Wie kam das Christentum nach China?

Kürzlich war ich in Breklum, genauer im Christian Jensen Kolleg, für einen Workshop der Bahnhofsmission. Mein Besuch dort regte mich zur Spurensuche nach dem Christentum in China zu begeben, denn das Haus war von 150 Jahren Ausgangspunkt für die christliche Mission in der ganzen Welt. Dabei lag mein besonderes Interesse auf der Mission in China.

Kleine Ausstellung zur Mission Christentum in China.
Ausstellung in Breklum.

Anfänge des Christentum in China

Erste Christen müssen schon früh uber die Handelswege der Seidenstraße nach China gekommen sein. Frühe Berichte erwähnen die Angehörigen der Assyrischen Kirche (Nestorianer) schon 635 n. Chr. Zum Vergleich: im 4. Jahrhundert gibt es erste christliche Gemeinden in Germanien.

Diese nestorianische Gemeinschaft manifestiert sich in einer Stele von 781 in Xi’an, wo an die Ankunft des ersten nestorianischen Mönches Alopen 635 erinnert wird. Sie ist erkennbar an einem eingeritzten Kreuz.

Der Text der fast drei Meter hohen und knapp einen Meter breiten Kalksteinplatte dokumentiert die Verbreitung christlicher Gemeinschaften in verschiedenen Orten Nordchinas und zeigt, dass die Kirche im Jahr 635[2] anfänglich die Anerkennung durch den Tang-Kaiser Taizong erhalten hatte.

Oben auf dem Stein steht in neun Schriftzeichen: „Stele zur Verbreitung der Religion des Lichts von Daqin in China“ (die Kirche bezeichnete sich selbst als „Religion des Lichts aus Daqin“), wobei Daqin bereits seit der Han-Zeit ein chinesischer Begriff für das Römische Reich ist.

Wikipedia

Alte Handelswege
Nestorianismus ist die christologische Lehre, dass die göttliche und die menschliche Natur in der Person Jesus Christus geteilt und unvermischt seien, und damit eine Form der Zweinaturenlehre. Sie ist nach Nestorius benannt, der von 428 bis 431 Patriarch von Konstantinopel war und sie maßgeblich vertreten hat.
Nestorius war bis 431 Patriarch von Konstantinopel. Die von ihm vertretene Lehre wurde auf dem Konzil von Ephesos 431 verurteilt.
Spuren nestorianischer Missionstätigkeit entlang der Seidenstrasse wurden neben China auch in Japan im 9. Jahrhundert dokumentiert, auf Sumatra, Indien und Sri Lanka entdeckt.

Ein kaiserliches Edikt aus dem Jahr 845 untersagte Buddhismus und Christentum und die Unruhen gegen Ende der Tang-Dynastie führten zu einem weiteren Rückgang. Mönche, die später nach China kamen, fanden keine Spur von Christen mehr vor. Trotzdem hat es wohl weiterhin kleine Gruppen Christen gegeben.

11. Jahrhundert und danach

Erst im 11.Jahrhundert kam es wieder verstärkt zu Begegnungen mit dem Christentum in China und der Mongolei. Es heisst, dass einige der Prinzessinnen, mit denen mongolische Kaiser und Fürsten verheiratet waren, Christinnen waren. Sogar von Kublai Khan hieß es, dass er getauft sei.

War Kublai Khan ein Christ?
Kublai Khan

Im 13. und 14. Jahrhundert entsandte der Papst Franziskaner und Dominikaner Mönche nach China, um dort zu missionieren. Ein italienischer Franziskaner, Johannes von Montecorvino, baute 1305 eine katholische Kirche in Peking, übersetzte das Neue Testament und die Psalmen und gewann etwa 6000 Bekehrte. Die letzten Berichte von franziskanischen Missionaren erreichten den Vatikan 1353.

1424 stoppte Kaiser Hongxi die internationale Seefahrt und isolierte China auch von internationalen Kontakten. Danach gab es vorläufig nur einen geringen Austausch und ein wenig Handel mit dem Ausland.

17. und 18. Jahrhundert

Erst im 17. Jahrhundert, also mit Beginn der Qing-Dynastie, fanden wieder verstärkt Kontakte und damit Missionierungen statt. Diese waren eng damit verbunden, dass die Chinesen ihre alten Rituale behalten durften. Solange das ging, dass sie z.B. an den Feierlichkeiten zur Ahnenverehrung festhielten, war alles gut. Es gab nicht viele aber doch einige Bekehrungen.

