Windstärke 10 in Cuxhaven

Zuletzt aktualisiert vor 1 Monat

Windstärke 10 ist ein bemerkenswertes Museum in Cuxhaven.

Von den Gefahren auf See, von Schiffbruch und dem Kampf ums Überleben, aber auch von der harten Arbeit an Bord der Fischtrawler erzählt Cuxhavens neues maritimes Museum in seiner abwechslungsreichen und für alle Altersgruppen spannenden Ausstellung.

So stellt sich das Museum “Windstärke 10” auf seiner Webseite selbst vor. So dramatisch wie der Name so dramatisch die Ausstellung!

Cuxhaven und Fischerei

Die kleine Stadt Cuxhaven liegt dort, wo die Elbe in die Nordsee mündet. Ihre Geschichte ist eng verbunden mit der Fischerei und der Nähe zur Hafenmetropole Hamburg.

FunFact: Im Ortsteil Döse liegt der nördlichste Punkt von Niedersachsen.

Einst lagen in diesem Landstrich viele kleine Dörfer, deren Einkommen auch der Fischerei zu verdanken war. Dort wo sich heute Cuxhaven befindet, gab es einen größeren Ort mit einem Schloss: Ritzebühl. Dieser wurde zusammen mit dem Ort Cuxhaven 1394 an Hamburg übergeben. Erst 1937 wurde Cuxhaven von Hamburg losgelöst.Cuxhaven

Ritzebühl und Cuxhaven waren für Hamburg nicht nur wegen der Fischerei von Bedeutung, sondern auch als Schutzposten gegen Piraterie und andere Feinde, die sich vom Meer her näherten.

Zur Durchsetzung der Kontinentalsperre, einem Handelsembargo gegen die Franzosen und Napoleon, wurden 1812 das Fort Napoleon und das Fort du Phare bei Cuxhaven errichtet. Nach der Reichseinigung wurde Cuxhaven auch militärisch bedeutsam. 1883 wurden die ersten Marineeinheiten stationiert. Fort Kugelbake (1869 und 1879) und Fort Thomsen (1905/08) sollten die Elbmündung und die Zufahrt zum neuen Nord-Ostsee-Kanal sichern.

In der zivilen Schifffahrt war ab 1889 eine Anlage der Hamburg-Amerika-Linie bedeutsam, von der nicht nur Linienverkehr über den Atlantik führte, sondern auch 1891 auf der Augusta Victoria die erste Kreuzfahrt der Welt startete.

Aber immer stand die Fischerei im Vordergrund. Dieser Geschichte der Fischerei widmet sich das Museum “Windstärke 10”.

Windstärke 10 – Erster Eindruck

Was hatte ich erwartet? Jedenfalls nicht diese hohe, lichtdurchflutete Halle! Irgendwie hatte ich mir ein kleines düsteres Heimatmuseum vorgestellt und war mehr als positiv überrascht.

Zwei historische Fischpackhallen bilden zusammen mit einem modernen Ausstellungsgebäude den authentischen Standort von „Windstärke 10“ mitten im Hafengebiet. Und damit viel Platz, um alles abzuhandeln, was irgendwie mit Fischerei und der Nordsee zu tun hat.Windstärke 10

Da werden die Fische und andere Tiere der Nordsee vorgestellt. Zahlreiche Schiffsmodelle vertiefen die lebhaften Geschichten rundum die nahe und ferne Fischerei.

Hier möchte ich einige Highlights vorstellen

Fischewer Wilhelmine

Die Fischerei in der Elbmündung war geprägt von den flachen Ewern, Boote, die sich in den seichten Gewässern gut für die Fischerei und für kurze Transporte eigneten.

Es gibt die Ewer schon mindestens seit dem 13. Jahrhundert. Besonders beliebt waren sie im 19. Jahrhundert, wo es in der Elbmündung und an der Küste rund 2.000 Ewer gab.

Windstärke 10

Reste der Wilhelmine

Eines davon ist die Wilhelmine, die im 19. erbaut wurde und später strandete und unterging. Man hat Teile des Rumpf geborgen, die jetzt im Museum ausgestellt werden. Diese Reste zeigen eindrucksvoll, wie gut sich Holz im kalten Salzwasser der Nordsee erhält.

