Nachhaltigkeit auf Reisen und der Mittlere Weg

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Nachhaltigkeit auf Reisen – ein ganz persönlicher Artikel

Mal wieder sind sie unterwegs, die Mahner, die einem am liebsten das Fliegen verbieten möchten. Mit hocherhobenem Zeigefinger schreiben sie von Klimawandel und Nachhaltigkeit. Letzteres gibt es eben nach ihrer Ansicht nur ohne zu fliegen. Ganz ehrlich? Das geht mir sowas von auf die Nerven!

Der Klimawandel ist Fakt!

Den Klimawandel zu leugnen, ist völlige Ignoranz und Dummheit! Das Klima ändert sich. Die Frage ist nur noch, wie schnell, welche Folgen der Klimawandel hat und ob er sich aufhalten lässt. Besonders schlimm finde ich, dass viele jetzt – plötzlich – aufschreien und nach Änderung rufen. Dabei gibt es den Klimawandel schon lange. Ich erinnere mich gut an Demonstrationen gegen das Waldsterben in den 1970er Jahren. Damals entstanden die Grünen und der Ruf nach Umweltschutz und Nachhaltigkeit wurde laut.

Ich bin noch ohne Plastiktüten und alljährliche Flugreise aufgewachsen. Der sparsame Umgang mit Ressourcen und Energie ist für mich immer schon ganz normal gewesen.

Regelmäßig stattfindende Klimakonferenzen scheinen kaum was zu bringen. Die Mehrheit wendet sich gelangweilt ab. Da muss erst ein junges Mädchen kommen und die Ignoranten wach rütteln. Doch neu ist der Klimawandel nicht!

Nachhaltigkeit unterwegs - der Mittlere Weg

Buddha in Timmendorfer Strand

Der Mittlere Weg und die Nachhaltigkeit auf Reisen

Als Buddha zu seiner spirituelle Suche aufbrach, führte er ein Leben voller Entbehrungen und strenger Askese. Eines Tages gingen zwei Musikanten an dem Baum vorüber, unter dem er meditierend saß. Einer sagte zum anderen: „Spann die Saiten deiner Sitar nicht zu fest, oder sie werden reißen. Und lass sie nicht zu locker hängen, denn dann kannst du darauf keine Musik machen. Halte dich an den mittleren Weg.“

Diese Worte trafen den Buddha mit solcher Wucht, dass sie seinen Weg der Spiritualität grundlegend veränderten. Er war überzeugt, dass die Worte für sein Ohr bestimmt waren. Von dieser Minute an gab er alle strengen Grundsätze auf und begann einem Weg zu folgen, der leicht und hell war, den Weg der Mäßigung. Und tatsächlich wird sein Zugang zur Erleuchtung der Mittlere Pfad genannt

Anthony de Mello, Gefunden bei: Yogaakedemie Austria

Letztendlich bedeutet das, dass man bei richtiger Einsicht und Entwicklung eigener Gedanken zu dem Ergebnis kommt, dass man den Mittleren Weg gehen sollte: Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Alles mit Mäßigung, nicht übertrieben, dann sollte das Leben gelingen.

Mir ist Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein im täglichen Leben ganz normal. Das sollte nicht nur beim Reisen eine Rolle spielen. Wer damit angibt, dass er der Umwelt zuliebe nicht mehr fliegen will, dann aber im Supermarkt zur Plastiktüte greift oder unterwegs die Klimaanlage voll aufdreht, den kann ich nicht respektieren.

Nachhaltigkeit ist eine generelle Lebenshaltung und darf nicht nur in den Ferien und auf Reisen praktiziert werden!

Besser gar nicht mehr fliegen?

Das Fliegen lässt sich nicht verbieten. Wir können einfach nicht mehr zurück ins Mittelalter. Die Wissenschaft und die Wirtschaft sind herausgefordert, Sprit sparende und umweltverträgliche Motoren und Antriebsstoffe zu entwickeln und anzuwenden. Die Politik muss das unterstützen und fördern. Neueste Forschungen besagen übrigens, dass das Fliegen weltweit nur für 2% des gesamten CO2 s verantwortlich ist.

