Das Schwänzchen-Lexikon

Chinesisch ist nicht einfach zu erlernen, sagt man oft zu mir. Und dann antworte ich regelmäßig: „Wenn man etwas mit Freude und Begeisterung macht, dann ist es einfach.“ Eigentlich ist Chinesisch, also Mandarin, eine einfache Sprache: Keine Konjugationen, keine Deklinationen, wenig Grammatik, aber viele Redewendungen. Nach einer Anfangsphase besteht das Chinesisch lernen meistens nur noch aus dem Lernen der Vokabeln und eben jener Redewendungen, die sich in Form der viersilbigen Sprichwörter, Chengyu genannt, großer Beliebtheit in China erfreuen.

Aber die chinesische Sprache hat auch so ihre Eigenheiten, die ich in meiner Rubrik „Lieblingsschriftzeichen“ gerne zur Sprache bringe. Gerade eben habe ich über das Radikal „Dach“ geschrieben und mich mal wieder in mein großes rotes Wörterbuch versenkt. Schnell kam ich von einem zum nächsten, freute mich an den unterschiedlichen Kombinationen und stieß auf 家 jiā= der Fachmann, Experte. Nun wollte ich gleich einige Beispiele anführen. Mir fiel nur nichts ein.

Wer darf sich denn so alles „Experte“ nennen? Die Herausforderung liegt darin, dass das „Jia“ angehängt wird. Und im normalen Wörterbuch findet man immer nur den Anfang eines Wortes und nicht den hinteren Teil. Ich versuchte es übers Internet ohne großartige Resultate (außer dem „Autor“).

Chinesisch lernenDann, plötzlich, erinnerte ich mich: Ich hatte doch dies „Schwänzchen-Lexikon“! Und tatsächlich: Da stand es verstaubt im Regal zusammen mit all den uralten Lehrbüchern und anderen Chinesisch-Wörterbüchern. Halbvergessen. Es fand ein freudiges Wiedersehen statt. Das Schwänzchen-Lexikon, genau genommen das „Wörterbuch der gleichlautenden Endungen“ war meine Rettung! Da kann man nämlich nachschauen, wenn man von einem zwei- oder mehrsilbigen Wort nur den letzten Teil kennt. Mehrsilbige Wörter sind im Chinesischen ja eigentlich zusammengesetzte Worte, deren einzelne Silben jeweils eine eigene Bedeutung haben. Wie schön, dass dieses Wörterbuch nach der lateinischen Umschrift Pinyin geordnet ist, so dass ich ganz schnell meinen „Jia“ fand und somit weitere Beispiele. Dass “Jia” auch Familie bedeutet und sich aus dem Schriftzeichen “Schwein” und dem Dachradikal zusammensetzt, könnte Ihr hier ein wenig vertiefen: mehr

Ich liebe Chinesisch!

Das dicke Wörterbuch ganz rechts im Foto ist übrigens das Lexikon der Redewendungen.

Zwei Jahre sind vergangen, seitdem ich diesen Artikel geschrieben habe. Durch eine Umstellung meines Blogs inzwischen hat er all seine Likes verloren. Deshalb hab ich ihn noch ein wenig überarbeitet und ergänzt und präsentiere ihn hier wie neu.

 

Ulrike

Autorin, Jahrgang 1955. Mehr als 30 Jahre Reisen in China und Asien. China-Expertin bei feel China. Lasst Euch von meinen Erfahrungen inspirieren! Nicht nur über China!
Weitere Themen: Museen, Hamburg, Hannover, Rom, Paris, London u.v.m.
Ulrike

16 Kommentare

  • Und jetzt lernst du noch Japanisch, jawoll! 😀

    • Ulrike vom Bambooblog

      😀 Ich bin froh, wenn ich mein Chinesisch nicht vergesse. Ein bisschen Japanisch hab ich mitgenommen von unterwegs: arrigato und doso, ähh… 😉

      • Nee, ist klar 😀

        Japanisch ist nicht so schwer. Die (verrückten) Schriftzeichen schrecken ab.

