H. Rosendorfer: Briefe in die chinesische Vergangenheit

Buchempfehlung: Briefe in die chinesische Vergangenheit

Inhalt

Vor tausend Jahren bricht der chinesische Würdenträger Kao-tai auf, um eine “neue” Welt zu entdecken. Zusammen mit einem Freund hat er einen “Zeit-Reise-Kompass” entwickelt, von dem er sich in die Zukunft versetzen lässt.

Es gibt nur ein “kleines” Problem: Er landet nicht im China der Zukunft, sondern in einer seltsamen Stadt, die er Min-chen nennt. Diese Stadt bietet nicht nur eine völlig fremde Kultur und Sprache, sondern auch allerlei exotische Dinge und Phänomene, die ihn anfangs äußerst verwirren.

Kao-tai trifft auf einen Mann, den Herrn Shi-shmi, der ihm Unterkunft bietet. Wachsende Verständigung ist möglich. Mit Hilfe von Shi-shmi lernt Kao-tai die moderne Welt in Bayern (Ba-yan) kennen.

Der Leser erfährt von all den Abenteuern durch die Briefe, die Kao-tai an seinen Freund im fernen und vergangenen Kai-feng schreibt. Denn es gibt glücklicherweise einen Kontaktpunkt, über den er auch die Antworten seines Freundes erhält.

In Briefen an seinen Freund im Reich der Mitte schildert er seine Erlebnisse und Eindrücke, erzählt vom seltsamen Leben der »Großnasen«, von ihren kulturellen und technischen Errungenschaften und versucht Beobachtungen und Vorgänge zu interpretieren, die ihm selbst zunächst unverständlich sind.

Die Beschreibungen der ungewohnten Dinge und Erlebnisse sind mit einem köstlichen Humor geschrieben. Manche Begriffe sind in einer Art simulierter chinesischer Aussprache wiedergegeben. Bei manchen ist die Bedeutung schnell klar (A-tao = Auto), bei manchen habe ich eine Weile gerätselt (We-to-feng = Beethoven ; Hau-go-shu = Augustus, römischer Kaiser).

Viele Aspekte des modernen Lebens in Bayern diskutiert Kao-tai mit Shi-shmi, von der klassischen Musik bis zur Atombombe. Die Gespräche sind tiefgründig und teilweise auch gerade durch die Naivität und Weisheit des alten Chinesen kritisch und aufdeckend. Kao-tai erlebt so einiges Seltsame, ja, er geht sogar eine Beziehung zu einer feschen Münchnerin ein!

Der Autor

Herbert Rosendorfer, geboren 1934 in Gries/Bozen, zog 1939 mit seinen Eltern nach München. Nach dem Abitur war er ein Jahr an der Akademie der Bildenden Künste und wechselte dann zur Juristerei. 1959 machte er sein Erstes und 1963 sein Zweites Staatsexamen. Nach einer Karriere als Staatsanwalt in München war er von 1969 bis 1993 Amtsrichter in München und bis 1997 Richter am Oberlandesgericht in Naumburg. 1990 wurde er zum Professor für bayerische Literaturgeschichte ernannt und erhielt einige bayrische Literaturpreise. Von seinen “Briefen in die chinesische Vergangenheit” wurden über zwei Millionen Exemplare verkauft. Er lebte zuletzt in Bozen und starb am 20. September 2012.

Wie ich das Buch sehe

Ich habe das Buch “Briefe in die chinesische Vergangenheit” zuerst in den 1980er Jahren gelesen, als ich meine erste Reise nach China plante. Es ist nämlich bereits 1983 erschienen. Als ich es jetzt (2020) noch einmal gelesen habe, habe ich es mit meinem ganzen Wissen vom heutigen China und seiner Geschichte gelesen. Ich habe vieles wiedererkannt und manches vielleicht auch mit Hilfe dieses Buches besser verstanden.

Doch heute kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, der mich motiviert, die Briefe in die chinesische Vergangenheit zu lesen: Der Blick auf das Deutschland der 1980er Jahre. Eine Welt ohne Computer, ohne Google, ohne Handy. Da finde ich mich wieder und kann die Lektüre auch der Smartphone-Generation sehr empfehlen.

Es gibt übrigens auch eine Fortsetzung, die ich leider noch nicht gelesen habe: Herbert Rosendorfer: Die große Umwendung: Neue Briefe in die chinesische Vergangenheit. 1. Auflage, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1998Briefe in die chinesische Vergangenheit

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Ulrike
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9 Kommentare

  • Hallo Ulrike,

    Seltsam??? Warum? Ich bin von Hörbüchern ganz begeistert.
    Das habe ich mir auf meinen langen beruflich bedingten Autofahrten angewöhnt, zuerst mit Englisch-Auffrischkursen,
    dann mit dem rest der Literatur. Es macht bis jetzt viel Spass, besonders wenn Autoren selbst lesen, (Günther Grass, Marc-Uwe Kling, Joachim Meyerhof,…). Es gibt sehr gute Sprecher und leider auch einige schlechte.

    Viele liebe Grüße!
    Ecki

  • Hallo Ulrike,

    Sorry für meinen späten Kommentar,
    ich komme kaum noch zum Lesen der Blogeinträge,
    aber über Rosendorfer will ich doch etwas schreiben.

    Ich habe natürlich auch diese Briefe gelesen
    und es waren auch meine ersten MC Cassetten als Hörbuch.
    Rosendorf hat selbst gelesen, was auch ein großes Vergnügen war.
    Ich kann mich noch gut erinnern, daß ich bei einigen Ausdrücken überlegen mußte,
    was damit gemeint war. Ein Buch mit Tiefgang, aber auch zum Schmunzeln.

    Es gibt von Rosendorf auch eine Buchserie über dir Deutsche Geschichte.
    Er schreibt in 8 Bänden mit großen Wissen über die deutsche Geschichte von den Anfängen (400 v. Chr.) bis ins 18. Jahrhundert
    und das in unterhaltsamer Form. Er deckt dabei ganz neue Zusammenhänge auf. Mit bestechender Sachkenntnis und feinsinniger Beobachtungsgabe werden die Triebfedern der Geschichte entlarvt.
    Es ist eine sehr gute Ergänzung zu dem Geschichts-Schulwissen. Es hat mir sehr viel Freude gemacht.

    Bleib gesund und
    Viele liebe Grüße!
    Ecki

    • Moin!
      Als Hörbuch stelle ich mir das etwas seltsam vor. Die Bücher über deutsche Geschichte werde ich jetzt wohl auch lesen. Danke für den Tipp!
      Alles Gute!
      Ulrike

  • Das Buch habe ich als Jugendliche geliebt. Ich könnte es eigentlich mal wieder lesen… Sehr zu empfehlen. Danke für den Buchtipp!

  • Liebe Ulrike,
    auch bei mir sind schon einige Jahre ins Land gegangen, seit ich das Buch auf Empfehlung eines guten Freunds gelesen habe und ich erinnere mich mit Spaß daran. Ich glaube, ich muss meinen Freund fragen, ob er es mir nochmal zum Lesen ausleiht.
    Liebe Grüße nach Hamburg
    Peter

  • Ich liebe dieses Buch seit vielen Jahren schon! – Es ist nicht schlimm, wenn du den zweiten Teil noch nicht gelesen hast, er kommt bei weitem an den ersten nicht heran.
    Liebe Grüße!

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