Gangesdelfine

Zuletzt aktualisiert vor 5 Monaten

Ja, ich habe sie gesehen! Die Gangesdelfine or Ganges River Dolphin! Wo? Im Ganges bei Varanasi!

So liest sich das in meinem Reisetagebuch 1992:

Gangesdelfine in Varanasi

Wir sind so angetan von dem tollen Sonnenuntergang, dass wir beschließen, am nächsten Morgen mit Babaji auch den Sonnenaufgang vom Ganges aus zu sehen. Schon zu der schrecklich frühen Zeit von 6:00 Uhr stehen wir am Ufer und warten auf Babaji. Endlich kommt er. Die Luft ist kühl und ein wenig dunstig. Kein Windhauch. Das fahle Licht der Sonne wirkt wie ein Weichzeichner. Die Paläste sehen aus wie aus Tausendundeiner Nacht. Im Fluss springen die Fische. Es ist noch ganz still. Nur am Ufer schlagen die Wäscher die Leintücher auf die Felsen, um sie zu reinigen.

Da erhebt sich vor uns aus dem Wasser ein dunkelgrauer Rücken mit einer kleinen Rückenflosse! Sie ist gleich wieder verschwunden. Dann ein zweiter! Ich erinnere mich, irgendwo gelesen zu haben, dass es im Ganges Delfine geben soll. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich sie selbst sehen würde! Ich bin hingerissen von diesem Erlebnis und gucke fast gar nicht auf die bunte Menge, die im Ganges badet.

Der Gangesdelfin (Platanista gangetica, Ganges River Dolphin)) ist eine äußerst seltene Zahnwalart. Sie kommt vor allem im Ganges und im Brahmaputra in Nordindien vor. Da man sie auch wenig erforscht hat, gehen die Schätzungen über die noch lebenden Tiere auseinander. Man spricht von vielleicht ein paar Hundert oder sogar einigen Tausend Gangesdelfinen.

Ich habe mich sehr gewundert, dass ich sie ausgerechnet im trüben Wasser von Varanasi  erlebt habe. Doch wenig später habe ich mal eine Dokumentation über den Ganges gesehen, in der gesagt wurde, dass der Ganges relativ sauber sei. Ob das heute noch der Fall ist, kann ich nicht sagen.

Allerdings ist es so, dass die Gangesdelfine kaum sehen können. Die Augen sind klein, haben keine Linse und sind weitgehend funktionslos. Vielleicht können sie noch Lichtintensität und -richtung wahrnehmen, aber keine Konturen. In den trüben Fluten des Ganges orientieren sie sich mittels Echoortung.

Über das Überleben des Ganges River Dolphin

Over the past century, the rivers in which these dolphins live have been changed beyond recognition. Once free to swim for thousands of kilometres from the uplands down to the estuary, the dolphin populations are becoming more fragmented as the rivers are dammed for irrigation and electricity generation.   

The waters have become more polluted, and the animals are caught by accident in fishing nets. It is now thought that despite ongoing conservation efforts, there are only 1,000 Ganges river dolphins and 1,000 Indus river dolphins. 

But while the loss of any species is a tragic event, the prospect of the Ganges river dolphin fading into extinction would in some sense be an even bigger hit.

‚Overall the outlook is not particularly positive for them,‘ says Travis. ‚We are losing the only surviving representative of this once huge group.

‚By evolutionary metrics, this would be a much bigger loss.'“
Natural History Museum South Kensington

Im Übersee-Museum in Bremen

Trotz allem, und auch wenn ich keine Zeugen dafür habe, bin ich mir immer noch sicher, dass ich damals zwei der seltenen Tier kurz gesehen habe.

Groß war meine Freude, als ich dem Gangesdelfin ganz unerwartet im Bremer Übersee-Museum begegnete. Endlich habe ich also ein Foto von dem Gangesdelfin! Bitte entschuldigt die etwas surreal anmutende Aufnahme, die durch die Spiegelungen in der Glasvitrine entstanden ist.

Der Gangesdelfin im Übersee-Museum in Bremen
Im Übersee-Museum

China:

Auch im Yangtze soll es noch Flussdelfine geben! Er wird allerdings immer wieder als ausgestorben bezeichnet. Und doch gibt es manchmal Meldungen, dass er gesehen wurde. Wen wundert’s, dass ich nach meinen Erfahrungen auf dem Ganges auch auf meinen Yangtzekreuzfahrten Ausschau gehalten habe! Leider vergeblich!

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2 Kommentare

  • Ulrike

    Hallo Michelle,
    Ja, ich kann es selbst manchmal kaum. Doch auch den Yangtze-Delfin scheint noch zu geben. Aber wirklich nicht mehr viele: Wobei es sich bei den Überlebenden um Schweinswale (und nicht Delfine??) handelt:

  • Das muss wirklich ein ganz spezieller Moment gewesen sein, Ulrike, als du damals im Ganges die Tiere schemenhaft erblicktest – und nun wieder „komplett“ m Museum! Die haben aber ordentlich Zähne!

    Ich glaube im Ganges gibt es sogar heutzutage noch ganz vereinzelt welche, doch mir fiel – bei deiner China-Liebe – natürlich augenblicklich der Chinesische Flussdelfin (Jangtse-Delfin) ein, der allerdings mittlerweile als ausgestorben gilt. In der BBC-Serie „Last Chance to See“ (der ersten, in den 90er Jahren) gingen Douglas Adams und sein Team auf die Suche nach ihm auf die lange Reise.
    Schon sehr speziell, diese Tiere (Delfine) als Flusstiere in Asien zu entdecken!

    LG Michèle

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