Nachhaltigkeit unterwegs: Fliegen

Kleinflugzeug im Himalaya

Viele Menschen in Asien oder Afrika haben erst seit Kurzem überhaupt das Geld und die Freizeit zu reisen. Soll da der “Weiße Mann” kommen und ihnen das Fliegen verbieten? Es werden in den nächsten Jahren immer mehr Menschen aus diesen Kontinenten die Welt entdecken. Sollen sie! Ich freue mich für sie!

Für mich ist der Aspekt des Kennenlernens anderer Welten, die Möglichkeit, fremde Menschen zu treffen und Vorurteile abzubauen, ein absoluter Vorteil des Reisens. Dazu gehört eben auch das Fliegen hinzu. Wenn ich mir vorstelle, dass ich jedes Mal nach China mit der Bahn fahren müsste!!!

Ich halte auch nichts davon, sich mit einer kleinen CO2-Gebühr frei zu kaufen. Der oft angebotene Emissionsausgleich ist ein reiner Ablasshandel. Man kauft sich ein gutes Gewissen und lenkt von den wirklichen Problemen und möglichen Lösungen ab!

Wenn man nun versucht, das Fliegen zu verteufeln und jedem, der auch nur daran denkt zu fliegen, ein schlechtes Gewissen einzureden, so lasse ich mich nicht beeindrucken: Ich schäme mich nicht!

Was könnte man einschränken?

Klar, jeder sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten mit den vorhandenen Ressourcen sorgsam und nachhaltig umgehen. Das gilt selbstverständlich immer, Zuhause, am Arbeitsplatz und auf Reisen! Es geht ja nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Flüge: Wie schon gesagt, halte ich es für aussichtslos und auch unvernünftig zu fordern, dass die Menschheit auf’s Fliegen verzichtet. Langstreckenflüge wird es weiter geben und zwar immer mehr, egal wie viele Einzelne darauf verzichten. Es wird auch gerne darauf hingewiesen, dass man innerhalb Europas statt des Flugzeugs lieber die Bahn nutzen solle. Ja, wenn das Streckennetz in Europa genauso gut wie in China ausgebaut wäre! Ist es aber nicht!

Beispiel: Von Hamburg brauche ich nach Paris für rund 900 Kilometer mit der Bahn mehr als 8 Stunden und muss mindestens ein Mal umsteigen. Wenn ich also ein Wochenende in Paris verbringen will, fliege ich doch lieber! Der persönliche Verzicht auf ein Wochenende in Paris bringt weder mir noch der Welt etwas. Protokoll einer Anreise nach Paris

In China ist die Situation dagegen viel besser. Das Netz der Hochgeschwindigkeitszüge ist gut ausgebaut. Die Verbindungen sind häufig, bequem und schnell. Da würde ich für 900 Kilometer nur drei Stunden unterwegs sein. Das Fliegen bringt keine Vorteile. Deshalb rate ich auch immer meinen Kunden, innerhalb von China mit dem Zug zu fahren. Hochgeschwindigkeitszüge in China

SUVS: Muss man in der Stadt mit dem spritschluckenden SUV zum Supermarkt fahren??? Ich jedenfalls nicht. Ich habe kein Auto, auch kein kleines. Selbst bei längeren Reisen ist ein SUV völlig unnötig. Die meisten Straßen in Europa sind gut ausgebaut. Einen Vorteil von SUVs sehe ich nicht.

Rat für unterwegs: Benutzt öffentliche Verkehrsmittel oder steigt auch mal auf ein Fahrrad!

Fahrrad mieten in Peking

Leihfahrräder in Peking

Coffee to Go: Das einfachste, auf das man schnell verzichten könnte, ist dieser unsägliche Coffee to Go, egal in was für einem Becher. Es ist ja nicht nur der viele Abfall, häufig immer noch aus Plastik, auch bei dem Herstellen von Bechern, Kaffee usw. wird Energie verbraucht und entsteht zusätzlicher Abfall.

Ich hab zuhause eine Kaffeemaschine und im Büro steht auch eine. Letztere kommt ohne Kapseln oder Filter aus. Mein Weg zum Büro dauert ca. 45 Minuten. Diese Zeit überlebe ich ohne Kaffee. Auch auf längeren Reisen kann ich mehrere Stunden, ja, sogar Tage ohne Kaffee überleben! Außerdem schmeckt ein Kaffee aus dem Porzellanbecher doch viel besser!

