Ausflug nach Kirchwerder in Vierlanden

Strahlender Sonnenschein lockte mich aus dem Haus. Gestern hatte mir eine Kollegin einen Tipp für einen Ausflug gegeben. Wie wär’s mit den Vierlanden? Gerade jetzt im Frühling ist es besonders schön, denn die Vierlande sind bekannt für Obst- und Gemüseanbau. Mein Ziel war Kichwerder, ein kleiner Ort an der Elbe.

Kirchwerder in den Vierlanden.
Kirchwerder in den Vierlanden

Besonders die St. Severini-Kirche hatte meine Aufmerksamkeit erregt. Die fällt schon durch den ungewohnlichen Kirchturm auf.

Die Anfahrt nach Kirchwerder

Die Anfahrt gestaltete sich als kompliziert. Der Bus 124 nach Kirchwerder und Endziel Bergedorf fährt sonntags nur einmal in der Stunde zum Beispiel vom Hauptbahnhof oder Berliner Tor. Also bedurfte es der Vorausplanung.

Dann sitze ich im Bus und die Fahrt geht anfangs lange durch trostlose Gewerbegebiete. Erst nachdem das Kohlekraftwerk Tiefstack passiert ist, wird es ländlich. Gewächshäuser wechseln sich mit kleinen Einfamilienhäusern ab.

Manchmal erhasche ich einen Blick auf einen grünen Wall, den Deich, der das Land vor dem Hochwasser der Elbe schützt. Beim Fähranleger Zollenspieker kann ich kurz auf die Elbe gucken. Zollenspieker gehört schon zur Gemeinde Kirchwerder. Doch noch geht es über die Dörfer bis ich nach einer Stunde an der Severinskirch von Kirchwerder ankomme.

Das Dorf Kirchwerder

Zunächst mache ich einen Spaziergang durchs Dorf. Ein kleiner Teich bildet den Mittelpunkt. Unterm Deich, der an der Gose-Elbe, einem Seitenarm der Elbe, liegt, ducken sich die schönen Einfamilienhäuser. Auch einige alte reetgedeckte Häuser sind dabei.

Kirchwerder Dorf, reetgedecktes Haus.

Kinder lachen, ziehen mit Angeln zum Teich. Vögel zwitschern. Ansonsten liegt sonntägliche Ruhe über dem Dorf. Herrlich!

St. Severini in Kirchwerder

Dann erreiche ich die Kirche. Sie liegt wunderschön auf einem kleinen Hügel, umgeben von einem ausgedehnten Friedhof, mit vielen alten Bäumen und blühenden Blumen.

Sie ist St. Severini geweiht, einem Märtyrer. Die erste Kirche stammt wohl aus dem frühen 13. Jahrhundert.

Der Glockenturm

Dass der Glockenturm von St. Severini losgelöst von der Kirche auf dem umliegenden Friedhof steht, ist dem Teufel zu verdanken – zumindest einer plattdeutschen Legende nach. Die besagt, der Teufel sei so erbost über das laute Läuten der Glocken gewesen, dass er versucht habe, den Turm in die Elbe zu werfen.

Das misslang: Der Teufel bekam den Turm nicht ganz zu fassen und musste ihn noch einmal abstellen. Daraufhin soll Gott ihm entgegnet haben: „Eenmal dörtst du bloß verseuken“, auf hochdeutsch: „Einmal darfst du es nur versuchen“. Seither findet man den Turm an eben jener Stelle.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Der Turm der St. Severini Kirche von Kirchwerder.

Der Holzbau wurde wahrscheinlich um 1600 errichtet. In den Kirchenbüchern erscheint er zuerst 1634, auf seinen Balken finden sich die Jahreszahlen 1604 und 1664. 1771 wurde die heutige Turmspitze aufgesetzt. Er wurde von 2009 bis 2012 umfangreich renoviert.

Die Kirche

1319 wird die Kirche als Feldsteinkirche erstmalig erwähnt. Davon ist heute so gut wie nichts mehr erhalten. Ihr heutiges Aussehen erhielt St. Severini im 18. Jahrhundert.

Aussenansicht der St. Severini Kirche in Kirchwerder.
St. Severini

Übrigens: Im Jahre 1470 wurde der damalige Pfarrer offenbar von Ortsansässigen ohne heute noch bekannten Grund erschlagen. Dadurch stand das ganze Dorf Kirchwerder vorübergehend unter dem Großen Kirchenbann.

In der Kirche

Die Kirchwerder Kirche offenbart ihre Besonderheiten im Inneren. Sie ist überaus prächtig mit Gemälden und Kronleuchtern ausgestattet. Gar nicht wie man es in einer norddeutschen evangelischen Kirche erwartet.

Das Kircheninnere

Alle Emporen sind mit einem 38-teiligen Bilderzyklus alt- und neutestamentlicher Szenen geschmückt, der aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammt.

Die Empore

Die Orgel stammt zum Teil aus dem !7. Jahrhundert.

Das Gestühl in der Mitte ist das älteste in der Kirche und stammt zum Teil schon von vor 1600. Das Juratengestühl ist besonders schön, reine Renaissance.

Sehenswert sind die geschmiedeten Hutständer, eine Besonderheit der Vierländer Kirchen aus dem 18. Jahrhundert.

Hutständer.
Hutständer

So lassen sich viele Kleinigkeiten von besonderer Schönheit entdecken. Jeder Winkel scheint eine Überraschung zu bieten. Faltblätter mit einer ausführlichen Beschreibung liegen aus.

Kostbare Intarsien.
Intarsien am Juratengestühl

Erwähnenswert ist auch die Sammlung von 85 steinernen Grabplatten auf dem Friedhof, der größten in Norddeutschland. Die reichverzierten Grabsteine aus der Zeit von 1586 bis 1753 sind aus Elbsandstein gefertigt. Sie dienten nicht nur der Kennzeichnung der bäuerlischen Familiengrabstellen, sondern damals auch der Abwehr von weidenden Kühen und Schweinen.

Es ist ein schöner Ort, den man in Ruhe studieren sollte. Ich nutze die Zeit, um runterzukommen. Dann wird es Zeit, mit dem Bus weiterzufahren. Es geht nach Bergedorf und von dort mit der S-Bahn zurück.

Links

St. Severini in Kirchwerder.
Am Rande es Friehofs wachsen diese Bäume.

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