Der Große Panda – Liebling aller China-Reisenden

Der Große Panda mit seinem markanten schwarzweißen Fell wirkt wie ein liebenswerter Teddy. Er ist ein Bär und doch Vegetarier. Der Panda lebt versteckt als Einzelgänger in den Wäldern Südwestchinas. Als Reisender kann man ihn am besten in einer der schönen Panda-Aufzustationen nahe von Chengdu, der Hauptstadt von Sichuan, besuchen. Es gibt viel Seltsames über ihn zu berichten und die Forschung weiß noch lange nicht alles über den Panda. Was man mittlerweile herausgefunden hat, möchte ich hier schildern. Und wenn es was Neues über den Panda gibt, dann wird der Artikel aktualisiert!

Der Große Panda

Der Große Panda (Ailuropoda melanoleuca) heißt auf Chinesisch 熊猫 pinyin: xióngmāo. Xiong = Bär und Mao = Katze. Er ist das Wappentier des WWF (World Wildlife Fund), der größten Tierschutzorganisation der Welt. Der natürliche Lebensraum des Großen Pandas beschränkt sich heute auf einige Schutzparks in den chinesischen Provinzen Sichuan, Gansu und Shaanxi.Chengdu Großer Panda mit Bambus

Der Große Panda – Lieblingstier

Mit seinem markanten schwarzweißen Aussehen erobert der Pandabär schnell die Herzen aller. Am besten kann man ihn in China in den Aufzuchtstationen in Chengdu und anderswo in Sichuan sehen. Jede große Stadt in China hat außerdem in ihrem Zoo einige Große Panda-Bären. Zoobesuche kann ich für China nicht empfehlen. Allerdings sind die Panda-Gehege im Pekinger Zoo schön und nahe am Eingang, so dass man nicht weiter hinein muss. Mehr zu der Problematik chinesischer Zoos lest Ihr hier.

Vielleicht erinnert Ihr Euch: 1600 Panda-Figuren zogen um die Welt, um für Tierschutz zu demonstrieren. Die Zahl stand für die damals noch in freier Wildbahn lebenden Pandas. Mittlerweile leben schon wieder mehr als 1800 Pandas in den Schutzgebieten.

Wikipedia
Auf Anordnung der Staatlichen Chinesischen Forstbehörde sind die Provinzen Sichuan, Gansu und Shaanxi seit 2011 verpflichtet, alle zehn Jahre eine Zählung der in freier Wildbahn lebenden Pandabestände durchzuführen („Panda Census“). Bei der letzten Zählung (Anfang 2015) wurden 1864 Exemplare gezählt – 10 Jahre vorher waren es nur 1596.

Das ist nicht zuletzt der wissenschaftlichen Forschung zu verdanken, die es ermöglichte, die Lebensbedingungen und den Lebensraum den Bedürfnissen der Pandas anzugleichen. Immer mehr Pandas aus den Aufzuchtstationen konnten ausgewildert werden und überlebten die anfänglichen Schwierigkeiten.

Allerdings hält sich das Auswildern noch in Grenzen: Bislang (bis 2018) wurden 7 Pandas, die in einer Aufzuchtstation aufwuchsen, erfolgreich ausgewildert. Davon 2 im Jahr 2016.

Panda-Aufzuchtstation Bifengxia.

Panda-Aufzuchtstation Bifengxia 2016

Das sagen die Forscher:

Auch solche Forschungsergebnisse kommen dem Großen Panda zugute:
Forschern der Chinese Academy of Sciences und des Beijing Genomics Institute (BGI) ist es gelungen, mit Hilfe von Gensequenzen die Entwicklung der Panda-Population etwa drei Millionen Jahre zurück zu verfolgen.

Der Große Panda ist das seltenste Mitglied der Familie der Bären. Seine einzigartige Ernährung, seine abgelegenen Lebensräume und die geringe Reproduktionsrate führten zu dem Schluss, dass es sich um eine Sackgasse der Evolution handelte, die automatisch zum vollkommenen Aussterben führen müsse.