Schon 2015 wurden 2,8 Milliarden Coffee to Go Becher benutzt und weggeschmissen. Und sicherlich sind es bis heute (2019) noch mehr geworden. Man stelle sich diese Müllberge mal vor! Können wir wirklich nicht ohne?

Energie sparen Zuhause und unterwegs: In einer Schlagzeile in den deutschen Medien wurde aktuell Altersarmut damit gekennzeichnet, dass eine Rentnerin immer nur in einem Zimmer das Licht anmacht. Ich komme da aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr raus. Ich kenne es seit meiner Kindheit in einem wohlhabenden Elternhaus so, dass generell nur in den Räumen, wo sich jemand gerade aufhielt, das Licht und die Heizung an waren. Wenn Heizung an, dann Fenster zu. Das ist doch sinnvoll, auch wenn man nicht arm ist. Das ist mir so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich das natürlich auch auf meinen Reisen so halte.

Zum Leidwesen manchen Zimmerpersonals in China schalte ich gleich beim Betreten des Zimmers die Klimaanlage aus. Meistens braucht man keine Klimaanlage, und wenn dann nur für eine kurze Zeit, um die Raumtemperatur zu regulieren. Schon gar nicht muss sie stundenlang laufen, wenn man nicht im Zimmer ist.

Wasser sparen unterwegs: Auch da gibt es viele Möglichkeiten, unterwegs zu sparen. Zum Beispiel ist eine tägliche Dusche nicht notwendig. Eine tägliche Haarwäsche schadet der Kopfhaut und den Haaren, wie mir meine Hautärtzin sagte. Das habe ich ausführlich in diesem Artikel beschrieben. Wasser

Plastik: Das finde ich unterwegs auf Reisen etwas problematisch. Ich versuche, so wenig Plastik wie möglich zu nutzen. Völlig überflüssig finde ich es, jedes T-Shirt, jede Socke einzeln in Plastiktüten zu verpacken und in den Koffer zu tun (Stichwort Vakuum-Verpackung). Für Schuhe usw. gibt es praktische Stoffbeutel.

Beim Einkaufen in einem chinesischen Supermarkt ist es manchmal gar nicht so einfach. Da ist jeder Keks in extra Folie verpackt, an der Kasse bekommt alles noch eine Verpackung und manchmal sogar ein Schleifchen. Oder diese schrecklichen Instant-Nudelsuppen! Komplett mit Styropor-Becher, in Plastik eingeschweißten Zutaten und Plastikgabel. Aber ich gestehe: Manchmal esse ich auch sowas! In Maßen…

Das alles macht das Einkaufen unterwegs nicht gerade einfach. Doch der erstaunte Blick der Kassiererin in China, wenn ich meinen mitgebrachten Stoffbeutel öffne! Herrlich! Im Grunde halte ich mich auch unterwegs an meine Gewohnheiten von daheim: Plastikmüll sollte vermieden werden!

Nachhaltigkeit auf Reisen: Kein Fastfood!

Im McD… am Bahnhof von Xuzhou

Fastfood: Starbucks, McD.. und Co. sind eine Pest! Warum man unterwegs solche Fastfoodketten aufsuchen muss, ist mir ein Rätsel! Naja, aber auch da empfehle ich den Mittleren Weg. Manchmal gibt es Situationen, wo man fast nicht drumherum kommt. Wenn gerade der Magen gegen alles “fremde” Essen rebelliert, wenn man mal ein Eis in sauberer Umgebung essen möchte usw.

Ich bin auch schon zu McD… in China gegangen, fand es eigentlich auch ganz nett. Doch bei meinem letzten Besuch und dem Anblick des Haufens Müll, den ich da erzeugt habe, habe ich mir geschworen, da nie wieder einzukehren! Den Kaffee bei Starbucks mag ich sowieso nicht. Meine Leidenschaft ist es, in fremden Ländern immer wieder was Neues, Leckeres, Lokales auszuprobieren.

Essstäbchen: Ein ganz spezielles asiatisches, um nicht zu sagen chinesisches Umweltproblem sind die Essstäbchen. Für die hölzernen Einweg-Stäbchen in Restaurants wurden schon ganze Wälder abgeholzt! Plastik ist für mich keine echte Alternative.

Ich hab meistens mein eigenes Paar Stäbchen dabei, nicht mehr wie früher wegen der Hygiene, sondern eben wegen des Holzes. Mittlerweile werden aber auch sehr oft Stäbchen aus Bambus genutzt. Bambus wächst schnell nach, lässt sich umweltschonend entsorgen und bietet sich geradezu als Essstäbchen an.

