Palmen, Eichen und ein Dschungel mitten in Hamburg

Zuletzt aktualisiert vor 10 Monaten

Wieder ein Stadtspaziergang in Hamburg, der mich begeistert hat! Der Ausflug hatte alles, was ich für ein kleines Abenteuer oder eine Flucht in eine ungewöhnliche Umgebung brauche. Palmen, Bananenstauden, zarte seltene Blüten, ein dschungelartiges Flussufer. Da sind die Eichen des Eichtalparks fast zu normal.

An einem schönen Sonntag im August bin ich zum Botanischen Sondergarten in Wandsbek aufgebrochen.

Botanischer Sondergarten Wandbek. Bevor man zum Eichtalpark kommt, der rchtige Platz zum Ausruhen und sich einstimmen auf die Wanderung.
Botanischer Sondergarten Wandsbek

Mit dem Bus (Nr. 9) erreiche ich von Wandsbek Markt die Haltestelle Ölmühlenweg, von der es nur paar Schritte bis zum bunten Park sind.

Dieser liegt am Mittellauf der Wandse und ist der ideale Beginn für eine Wanderung bis zur Alster. Es gibt breite bequeme Wege und viele Bänke, genau richtig für mich, die ich noch immer ein wenig gehbehindert bin von meinem Schlaganfall.

Botanischer Sondergarten

Sein sperriger Name kommt daher, dass der Begriff Botanischer Garten eine wissenschaftliche Begleitung erfordert. Und die gibt es in diesem Garten nicht.

Er ist wirklich klein und übersichtlich, nur knapp 2 Hektar/20.000m². Das entspricht nur knapp 3 Fussballfeldern. Der Park ohne Gebäude ist gerade mal 2 Fussballfelder groß.

Begonnen hat der botanische Sondergarten seine Karriere 1923 als Schulgarten. Im 2. Weltkrieg wurde er von der Bevölkerung für den Anbau von Gemüse genutzt. 1953 schließlich erhielt er die Bezeichnung „Botanischer Sondergarten“.

Botanischer Sondergarten Wandsbek

Heute bietet sich ein prächtiges Bild von einem üppigen Garten mit Palmen und Bananenstauden. Bunte Blüten überall und die Vögel zwitschern ausgelassen im Gebüsch. Die farbenfrohen Büsche und Blumen locken Schmetterlinge und Bienen an. Ein zartes Summen und Brummen umgibt mich.

Ich atme tief ein. So ein schöner Garten zum Entspannen! Überall stehen Bänke und scheinen mich einzuladen, und so setze ich mich für eine Weile und lausche. Dann gehe ich weiter zum Eichtalpark.

Weisser Hibiskus
Weisser Hibiskus

Kurzinfos:

  • Der Eintritt ist frei!
  • Hunde dürfen, an der Leine geführt, mitkommen.
  • Radfahrer bitte absteigen.
  • Es steht eine kostenlose behindertengerechte Toilette zur Verfügung.
  • Der Garten ist ganzjährig geöffnet.
Blüten im Botanischen Sondergarten

Die Wandse

In diesem Abschnitt der Wandse wurden mit dem Wasser zahlreiche Mühlen angetrieben. Nicht nur Mühlen für Getreide sondern auch Ölmühlen. Acht (oder 10?) Wassermühlen haben einst den Fluss genutzt. Daran erinnern heute noch Straßennamen: Ölmühlenweg, Holzmühlenweg oder Mühlenteich.

Die Ölmühle in dem ehemaligen Bauerndorf Hinschenfelde am Nordufer der Wandse (am heutigen Ölmühlenweg 33) wurde 1747 erstmals erwähnt. Sie diente der Ölgewinnung aus Sämereien und wurde bis in die 1960er Jahre gewerblich genutzt. 1971 wurde sie zu einem Studentenwohnheim umgebaut.

Es entstand ein Industriegebiet, zu dem auch Wäschereien und Bleichereien gehörten. Der Straßennahme „Kattunbleiche“ in Wandsbek ist eine alte Erinnerung daran.

Die Wandse in Höhe des Eichtalpark
Die Wandse in Höhe des Eichtalparks.

Doch heute hat die Wandse an diesem Abschnitt viel Natürlichkeit zurückgewonnen. An manchen Stellen gleicht das Flussbett einem Dschungel. Neben den vielen verschiedenen Pflanzen wird der Flusslauf zur Heimat von Vögeln wie Enten, Blesshühnern und dem Specht.

Ich bin immer wieder fasziniert, wieviel wilde Natur so unmittelbar in der Stadt wächst.

Eichtalpark

Beim Eichtalpark öffnet sich die Landschaft und bietet neben dem schmalen Flusslauf weite Rasenflächen.

Der Park wurde im Jahr 1830 von Lucas Lütkens errichtet, der reichen Gerbermeister. Ziel war es, die umstehenden Lederfabriken mit Eichenrinde und -laub zu versorgen. Diese lieferten damals die nötigen Gerbstoffe für die Produktion von Leder. 40 Jahre später wandelte der Enkel Lütkens, Caspar Oscar Lütkens, die Plantage in einen Park um – so entstand der heutige Eichtalpark.

Auch wenn es um die Eichen ging, so habe ich nicht viele Eichen gesehen. Trotzdem kann man zehn unterschiedliche Eichenarten auf dem Parkgelände finden. Darunter die libanesische Eiche, die Färber- und die Weideneiche.

Ein riesiges Mammutblatt
Ein riesiges Mammutblatt

Hinschenfelde

Dieser Ortsname ist verbunden mit der Industrie, die sich im 19. Jahrhundert an der Wandse entwickelte. Das Bauerndorf Hinschenfelde wurde 1336 in einer Urkunde erwähnt.

1900 wurde der immer noch recht kleine Ort von Wandsbek eingemeindet. Heute erinnert kaum noch etwas an das Dorf außer einige Straßennamen und die alte renovierte Ölmühle, die einst zu Hinschenfelde gehörte.

Eichtalpark, Grasfläche

Wandsbek

Ich erreiche die Wandsbeker Allee, von der es nur noch ein paar Schritte bis zur U-Bahn-Station Wandsbek Markt sind. Schluss für heute!

Es gäbe noch die Möglichkeit, an der Wandse entlang bis Alster zu spazieren. Das habe ich in einem anderen Artikel beschrieben.

Mich fasziniert immer wieder, wie nah das Abenteuer, das Besondere liegt.

Links

Die Wandse

Ulrike

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