LieblingsChinesisch: Rauf und Runter

Chinesisch rauf und runter

Meine Irrwege durch Shanghai mit der Überlegung, was das merkwürdige, überall gleiche Schriftzeichen 上 wohl bedeuten mag, hat mich noch einmal auf diese grandiose und vielseitig verwendbaren Schriftzeichen gestoßen:

Shangxia Chinesisch Rauf und RunterDiese Schriftzeichen sind 1a-Pictogramme: Ein großer Strich für die Ausgangsebene und ein kleiner für die Richtung: oben bzw. unten.Shanghai SkylineDas 2. Schriftzeichen im Städtenamen Shanghai 海 bedeutet Meer. Shanghai ist also die “zum Meer hin gewandte” Stadt.

Shang bedeutet also nicht einfach “oben” sondern gibt eine Bewegung in eine bestimmte Richtung an. Interessant auch, dass shang in manchen Zusammenhängen auf etwas Vergangenes hinweist: vergangenes Jahr.

Chinesisch rauf

Wie oft habe ich das während meines Studiums in Peking gehört: “Shang ban!” “zum Unterricht gehen” Und jetzt heißt es auch wieder “zur Arbeit gehen”.

“shang” = “nach oben” ist natürlich eng verknüpft mit “xia” = “nach unten”. Wenn man also den Arbeitsplatz abends verlässt, heißt es mit einem erleichterten Seufzer “xia ban!”

Xia = nach untenDaraus folgt, dass logischerweise das “nächste Jahr” “xia yi nian” heißt.

shang xiaBei dem Ausdruck “xia le yi ju qi” = “eine Partie Schach spielen” muss ich daran denken, mit wie viel Kraft manchmal eine Figur bewegt wird, wie eine Handbewegung beim Skat spielen.

Das letzte finde ich besonders schön: “Seine Hand auf- und ab bewegen” = betrügen

Und noch eine Redewendung, die mir schon in Peking gut gefallen hat: Qi shang ba xia = unruhig, unsicher

Mit diesem Ausdruck beschreibt der Chinese ein Gefühl der Unsicherheit und Unentschlossenheit. Der Begriff “wechselhaft” scheint mir eine passende Übersetzung.

Ich habe mir sogar erlaubt, ein eigenes Wort mit Chinesisch rauf und runter zu kreieren. Angesichts des Pflegebettes meines Vater, das sich rauf und runter bewegen lässt, fiel mir dieses Wort für die Bedienung des Mechanismus ein:

上下 + 机  Rauf Runter + Gerät

In meinem Artikel über den Chinesischen Begriff “Krise” findet Ihr noch mehr Möglichkeiten für das Wort “Gerät”.

Viel Spaß!

 

Ulrike
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6 Kommentare

  • bambooblog

    🙂

  • Schöne Übersicht. Die letzte Redewendung gefällt mir, die muss ich mir merken!

  • bambooblog

    😀

  • Wie kommst du nur darauf? 😀

  • bambooblog

    Ich habe den Eindruck, dass die Japaner auf gar keinen Fall den Gedanken aufkommen lassen wollen, dass sie einiges von den Chinesen übernommen haben. 😉

  • Ich frage mich bei manchen Worten immer, ob die Japaner manches nicht unnötig kompliziert haben. Wir benutzen oft die gleichen Kanji, aber wir hängen dann noch Hiragana / Katakana Zeichen mit dran. Nur so, ist man in Japan der Meinung, kommt die japanische Sprache wirklich zur Geltung. Die Diskussion über die Vereinfachung der Schriften reißt sowieso nicht ab.

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