LieblingsChinesisch: Frosch

Ich habe mich damit beschäftigt, was in China so als “Fisch” bezeichnet wird. Letztens habe ich mich noch einmal auf die Suche nach Fischtieren in China gemacht. Vielleicht der Frosch? Dabei bin ich auf ein ganz erstaunliches Tier gestoßen! Der Frosch in China hat unterschiedliche Namen, einer davon ist

田鸡  tiánjī  Feld + Huhn = Frosch

Der Frosch in China ist also ein Feldhuhn! Wenn ich darüber nachdenke, ist das eigentlich ganz logisch. Denn 田鸡 bezeichnet den Frosch, den man wie in Frankreich auch in China gerne isst. Es heißt, dass das Fleisch des Frosches wie Hühnchen schmeckt. Auch in Deutschland hat man früher Frosch gegessen.Frosch im Garten des mWenshu Tempels

Wikipedia zitiert aus einer (deutschen) Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts

Bey der Zubereitung der Frösche zum Verspeisen, schneidet man den Vordertheil ganz ab, zieht die Haut über den Hintertheilen ab, hacket von letztern das Vordere weg, und leget sie eine Nacht über in kaltes Wasser, um sie auszuwässern; alsdann werden diese Hinter-Viertel mit dem Rücken fricassirt, mit Mehl oder Gries bestreuet, und aus Schmalz gebacken, oder wie junge Hühner zugerichtet. Quelle: Oeconomische Encyclopädie von Krünitz, Band 15, 1778/1786, S. 174

Damit sind wir bei einem heiklen Thema. Denn es ist unendlich grausam, wie Frösche auf das gekocht werden vorbereitet werden. Ich habe es selbst gesehen! Auf einem Markt in Shanghai 1991 war ich Zeuge, wie den Fröschen bei lebendigem Leib die Beine für die Froschschenkel abgehackt wurden! Diese Methode war (ist?) übrigens auch in Frankreich und anderen Ländern der Erde üblich!

Der Frosch in China, der gegessen wird, ist meistens der Chinesische Ochsenfrosch (Hoplobatrachus rugulosus)

Der ostasiatische Ochsenfrosch oder der taiwanesische Frosch sind Froscharten aus der Familie der Dicroglossidae. Er ist in Kambodscha, China, Hongkong, Laos, Macau, Malaysia, Myanmar, den Philippinen, Taiwan, Thailand und Vietnam zu finden. (Wikipedia)

Überall auf der Welt, auch in China, setzen sich Tierschutzorganisationen gegen die grausamen Methoden der Tierschlachtung ein. Ich bin kein Vegetarier, probiere gerne auch Neues und Ungewöhnliches, aber ich esse grundsätzlich KEINE FRÖSCHE!

Das übliche Wort für Frosch in China ist

青蛙 qīngwā  grün + FroschFrosch in China

Der grüne Frosch wird in China kaum beachtet. Im alten China war der Frosch einst ein Totemtier, das wie die Kröte dem Mond zugerechnet wurde. Man glaubte, sein zahlreicher Same falle mit dem Tau vom Himmel. In den Frosch-Totem-Klans war das Verzehren von Fröschen tabu. Kröte und Frosch werden in China gerne synonym verwendet.

蛤蟆 háma Kröte

Die einzelnen Zeichen haben nur lautmalerische Bedeutung.

Die Kröte wird gerne als Frosch in China bezeichnet. Sie steht für langes Leben, unerreichbare Wünsche, Unverwundbarkeit.Frosch in China

Die Legende des Feng-Shui Geldfrosch
Der Frosch Chan Chu

Er soll der Gattin eines der Acht Unsterblichen ein Unsterblichkeitselixier gestohlen haben und damit zum Mond geflüchtet sein. Dort trank sie es und wurde in eine sehr hässliche Kröte verwandelt. Mitfühlende Götter erlaubten ihr, den Kaulquappenschwanz als ihr drittes Bein zu nutzen. Der Kröte Chan Chu ging Gold über alles und sie ließ sich durch Goldmünzen verführen.

Ein besonderer Grund, weshalb die Kröte mit Geld in Verbindung gebracht wird, liegt darin, dass Frösche sich stets in Wassernähe befinden. Wasser bedeutet Wohlstand. Eine Rolle spielt dabei auch, Dass Frösche und Kröten zahlreichen Nachwuchs haben.

Zudem wird gesagt, dass der Geldfrosch einem großen Geldbeutel ähnelt, wodurch wiederum der Wohlstand angelockt wird. Der Feng-Shui Geldfrosch soll üppigen Wohlstand bringen.