Die Studie, für die die Forscher die Gensequenzen von 34 wilden Pandas untersuchten, zeigt, dass die sechs geografisch unterteilten Populationen lediglich aus drei verschiedenen genetischen Populationen bestehen. Dabei fanden die Forscher heraus, dass es in der Millionen Jahre langen Geschichte der Pandas mehrere Ereignisse gab, die die Population wesentlich beeinflussten. Diese führten zur Ausbreitung aber auch zu Rückgängen.

Panda Baby in Bifengxia

Panda-Baby

Seit wann gibt es Pandabären?

Vor ungefähr drei Millionen Jahren gab es den Pygmäen-Panda, der überwiegend von Bambus lebte. Das warme und feuchte Klima sorgte für große Bambuswälder und damit für das erste größere Anwachsen der Panda-Population. Nach und nach wurde der Pygmäen-Panda von anderen, größeren Arten verdrängt. Dazu trugen auch mehrere Eiszeiten vor ca. 700.000 Jahren bei.

Mittlerweile hat man per DNA-Analyse herausgefunden, dass die frühen Vorfahren richtige Bären waren und damit auch Fleischfresser. Wann sie genau vom Fleischesser zum Vegetarier wurden, ist noch nicht ganz klar. Die Zeitspanne reicht von 11,6 Millionen Jahren bis sogar zu 18 Millionen Jahren. Noch heute verfügen die Großen Panda über Fangzähne und Enzyme zur Verdauung von Fleisch. (Quelle: National Geographic)

Dann, vor ungefähr 30 – 50.000 Jahren, erlebte die Panda-Population ihren Höhepunkt mit mehreren Zehntausend Tieren. Klimaveränderungen trugen dazu bei, dass die Population großen Schwankungen ausgesetzt war. Einige der Großen Panda-Bären passten sich an, andere nicht. Deshalb gibt es heute drei genetische Varianten.

Die Forscher gehen davon aus, dass ihre Erkenntnisse dazu beitragen werden, die Pandabären zu erhalten. Die Umsiedlung wilder Pandas und die Auswilderung in Gefangenschaft geborener Pandas kann entsprechend der genetischen Varianten erfolgen. Damit erhöhen sich die Chancen auf eine erfolgreiche Zucht.

Bambus an einem Flussufer

Warum ist der Große Panda schwarz weiß?

Die meisten Forscher sind heute der Überzeugung, dass die schwarz-weiße Färbung der Pandas der Tarnung dient. Ein weißes Fell ist besonders in schneereichen Gebieten nützlich. Die schwarze Unterbrechung der weißen Fellfarbe verwirrt den Verfolger.

Eine kontrastreiche Färbung des “Gesichts” dient allerdings nicht so sehr der Tarnung, sondern der Kommunikation. Aus der Panda-Forschung ist bekannt, dass sich die Tiere gegenseitig an der Form der schwarzen Flecken um die Augen erkennen. Die schwarzen Ohren sollen “Aggressivität” den Gegnern und natürlichen Feinden signalisieren.

Bei der Geburt ist ein winziges Panda-Baby  noch ganz rosig und mit einem dünnen weißen Flaum bedeckt. Erst mit einem Monat entwickelt sich die markante schwarze Fellzeichnung.

Fun fact: Panda-Babies haben bei Geburt einen Schwanz, der sich nach wenigen Wochen zurückbildet.

Was ist die Nahrung des Pandabären?

Pandab#ären fressen am liebsten Bambus

Am liebsten fressen die Panda den Bambus gemütlich auf dem Rücken liegend

Die Forschung streitet sich darüber, seit wann die Pandas sich auf Bambus als Nahrung spezialisiert haben. Bambus ist nicht besonders ergiebig. Nur ca. 38% werden überhaupt verstoffwechselt. Deshalb muss der Panda sehr viel Bambus fressen, nämlich jeden Tag zwischen 18 und 28kg.

