Die neuen Bilder des Augustus

Macht und Medien im antiken Rom – Augustusausstellung in Hamburg.

“Das Bucerius Kunst Forum thematisiert mit der Ausstellung Die neuen Bilder des Augustus. Macht und Medien im antiken Rom  einen zentralen Aspekt antiker Bildkultur: den regelrechten Bilderboom, der sich unter dem ersten römischen Kaiser Augustus Bahn bricht.” Bucerius Kunst Forum

Ausstellung „Die neuen Bilder des Augustus.  Macht und Medien im antiken Rom"
Ausstellung „Die neuen Bilder des Augustus. Macht und Medien im antiken Rom“ Foto: Ulrich Perrey

Augustus, erster römischer Kaiser

Augustus (* 23. September 63 v. Chr. als Gaius Octavius in Rom; † 19. August 14 n. Chr. in Nola bei Neapel). Er war der erste Kaiser in Rom.

Unter der Devise der Wiederherstellung der Republik – restitutio rei publicae – betrieb er in Wirklichkeit deren dauerhafte Umwandlung in eine Monarchie in Form des Prinzipats. Damit setzte er dem Jahrhundert der Römischen Bürgerkriege ein Ende und begründete die Julisch-Claudische Kaiserdynastie. Seine Herrschaft, nach außen durch zahlreiche Expansionskriege geprägt, mündete im Inneren in eine lang anhaltende Konsolidierungs- und Friedensphase, die als Pax Augusta verklärt wurde. Wikipedia

Mein Besuch

Gedämpfte Atmosphäre, dunkelrote Wände, davor die weißen Marmorstatuen des Augustus und seiner Verwandten. Wie im Tempel. Die Besucher – und es sind viele an diesem Sonntag – unterhalten sich nur im Flüsterton, wenn überhaupt.

Ich fühle mich an mein lange zurückliegendes Archäologie-Studium erinnert. Die Statuen und Köpfe sind eng aneinandergereiht. Sie fordern geradezu dazu auf zu vergleichen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken.

Ausstellung „Die neuen Bilder des Augustus.  Macht und Medien im antiken Rom"
Ausstellung „Die neuen Bilder des Augustus. Macht und Medien im antiken Rom“ Foto: Ulrich Perrey

Nun, das ist gewollt. Denn die Statuen, die damals in jeder besseren Amtsstube und an herausragenden öffentlichen Orten standen, waren Kopien einzelner Originale. Die Anordnung der Locken, die Form der Nase und seines Gesichts sollte auf den ersten Blick wiedererkennbar sein. Jeder, der so eine Figur sah, musste sofort sagen können: “Das ist Augustus, unser Kaiser!”

Porträt des Augustus mit verhülltem Haupt
Erste Jahrzehnte 1. Jh. n. Chr.
Chiusi, Museo Archeologico Nazionale, Inv. 3182
© Su concessione del Ministero della Cultura – Direzione regionale Musei della Toscana - Firenze
Porträt des Augustus mit verhülltem Haupt
Erste Jahrzehnte 1. Jh. n. Chr.
Chiusi, Museo Archeologico Nazionale, Inv. 3182
© Su concessione del Ministero della Cultura – Direzione regionale Musei della Toscana – Firenze

Der Ehrgeiz, den Kaiser überall ganz einfach erkennbar darzustellen, findet man auch auf Münzen wieder:

Augustus Aureus
Porträtkopf der Livia als Ceres
Um 40 n. Chr.
Kunstsammlungen Antike der Ruhr-Universität Bochum, Inv. S 1081
© Michael Benecke
Porträtkopf der Livia als Ceres
Um 40 n. Chr.
Kunstsammlungen Antike der Ruhr-Universität Bochum, Inv. S 1081
© Michael Benecke

Es gab eine regelrechte Kopistenindustrie, die in dagewesener Fülle dafür sorgten, dass jeder sich mit einem gewissen Wohlstand so eine Büste ins Wohnzimmer stellen konnte.

Damit wurde auch Information und Propaganda verbreitet. Es gab so gut wie keine Porträts von dem alten Augustus. Er musste der jugendliche und kraftvolle Kaiser bleiben.

Darüberhinaus konnte man sich auch das eigene Porträt leisten. Es gab also eine große Schwemme von Statuen und Porträt-Köpfen. Ein neuer Umgang mit den Bildern führte auch zu Veränderungen in der Architektur und Alltagsgegenständen.

Die Ausstellung

Die Ausstellung zeigt in fünf Kapiteln den neuen Umgang mit Bildern: Das Bild des Kaisers und der Kaiserin, Neue Narrative und einprägsame Bilder, Das neue Bild der Stadt, Neue und alte Bilder im Kult und Bilder im Haus zwischen Tradition und Innovation.

Durch Bildnisse in Form von Porträtköpfen, Büsten, Statuen und Münzen, die in zuvor unerreichter Omnipräsenz in Rom und in den Provinzen Verbreitung fanden, kommunizierte das Kaiserhaus in diversen Medien mit dem Volk. Für seine Selbstdarstellung nutzte Augustus zudem neue Narrative und einprägsame Bilder über die Geschichte der Stadt Rom, die göttliche Herkunft seiner Familie, seine Erfolge oder die Sieghaftigkeit des Kaisers im Allgemeinen.

Ich finde es interessant, hier die angedeuteten Parallelen zu den modernen Medien zu entdecken. Wenn die Römer damals schon das Internet gehabt hätte, hätte sich das Volk vor lauter Bildern des Kaisers kaum retten können. Die Menschen hätten Facebook und Co. geliebt!

Die neuartigen Darstellungen machten sich auch in Architektur und Alltagsgegenständen benerkbar. Unter den Bildnissen, die das verdeutlichen, fand ich das Folgende amüsant:

Satyr und Mänade (oder Ariadne)
Um 40 v. Chr. – 50 n. Chr.
Neapel, Museo Archeologico Nazionale, Inv. 110590
© Archivio dell'arte / Pedicini fotografi
Satyr und Mänade (oder Ariadne)
Um 40 v. Chr. – 50 n. Chr.
Neapel, Museo Archeologico Nazionale, Inv. 110590
© Archivio dell’arte / Pedicini fotografi

Wenn Ihr nun glaubt, dass die Statuen und Porträts weiß wie der Marmor waren, so täuscht das! Vor der Tür zur Ausstellung steht eine rekonstruierte Statue des Augustus in voller bunter Pracht!

Infos

Ausstellung noch bis zum 15.01.2023

Bucerius Kunstforum
Alter Wall 12
20457 Hamburg

Unbedingt ansehen!

Eintrittspreise:
Erwachsene: 9 Euro
Ermäßigt: 6 Euro
Montags (außer feiertags): 6 Euro

Öffnungszeiten
täglich 11:00 — 19:00 Uhr
donnerstags 11:00 — 21:00 Uhr

Links

Ausstellung „Die neuen Bilder des Augustus.  Macht und Medien im antiken Rom“ Foto: Ulrich Perrey
Ausstellung „Die neuen Bilder des Augustus. Macht und Medien im antiken Rom“ Foto: Ulrich Perrey

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