Verirrt, verwirrt ausgerechnet in Hameln!

Viele Reisejahre, viele Reisen durch die Welt, auf eigene Faust mit Wanderungen in unbekannten Wäldern liegen hinter mir. Verirrt habe ich mich nur selten, im falschen Bus gesessen nur einmal. Ich bin immer dahin gekommen, wo ich hin wollte. Umso schwerer lastet auf meiner Seele ein Erlebnis hier in Deutschland.

Verirrt zwischen Hameln und Hannover

Ganz in der Nähe von Hannover ist es vor vielen Jahren passiert: Ich bin in Hameln in den falschen Zug gestiegen und landete nicht in Hannover, sondern in Altenbeken!

Zug Hameln Altenbeken

Bild von marvinw04 auf Pixabay Zug bei Altenbeken.

Das kam so:

Ich arbeitete 1990 bei einem Kreuzfahrtenveranstalter in Hannover. Für eine große Verkaufs- und Beratungsaktion wurde ich an einem kalten dunklen Wintertag nach Hameln geschickt.

Ich brach morgens im Dunkeln auf. In dem Reisebüro in Hameln hatte ich viel zu tun. Die Nachfrage war riesengroß! Nach einem anstrengenden Arbeitstag ging ich im Dunkeln zurück zum Bahnhof.

Ich hatte die ungefähre Abfahrtszeit im Kopf. Nun muss ich sagen, dass der Bahnhof von Hameln so seine Tücken hatte! Es gab mehrere Aufgänge. Die Gleise lagen nicht brav nebeneinander.

Ich sah nur kurz irgendwo “Hannover” stehen und eilte die Treppe hinauf. Ui! Da stand der Zug ja schon! Ich sprang in den Wagen, erhaschte noch einmal den Schriftzug “Hannover” und ließ mich erschöpft in einen Sitz fallen.

Kaum fuhr der Zug an, stand auch schon der Schaffner vor mir. Ich reichte ihm meine Fahrkarte. Dazu muss ich sagen, dass auf den Fahrkarten des Nahverkehrs damals nur Zonen und keine Zielorte standen. Knips! Die Fahrkarte war kontrolliert und für gültig befunden!

Ich konnte endlich die Augen schließen. Gemütlich ruckelte der Zug durch die dunkle Nacht und wiegte mich in einen sanften Schlaf.

Irgendwann mahnte mein Unterbewusstsein, dass irgendetwas nicht stimmte: Hätte der Zug nicht längst mal unterwegs anhalten müssen? Ich blinzelte: Draußen Finsternis und wie es schien, endlose Wälder.

Das konnte doch nicht sein! Kurz vor Hannover hätte die Fahrt durch offene Felder gehen müssen. Da flitzte ein Schild vorbei. Auf dem stand “Altenbeken”!! Plötzlich war ich hellwach! Altenbeken liegt von Hameln aus gesehen in der ganz falschen Richtung. Mir war sofort klar, dass ich so nicht nach Hannover kommen würde!

Erster Gedanke: Bis Altenbeken fahren und gucken, wann von dort der nächste Zug nach Hannover fahren würde. Und dann? Fahrkarte gültig für die Rückfahrt schreiben lassen. Mir knurrte der Magen. Ob es in Altenbeken ein Bahnhofsrestaurant geben würde?

Das größte Problem war, dass ich eigentlich am frühen Abend zu einer Freundin wollte. Der hatte ich versprochen, dass ich auf ihren kleinen Sohn aufpassen würde, während sie als Kellnerin jobbte. Die musste ich nun dringend anrufen, dass ich später, viel später kommen würde.

Bitte bedenkt:

Damals gab es kein Handy, kein Internet!

Schließlich erreichte der Zug Altenbeken. Eigentlich sollte ich um diese Zeit längst in Hannover ankommen – seufz! Der Bahnhof war dunkel, kaum Licht oder Menschen zu sehen.

Auch von dem Ort Altenbeken keine Spur! Altenbeken hat übrigens rund 8.000 Einwohner und liegt schon in Nordrhein-Westfalen. Leicht verwirrt schaute ich um mich. So schlimm hatte ich mich noch nie verirrt!

