Eigentlich ist der Bischofsturm bei Besuchern Hamburgs so gut wie unbekannt. Und doch handelt es sich um einen bedeutenden archäologischen Fund. Diese Ausgrabungsstätte an einer der historisch wichtigsten Stellen der Hamburger Geschichte hätte mehr Beachtung verdient.
Jetzt (2023) wurde diese Außenstelle des Hamburger Archäologischen Museums aufgefrischt und zeigt sich im neuen Gewand. Eine Gelegenheit, den Artikel zu überarbeiten.

„Eigentlich deutet nichts auf ein Museum hin. Wenn man von der Mönckebergstraße Richtung Rathaus geht, kann man vor der Petrikirche in die kleine Kreuslerstraße einbiegen und weiter zum Domplatz gehen. Ganz schnell steht man dann vor dem modern gestalteten Platz, an dem man nun endgültig die Hammaburg verortet hat, die Keimzelle Hamburgs.“ schreibe ich 2015, als dieser Artikel entstand.
Jetzt (2023) ist der Ableger des Archäologischen Museum kaum noch zu übersehen. Das Cafe ist verschwunden. Statt dessen ist die Deutsche Bank nahe an die Ausgrabungsstätte gerückt. Und es ist ein Eisverkauf außen entstanden. Sehr leckeres Eis!
Von der Hammaburg (dem Domplatz) aus ist das Schild gut zu sehen. Man steigt immer noch eine Treppe hinunter, quasi begibt man sich auf eine Zeitreise ins Mittelalter.

Der Bischhofsturm
Der Bischofsturm heißt so, weil man bei seiner Entdeckung in den 1960er Jahren die riesigen Fundamente für einen Teil des einstigen Bischofssitzes hielt. Was konnte dieser mächtige Steinring (19m Durchmesser) auch anderes sein als der Rest eines bedeutenden Gebäudes? Schließlich lag in unmittelbarer Nähe einst der Hamburger Dom. Archäologen lieben solche Rätsel. Die Diskussion ging hin und her: Bischofssitz oder Teil der mittelalterlichen Stadtmauer?

Es gibt es zwei Thesen zu der ursprünglichen Verwendung des Turms. Zum einen könnte man meinen, dass es sich um einen Turm der mittelalterlichen Stadtmauer handelt. Zum anderen wird schon früh von einem „Steinernen Haus des Bischofs“ erzählt.
Im Mittelalter gab es befestigte Turmhäuser. Diese standen auf einem starken Fundament. Die eigentlichen Wohnräume aus Holz und Fachwerk erreichte man über eine Leiter. Solche wehrhaften Turmburgen gab es öfters. Sie werden „Motten“ genannt.
Die archäologischen Befunde belegen, dass dieser Turm im 11. Jahrhundert errichtet wurde, aber schon im 12./13. Jahrhundert wieder eingeebnet wurde. Also lag die Verbindung mit dem frühen Haus des Bischofs nahe.

Doch jetzt (2023) ist man der Überzeugung, einen von zwei Türmen des ehemaligen Stadttores vor sich zu haben. Denn auch heute noch verläuft die Steinstraße hier, die älteste befestigte Straße Hamburg.
Die Datierung wurde auch überprüft und auf das 12. Jahrhundert verschoben. Das Turmfundament hat zeitgleich mit einem westlich vorgelagerten Graben bestanden und sich unmittelbar hinter dem Heidenwall, der ersten bekannten Stadtbefestigung Hamburgs, befunden.
Wenn man sich hinunter begibt, kann man noch mehr entdecken als „nur“ die riesigen Findlinge des Fundaments. Ein kleinerer Steinkreis daneben entpuppte sich als Brunnen, der noch ca. 4 Meter in die Tiefe reicht.
Der Bischofsturm ist eine Anlaufstelle für alle, die sich über die Hammaburg, die sich anscheinend auf dem nahegelegenen Domplatz gelegen hat, und über die neuesten Erkenntnisse zur Geschichte der Keimzelle Hamburg erfahren möchte.

Der Domplatz
Wenige Schritte sind es von hier zum Domplatz, wo man über geschichtsträchtigen Boden spazieren kann. Der ursprüngliche Ort der Hammaburg stand lange nicht fest. Mittlerweile weiß man, dass der Ursprung Hamburgs im 8. Jahrhundert an der Stelle des heutigen Domplatzes zu finden ist. Glücklicherweise hat man den Platz nicht, wie vor ein paar Jahren geplant, für ein großes gläsernes Bürogebäude genutzt, sondern die Fläche frei gelassen. Eine Zäsur, ein kostbarer freier Raum mitten in der Stadt!
Die Gräben der Hammaburg sind mit grauen Wänden gekennzeichnet. Die hellen Quadrate markieren die Stellen, an denen einst die mächtigen Säulen des Doms gestanden haben.