Vegan/Vegetarisch: Die Leute, die einem das Fliegen verbieten wollen, möchten am liebsten auch gleich das Fleisch Essen verbieten. Noch so ein erhobener Zeigefinger, den ich komplett ablehne. Denn ganz besonders hier gilt für mich der Mittlere Weg: Ich esse wenig Fleisch. Es schmeckt mir. Biologisch gesehen ist der Mensch Omnivore, also er isst alles.

Wenn es geht, versuche ich mich an Bio-Fleisch zu halten, Fleisch von “glücklichen” Kühen und Schweinen. Das gefällt meinem Geldbeutel nicht so gut. Ich bemühe mich. Unterwegs finde ich es sehr schwierig, auf Fleisch zu verzichten. Da entgehen einem ja die dollsten Köstlichkeiten!

Mapo Doufu

Mapo Doufu: Tofu mit Hackfleisch -einfach köstlich!

Extremes Beispiel ist für mich die Mongolei: In diesem Land der Nomaden, in dem wenig Gemüse wächst, Tomaten und anderes mit einem erheblichen Energieaufwand gezüchtet oder importiert werden müssen, isst man traditionell sehr viel Fleisch. Ich habe erlebt, dass für uns extra ein Lamm geschlachtet wurde. Was wäre es für ein Beleidigung unserer Gastgeber gewesen, wenn wir das nicht gegessen hätten!!!

Zigarettenkippen: Nein, ich möchte niemanden das Rauchen verbieten. Doch sollte man sich mal Gedanken darüber machen, wie man die Zigarettenkippen und Filter entsorgt. Gerade die Zigarettenfilter sind nicht einfach nur harmlose Baumwollröllchen! Die gebrauchten enthalten neben dem rausgefilterten Teer und Nikotin auch Spuren von Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Benzol, Nitrosamine und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Die Filter brauchen Jahre, um sich zu zersetzen. Besonders groß ist die Belastung durch Nikotin in den Gewässern der Länder. Bei Aufräumaktionen in Städten und Küstengewässern Deutschlands machen sie 30 bis 40 Prozent des anfallenden Abfalls aus!

Auch die große Waldbrandgefahr durch weggeschmissene Zigarettenkippen sollte nicht unterschätzt werden! Überall, auch auf Reisen, sollte man aufpassen, dass man die Kippen umweltgerecht entsorgt.

Das Handy, heilige Kuh

Für die Herstellung eines Smartphones werden viele Ressourcen verbraucht: Ungefähr 60 Materialien werden für ein Smartphone verwendet: Darunter Kunststoff, Keramik, verschiedene Metalle: Kobalt, Gallium, Indium, Niob, Wolfram, Metalle der Platingruppe und leichte Seltene Erden. Dabei sind auch sieben Stoffe, die schon 2014 von der entsprechenden EU-Kommission als kritisch eingestuft wurden und weltweit immer knapper werden.

Seltene Erden werden häufig unter katastrophalen Umständen irgendwo in entlegenen Gebieten abgebaut. Die Batterie besteht aus einem Lithium-Ionen-Akku: Chemie und nur als Sondermüll zu entsorgen. Hinzu kommen weite Transportwege und der Energieverbrauch bei der Herstellung.Authentisches Reisen - selbst auf dem Dorf in China haben die Kinder ein Smartphone

Sicherlich ist das noch lange nicht mit der Schädigung der Umwelt durch die großen Fabriken und Unternehmen zu vergleichen. Trotzdem hätte der generelle Verzicht aufs Handy eine ähnliche Wirkung auf die Umwelt wie der generelle Verzicht auf Fleisch oder auf das Fliegen.

Doch spricht man die Leute an, die sich mit missionarischem Eifer gegen das Fliegen oder das Essen von Fleisch und Tierprodukten einsetzen, so erfährt man, dass das Handy “nicht so schlimm” ist.

Der maximale Kompromiss, zu dem man bereit ist, ist, dass man sich ein gebrauchtes Handy kauft. Der Unterschied ist mir nicht so ganz klar: Auch ein gebrauchtes Handy wurde mal hergestellt, enthält die genannten Komponenten und muss eines Tages entsorgt werden.

