Hin und her gerissen: Athena und Marsyas

In der Skulpturensammlung des Frankfurter Liebieghauses gibt es eine der faszinierendsten antiken Statuengruppen: Athena und Marsyas des Künstlers Myron.

Athena und Marsyas im Garten des Liebieghauses
Athena und Marsyas im Garten der Liebieghaus Skulpturensammlung

Liebieghaus Skulpturensammlung

Athena und Marsyas

Eines Tages entwickelt Athena, die Göttin der Schönen Künste, ein neues Musikinstrument, eine Doppelflöte, die Auloi. Sie ist ganz verzaubert von dem wundervollen Klang der Flöte. Doch dann erzählen ihr Leute, die sie beim Flötenspiel beobachten, dass beim Spiel ihre Wangen aufgebläht werden, so dass sich ihr Gesicht verzerrt und hässlich wird.

Angewidert wirft sie das Instrument von sich und wendet sich ab. Da nähert sich Marsyas, ein Satyr. Verspielt und neugierig möchte er das Instrument untersuchen. Doch er scheint zurückzuschrecken. So, als ob von der Flöte noch eine göttliche Ausstrahlung ausginge.

Hin und hergerissen

Das ist der Moment, der in der Skulpturengruppe des berühmten griechischen Künstlers Myron dargestellt wird. Das Interessante und Phänomenale an der Gruppe ist, dass Athena und Marsyas in der Legende selbst gar nicht gleichzeitig in der Szene erscheinen. Deshalb begegnen sich die Blicke der beiden Figuren nicht und sind ganz und gar auf die am Boden liegende Doppelflöte gerichtet.

Die Athena wird in der Gruppe vor allem als Erfinderin der Auloi-Flöte dargestellt. Sie strahlt Schönheit aus und wirkt abweisend. Ihr Blick ist noch auf die Flöte gerichtet, doch sie befindet sich bereits im Weggehen. Marsyas’ Gesichtszüge, seine hochgeworfenen Arme und die verrenkt wirkenden Beine erinnern an die beliebten Satyr-Spiele, bei denen die Auloi geblasen wurde.

Marsyas galt in der griechischen Mythologie als Meister der Auloi-Flöte. Die vielen Gegensätze, das Hin- und Hergerissen sein ist in vielen Details herausgearbeitet.

Athena hat den linken Fuß von der Flöte weggesetzt, doch schaut sie zurück. Marsyas ist mit seinen Füßen schon ganz nah an der Flöte, doch sein zurückgebeugter Oberkörper strahlt Abwehr und Zögern aus.

Was ist ein Satyr?
Ein Satyr oder Silen ist in der griechischen Mythologie ein Dämon im Gefolge des Dionysos. Satyrn gehören zu den Mischwesen der griechischen Mythologie. Sie treten relativ spät erst am Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. auf. Wikipedia

Der griechische Bildhauer Myron

Myron war einer der berühmtesten griechischen Bildhauer des 5. Jahrhunderts v. Chr. Er wird häufig in einem Atemzug mit Künstlern wie Phidias und Polyklet genannt. Er war berühmt für seine realistischen Darstellungen, vor allem von Tieren. Leider sind von seinen Bronzestatuen nur römische Marmorkopien erhalten geblieben. Doch diese sind deutliche Zeugen seiner großartigen Kunst.

Er schuf die Gruppe um 450 v.Chr. aus Bronze. Dass wir heute wissen, wie diese Figurengruppe, die schon von Plinius dem Älteren und Pausanias erwähnt wurde, einst aussah, ist zum einen den Römern zu verdanken. Diese fanden die griechischen Bronzeskulpturen so toll, dass sie sich gerne eine Kopie aus Marmor in ihrer Villa aufstellten.

Zum Anderen haben Archäologen und andere Wissenschaftler viel Mühe darauf verwendet, aus den zahlreichen Teilen, die man von der Athena und Marsyas Gruppe gefunden hat, das originale Kunstwerk zu rekonstruieren.

Erinnerungen an mein Archäologie-Studium

In Frankfurt führte mich eines meiner Hauptinteressen zum Liebieghaus, wo im Garten eine golden glänzende Rekonstruktion der Athena-Marsyas-Gruppe steht. In dem wundervollen Skulpturen-Museum steht eine der besterhaltenen Athena-Statuen, die Athena des Myron. Sie ist eine alte Bekannte von mir, denn vor vielen, vielen Jahren habe ich mal ein Referat über sie gehalten. Damals, als ich in Kiel Klassische Archäologie studierte.

Athena im Liebieghaus
Die Athena des Myron im Liebieghaus

Wieder war ich begeistert von den feinen Gesichtszügen der Statue, den großartigen Details in Kleidung und Haut. Wie beeindruckend muss die Original-Bronzestatue gewesen sein!

Athena des Myron
Athena des Myron

Links

Der Wind

Dies nette Kerlchen aus dem Liebieghaus möchte ich Euch nicht vorenthalten. Es stammt aus dem Barock und steht symbolisch für Wind bzw. Sturm. Da könnt Ihr sehen, wie sehr kräftiges Pusten das Gesicht verändert.

Liebieghaus Statue Wind
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5 Kommentare

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  • Das hört sich spannend an! Dann solltest Du auf jeden Fall mal ins Liebighaus-Museum in Frankfurt!

  • Tolle Figuren. Ich interessiere mich schon seit langem für antike Götter und deren Verkörperlichung durch Skulpturen. Darauf möchte ich auch meine Masterarbeit in Geschichte beziehen!!

  • Ulrike Hecker

    Hallo, das im Garten sind ja nachgemachte. Das Wetter war sehr schön. Danke der Nachfrage!

  • Martin N.

    Hallo Frau Hecker,

    wenn ich diese Bilder mit anschaue, muss ich zwangsläufig an die Türkei und an Griechenland denken. Aber auch an Berlin. Denn ähnliche Skulpturen sind auch im Pergemonmuseum zu finden. Doch es ist schon sehr beeindruckend, dass die Figuren frei im Garten stehen und immer noch so gut aussehen. Wie war das Wetter?? Hoffe keine Probleme mit der großen Hitzewelle?

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