Geschichte
Der heutige Domplatz in Hamburg gehört zu den geschichtsträchtigsten Orten der Stadt. Hier befand sich über Jahrhunderte der katholische Mariendom, der auf die erste von Bischof Ansgar im Jahr 834 gegründete Kirche zurückgeht. In unmittelbarer Nähe lag auch die Hammaburg, die als Keimzelle Hamburgs gilt. Nachdem die ursprüngliche Holzkirche mehrfach zerstört und wieder aufgebaut worden war, entstand im Mittelalter ein großer gotischer Dom, der mehr als 800 Jahre das geistliche Zentrum Hamburgs prägte. (Hamburg)
Mit der Reformation im Jahr 1529 änderte sich die Situation grundlegend. Während die meisten Hamburger Kirchen evangelisch wurden, blieb der Dom rechtlich eine Exklave des Erzstifts Bremen. Dadurch behielt er eine Sonderstellung innerhalb der Stadt. Im Zuge der Säkularisation nach dem Reichsdeputationshaupt-schluss von 1803 verlor der Dom jedoch seine Privilegien. Die Hamburger Obrigkeit beschloss seinen Abriss, der zwischen 1804 und 1806 durchgeführt wurde. Die jahrhundertealte Kathedrale verschwand vollständig aus dem Stadtbild, und das frei gewordene Gelände wurde anderweitig genutzt. (mariendomhamburg.de)
Der Name „Hamburger Dom“ blieb dennoch erhalten. Bereits seit dem Mittelalter hatten Händler, Handwerker und Schausteller zeitweise Schutz im Mariendom gesucht. Aus diesen Märkten entwickelte sich später das berühmte Volksfest „Hamburger Dom“, das nach dem Abriss der Kirche an verschiedenen Orten stattfand und schließlich auf dem Heiligengeistfeld eine dauerhafte Heimat fand. (Hamburg)
Heute erinnert die Gestaltung des Domplatzes an die verschwundene Kathedrale. Weiße, beleuchtete Sitzkörper markieren die ehemaligen Säulenstandorte des Doms, während ein nachgebildeter Wall die Ausdehnung der historischen Anlage und der alten Hammaburg sichtbar macht. Der Platz verbindet damit die Anfänge Hamburgs als Missions- und Handelszentrum mit seiner späteren Entwicklung zur Hansestadt. Seit 2024 trägt die Grünfläche offiziell zusätzlich den Namen Hammaburg-Platz und verweist damit auf die frühmittelalterlichen Ursprünge Hamburgs. (Bruun & Möllers – Landscape Architects)

An der Ecke Speersort/Schmiedestraße steht diese seltsame rosa Säule. Das ist ein Archäoskop! Das kann man um 360Grad drehen und beim Durchgucken einen Eindruck bekommen, wie es vielleicht mal hier ausgesehen haben mag. Es wird viel Wissen vermittelt – ganz kostenlos!
Infos
(Stand August 2023)
Da sich diese Außenstelle des Archäologischen Museums Hamburg im Untergeschoss der Eisdiele Eisbrecher befindet, kann man sie nur von Montag bis Samstag während der Öffnungszeiten (11:00 – 16:00 Uhr) besuchen. Sonntags leider nicht. Der Eintritt ist frei
Adresse: Domplatz Ecke Speersort, 5 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt
Mehr auf der Webseite des Archäologischen Museums
Ein Besuch ist sehr empfehlenswert. Vor allem wenn man in einer außergewöhnlichen Umgebung Eis essen möchte.
Spaziergang zu den Sehenswürdigkeiten in der Hamburger Innenstadt.
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Dieser Artikel erschien zuerst 2015. Ich habe ihn nach der Teilnahme an einer Führung 2019 komplett überarbeitet. 10.08.2023 Jetzt ist das Museum neugestaltet und neu eröffnet.
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Liebe Anke, ja, den kennt kaum jeamnd. Ist allerdings nur zu den Öffnungszeitend er Bäckerei zugänglich. Wenn Du magst, können wir uns auch gerne auf einen Kaffee dort treffen. Viel spaß in Hamburg
Ulrike
„Abseits der Touristenpfade“ hört sich für mich besonders gut an :). Ist abgespeichert, mal schauen, ob ich den Blick dorthin schaffe! LG Anke