Taiyuan – Jinci Ahnentempel des Shu Yu

Zuletzt aktualisiert vor 1 Monat

Solltet Ihr nach Taiyuan, der Hauptstadt der Provinz Shanxi, kommen, solltet Ihr Euch den Jinci Ahnentempel ansehen! Der Tempel liegt wunderschön am Rande der Stadt, an einem Hang der Xuanweng Berge.

Jinci Ahnentempel - Halle der heiligen Mutter
Tempel der Heiligen Mutter

Jinci Ahnentempel bei Taiyuan (晋祠)

Die ältesten heute noch stehenden Gebäude stammen aus der Song-Dynastie (960-1279). Inmitten alter Bäume und einem ruhigen Garten liegt der Tempel zur Verehrung des Fürsten Shu Yu und der Heiligen Mutter.

Wie Shu Yu Fürst wurde

Die Legende

Vor rund 3.000 Jahren, während der legendären Zhou-Dynastie, wurde Ji Song als Kind-König. Sein getreuer Minister Zhou Gong übernahm die Regentschaft und erzog den Jungen zu einem guten Herrscher.

Eines Tages spielte der junge König mit seinem jüngeren Bruder Shu Yu.  Er schnitt ein Blatt des Phönixbaums zu der Form eines Jadezepters.  Das Blatt überreichte der junge König seinem Bruder und sagte ihm, dass das Blatt sein Fürstentum sei.  Später erfuhr Minister Zhou Gong davon. Er bat den jungen Herrscher, Shu Yu zum Fürsten zu ernennen.  Der König sagte lächelnd zu Zhou Gong: „Ich hab doch nur Spaß mit Shu Yu gemacht.“  Zhou Gong sagte ernsthaft: „Der König muss seine Worte immer ernst meinen. Jedes Wort, das der König sagt, muss vom Minister für Historik niedergeschrieben, vom Musikanten gesungen und von Ministern weit verbreitet werden.“  Daraufhin besann sich der König und bestimmte, das Land Tang an seinen Bruder Shu Yu als Fürstentum zu geben.

Das Land Tang ist der heutige Kreis Yicheng in der Provinz Shanxi.  Als Shu Yu erwachsen war, wurde er zu einem guten Herrscher in Tang.  Er entwickelte Landwirtschaft und Wasserwirtschaft.  Die Menschen im Land Tang führten ein glückliches Leben. Deshalb wurde Shu Yu auch in den folgenden Generationen verehrt.  Der Sohn von Shu Yu, Xie Fu, sah auf den Jinshui-Fluss, der durch das Land Tang fließt. Da dies eine wichtige Lebensader für die Menschen in Tang war, nannte er sein Fürstentum in „Jin“ um. Noch heute ist die Kurzbezeichnung für die Provinz Shanxi „Jin“. Um Shu Yu zu ehren, baute man an der Quelle des Jinshui-Flusses einen Tempel.  Der Tempel wurde Shu-Yu-Tempel oder Jinci-Tempel genannt.

Eiserne Wächterfigur im Jinci Ahnentempel
Eiserne Wächterfigur im Jinci Ahnentempel

Geschichte des Jinci Ahnentempels

Zum ersten Mal wird der Tempel in dem Buch „Shuijingzhu“ aus der Nördlichen Wei-Dynastie (466 – 572) erwähnt. Im Jahre 646 besuchte dann der zweite Kaiser der Tang-Dynastie Li Shimin den Jinci-Tempel. Dieser Kaiser war einer der bedeutendsten der Tang-Dynastie und heute besser bekannt als Taizong (唐太宗, Táng Tàizōng; * 23. Januar 599; † 10. Juli 649) Er regierte von 626 bis 649. Er ließ den Tempel umfangreich renovieren und ausbauen. Ein weiterer Kaiser der Song-Dynastie ließ im 11. Jahrhundert die Große Halle der Heiligen Mutter errichten.

Halle der Hieligen Mutter mit den Drachensäulen
Halle der Heiligen Mutter mit den Drachensäulen

Die Halle der Heiligen Mutter

Die Halle der Heiligen Mutter beeindruckt heute vor allem durch die zahlreichen bemalten Tonfiguren aus der Song-Dynastie. 42 zarte Mädchen-Figuren in Lebensgröße stellen Dienerinnen der als heilig verehrten Mutter des Shu Yu dar. Schaut Euch die fein gezeichneten Gesichter an! Die Gewänder sind leicht und elegant, wie es in der Song-Dynastie Mode war.

Beeindruckend sind auch die hölzernen Drachen, die sich um die Eingangssäulen wickeln. Solche Drachensäulen sind ein architektonisches Element, das nur besonders würdigen Menschen vorbehalten war.

Halle der Heiligen Mutter
Halle der Heiligen Mutter

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte kam es zu weiteren Ausbauten und Renovierungen. Alle rund 100 Hallen, Pavillons und Brücken liegen in einem wunderschönen Park mit vielen alten Bäumen, Wasserläufen und Teichen.

Zwei uralte Bäume im Jinci Ahnentempel

Zwei alte Bäume sind besonders erwähnenswert. Eine krumme, vom Alter gebeugte Zypresse soll mehr als 2.000 Jahre alt sein. Der Legende nach soll der Baum schon während der Zhou-Dynastie (11. Jh. – 8. Jh. v. Chr.) gepflanzt worden sein. Sie steht neben der Halle der Heiligen Mutter.

Alte Bäume in Jinci Ahnentempel

Ein Japanischer Schnurbaum im Park hat eine Geschichte von rund 1.000 Jahren. Beide Bäume erfreuen sich bester Gesundheit.

Noch ein Tempel und der Päoniengarten

An einem von Lotos bedeckten Teich vorbei kommt man zu einem weiteren Tempel mit einer Pagode. Beides macht einen recht alten Eindruck. Von einer Mauer umrahmt findet man hier einen Garten voller Päonien (Pfingstrosen). Im Frühjahr sollte man sich das nicht entgehen lassen!

Päonie
Päonie

Mein Besuch des Jinci Ahnentempel

Jinci Ahnentempel Eingang

Der Jinci Ahnentempel ist nicht unbedingt das, was man unter einem Platz abseits der Touristenpfade verstehen kann. Er ist eine bedeutende Sehenswürdigkeit und wird vor allem von chinesischen Touristen gerne besucht. Doch auch der eine oder andere westliche Tourbus macht hier eine Pause. Es lohnt sich auf jeden Fall! 

Wie immer ist man mit wenigen Schritten den Besuchern entkommen und kann in den Nebenhallen und dem weitläufigen Park auf Entdeckungstour gehen. Eine Pause an einem der Teiche, ein fröhliches Planschen in den Bächen und schnell habe ich mich in vergangene Zeiten geträumt, als zauberhafte Prinzessinnen durch die Bäume wandelten und sich vergnügten.

Taiyuan

Infos

(Stand November 2019):

Eintrittspreis:

80 RMB (April bis Oktober)
65 RMB (November bis März)

Öffnungszeiten:
08:00 – 18:00 Uhr (April bis Oktober)
08:30 – 17:00 Uhr (November bis März)

Anreise

Taiyuan hat einen Flughafen und einen Schnellzugbahnhof mit guten Verbindungen nach Peking und anderen Metropolen Chinas
Vom Busbahnhof fahren mehrere Busse zur Haltestelle Jincigongyuan


Taiyuan

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