Noch vor 5.000 Jahren soll er sich vielseitiger ernährt haben. Deshalb ist es auch kein großes Problem, die Ernährung in Zoos und Aufzuchtstationen um Obst und Gemüse zu erweitern. Manchmal wird die Nahrung auch um etwas Fleisch ergänzt. Denn eigentlich ist der Große Panda ja ein Raubtier.

Fun fact: Speiseröhre und Magen sind mit besonders dicken Wänden ausgestattet, damit der sperrige und splittrige Bambus keinen Schaden anrichtet.

Die Spezialisierung auf Bambus bringt massive Probleme für die Pandas in der Wildnis mit sich. Zum einen werden die ausgedehnten Bambuswälder in dem natürlichen Lebensraum der wilden Pandas immer weniger, zum anderen sterben in den Jahren der Bambusblüte die Pflanzen ab. Leider isst so ein Panda auch nicht jede Bambussorte. Da wird es schwierig, genug zu finden, um zu überleben.

Da Bambus nicht sehr viel Energie spendet und eigentlich auch schwer verdaulich ist, muss der Große Panda einerseits sehr viel fressen, andererseits aber auch viel schlafen, um in Ruhe zu verdauen und Energie zu sparen. In der Regel schläft er mindestens 14 Stunden am Tag und bewegt sich langsam und bedächtig.

In Zoos hat man die Großen Pandas erfolgreich daran gewöhnt, Gemüse wie Möhren zu essen. Dadurch sind sie dort etwas lebhafter. Aber für die Gesundheit der Tiere ist eine ordentliche Portion Bambus unabdingbar.

Wie groß wird ein erwachsener Panda?

Gewicht: 70 – 100kg (Weibchen)

Länge: 120 – 190cm

Höhe: 60 – 90cm

Schwanzlänge: maximal 15cm, wenn überhaupt

Ein Pandababy ist bei der Geburt ca. 90 bis 120g schwer.

Beim Fressen

Großer Panda bei seiner zweitliebsten Beschäftigung – dem Fressen. Die liebste ist das Schlafen

Probleme bei  der Vermehrung der Großen Pandas

Die erfolgreiche Vermehrung der Pandas wird erschwert durch einen sehr langen Fortpflanzungsrhythmus. Da sie große Reviere als Einzelgänger beanspruchen, müssen sich die Partner erstmal finden. Dann dauert die empfangsbereite Zeit der Panda-Frau nur 3 bis 5 Tage im Jahr. Die Tragzeit ist mit knapp 5 bis 6 Monaten sehr kurz und führt dazu, dass ein neugeborener Panda nur rund 100 Gramm wiegt und fast nackt ist. Die anfangs sehr hilflosen Pandababies werden von der Bärin liebevoll umsorgt. Erst nach ungefähr 10 Tagen kann man Anzeichen der markanten Schwarz-weiß-Färbung erkennen.

Zwillingsgeburten bei den Pandabären

Meistens wird nur ein Junges geboren. Wenn es doch mal zwei sind, wird häufig eines von der Mutter verstoßen. Um zu überleben benötigt das Pandababy dringend die spezielle Pandabären-Muttermilch und den Körperkontakt mit der Mutter.

Fun Fact: In den Pandabären-Aufzuchtstationen hat man sich  deshalb eine besondere Vorgehensweise bei Zwillingsgeburten überlegt: Eines der Jungen ist immer bei der Mutter, eines in der Obhut der Pfleger. Alle paar Stunden werden sie ausgetauscht. Die Bärin scheint den Tausch meistens nicht zu bemerken. So können beide Pandababies mit allem Notwendigen versorgt werden.

Eigentlich wundere ich mich nach all dem, dass es überhaupt noch Pandas gibt.

Neue Forschungen (2016) haben ergeben, dass sich Pandas besser fortpflanzen, wenn sie sich ihren Partner selbst aussuchen.

Wusstet Ihr?