Übrigens: Es sollen mehr als 15.000 Wracks aus vielen hundert Jahren auf dem Boden der Nordsee liegen.

Windstärke 10

In Seenot

Von der großen Halle gehen etliche Nebenräume aus, die spezielle Aspekte der Seefahrt beleuchten. In der Ausstellung “In Seenot” wird von den dramatischen Unglücken auf See berichtet. Ich hab mich in eine der Nischen gesetzt, in der ein Film gezeigt wurde vom Untergang eines großen Fischtrawlers vor Grönland.Seenotrettung

Die München sank im Sturm 1961. Von 42 Besatzungsmitgliedern kamen 27 ums Leben. Ein Überlebender berichtet vor der Kamera. Besonders tragisch war, dass die Rettungsboote durch unsachgemäße Verwendung beim Evakuieren des Trawlers beschädigt wurden und dadurch mehr Menschen starben als nötig.

Natürlich wird auch gezeigt, was man früher und heute für die Sicherheit auf See tut. Für mich einer der spannendsten Räume!

Leben an Bord

Natürlich gab es auch das eher unspektakuläre Leben an Bord eines Fischerbootes: Enge Kabinen mit schmalen Betten, eine kleine Kombüse, in der alles gegen die Bewegungen des Bootes in der rauen See gesichert werden musste.Buddelschiffe

Dazu auch der Aspekt der Langeweile an Tagen auf hoher See, Tage, an den sich nichts tat, die Seeleute darauf warteten, dass sich der erhoffte Heringsschwarm oder der Wal zeigte. Dann beschäftigten sich viele Seemänner künstlerisch. Wunderschöne Buddelschiffe mit feinen Details entstanden.

Der Lotsenraum

Neben der Fischerei und Cuxhaven als Ausgangspunkt für Schiffe in alle Welt, spielt auch heute noch der Standort für die Lotsenboote eine große Rolle. Auch heute noch werden Lotsen tätig, wenn es darum geht, die mächtigen Containerschiffe zu ihrem Platz im Hamburger Hafen bringen. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die ihren Platz im Museum Windstärke 10 hat!Taucher im Museum

Taucher

Auch Taucher gehören zur Seefahrt. In einem weiteren Raum wird die Entwicklung der Tauchanzüge und die gefährliche Arbeit der Taucher vorgestellt.

Vor dem Museum

Als ich aus der Halle vor das Museum trete, erlebe ich riesige alte Anker. Ein kleines Fischerboot liegt auf dem Trockenen, Möwen schreien, der Wind zerrt an meinen Haaren, auch wenn es nicht Windstärke 10 ist.Windstärke 10 Anker

Ich recke meine Nase in die frische Seeluft, die leicht nach Tang und See duftet. Es war ein toller Besuch! Ich habe viel gelernt und kann das Museum sehr empfehlen!

Infos

Infos Stand 10-2020
Windstärke 10 Wrack- und Fischereimuseum Cuxhaven
Ohlroggestraße 1
27472 Cuxhaven

Eintrittspreis: € 9,50

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag in der Zeit von 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Webseite des Museums: Windstärke 10

Fischauktion

Fischauktionen

Schwere Ankerkette

Links

Ulrike
Letzte Artikel von Ulrike (Alle anzeigen)

5 Kommentare

  • Danke! Das mache ich gerne!

  • Gabriele Hoffmann

    Melden Sie sich gern, dann können wir planen 🙂

  • Ein Schloss! Das ist eine gute Idee für meinen nächsten Besuch in Cuxhaven! Danke

  • Gabriele Hoffmann

    Wirklich ein schöner und sehr persönlicher Bericht. Danke dafür, wir in Cuxhaven freuen uns sehr über solche Reaktionen! Wenn es Sie wieder mal in unsere Stadt treibt, würden wir uns auch über einen Besuch in unserem Schloss Ritzebüttel sehr freuen. Dieses kleine, liebevoll sanierte Schlösschen im verwunschenen Schlossgarten wird Ihnen sicher gefallen!
    Herzliche Grüße von der Elbmündung.

  • Nemorino

    Klingt sehr spannend.
    (Ich war noch nie in Cuxhaven. Noch ein Ziel für Nach-Corona.)

Ich freue mich über Deinen Kommentar!