Eine Reise, auch wenn sie nur in den nächsten Park geht, ist den meisten Menschen heute ohne Handy unvorstellbar! Ich finde diese Doppelmoral erschreckend.

Mein Smartphone versuche ich so lange zu nutzen, wie es geht. Leider scheinen ja immer noch viele mit einem inneren Verfallsdatum ausgestattet zu sein. Das könnten Gesetzgeber und Unternehmen verbessern!

Auf Reisen könnte ich fast drauf verzichten, wenn die Chinesen nicht so handy-verrückt wären und einen nur verwundert und irritiert angucken, wenn man sagt, man braucht kein Handy. Doch braucht man in China! Manchmal, für WeChat und Übersetzungen.

Konsum – unterwegs und daheim

Ich finde, man sollte auch einen nachhaltigen Konsum pflegen. Damit meine ich nicht nur, dass man ausschließlich Bio-Produkte kauft, sondern auch, dass man mit seinen Sachen sorgfältig und pfleglich umgeht. Ich habe in meinem Leben nur einen einzigen Rucksack gekauft. Den habe ich mir vor fast 40 Jahren sehr sorgfältig ausgesucht. Er war auch nicht ganz billig. Dafür hält er immer noch. Ich könnte ihn jederzeit nehmen und sofort damit losreisen. Heute muss ich aber meinem Rücken zuliebe darauf verzichten. Ich reise jetzt mit einem mittelgroßen Trolley und ärgere mich, dass diese so schnell kaputt gehen.

Man braucht meiner Meinung nach auch nicht jedes Jahr neue Wanderschuhe, wenn die alten noch gut sind. Auch sonst besitze ich wenig Schuhe und wenig Kleidung. Warum manche Frauen 10 Paar schwarze Schuhe im Schrank haben, die auch noch alle fast gleich aussehen, verstehe ich nicht.

Ich kaufe mir nicht jedes Jahr neue Kleidung, nur weil sich die Mode ändert. Meistens versuche ich darauf zu achten, dass die Materialien, aus denen Schuhe und Kleidung bestehen, aus Bio-Produkten bestehen. Da dies manchmal sehr teuer sein kann, gehe ich auch gerne Second Hand Kleidung kaufen. Da bekommt man häufig beste Qualität zu einem guten Preis. Ist nur schon mal ein Jahr alt.

Ich habe eine Schwäche für Taschen und Beutel. Wenn ich eine sehe, die mir gefällt, dann gucke ich sie ganz intensiv an und frage: “Brauche ich Dich wirklich?” Naja, manchmal höre ich da ganz deutlich ein “Ja!”. Ungefähr einmal im Jahr bringe ich die überzähligen zur Bahnhofsmission. Dort können wir Taschen aller Art (außer Abendtäschchen) immer gebrauchen.

Wichtige Aspekte der Debatte um Klimaschutz

Nur 100 Unternehmen produzierten 71 Prozent aller weltweiten Treibhausgase, fand eine Studie 2017 heraus (Guardian). Allein der deutsche Energieversorgungskonzern RWE verursachte im Jahr 2017 217 Millionen Tonnen CO2 (Panorama), vor allem die Kohlekraftwerke sind dafür verantwortlich.

Schon beim Gedanken an die schiere Größe dieser CO2-Belastung durch Unternehmen könnte ich verzweifeln. Was kann ich kleines Würmchen da ausrichten, wenn schon die Großen so verschwenderisch mit meiner Umwelt umgehen???
Immer wieder wird mir in fast allen Medien und von der Politik vor Augen geführt: Wenn ich mich richtig verhalte – richtig esse, einkaufe, reise – dann lässt sich das Klima retten. Es gleicht fast einer Drohung. Also sitze ich da, fühle mich schuldig bei meinem Wurstbrot und bei meiner nächsten Flugbuchung. Das vernebelt einem geradezu das Gehirn! Denn so wird abgelenkt von den wirklich großen Umweltsündern.
Das mache ich nicht mehr mit! Ich gehe meinen eigenen Weg, bemühe mich um einen Mittleren Weg in Mäßigung. Da brauche ich kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich einmal im Jahr fliege oder mir auch mal ein leckeres Steak gönne.

