12 Gorillas in der Mönckebergstraße

Seit wenigen Tagen hat sich eine Horde überdimensionaler Gorillas am Anfang der Mönckebergstraße niedergelassen (kann man eigentlich nicht schreiben, denn sie stehen ja). Dafür werden sogar die Busse umgeleitet.

Die 12 Gorillas in der Mönckebergstrasse.

Vom 03. bis zum 17. Juli sollen die Skulpturen die Aufmerksamkeit der Einheimischen und Touristen auf sich ziehen. „Angekommen“ heisst die Gruppe des chinesischen Künstler Liu Ruowang und ist eine Kooperation mit der internationalen Kunstausstellung NordArt in Büdelsdorf.

Die Gorillas

Gorillas? Von einem chinesischen Künstler? Schon sehr merkwürdig.

Die Gorillas sind 3,50m groß und rund 600 kg schwer. Sie blicken aufrecht stehend nach oben. Ganz unberührt von dem Gewusel um sie herum, über das sie arrogant hinwegsehen. Die starke Gesichtsbehaarung und mangelnde Brüste weisen sie als Männchen aus, ansonsten fehlen geschlechtsspezifische Merkmale.

Auf den ersten Blick sehen sie alle gleich aus. Erst wenn man sie intensiv betrachtet, wird man kleine Unterschiede feststellen. Mal sind die Haare anders, mal die Füße, schaut nur genauer hin!

Das erinnert mich an andere überdimensionale chinesische Figuren: die Terrakotta-Armee in Xi’an. Sehr ähnlich, aber auch mit Unterschieden.

„Die verblüfften Augen und das unschuldige Gesicht der Affenmenschen offenbaren den Wunsch, all das zu korrigieren und in Richtung einer strahlenden Zukunft zu gehen“ so Liu Ruowang.

Der nach oben gerichtete Blick der Gorillas.

Strahlen die Gesichter nicht eher Arroganz aus? Der dumpfe Blick nach oben, die muskelbepackten und haarigen Körper symbolisieren für mich die Gleichgültigkeit der Menschen, sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen, über Probleme und Nöte hinwegzusehen. Das Gehirn ist bei den „Gorillas“ so gut wie nicht vorhanden.

Interessant fand ich, dass die Gorilla-Skulpturen in einen Zusammenhang mit einem Zitat von Erich Kästner (1899-1974) gebracht werden. Er stellt in seinem Gedicht „Die Entwicklung der Menschheit“ in der letzten Strophe fest: „So haben sie mit dem Kopf und dem Mund/ den Fortschritt der Menschheit geschaffen./ Doch davon mal abgesehen und/ bei Licht betrachtet sind sie im Grund/ noch immer die alten Affen.“

Die Stadt und die Gorillas

City Managerin Brigitte Engler: „City Management möchte mit dieser Aktion zum Ende der Baumaßnahmen der Hochbahn ein Highlight mit großer Strahlkraft für die Innenstadt realisieren und den Stadtraum einzigartig erlebbar machen. Die Kunst ist nicht da, wo man sie erwartet, sondern wir holen die Kunst dahin, wo die Menschen sind.“

Das Projekt soll wohl auch für eine Belebung der Mönckebergstraße sorgen, die zuletzt eher negative Schlagzeilen gemacht hatte. Etwa mit dem Aus des Park Hyatt-Hotels im Levantehaus oder aber der Schließung der C&A-Filiale nach 109 Jahren. Schon länger stehen in der bundesweit bekannten Einkaufsstraße die ehemals durch Kaufhof und Karstadt Sport genutzten mehrgeschossigen Immobilien leer.

Die Gorillas

Liu Ruowang

„Geboren 1977 in der Shaanxi Provinz. Nach Abschluss seines Studiums an der
CAFA (China Central Academy of Fine Arts) 2005 fand Liu Rowang Anerkennung
durch viele Institutionen, und seine Arbeiten sind seither in privaten und öffentlichen Sammlungen auf der ganzen Welt vertreten.

Seine Werke sind tief im chinesischen kulturellen und historischen Kontext verwurzelt; bemerkenswerte Arbeiten des Künstlers sind The „East is Red“, „People Series“, „Melody“, „Wolves Coming“ und „Original Sin“. Zu seinen Werken zählen Skulpturen und Gemälde.

Eine seiner Skulptur-Installationen, „Wolves Coming“, die im Pekinger 798 Art District ausgestellt war, gilt als Wahrzeichen des Kunstbezirks. … 2011 und 2012 wurden Lius Arbeiten im National Museum of China, im China National Art Museum und anderen Museen in ganz China gezeigt. Um den kulturellen Austausch zu fördern, wurden seine Werke 2013 im südkoreanischen Parlament ausgestellt.“ Nordart

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