Die Wallanlagen in Hamburg gehören zu den bedeutendsten Grünflächen der Hansestadt und haben eine bewegte Vergangenheit. Ursprünglich dienten sie der militärischen Verteidigung, heute sind sie ein beliebter Erholungsort für Hamburgerinnen und Hamburger sowie ein grünes Band durch die Innenstadt.
Ich gehe gerne dort spazieren. Es ist ein wenig „Off the Beaten Path“. Es kommen zwar viele Hamburger hierhin, aber es scheint für Touristen nicht besonders interessant zu sein. Dabei ist es wirklich schön und erholsam, zwischen der Reeperbahn, dem Museum für Hamburgische Geschichte und Planten un Blomen gemütlich in diesem von bunten Blumen und alten Bäumen gesäumten Park spazierenzugehen.

Historischer Hintergrund
Im 17. Jahrhundert wurde Hamburg mit einer gewaltigen Befestigung umgeben, um die Stadt gegen Angriffe zu schützen. Diese Wallanlagen erstreckten sich halbkreisförmig vom heutigen Deichtor bis zum Millerntor. Mit dem technischen Fortschritt in der Kriegführung verloren die Befestigungen jedoch im 19. Jahrhundert ihre militärische Bedeutung. Zwischen 1804 und 1860 wurden die Wallanlagen nach und nach abgetragen. An ihrer Stelle entstanden großzügige Parkanlagen – ein frühes Beispiel moderner Stadtplanung und Landschaftsgestaltung.

Auch heute geht der Blick auf das Oberlandesgericht. Daneben, kaum erkennbar, sind hinter dunklen Bäumen die Mauern das Amtsgericht Hamburg-Mitte. In der Nähe ist die U-Bahn-Station Messehallen.
In Hamburgs Wallanlagen, genauer gesagt auf dem Gelände der Untersuchungshaftanstalt am Holstenglacis, wurden während der NS-Zeit zahlreiche Menschen hingerichtet. Eine Gedenktafel erinnert dort an die Opfer, darunter die „Lübecker Märtyrer“ und französische Widerstandskämpferinnen. Die Hinrichtungen fanden bis 1944 statt, und die Guillotine wurde danach in die Strafanstalt Bützow-Dreibergen verlegt.
Bis 1944 wurden auf dem Hof und im Desinfektionsraum der UHA 468 Hinrichtungen vollstreckt. Darunter u.a.:
.
Französische Widerstandskämpferinnen: Zwei Frauen aus der französischen Résistance, France Bloch-Sérazin und Suzanne Masson, wurden ebenfalls 1943 in der UHA Hamburg hingerichtet.
Die Lübecker Märtyrer: Am 10. November 1943 wurden die drei katholischen Priester Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange sowie der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink in Hamburg enthauptet, da sie sich dem NS-Regime widersetzten.

Die Wallanlagen als Parklandschaft
Heute bilden die Wallanlagen einen Teil des sogenannten „Grünen Rings“ Hamburgs. Sie ziehen sich vom Deichtor über die Lombardsbrücke bis hin zum Millerntor und sind in mehrere Abschnitte gegliedert, die jeweils einen eigenen Charakter haben:
- Planten un Blomen: Der wohl bekannteste Teil der Wallanlagen. Hier finden Besucher farbenprächtige Blumenbeete, Themengärten, das Tropenhaus, Wasserlichtkonzerte im Sommer und den beliebten japanischen Garten.
- Alter Botanischer Garten: Direkt an der Universität Hamburg gelegen, bietet er eine Mischung aus historischen Pflanzensammlungen und schattigen Spazierwegen.
- Spiel- und Freizeitbereiche: In verschiedenen Abschnitten gibt es Spielplätze, Minigolf, Eislaufbahnen im Winter und Liegewiesen im Sommer.

Die Wallanlagen in Hamburg sind mit viel Kunst bestückt. So gibt es eine bronzene Panther-Skulptur von Hans Martin Ruwoldt von 1963.

Die Skulptur steht nicht erhöht, sondern auf einem niedrigen Sockel im Grün. Du kannst sie umrunden, nah herantreten, die Struktur sehen. Gerade das Unvollkommene macht sie stark. Der Panther ist kein Blickfang, sondern ein Gegenüber. Wer möchte, sieht in ihm Wachsamkeit. Wer weitergeht, vergisst ihn vielleicht. Und wer bleibt, erkennt: Hier steht Kunst, die nicht gefallen muss. Planten un Blomen
Oder die bunten Mosaike in den Fusswegen:

Bibliographische / Publizierte Quellen
- Von der Festung bis Planten un Blomen. Die Hamburger Wallanlagen. Herausgegeben von Heino Grunert, Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 2020. ISBN 978-3-86218-138-4. (Wikipedia)
→ Sehr gutes Werk mit historischen, gartenhistorischen, städtebaulichen Perspektiven. (botanischerverein.de) - Wikipedia:

Die Millerntorwache
Das Millerntor war im 17. Jahrhundert das Haupttor an der Westseite der Stadt und verweist auf die Zeit, als Hamburg nur durch die Stadttore betreten und verlassen werden konnte. Es bildet den westlichen Abschluss der Wallanlagen. Von hier sind nur wenige Schritte zur U-Bahn-Station St. Pauli, zum Heiligengeistfeld und zur Reeperbahn.
Im Jahr 1819 wurde das Torhaus nach Plänen des Baumeisters Carl Ludwig Wimmel neu aufgebaut. Damit zählt es heute zu den ältesten Gebäuden der Innenstadt. Da da Gebäude sehr na an der Straße lag und einige Mal von Autos beschädigt wurde, verlegte man das kleine Gebäude ein paar Mal. Für Aufsehen sorgte die Millerntorwache in 2004. Damals wurde sie mit einem Spezialkran um rund 30 Meter an einen neuen Standort in den Wallanlagen verlegt, fachmännisch restauriert und schließlich dem Museum für Hamburgische Geschichte übergeben.

Internetquellen / Offizielle Websites
- Offizielle Seite „Planten un Blomen – Geschichte und Entwicklung“ auf hamburg.de (plantenunblomen.hamburg.de)
- Botanischer Verein zu Hamburg: “Die Hamburger Wallanlagen” – Informationen zu Geschichte, Botanik und Umgestaltung (botanischerverein.de)
- Stiftung Historische Museen Hamburg – Veranstaltung „Auf den Spuren der Stadtbefestigung durch die Wallanlagen“ (Stiftung Historische Museen Hamburg)
Links zu meinen Stadtspaziergängen
- Planten un Blomen, ein Spaziergang
- Horner Geest
- Wandbeker Gehölz
- Die Wandse
- Die Ölberg-Runde bei Müllheim
- Hauptkirche St. Jacobi und der Jakobsweg
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Moin Ulrike, ich bin diese Sommerferien auch im Planten un Blomen und drumherum spazieren gegangen. Das nächste Mal werde ich mir dann wohl noch mehr das Drumherum ansehen. Wir wohnen selber knapp westlich von Hamburg, lieben aber touristische Unternehmungen in der Nachbarmetropole 🙂 Da haben wir noch auf Jahre eine Menge spannende und schöne Dinge zu entdecken. Danke auf jeden Fall für diese Inspiration!