Verständnis

Wer eine Kindheit mit Ferien in Übersee per Flugreise gewöhnt ist und dessen Eltern große und viele Autos gefahren haben, dem fällt es schwer, sich als Erwachsener ein Leben “ohne” vorzustellen. Deshalb ist jetzt die Erziehung gefragt! Leute: gewöhnt schon Eure Kinder daran, auf die Umwelt, den Energieausstoß und den Verbrauch von Ressourcen zu achten! Auch wenn man es sich finanziell leisten kann, ist es nicht nötig, mit dem SUV zur Schule oder zur Arbeit zu fahren.

Mit einer solchen Einstellung fällt es leichter, die wirklichen Verursacher des Klimawandels anzugehen: Es müssen Alternativen zu fossilen Brennstoffen her! Diese und andere Möglichkeiten gibt es bereits. Sie bedeuten aber auch Mühe und höhere Preise. Trotzdem sollte das niemanden von Fortschritten abhalten!

Wenn ich nun sehe, dass für die Vereidigung der neuen Verteidigungsministerin 2019 die Bundestagsabgeordneten für ein paar Tage ihren Urlaub unterbrechen und nach Berlin fliegen müssen, dann frage ich mich, ob man da nicht hätte sensibler sein können und den Termin auf einen Zeitpunkt verlegen können, wenn alle wieder da sind. Da hätte man auf einen Schlag viel CO2 sparen und zeigen können, dass Politiker auch Vorbilder sein können!

Nachhaltigkeit auf Reisen: Wutaishan

Gesehen in einem Tempel am Wutai Shan

Freitagsdemonstrationen

Auch wenn es jetzt vielleicht einen anderen Eindruck macht, finde ich die Schülerdemonstrationen am Freitag gut und richtig. Sie rücken das Thema Klimawandel, das es ja nicht erst seit gestern gibt, wieder in den Fokus aller Menschen.

Wir können und müssen vielleicht nicht auf Flüge oder Fleisch verzichten, wenn endlich die Kunde vom Klimawandel bis in die obersten Etagen dringt.

Klimawandel gibt es nicht erst seit 2019!

Die Klimaerwärmung wird schon seit vielen Jahrzehnten diskutiert.

Mein Beispiel dafür: Als ich 1991 den Karakorum Highway Richtung China befuhr, wurde in meinem Reiseführer darauf hingewiesen, dass noch vor ein paar Jahren ein Gletscher bis an die Straße reichte und manchmal die Straße versperrte. Als ich 1991 an der Stelle vorbei fuhr, war weit und breit nichts von einem Gletscher zu sehen. Dass der Gletscher verschwunden war, hatte nichts mit Wetter und Jahreszeit zu tun. Es war Juni und bis zwei Wochen davor war die Straße wegen Schneefall gesperrt. Trotzdem war der Gletscher weg und ist nach meinem Wissen nicht neu entstanden.

Mich macht das so traurig! Klimawandel ist mit all seinen schädlichen Auswirkungen seit Jahrzehnten ein bekanntes Problem. Aber überwiegend wird diskutiert und diskutiert, regelmäßige Klimakonferenzen bringen so gut wie keine Ergebnisse.

Wenn dann die Gletscher verschwunden und die Malediven untergegangen sind, wird die Diskussion weitergehen: “Hätten wir damals doch…!” Ja, dann wird es zu spät sein!

Deshalb: Macht weiter mit den Freitags-Demonstrationen, lebt und reist nachhaltig und gebt Euer Wissen, Eure Erfahrung an Eure Kinder weiter!

Aber denkt auch an den Mittleren Weg: Nicht zu viel, nicht zu wenig! So können wir alle profitieren.

Nachhaltigkeit auf Reisen: Für die Kinder der Welt

Nachhaltigkeit unterwegs: Für die Kinder der Welt

Umweltfreundlich reisen in China – geht das?

