Der Asiatische Marienkäfer

Um diese Zeit des Jahres bekomme ich viel Besuch. In großen Scharen versammeln sich die hübschen Marienkäfer an den Hauswänden. Sie sehen, wenn man genauer hinguckt, etwas anders als unsere heimischen aus, denn sie sind Asiatische Marienkäfer.

Asiatische Marienkäfer

Der augenfälligste Unterschied liegt in der Anzahl der Punkte auf den Flügeln, die meisten der europäischen Marienkäfer haben 7 Punkte und sind rot. Der Asiatische Marienkäfer hat deutlich mehr Punkte und mehr Farbvarianten.

Der größte Unterschied, der ihn auch so interessant als Biowaffe macht, ist der Umstand, dass der Asiatische Marienkäfer sehr viel mehr Blattläuse als die heimischen Marienkäfer vertilgt.

Der normale Betrachter macht keine Unterschiede. Er findet sie schön und freut sich über den Anblick. Aber sie verdrängen die heimische Art.

Der niedliche Asiatische Marienkäfer ganz sachlich

Der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis, auch „Vielfarbiger“ oder „Harlekin-Marienkäfer“) ist ein Käfer aus der Familie der Marienkäfer (Coccinellidae).

Auf Chinesisch

瓢虫 • piáochóng = die Schöpfkelle + Insekt

Die wissenschaftliche Bezeichnung Coccinellidae leitet sich von „scharlachfarben“ (lat. coccinuscoccineus) beziehungsweise „in Scharlach gekleidet“ (coccinātus) ab. Der lateinische Ursprung des Namens findet sich auch in französisch coccinelle und italienisch coccinella wieder.

Sein Leben

Die kleinen Käfer erreichen eine Körperlänge von sechs bis acht Millimetern und werden fünf bis sieben Millimeter breit.

Marienkäfer

Der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) ist häufig heller und größer als unsere heimischen Marienkäfer und trägt meist 19 Punkte auf seinen Flügeln. Allerdings sind die Färbung und Anzahl der Punkte sehr unterschiedlich – daher auch der Name “Harlekin-Marienkäfer“.

Es gibt rotorange Asiatische Marienkäfer mit oder ohne schwarze Flecken und auch schwarze Tiere mit roten Punkten. Die Larven des Asiatischen Marienkäfers haben eine durchgezogene rotorangefarbene Seitenlinie. Eine Wachsschicht schützt die Larven zudem vor Ameisen.

Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier in Grüppchen auf von Blattläusen befallenen Pflanzen ab. Dann entwickelt er sich vom Ei über vier Larvenstadien und das Puppenstadium zum erwachsenen Käfer. Das Larvenstadium dauert ca. 2 Wochen.

Sie überwintern von Oktober/November bis März und werden maximal 3 Jahre alt.

Wie ist der Asiatische Marienkäfer nach Europa gekommen?

Zuerst führten ihn die Amerikaner als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel ein.

Der Käfer ist ein echtes Blattlausmonster. Die Larve wächst zwei Wochen und vertilgt in dieser Zeit bis zu 1200 Blattläuse. Der ausgewachsene Marienkäfer lebt bis zu 3 Jahre und frisst Tag für Tag 100 bis 250 Blattläuse und andere Schädlinge. Die ideale Biowaffe, die den Gärtnern viele Pestizide erspart.

Asiatischer  Nariankäfer Larve.
Die Larve

Doch irgendwann fand er seinen Weg aus den Treibhäusern der Gärtner hinaus ins Freie.

Im Jahr 1988 wurde er zuerst in Louisiana im Freiland beobachtet. Bis Mitte der 1990er breitete er sich bereits in 24 Bundestaaten der USA vom Atlantik bis zum Pazifik aus. In Europa wurde er im Jahr 2001 zunächst in Belgien im Freiland gesichtet. Seit 2002 gibt es ihn in Massen in Westdeutschland, zwei Jahre später in Frankreich und der Schweiz. Inzwischen ist er nahezu flächendeckend vorhanden.

Er lebt überall, wo er genügend Blattläuse findet. Dabei bevorzugt er ein städtisches Umfeld.

Eine Plage

Für Hausbesitzer wird er mittlerweile zur Plage, denn im Herbst finden sich riesige Scharen von Marienkäfern, die sich an den von der Sonne angewärmten Wänden der Häuser niederlassen. Sie kommen bis in die Wohnungen. So habe ich im Herbst meistens alle Hände voll zu tun, die hübschen Tierchen wieder an die frische Luft zu setzen.

Größere Probleme haben unsere Naturschützer mit ihnen, denn sie verdrängen einheimische Arten.

Asiatischer Marienkäfer

„Der Asiatische Marienkäfer ist weniger anfällig für Krankheiten als mitteleuropäische Arten; erstens durch Anzahl und Vielfalt der Peptide zur Infektionsabwehr und zweitens durch eine antimikrobiell wirkende Substanz namens Harmonin. Außerdem enthält seine Hämolymphe kleine Sporen eines parasitischen Einzellers. Diese sogenannten Mikrosporidien dringen in die Zellen ihres Wirtes ein und vermehren sich dort. Fressen andere Marienkäfer die Larven oder Eier eines befallenen Käfers, können diese sich ebenfalls mit Mikrosporidien infizieren.

Die Folge des Parasitenbefalls sind schwere Krankheiten oder sogar der Tod – allerdings nur für die heimischen Marienkäferarten. Dagegen scheint aus noch unbekannten Gründen der Parasit im Asiatischen Marienkäfer inaktiv zu sein und ihm nicht zu schaden, obwohl dieser in allen Stadien und sogar schon in dessen Eiern zu finden ist. Aufgrund ihrer Krankheitsresistenz und mit Hilfe der Mikrosporidien, die sie gleichsam als Biowaffe einsetzen, verschaffen sich die invasiven Käfer aus Ostasien einen erheblichen Selektionsvorteil. So gelingt es ihnen, die heimischen Marienkäferarten mehr und mehr zu verdrängen.“ Wikipedia

Die Hämolymphe hat noch eine negative Wirkung: Die asiatischen Marienkäfer nächtigen bevorzugt in geschützten Weinanbaugebieten. Wenn bei der Weinlese viele der Marienkäfer in die Maische geraten, schmeckt der Wein unangenehm bitter.

Zum Schluss

Europäischer Marienkäfer.
Europäischer Marienkäfer

Ich mag den Marienkäfer, egal ob asiatisch oder nicht. Die einheimischen werden gerne als Glücksbringer gesehen, klein, zart und unschuldig. Die Nähe zur Religion wird in den Namen Herrgottskäfer, Gotteskäfer, Herrgottswürmchen deutlich, die er auch hat.

Den wohl ältesten Beleg des Europäischen Marienkäfer als Glückssymbol bietet ein ca. 20.000 Jahre alter, 1,5 cm großer aus Mammutelfenbein geschnitzter Marienkäfer, der durch eine Bohrung wahrscheinlich mit einer Schnur um den Hals getragen wurde. Er wurde in Laugerie-Basse im Département Dordogne (Frankreich) gefunden. Wikipedia

Links

Alle Fotos sind von Pixabay, bis auf dieses, das ich in Kasachstan gemacht habe.

Kasachstan Marienkäfer
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