Trampeltier oder Zweihöckriges Kamel

Durch die Seidenstraße ist das Zweihöckrige Kamel, auch unschön Trampeltier genannt, bei uns bekannt. Ein weiterer Name ist Baktrisches Kamel, benannt nach Baktrien, einem alten Land in Zentralasien.

Trampeltier oder zweihöckriges Kamel
Baktrische Kamele

Ich bin ihm in ganz China begegnet. Auch in der Mongolei und entlang der Seidenstraße ist es mir über den Weg gelaufen. Noch vor hundert Jahren ist manche Kamelkarawane bis nach Peking gelangt.

Sein wissenschaftlicher Name ist camelus ferus. Ferus ist lateinisch und bedeutet „wild, ungezähmt“. Auf Chinesisch heißt es

双峰​(骆)驼 • shuāngfēng (luò)tuó = das Paar + Höcker + (einhöckriges) Kamel = Baktrisches Kamel

Baktrien
Baktrien (persisch باختر Bākhtar, altpersisch Bāxtriš, avestisch Bāx’iš, altgriechisch Βακτριανή Baktriane, lateinisch Bactria, chinesisch 大夏, Pinyin Dà Xià) ist der historische Name einer Landschaft um die ehemalige Hauptstadt Baktra (das heutige Balch, Afghanistan), die nördlich des Hindukusch und südlich des Flusses Amu Darja liegt. Wikipedia

Es ist ein schönes Tier, stolz und mächtig schaut es sich um. Und es war für die Händler der Seidenstraße unentbehrlich, denn das baktrische Kamel kann große Lasten über weite Strecken tragen. Dabei braucht es wenig Wasser und ist auch sonst recht anspruchlos.

Der Karakul-See als einsame Idylle mit Kamel

Die erstaunlichen Fähigkeiten

Belastung und Tragen: Besonders wichtig für den Handel ist die unglaubliche Belastbarkeit des Zweihöckrigen Kamels. Es heißt, dass sie bis zu 270 Kilogramm tragen können, die sie pro Tag 45 Kilometer weit tragen.

Temperaturen: Sie können Temperaturen von -50° bis zu +50° C aushalten, was sie für den Handel entlang der Seidenstraße fast unentbehrlich machte. Denn es mussten Wüsten wie die Taklamakan durchquert werden, die durch extreme Temperaturunterschiede das Reisen sehr beschwerlich machten. Oder über hohe, eisigkalte Gebirgspässe. Dabei entwickelten sie ein dichtes Fell, das sie einmal im Jahr wechseln. Nützlicher und erfreulicher Nebeneffekt ist die warme Kamelhaarwolle, aus der elegante Mäntel und andere kuschelige Kleidung hergestellt wird.

Nahrung: Die Trampeltiere fressen Gras und vor allem trockene Büsche. Ihre Verdauung ähnelt der Wiederkäuern. Sie können bis 150 Liter Wasser trinken. Aber sie kommen auch tagelang ohne aus. Dabei kommt ihnen zugute, dass sie brackiges oder gar salziges Wasser aufnehmen können.

Nutzen: Auch wenn das Baktrische Kamel nicht so viel Milch gibt wie z,B, die Dromedare, wird sie doch gerne getrunken. Das Fleisch wird gerne gegessen, allerdings nur in Ausnahmefällen. Kamelhaarmäntel und -mäntel sind sehr beliebt. Für die Nomaden sind sie wertvolle Lasttiere,

„Das Pferd ist der Genosse, das Trampeltier der Diener des Steppenbewohners“ Brehm

Funfact: Die Kamele haben breite Schwielen an Füßen, auf denen sie gehen und nicht im Sand einsinken.

Wilde und domestizierte Kamele

Es gibt wilde und domestizierte Zweihöckrige Kamele, die sich erheblich in ihrer äusseren Erscheinung unterscheiden.

Als erster westlicher Wissenschaftler traf der Russe Nikolai Prschewalski im Jahre 1876 am See Karakoshun im östlichen Teil des Tarimbeckens zwischen den Wüsten Taklamakan und Kuruktagh im chinesischen Autonomen Gebiet Xinjiang auf wilde Trampeltiere. Es gelang ihm, einige Tiere zu fangen und erstmals wissenschaftlich zu beschreiben.

In der Mongolei sollen noch seltene Herden der Zweihöckrigen Kamele leben. Sie sind etwas kleiner als die domestizierten. Auch sollen sie noch besser an das salzhaltige Wasser in der Wüste gewöhnt sein.

Genetische Untersuchungen ergaben, dass sich die Gene der freilebenden Tiere um 2,8 % von den Genen der domestizierten Tiere unterscheiden (Zum Vergleich: Die Differenz zwischen den Genen der Menschen und der Schimpansen beträgt weniger als 2 %). Also ist man in der Forschung geneigt, vom einer eigenen Art zu sprechen-

Je nach Jahreszeit ist das Erscheinungsbild der Zweihöckrigen Kamele sehr unterschiedlich. Ist das Tier im Winter noch prächtig von einem dichten Fell geschützt, so sieht es im Sommer schlank und athletisch aus.

Das Baktrische Kamel heute

Touristen lieben es, eine Kamelwanderung in der Wüste zu machen. Besonders um Dunhuang kannst Du sie oft sehen, wo es die Dünen gibt. Aber auch sonst versuchen die Menschen ein wenig Geld mit den Tieren zu verdienen.

Kamel Pingyao
Baktrisches Kamel in Pingyao

Sonntagsmarkt in Kashgar

Ich war zweimal auf dem Sonntagsmarkt in Kashgar. Leider habe ich keine baktrischen Kamele dort gesehen. Wenn überhaupt, werden Kamele dort nur selten gehandelt. Trotzdem lohnt sich ein Besuch dort, nicht nur wegen der Tiere.

Kashgar an der Seidenstraße
Sonntagsmarkt in Kashgar

Geschichte der Domestizierung

Das baktrische Kamel soll schon von rund 5.000 Jahren domestiziert worden sein. Zentrum war damals vor allem der Iran und Gebiete in Zentralasien.

Eine silberne Gewandnadel in Form eines Kamels
Eine silberne Gewandnadel, Margiana, ca. 5.000 Jahre alt

The range of the wild Bactrian camel in historic times extended from the great bend of the Yellow River at 110 deg E westward across the deserts of southern Mongolia and northwestern China to central Kazakhstan. It was already heavily hunted for its meat and hide in the 1800’s, and by the 1850’s it persisted only in remote areas of the Gobi and Taklimakan Deserts in Mongolia and China. By the 1920’s, its populations had become fragmented, and it is currently restricted to three small, remnant populations in Mongolia and China.

Heavy persecution by hunters and competition with domestic animals for water and pasture were the principal causes of decline up to the 1960’s. Hunting has continued to have a major impact up to the present. Additional threats include settling of oases by pastoralists, prospecting for and extraction of oil and gold, and hybridization with domestic camel stock.

http://www.animalinfo.org/species/artiperi/camebact.htm

Zweihöckrige Kamele gehörten auch immer zu den Tieren des Seelenwegs, der zu den Gräbern der Kaiser und hohen Beamten führte.

Kamel in Peking
Kamel am Seelenweg in Peking.
Kamele am Karakulsee
Zweihöckrige Kamele
1991 habe ich vom Zug aus Kamele gesehen. Ob das wilde waren?

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