500 Jahre Magellan

Zuletzt aktualisiert vor 8 Monaten

Eine Ausstellung für alle Fernwehsüchtigen und Liebhaber alter Landkarten führte mich zu Dr. Götze Land und Karte, zur Ausstellung 500 Jahre Magellan.

Der Tod des großen Entdeckers Ferdinand Magellan, portugiesisch Fernão de Magalhães, jährt sich dieses Jahr zum 500. Mal.

Wer war Ferdinand Magellan?

Geboren wurde er vor 1485 in Portugal (das genaue Datum ist unbekannt) und er starb am 27.04.1521 auf den Philippinen. Im Auftrag der spanischen Krone sollte er einen Seeweg zu den Gewürzinseln finden. Das wird seitdem als erste Weltumsegelung bezeichnet.

Nach einigen Abenteuern zur See in Afrika und Indien bekam er vom spanischen König den Auftrag, einen Seeweg zu den Gewürzinseln, die man auf den Molluken verortete, zu finden.

Die Molukken
Als Magellan zu seiner großen Reise aufbrach, wusste niemand in Europa so richtig, wo die Gewürzinseln lagen. Nur soviel war bekannt, daher kamen neben anderen Gewürzen die begehrten Gewürznelken.

Bislang kamen nur geringe Mengen über den Landweg mit vielen Zwischenhändlern nach Europa. Auch die große Entfernung spielte eine Rolle.

Eine ferne Inselgruppe galt es also auf dem Seeweg zu finden. Vor allem ging es darum, eine möglichst kurze und schnelle Route zu den Gewürzinseln zu finden, deren genaue Lage damals aufgrund der strengen Geheimhaltung kaum bekannt war.

Heute: Die Molukken sind eine indonesische Inselgruppe zwischen Sulawesi und Neuguinea. Sie umfassen ein Gebiet von 74.505 km² mit 2,1 Millionen Einwohnern.

Damals war der Gewürzhandel ein lukratives Geschäft, das viele Begehrlichkeiten weckte.

Die Molukken auf einer Karte von 1662.
Die Molukken auf einer Karte von 1662

Der Vertrag, den er am 22. März 1518 mit dem kastilischen König Karl I. schloss, enthielt das implizite Verbot einer Erdumrundung, hätte diese doch die Interessen und Rechte von Karls Onkel und Schwager, dem portugiesischen König Manuel I., verletzt. Der Antrieb zu Magellans Reise war derselbe wie der zur Fahrt von Christoph Kolumbus 27 Jahre zuvor: nach Westen zu segeln, um in den Osten zu gelangen.

Am 27.04.1521 kam es zu dem tragischen Tod Magellans bei Kämpfen mit den Einheimischen.

Die Expedition

Die Flotte brach am 10.08.1519 von Sevilla auf und bestand zeitweilig aus 5 Segelschiffen und 242 Teilnehmern. Unter der überwiegend spanischen Besatzung befanden sich auch Portugiesen und Italiener. Sogar 2 Deutsche nahmen teil.

Buch Magellan

Durch den Widerstand Portugals erreichten sie erst im Dezember Brasilien in der Gegend des heutige Rio de Janeiro, Die einheimischen Tupis hielten Magellan und seine Begleiter – nach Pigafettas Interpretation – für Götter, denn mit ihrer Ankunft fiel der erste Regen seit langer Zeit. Sie empfingen die Fremden freundlich und trieben Handel mit ihnen.

Danach segelte Magellan die Küste Südamerikas ab und untersuchte alle Buchten. Er umsegelte das Kap Horn und wurde Namensgeber der südlichen Durchfahrt zum Pazifik, der Magellan-Strasse. Die Fahrt über den Pazifik gestaltete sich äussert schwierig, war man doch in fast völlig unbekannten Gewässern.

Für die Überquerung des Pazifik brauchte die Armada drei Monate und 20 Tage, während derer bis auf zwei winzige, unbewohnte Inseln kein Land zu sehen war. Ein Großteil der Mannschaft erkrankte an Skorbut; es gab an Bord der Schiffe nichts mehr zu essen außer mit Würmern und Rattenkot durchsetztem Zwieback. Die Seeleute begannen daher, in Salzwasser gedünstetes und geröstetes Leder oder Suppe aus Sägespänen zu essen. Besonders begehrt waren Ratten, die die Seeleute für eine halbe Dukate verkauften. Mindestens 19 Männer starben.

Wikipedia

Anmerkung: Haben wir es nicht gut? Selbst auf weiten organisierten Expeditionen müssen wir selten auf gutes Essen und eine warme geschützte Schlafmöglichkeit verzichten. Was mussten die Menschen aushalten! Und haben dies doch auf sich genommen, um Neues zu entdecken und zu erforschen!