Geldfrosch

Geldfrosch

Etliche Geldfrösche bekommen während der Fertigung einige gewollte Dellen auf dem Rücken sowie auch oftmals Edelsteine. Diese Symbole stehen für das Sternbild „Großer Wagen“ und sind die Verbindung zu Wasser und Reichtum. Einige chinesische Sagen berichten, dass die Kröte vom Vollmond herausgebracht wird und ihre Sichtung in kurzer Zeit erfolgreiche Nachrichten zum Geldthema bringt.

Die Einstellung der Chinesen zur Kröte ist ambivalent.

In China wird die Kröte der Energie des Yin zugeordnet und als Symbol des Glücks angesehen. Tatsächlich empfiehlt die Praktik des Feng Shui das Bild einer Kröte ans Ost-Fenster des Hauses zu stellen, um ein glückliches Familienleben zu bewirken.

Aber die Kröte wird auch zu den Fünf Gifttieren gezählt.

Die fünf Gifttiere

Schlange, Skorpion, Eidechse, Kröte und Tausendfüßler

Diesen Tieren wird nachgesagt, dass sie viel Übles und Krankheiten mit sich bringen. Deshalb ist es wichtig, am Fest der Doppelfünf (Drachenbootfest, ein offizieller Feiertag in China) mit allerlei Glücksritualen gegen den bösen Einfluss der Fünf Gifttiere anzugehen.

Gu, das Gift der Fünf Gifttiere
Gu (simplified Chinese: 蛊;  pinyin: gǔ) or jincan (simplified Chinese: 金蚕; pinyin: jīncán; lit. “gold silkworm”) was a venom-based poison associated with cultures of south China, particularly Nanyue.

The traditional preparation of gu poison involved sealing several venomous creatures (e.g., centipede, snake, scorpion) inside a closed container, where they devoured one another and allegedly concentrated their toxins into a single survivor.

Gu was used in black magic practices such as manipulating sexual partners, creating malignant diseases, and causing death. According to Chinese folklore, a gu spirit could transform into various animals, typically a worm, caterpillar, snake, frog, dog, or pig. (Wikipedia)

Mein Besuch im Wenshu Tempel, Chengdu

Zum Schluss eine freundliche Geschichte von meiner Begegnung mit Fröschen in China:

Buddhistischer Wenshu-Tempel in Chengdu

Es gibt einen etwas größeren Teich, über den an einer Stelle eine überdachte Brücke führt. Dort traf ich auf eine Gruppe älterer Leute, mit denen ich mich eine Weile unterhielt. Das ist mein China, wie ich es liebe! Beim ersten Mal fielen mir dunkle, grunzende Geräusche auf, die sehr laut waren. Es hörte sich an, als ob man auf dem Gelände des Tempels einen Kuhstall hätte.

Ich fand die Ursache dieser merkwürdigen Grunzer nicht sofort. Dafür konnte ich zahllose kleine Schildkröten beobachten, die sich in der Sonne ausruhten. Erst bei meinem zweiten Besuch fand ich heraus, wer diese lauten Rufe ausstieß: Frösche! Waren das Ochsenfrösche? Ich weiß es nicht, obwohl sich die Rufe sehr nach Ochse anhörten.

Überall im Teich saßen die dicken Viecher und grunzten und riefen. Dazu die Schildkröten und in einer Ecke entdeckte ich eine weiße Gans. Alle diese Tiere konnten sicher sein, dass ihnen in diesem Teich niemand zu Leibe rückte, denn schließlich waren sie Bewohner des Wenshu-Tempels.

乌龟  wūguī  schwarz + Schildkröte = Schildkröte

Hier kann man auch einfach für die Schildkröte nehmen. Aber die Tendenz geht zu zweisilbigen Wörtern. Schaut Euch das Schriftzeichen genau an! Da kann man die Schildkröte ganz deutlich erkennen!

Wenshu Tempel Schildkröten

Ulrike

Jahrgang 1955. Mehr als 30 Jahre Reise-Erfahrung in China und Asien. China-Expertin bei feel China. Lasst Euch von meinen Erfahrungen inspirieren! Nicht nur über China! Weitere Themen: Museen, Hamburg, Hannover, Rom, Paris, London u.v.m.
Ich freue mich über Eure Kommentare!
Ulrike

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4 Kommentare

  • 443 area code

    Ihre Reisen und Ihr Lebensstil sind ausgezeichnet. Wenn ich eines Tages Geld habe, möchte ich reisen. Ich folge dir immer Du hast eine tolle Webseite. Vielen Dank.

  • Gretlies Gehrts

    Hallo Ulrike,
    herzlichen Dank für die wunderschönen Geschichten. Ich liebe es, Deine Blog-Beiträge zu lesen!
    Ich wünsche Dir einen schönen 1. Advent und hoffe, dass wir in der Adventszeit einen Termin finden, an dem wir bei “unserem” Chinesen essen… es muss ja nicht Frosch sein.

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