Aber es gab einen geöffneten Fahrkartenschalter, wo mir eine nette Beamtin mitteilte, dass die nächste Verbindung nach Hannover in einer Stunde gehen würde. Mit Umsteigen in Hameln!

Eine Telefonzelle fand ich auch. Meine Freundin war nicht begeistert. Ich war fast in Tränen aufgelöst. Aber was sollte ich machen?! Es gab keine Alternative.

Alles war ok, nur leider fand ich nichts zu essen oder zu trinken. Ich konnte in einem kleinen Warteraum im Warmen sitzen. Das war alles.

Irgendwann saß ich schließlich im Zug nach Hameln, stieg dort um und erreichte mit viel Verspätung Hannover. Meine Freundin war glücklich und konnte endlich zur Arbeit gehen. Und ich bekam zu guter Letzt auch was zu essen!

Ein Abenteuer mit einem Happy End! Doch noch heute ist es mir ein wenig peinlich, dass mir sowas ausgerechnet in meiner Heimat passiert ist.

Am Chirisan-Nationalpark

Unterwegs in Südkorea 1991

Ich will nicht verschweigen, dass mir etwas ähnliches in Südkorea passiert ist. Dort saß ich im falschen Bus, weil der Name meines Zielortes einen fast gleichlautenden Zwilling hat. Das ist mir nicht ganz so peinlich. Schließlich war das auch der fremden Sprache geschuldet und der koreanischen Schrift, die ich nicht wirklich beherrschte.

Wenn jetzt jemand glaubt, heute im Zeitalter von Handy und GPS ist alles einfacher, der irrt sich! Mich hat Google Maps schon einige Male in die Irre geführt! Einmal bin ich zwei Stunden Umweg gelaufen, weil Google mir die falsche Richtung wies.

Blogparade “Pleiten, Pech und Pannen”

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade von Gabriela auf Reisen. In der Blogparade wird auch nach seltsamen Begegnungen mit seltsamen Menschen gefragt. Deshalb hier der Link zu einer etwas gruseligen Begegnung in China.

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Ulrike

4 Kommentare

  • Liebe Kasia! Danke für Kommentar und tröstende Worte! Ich glaube, solche Erlebnisse bedrücken mich besonders, weil ich mir einbilde, eigentlich ein gutes Orientierungsvermögen zu haben. Ich habe mich selbst in den riesigen Städten Asiens nur sehr selten verirrt.
    Liebe Grüße
    Ulrike

  • Kasia

    Liebe Ulrike,

    was für eine Geschichte! Die Fahrt muss ja gefühlt endlos gedauert haben! Aber tröste dich, da bist du nicht alleine. Ich verlaufe (und verfahre) mich in schöner Regelmäßigkeit. Wenn man meinen Laufweg zeichnerisch nachvollziehen wollte, dann hätte man die Route einer geistesverwirrten Ameise. Und manche Bahnhöfe sind ja auch tückisch! In Warschau zum Beispiel gibt es einen ganz anderen Abfahrtort für regionale Züge als für die großen, überregionalen Verbindungen. Zu erreichen über einen langen, unterirdischen Übergang, der gespickt ist mit Verkaufsständen und Schnellimbissen. Das muss man erst wissen…

    Überhaupt gehört das Verlaufen und Suchen längst zu mir dazu. Maps App hin oder her. Eigentlich sollte jemand wie ich überhaupt nicht verreisen… wie ich das Kunststück vollbringe, mich in anderen Ländern zurecht zu finden, ist mir bis heute ein Rätsel.

    Also, wie gesagt, du bist nicht alleine. Da gibt es auf der Welt viel größere Chaoten *öhm… hüstel*

    Liebe Grüße
    Kasia

  • Die Aufregung kann ich gut nachempfinden!

  • Ich hab in den Achtzigern mal Onkel und Tante in Mannheim besucht. Und bin vor lauter Verabschieden, Umärmeln und Plaudern auf der Rückfahrt in den Zug nach Frankfurt anstatt München eingestiegen. Das war eine ganz schlimme Irrfahrt, erst in den späten Nachtstunden bin ich an dem Tag dann endlich wieder in der Heimat angelangt!

Ich freue mich auf Deinen Kommentar!