13. September ist dieses Jahr der Tag des offenen Denkmals, die Gelegenheit für mich, mich mal in der Umgebung umzusehen. Ich musste nicht weit gehen, denn praktisch vor der Haustür ist die Martinskirche. Eigentlich ist es ein Kirchlein. Sie sieht aus wie ein Puppenhaus. Doch sie ist erstaunlich geräumig innen, und beherrscht mit ihrem Kirchturm die Gegend. Und bei einem Rundgang anlässlich des Denkmaltages füllte ihre Geschichte anderthalb Stunden. Sie ist noch nicht einmal 150 Jahre alt und hat doch einiges schon erlebt.
Die Martinskirche in Hamburg-Horn gehört zu den ältesten erhaltenen Kirchengebäuden des Stadtteils und ist zugleich ein bedeutendes Zeugnis der Horner Ortsgeschichte. Ihre Entstehung steht in engem Zusammenhang mit dem starken Bevölkerungswachstum im 19. Jahrhundert. Während Horn zunächst kirchlich von anderen Gemeinden mitversorgt wurde, entstand zunehmend der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus. 1886 wurde schließlich die Martinskapelle errichtet, die später zur heutigen Martinskirche erweitert wurde. (Geschichtswerkstatt Horn)

Geschichte der Martinskirche
Der Entwurf für das Gebäude stammt von dem Architekten Johannes Vollmer, der im Hamburger Kirchenbau seiner Zeit eine wichtige Rolle spielte. Die Grundsteinlegung erfolgte am 11. April 1886, die Einweihung am 11. November desselben Jahres. Der Termin war bewusst gewählt worden, denn der 11. November ist der Tauftag Martin Luthers. Am 11. November feiert man bei den Katholiken auch den Martinstag im Gedenken an den heiligen Martin von Tours, der an diesem Tag im Jahr 397 beerdigt wurde. Die zunächst als Martinskapelle bezeichnete Kirche verfügte zu diesem Zeitpunkt noch über keinen Turm. Erst einige Jahre später erhielt das Gotteshaus sein charakteristisches Erscheinungsbild. Am 30. September 1894 wurde der Kirchturm eingeweiht; gleichzeitig wurde aus der Martinskapelle offiziell die Martinskirche. (Wikipedia)
Die Kirche ist als Backsteinbau ausgeführt und steht damit in der für Hamburg typischen Tradition des norddeutschen Kirchenbaus. Auch im Inneren haben sich bemerkenswert viele historische Elemente erhalten. Dazu gehören unter anderem das ursprüngliche Gestühl, die Kanzel und das Taufbecken. Kanzel und Taufbecken wurden von Tischlern aus dem Rauhen Haus angefertigt beziehungsweise gestiftet. Bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 1990 wurde zudem die ursprüngliche farbliche Gestaltung aus dem Jahr 1911 freigelegt und wiederhergestellt. Dadurch vermittelt die Martinskirche bis heute einen Eindruck von ihrer historischen Ausstattung. (Hamburg)

Eine besondere Bedeutung erhielt die Martinskirche während des Zweiten Weltkriegs. Im Juli 1943 wurde Horn im Rahmen der alliierten Luftangriffe auf Hamburg, der sogenannten Operation Gomorrha, schwer zerstört. Zahlreiche Gebäude des Stadtteils gingen in den Flammen unter. Die Martinskirche blieb dagegen weitgehend erhalten und gehört zu den wenigen Kirchen im Hamburger Osten, die den Krieg in einem noch nutzbaren Zustand überstanden. Zwar wurden unter anderem das Dach, die Orgel, Fenster und einige Kirchenbänke beschädigt, doch konnten die Schäden vergleichsweise schnell notdürftig behoben werden. Bereits am 7. November 1943 fand wieder ein Gottesdienst statt. Besonders hervorgehoben wird dabei die Leistung des damaligen Küsters Antholz, der Brände in der Kirche löschte und sogar eine Brandbombe aus dem Gebäude entfernte. (Wikipedia)
Die Martinskirche nach WWII
Nach dem Krieg veränderte sich Horn stark. Durch den Wiederaufbau und den Bau neuer Wohngebiete nahm die Bevölkerung weiter zu. Die Martinskirche, die lange Zeit das einzige Gotteshaus des Stadtteils gewesen war, konnte die wachsende Zahl der Gemeindemitglieder schließlich nicht mehr allein aufnehmen. In den 1950er und 1960er Jahren entstanden deshalb weitere Kirchengemeinden und Kirchen in Horn. Die Martinskirche blieb jedoch ein wichtiger historischer Mittelpunkt des Stadtteils. (Horn – damals und heute)
Auch die Kirchengemeinde selbst entwickelte sich weiter. 1930 wurde die Horner Gemeinde offiziell selbstständig. In den folgenden Jahrzehnten entstanden mehrere weitere Gemeinden, die teilweise aus der Martinsgemeinde hervorgingen. 1999 fusionierten die Martins-, Nathanael- und Kapernaumgemeinde zur heutigen Kirchengemeinde Hamburg-Horn. Als Kirchengebäude blieb die Martinskirche erhalten. (Evangelisch-Lutherische Kirche Hamburg)

Ein weiteres prägendes Element der Kirche ist ihr Geläut. Die heutigen Bronzeglocken stammen überwiegend aus der Glockengießerei Rincker und wurden in den Jahren 1957 und 1961 gegossen. Sie tragen die Namen „Liebe“, „Wahrheit“, „Friede“, „Freiheit“ und „Freude“ und bilden gemeinsam ein fünfstimmiges Geläut. Damit gehören die Glocken ebenfalls zur jüngeren Geschichte des Kirchengebäudes. (YouTube)
Aufgrund ihrer architektur- und ortsgeschichtlichen Bedeutung steht die Martinskirche seit 1998 unter Denkmalschutz. Sie ist nicht nur ein Gotteshaus, sondern auch ein wichtiges Erinnerungszeichen an die Entwicklung Hamburg-Horns: von einem damals stark wachsenden Vorstadtgebiet über die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs bis hin zum heutigen Stadtteil. Besonders bemerkenswert ist, dass das Gebäude trotz der schweren Kriegszerstörungen in seiner Umgebung weitgehend erhalten geblieben ist. Die Martinskirche verbindet damit historische Bausubstanz, kirchliches Leben und die wechselvolle Geschichte Horns auf besondere Weise. (Denkmalstiftung)
Kleine Details, die diese Kirche besonders machen

Irgendwann kam man auf die Idee, dass es doch ganz praktisch wäre, eine Tafel zu haben, auf der die jeweiligen Lieder für den Gottesdienst stehen. Aber das war bei diesem denkmalgeschützten Gebäude nicht so einfach. Die Stelle war schnell gefunden. Doch die Tafel hing zu hoch, die, wechselnden Nummer anzubringen. Großartig was verändern konnte man nicht. Eine Leiter wäre hässlich gewesen und außerdem ein möglicher Unfallort gewesen. Also baute man einen unsichtbaren Lift hinter der Tafel, mit der man sie auf bequeme Höhe runterfahren kann und anschließend wieder hoch, damit sie gut zu sehen sind.

Dieser Kerzenständer ist mir ein Gruß aus der Heimat. Er stand ursprünglich auf der EXPO 2000 in Hannover.
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