Damals reiste auch der Jesuite Matteo Ricci nach China. Doch eigentlich waren die Chinesen mehr an wissenschaftlichen Dingen aus Europa interessiert, wie z.B. Astrologie oder den westlichen Uhren. Die Kaiser legten sich prachtvolle Uhrensammlungen zu, die man heute in der Verbotenen Stadt bewundern kann.

katholische Kirche an der Wangfujing Straße
Peking: Dongtang katholische Kirche an der Wangfujing Straße. The construction of the church was finished in 1655 by Jesuit missionaries. Due to renovations and reconstruction, the current structure dates back to 1904.

Doch dann kam der Ritenstreit oder Akkomodationsstreit, in dem man darüber stritt, wie die Christliche Missionierung aussehen sollte. War das Christentum in China überhaupt möglich mit den uralten konfuzianischen und daoistischen Ritualen? War das nicht Aberglauben, den es zu bekämpfen galt? Vor allem die traditionelle Ahnenverehrung war dem Papst und den Jesuiten ein Dorn im Auge.

Ab 1704 wurde das Ausüben der alten chinesischen Rituale im privaten Bereich vom Papst verboten. Zu dem Zeitpunkt zählte man ungefähr 300.000 Christen in China. Wegen des Verbots untersagte der chinesische Kaiser seinerseits 1724 die Ausübung des christlichen Glaubens und die Missionierung. Nach einer neuerlichen Überprüfung wurde das Verbot der chinesischen Riten vom Papst 1724 bestätigt.

Die Missionare mussten China verlassen. Nur einige wenige Jesuiten, die als Wissenschaftler am kaiserlichen Hof arbeiteten, durften bleiben. Die christliche Missionierung kam zum Erliegen.

Übrigens: Erst 1939 wurde das Verbot der chinesischen Rituale für katholische Christen „infolge der veränderten Lage“ von Papst Pius XII aufgehoben.

Die Missionierung

Anfang des 19. Jahrhundert begann die Missionierung der Chinesen durch Protestanten vor allem aus dem englischsprachigen Raum. Beginnend mit dem englischen Missionar Robert Morrison im Jahr 1807 lebten und arbeiteten protestantische Männer, ihre Frauen und Kinder sowie unverheiratete weibliche Missionare in China.

Allerdings hielt sich das sehr in Grenzen. Chinas Herrscher standen den Fremden aus dem westlichen Ausland feindlich und abweisend gegenüber. Erst nach den Opiumkriegen Mitte des 19. Jahrhunderts öffnete sich das Land widerwillig.

Im Jahr 1869 zum Beispiel lebte der französische Priester Armand David  (*7.09.1826  † 10.11.1900 in Paris) in einer katholischen Kirche, die 1839 von seinen Landsleuten in der Dengchi-Schlucht im Kreis Baoxing (Sichuan) errichtet worden war. Er entdeckte viele im Westen unbekannte Tiere wie u.a. den Großen Panda und den Davidshirsch, der nach ihm benannt wurde.

China bot den Missionaren eine große Bevülkerung, die man vom Christentum überzeugen konnte. Deshalb wurde das geheimnisvolle Reich der Mitte ein begehrtes Ziel. Die protestantische Missionstätigkeit nahm in den nächsten Jahrzehnten gewaltig zu.

Protestantische Kirche in Pingyao
Protestantische Kirche in Pingyao

Von 50 Missionaren in China im Jahr 1860 stieg die Zahl 1900 auf 2.500 (einschließlich Frauen und Kinder). 1.400 der Missionare waren Briten, 1.000 Amerikaner und 100 stammten aus Kontinentaleuropa, hauptsächlich aus Skandinavien. Die protestantische Missionstätigkeit erreichte in den 1920er Jahren ihren Höhepunkt und ging danach aufgrund von Krieg und Unruhen in China zurück. Wikipedia

Breklum

Damit sind wir wieder bei Christian Jensen und dem Missionshaus in Breklum.

Christian Jensen (* 20. Januar 1839 auf Lütjenswarft (Fahretoft); † 23. März 1900 in Flensburg) war ein deutscher Pastor und Missionar. Er studierte Theologie und wurde schließlich Pastor in Breklum.

Jensen gehörte dem Vorstand des 1875 gegründeten Landesvereins für Innere Mission an. Am 19. September 1876 gründete er in Breklum gemeinsam mit zwanzig Geistlichen und vierzig Laien die Schleswig-Holsteinische Evangelisch-Lutherische Missionsgesellschaft zu Breklum.

Die Missionsarbeit war von Anfang an mit einem hohen Maß an sozialer Verantwortung verbunden. Aus ihr gingen viele Schulen, Kranken- und Waisenhäuser in Übersee hervor.