Weil das Wetter ruhig war und die Winde günstig standen, nannte Magellan das Südmeer »mare pacifico«, friedvolles Meer. Er segelte 2000 Kilometer die chilenische Küste hinauf und schwenkte dann, die Passatwinde nutzend, nach Westnordwest ein.

Das Ende

Als sie dann wieder bewohnte Gebiete erreichten, mussten sie mit gegnerischen Einheimischen kämpfen. Bei einer solchen Auseinandersetzung auf den Phillipinen wurde Magellan durch Pfeile getötet. Sein Leichnam wurde zur Trophäe.

Ein Grab erhält Ferdinand Magellan deswegen nicht. Zwar bemühten sich die Spanier um die Herausgabe ihres Anführers. Die Einheimischen dachten aber nicht daran, seine Leiche herauszugeben. Zu kostbar waren ihnen die sterblichen Überreste des Anführers.

Am 6. September des Jahres 1522 erreichte die Victoria, eines der ursprünglich fünf, Sanlúcar, den spanischen Ausgangshafen. Lediglich 18 Männer der einst aufgebrochenen 242 (abzüglich der in der Magellanstraße meuternden ca. 55 Mann Besatzung der San Antonio) kehrten zurück, begleitet von drei ostindischen Besatzungsmitgliedern. Die erste Weltumseglung war vollendet. Sie hatte zwei Jahre, elf Monate und zwei Wochen gedauert.

Die Victoria brachte von den Molukken ungefähr 26 Tonnen Gewürze heim. Das war leider nicht kostendeckend. Trotzdem war ein Seeweg entdeckt und in der Folgezeit blühte der Gewürzhandel.

Die Ausstellung

Die Expedition wurde ausführlich dokumentiert. So gibt es zahlreiche Karten, Tage- und Logbucher, die heute in spanischen Archiven aufbewahrt werden.

Vor dem 19. Jahrhundert fiel nur wenig von diesem Ruhm der Weltumsegelung und der Entdeckungen auf Magellan ab. Während seine spanischen Auftraggeber ihn weder zu Lebzeiten noch danach sonderlich schätzten, schmähten ihn seine portugiesischen Landsleute als Verräter. Allerdings erkannte man seine seefahrerischen und militärischen Leistungen durchaus an.

Ausstellung 500 Jahre Magellan

Erst als Alexander von Humboldt ihn Anfang des 19. Jahrhundert zu einem Helden wissenschaftlicher Welterkundung erklärte, wurde seine Leistung anerkannt. Spanische, chilenische, schließlich auch englische und portugiesische Historiker machten sich daran, die Berichte und Dokumente zu seinem Leben und zu seiner Expedition aus den Archiven zu bergen und seine Geschichte neu zu erzählen.

So kann man sich in der Ausstellung auf Spurensuche machen, die alten Karten bewunden und in den Büchern von seinen Weltumsegelung und denen anderer weitgereister Forscher und Abenteurer lesen.

Alte dekorative Buchseiten.

Und welch ein Ort eignet sich dazu besser als Dr. Götze Land und Karte, eine spezielle Buchhandlung und Reisebüro. Mich hat am meisten überrascht, wieviele alte Landkarten sich bis heute erhalten haben. Die antiken Karten kann man auch online kaufen!

Ich war entzückt, auf der Tabelle von Dr. Götzes Webseite tatsächlich meinen Vortrag gelistet zu finden, den ich am 07.08.2008 über China gehalten habe.

Die Ausstellung kann zu den üblichen Ladenöffnungszeiten besucht werden. Sie geht noch bis zum Aprill 2022.

Ich habe auch andere Schätze entdeckt. Unter anderem ein Faksimilebuch über die Tabula Peuteringiana, eine römische Straßenkarte, die in ihrem äußersten Osten Seres, China, aufweisst. Ich danke Herrn Carsten Juwig, der mich mit großer Begeisterung und fachlicher Kompetenz durch die Ausstellung führte.

Links

Seefahrer Denkmal in Lissabon.
Seefahrer Denkmal in Lissabon

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2 Kommentare

  • Schade. Die Ausstellung ist was ganz besonderes. Auch voll integriert in den Buch und Kartenladen. LG Ulrike

  • Hallo Ulrike,

    Ein sehr guter Bericht über diesen Seefahren und über diese Zeit.
    Leider ist es für mich ein bisschen zu weit um mir diese Ausstellung anzusehen,
    interessieren würde sie mich sehr.
    Ich habe vor kurzen das Hörbuch „Magelan: Der Mann und seine Tat“ von Stefan Zweig gehört.
    Das paßt sehr gut zu deinem Blog.

    Bleib gesund und viele liebe Grüße!
    Ecki

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