Rom abseits der Touristenpfade – die Wackelpagode

Glück ist… Wenn ich in einem römischen Museum unerwartet auf chinesisches Porzellan stoße. Hier gesehen im Palazzo di Venezia in Rom.

Darf man Figuren wie diese einfach ausstellen?
Figuren wie der Chinese (oder Chinesin) oben waren während des Jugendstils sehr beliebt. Sie wurden auch „Wackelpagode“ genannt, denn Kopf und Hände wackeln heftig, wenn man die Figur anstuppst.
Diese Wackelpagode von Meißen wurde um 1900 entworfen. Sie gehen auf eine Bestellung durch Friedrich den Großen zurück geführt, der sie für seinen Chinesischen Pavillon orderte.
„Pagode“ wurde als exotischer orientalischer Begriff am Anfang des 19. Jahrhunderts, als China voll im Trend lag, für alle möglichen chinesischen Statuen verwendet.
Es gab zahlreiche Varianten, auch von anderen Porzellanmanufakturen. Das Aussehen kann sehr unterschiedlich sein, da mit dem lustigen und überzeichneten Gesicht Persönlichkeiten karikiert werden sollten. Wackelpagoden können sowohl in weiblicher als auch in männlicher Form vorkommen.
Es gibt chinesische Vorbilder, wo ähnliche Figuren einen bettelnden Mönch darstellen sollten. Diese hatten dazu ihre Hände nach oben gewendet.
Wie gesagt, die Wackelpagode wirkt wie eine Karikatur und ist damit ein Zeugnis der frühen europäischen Auffassung des Chinesen als komische Figur, dazu da, um den Zuschauer zum Lachen zu bringen. Man sollte jetzt nicht gleich von Rassismus reden, auch wenn der sicherlich darin mitschwingt.
Die Wackelpagoden sind Zeugen ihrer Zeit. Sie waren sehr beliebt bis weit in die 1930er Jahre. Auch finde ich, dass man einen genauen Blick auf die feine, wunderschöne Bemalung der Figur werfen sollte.
Die Lage
Das Museum Palazzo di Venezia liegt in einem alten Palazzo direkt an der Piazza di Venezia, nicht weit vom Forum Romanum entfernt. Man findet dort auch römische Statuen und barocke Gemälde. Wenn man Zeit hat, sollte man das Museum mit seinen Renaissance Marmorböden, dem grandiosen Treppenaufgang und seinen schönen Sammlungen unbedingt besuchen!
Ich habe das Museum Palazzo di Venezia besucht, um mir damals die dortige Sonder-Ausstellung aus China „Mawangdui“ anzuschauen.
Links
- Wenn der Roland fällt,… - 4. Juni 2023
- Frau und Gesellschaft – China Nachrichten - 1. Juni 2023
- Meine Reiseapotheke - 1. Juni 2023
Kann gut sein! Diese Wackelpagoden konnten durchaus auch weiblich sein.
Der Körper sieht eher nach einer Chinesin aus oder täusch ich mich?
Ja da stimme ich dir zu. Wobei ich am liebsten die monochromen Gefäße mag.
Seitdem ich in der Münchner Residenz arbeite, habe ich ein Faible für Porzellan entwickelt. Ich liebe die Kunstfertigkeit der Asiaten im Umgang mit diesem Material.