Der Panda hat sechs Finger: Ein außergewöhnliches Kennzeichen ist der so genannte Pseudo-Daumen: Er sitzt wie ein sechster Finger an jeder Hand und besteht aus einem verlängerten Knochen der Handwurzel. Damit kann er den Bambus, den er gerne halb auf dem Rücken liegend frisst, besser packen.

Panda im Baum

Panda-Kinder sind gute Kletterer

Fun Fact: Junge Pandabären sind übrigens gute Kletterer. Allerdings klettern sie gerne ganz weit nach oben und haben Mühe, wieder runterzukommen. Die Mutter muss dabei meist hilflos zusehen, denn sie ist zu schwer, um ihrem Kind folgen zu können. Zum Schluss kommt das Panda-Kind wieder heil zur Erde zurück.

Neueste Meldungen

August 2016

Laut statistischen Angaben aus den Provinzen können die Pandabären in freier Wildbahn in 33 lokale Arten unterteilt werden, von denen 22 vom Aussterben bedroht sind. Das gilt vor allem für 18 Arten, von denen es jeweils nur noch weniger als zehn Tiere gibt. german.china.org.cn

Geburtenrate der Großen Panda - Tafel

Panda Geburtenrate: Schild im Berliner Zoo, das die Erfolge beim Schutz der Pandas verdeutlicht

Oktober 2016

Der vierten allgemeinen Untersuchung der Großen Pandas zufolge lebten bis zum Jahr 2013 insgesamt 375 Exemplare in Gefangenschaft. Weltweit lag die Zahl bei 422. … 56 Pandabären leben bereits seit vielen Jahren als Leihgaben in 18 Zoos in 13 Ländern. China Radio International

Panda-Aufzuchtstation Bifengxia

2015 Der WWF meldet:
Großer Panda vor dem Aussterben gerettet!

Die „Fünf-Geschmäcker-Frucht“

Der WWF will für die Landbevölkerung der Panda-Gebiete andere nachhaltige Einkommensquellen schaffen, zum Beispiel mit der Schisandra-Pflanze: Diese „Fünf-Geschmäcker-Frucht“ wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin als universelles Stärkungsmittel eingesetzt und ist besonders in den Schutzgebieten des Großen Pandas verbreitet. Schisandra lässt sich nach einer Studie des WWF nachhaltig ernten, wenn man dabei bestimmte ökologische Regeln einhält. Je mehr die Menschen dort von diesen und anderen nachwachsenden Rohstoffen leben können, desto mehr verzichten sie auf illegalen Holzeinschlag in den Panda-Wäldern. WWF

Der Große Panda-Bär – Links

Die Panda-Aufzuchtstation in Chengdu

Die Panda-Aufzuchtstation in Bifengxia

Ihr wollt wissen, wo Ihr in und um Chengdu die Großen Pandas sehen könnt? Dann schaut mal auf dem Blog von feel China rein!

Auch im Zoo von Chongqing gibt es eine Pandabär-Aufzuchtstation. Diese ist als Erweiterung der ursprünglichen Panda-Haltung entstanden, als nach dem schweren Erdbeben von 2008 die Pandas von Wolong evakuiert und auf merere Stationen verteilt wurden. Ich habe kürzlich (Mai 2019) Fotos aus Chongqing gesehen. Das sah sehr schön und artgerecht aus. Hier ein Link, der mir allerdings nicht sehr attraktiv wirkt. Chongqing Zoo

Eine Übersicht über Zoos in Europa, die Große Pandas zeigen, findet Ihr auf dem Blog “Die bunte Christine

2017: Nun gibt es auch wieder Große Pandas im Zoo Berlin! mehr

Panda Baby

Dieser Artikel erschien zuerst im Mai 2015 auf dem Bambooblog und wird ständig aktualisiert.

Ulrike

Autorin, Jahrgang 1955. Mehr als 30 Jahre Reisen in China und Asien. China-Expertin bei feel China. Lasst Euch von meinen Erfahrungen inspirieren! Nicht nur über China!
Weitere Themen: Museen, Hamburg, Hannover, Rom, Paris, London u.v.m.
Ulrike

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