        Wann fliegst du wieder nach China?

      • Ulrike vom Bambooblog

        Ich hoffe, dass ich Anfang November nach Fujian reisen kann… Drück mir bitte die Daumen. Es ist noch nicht geklärt, wie ich die Reise mit meiner Arbeit koordinieren kann…

      • Wir fliegen bald nach Japan, Studium und Arbeit sind uns egal. Die Vorlesungen sind ohnehin bald zu Ende.

        Stehen Termine deiner Reise entgegen?

      • Ulrike vom Bambooblog

        Ja, aber die stehen noch nicht fest. Irgendwie wird das schon klappen. Mal sehen! Es geht eben auch ums Geld 😉

      • Du solltest vielleicht von China aus arbeiten 😉 Wobei du dann vermutlich wieder Heimweh nach Deutschland hast.

      • Ulrike vom Bambooblog

        😀

  • Das “Schwänzchenlexikon” ist wirklich interessant. Das wäre auch was für mich!

    Dass Chinesisch eigentlich eine einfache Sprache ist, sagen immer alle. Klar haben sie keine Endungen, wenig Grammatik usw., aber wenn es fünf Möglichkeiten gibt, um einen Satz zu bauen, wähle ich garantiert die sechste Variante, die dann falsch ist. Satzbau kann auch so seine Tücken haben (obwohl da wahrscheinlich die Grammatik mit reinspielt).

    Wie ich sehe, hast du den hautfarbenen “Grundkurs” im Regal. Der hat seinen Weg aus irgendeinem Keller auch einmal zu mir gefunden. Das Buch fand ich echt schrecklich! Zum Glück hatte ich in den Sprachkursen dann modernere Bücher …

    • Ulrike vom Bambooblog

      Damals gab es kaum was anderes. Ich hab übrigens mein Chinesisch mit dem “Practical Reader” gelernt. Die deutsche Variante hab ich erst später kennen gelernt. 😉

  • da dann mal los….aif zum CHINESISCH lernen…..sag mal biste noch im UR–LAUB???Hab einen guten SonnTAG…HERZlichst ANDREA:))

    • Ulrike vom Bambooblog

      Hallo Andrea, danke für den Kommentar. Urlaub war dies Jahr noch nicht. Ich wünsch dir auch einen schönen Restsonntag – Ulrike

  • Ich kann dir absolut zustimmen, wenn man etwas gerne tut, dann fällt es einem leichter.
    In der Schule damals, war ich in Französisch eine absolute Niete, und meine Lehrerin meinte, dass ich halt überhaupt nicht sprachbegabt sei. Hat sich dann auch auf den Englisch-Unterricht ausgewirkt. Inzwischen spreche ich fliessend Englisch (musste ich während dem Studium einfach lernen) und tu mir beim Spanisch lernen extrem leicht, und alle halten mich für sprachbegabt. Dabei ist die Begabung dieselbe geblieben. Jetzt mache ich es nur gerne, und investiere deswegen sicherlich auch etwas mehr Zeit.
    Chinesisch lernen ist sicherlich interessant. Ich stelle mir das ganz anders vor, als bei den europäischen Sprachen. Heisst das “Schwänzchen-Lexikon” eigentlich wirklich so? Oder hast du es nur so genannt?

    • Ulrike vom Bambooblog

      😀 Mir geht es ähnlich. Seit ich Chinesisch gelernt habe, gelte ich als sprachbegabt. Ich habe mich auch schon an Arabisch versucht. Diese Sprache entzieht sich mir vollkommen, geht gar nicht.
      Ich glaube, das Schwänzchen-Lexikon haben wir deutschen Studenten damals in Peking so genannt. Es ist so, dass das Wort “wei” nicht nur mit “Endung” übersetzt werden kann sondern auch mit “Schwanz”. 😀

  • Die Liebe zur Sprache, ja die spürt man beim Lesen.
    “Schwänzchen-Lexikon”, was für ein ulkig passender Name 🙂

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