahren. Die Idee, kleine Parzellen zur Selbstversorgung und Erholung bereitzustellen, hat sich international verbreitet, oft unter anderen Namen und mit leicht unterschiedlichen Regeln.
In Europa sind sie besonders weit verbreitet. Österreich und der Schweiz haben ebenfalls klassische Kleingartenanlagen, die den deutschen Schrebergärten sehr ähnlich sind. In Großbritannien heißen sie „Allotments“ und haben eine lange Tradition – dort dienen sie vor allem dem Anbau von Obst und Gemüse. Auch in Schweden und den Niederlanden sind solche Gartenkolonien sehr beliebt und oft liebevoll gestaltet.
Außerhalb Europas gibt es vergleichbare Konzepte, die jedoch oft stärker auf Gemeinschaft und Stadtentwicklung ausgerichtet sind. In den USA spricht man von „Community Gardens“. Diese sind meist gemeinschaftlich organisiert und weniger streng parzelliert als klassische Schrebergärten. Ähnlich ist es in Kanada.

In Japan gibt es sogenannte Mietgärten („Kleingartenanlagen“), die vor allem Stadtbewohnern ermöglichen, auf kleinen Flächen Landwirtschaft zu betreiben. Auch in vielen anderen Ländern gewinnt urbanes Gärtnern zunehmend an Bedeutung – nicht nur zur Selbstversorgung, sondern auch als Beitrag zu Nachhaltigkeit, sozialem Austausch und Lebensqualität in Städten.
Zusammengefasst: Die Idee hinter dem Schrebergarten ist längst ein internationales Konzept geworden, auch wenn sie je nach Land unterschiedlich umgesetzt wird.
Quellen
Wikipedia „Kleingarten“
Nationalgeographic: Deutsches Idyll
Schrebergarten: Kosten und Vorschriften
NDR: Schrebergarten
Schrebergarten-Mythen
MDR: Schrebergärten Geschichte
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