Natürlich wurde nicht nur in China missioniert. Es wurden Missionare nach Afrika, Amerika und Asien entsandt. Es gibt eine kleine Ausstellung im kleinen Bauernhaus, das damals den Ausgangspunkt der Missionen bildete.

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Mission ist im kleinen Museum des Christian-Jensen-Kollegs zu sehen.

Nähe von Mission und Kolonialisierung.

Wenn man diese Sätze liest (rechts), kommen einem Zweifel an der Missionstätigkeit aller Richtungen auf. Neben den Andenken an ferne Länder sind die Lebensläufe einiger ausgewählter Missionare ausgestellt. Sie haben sicherlich alle das Beste gewollt in ihrer Zeit. Heute ist das nicht mehr angebracht.

Ein sehr interessanter Text dazu steht auf der Seite des Christian-Jensen-Kolleg: In hoc signo vinces.

Über diese Ausstellung habe ich im Internet kein Wort gefunden. Wer mehr weiss, melde sich bitte bei mir.

Christentum in China heute

 基督教 • jīdūjiào = Jesus + Lehre = Christentum

Die Drei-Selbst-Prinzipien

Die christlichen Kirchen sind in China erlaubt, sofern sie sich an die Drei-Selbst-Prinzipien halten.

Dies sind: 1. Selbsterhaltung, d. h. finanziell selbstständig zu sein und keine ausländische Hilfe annehmen. 2. Selbstverkündung, d. h. das Evangelium durch einheimische Kräfte zu verkünden. 3. Selbstverwaltung, d. h. die Kirche in China selbstständig, ohne ausländischen Einfluss zu verwalten.

Es gibt heute zwei offizielle christliche Kirchen in China:

Die Katholische Kirche

天主教 • tiānzhǔjiào = Himmel + Herr + Lehre

Die Katholisch-Patriotische Vereinigung ist offiziell anerkannt.

Die Römisch-katholische Kirche ist geteilt in die offizielle Kirche und die ehemalige Untergrundkirche. Beide Kirchen haben ungefähr 70 Bischöfe. Die Strukturen der offiziellen und der inoffiziellen Kirche verlaufen parallel, so dass die Diözesen oft doppelt besetzt sind.

Beide Organisationen haben eine vom Vatikan nicht anerkannte Bischofskonferenz. Die meisten Bischöfe der offiziellen katholischen Kirche sind inzwischen vom Papst anerkannt und legitimiert und in einem Brief an die chinesischen Katholiken im Jahr 2007 erläuterte der Papst, dass er eine Vereinigung der beiden katholischen Kirchenflügel Chinas wünscht, und dass es keine Bischofsernennungen im Untergrund mehr geben wird.

Wikipedia

Die Zahl der Katholiken wird in China auf ungefähr 40 Millionen geschätzt, inklusive der nichtoffiziell anerkannten. Es können aber auch erheblich mehr sein.

China hat ein großes Problem mit den Katholiken. Da der Staat nicht duldet, dass die Katholiken ein Oberhaupt anerkennen, der in manchen Dingen mehr zu sagen hat als die Regierung, nämlich der Papst, gehen sie zum Teil in den Untergrund.

Die Protestantische Kirche

基督新教 • Jīdū xīnjiào = Jesus + Neuer Glaube

Innerhalb der evangelischen Konfession wird zwischen den Kirchen der patriotischen Drei-Selbst-Bewegung, den Versammlungspunkten im Bereich der Drei-Selbst-Bewegung, halb unabhängigen ländlichen Kirchen sowie den sogenannten Hauskirchen unterschieden.

Wikipedia

Die Protestanten sind durch die starke Missionstätigkeit die stärkste Kirche in China mit 80 Millionen Mitgliedern und mehr.

Protestant Mission in China – Wikipedia

Die chinesische Kirche setzt ihr Prinzip der Selbsterhaltung, Selbstverwaltung und Selbstverbreitung in die Tat um und betont, dass sie eine selbstständige und unabhängige Kirche ist. Das bedeutet aber nicht, dass sie sich isoliert. In den mehr als 50 Jahren, die seit Gründung des Neuen China vergangen sind, hat die protestantische Kirche Chinas offizielle Beziehungen mit den wichtigsten protestantischen Organisationen in vielen Gebieten und Ländern aufgenommen.

China Today

Christliche Gemeinschaften in Hamburg

Immanuel Kirche https://immanuelkirche.com/de_ueberuns/

Chinesische Christliche Gemeinde Hamburg e.V. https://www.ccg-ham.de/uber-uns/

Links

Kirche in Shanghai Moore Memorial Church
Moore Memorial Church in Shanghai von 1887
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