Ulrike

Jahrgang 1955. Mehr als 30 Jahre Reise-Erfahrung in China und Asien. China-Expertin bei feel China. Lasst Euch von meinen Erfahrungen inspirieren! Nicht nur über China! Weitere Themen: Museen, Hamburg, Hannover, Rom, Paris, London u.v.m.
Ich freue mich über Eure Kommentare!
Ulrike

6 Kommentare

  • Hallo Ulrike,

    es stimmt, der Klimawandel ist nicht erst seit gestern bekannt. Wenn seitdem alle den sog. “mittleren Weg” gegangen wären, hätte man das Schlimmste verhindern wollen. Das ist aber nicht passiert, es ist weiter der extreme Weg gegangen worden und jetzt ist es 1 Minute vor 12. Wir können es uns nicht leisten, jetzt den “mittleren Weg” zu gehen, wenn wir auch den nachfolgenden Generationen noch einen lebenswerten Planeten hinterlassen wollen, sondern wir müssen auf die Notbremse treten und endlich mal auch Dinge tun, die für uns unbequem sind! Dazu gehört auch der Verzicht auf Wochenendtrips nach Paris und auch der bewusste Verzicht auf ein Steak.

    Auch wenn es erstmal anstrengend klingt, muss das übrigens überhaupt kein Verlust an Genuss und Lebensqualität bedeuten. Wenn ich mir überlege, wie viele mir vorher unbekannte Lebensmittel und Gerichte ich kennengelernt habe, seitdem ich im Jahr 2012 auf überwiegend vegane Ernährung umgestiegen bin – unglaublich! Man wird so kreativ. Ich war früher eine ziemlich schlechte Köchin, aber das hat sich sowas von geändert!

    Es gibt sicher immer mal Situationen, in denen man Ausnahmen machen muss, oder möchte, besondere Umstände etc. und wenn es dann mal so ist, ist es auch ok. Es muss nicht jeder 100% perfekt handeln, das ist sowieso unmöglich. Aber alle müssen mehr tun als hier und da etwas zu ändern, wovon sie glauben, dass es ohnehin nicht weh tut!

    Es ist einfach zu sagen “Was kann ich als kleines Licht schon tun, die Unternehmen sind doch die großen Umweltverpester!”. Aber ganz so ist es nicht. Unternehmen handeln nach den Wünschen der Konsumenten. Mit jeder täglichen Entscheidung können wir langfristig das Handeln der Unternehmen lenken. Und wofür produzieren Unternehmen Klimagase, verschmutzen die Umwelt etc.? Um Konsumentenbedürfnisse zu erfüllen. Die Umweltschäden für die Produktion eines Produktes, den Transport, die Kühlung, die Verpackung etc. – das sind meines Erachtens Schäden, die man nicht nur den Unternehmen zurechnen darf!

    Ich für meinen Teil bin auch noch weit davon entfernt perfekt zu handeln, aber ich versuche seit vielen Jahren, immer einen Schritt weiter zu gehen. Und man findet immer noch etwas, wo man sich steigern und umweltfreundlicher Handeln kann. Ich wünsche mir, dass jeder bei sich anfängt und sich ständig fragt, was er noch besser machen kann statt sich auf dem auszuruhen, was er vielleicht schon tut. Dazu gehört auch der Blick in die Vergangenheit und auf andere Kulturen. Manche Dinge, die früher selbstverständlich waren (z.B. Stofftaschentücher) oder woanders schon sehr gut funktionieren (z.B. Kompostierung von Bioplastikbeuteln in Holland), könnten uns als Inspiration und Ansporn dienen. Ich muss aber zugeben, dass ich manchmal sehr mutlos werde, wenn ich mir anschaue, wie egoistisch, gleichgültig und unempathisch viele Menschen handeln…

    • Hui! Das ist ja fast ein eigener Artikel geworden! Ich bin da allerdings nicht Deiner Meinung. Die Verursacher des extremen CO2-Ausstoßes sind nun mal die großen Unternehmen. Einen großen Anteil nehmen die Produzenten von Beton und Zement ein. Darauf kann ich gut verzichten. Das wird aber durch einen radikalen Verzicht auf Fleisch gar nicht beeinflusst.
      Wenn Du Dich damit gut fühlst, dann bleibe bei Deinem rigorosen Verzicht. Doch lass mich mit Bekehrungsversuchen in Ruhe! Ich bin überzeugt davon, dass das, was ich tue, für mich und meine Umwelt gut und richtig ist.

  • Gert Bornschlegl

    Wie lange ist das mit dem Smog in Peking her? Das sind noch keine zwei Jahre.

  • Bornschlegl

    Eines verschweigst du: Die größten Umweltverschmutzer sind die Chinesen. Oder hat sich an der Sitte, auf Zugfahrten alles zum Fenster rauszuwerfen, etwas geändert.
    Ganz zu schweigen von dem Drei-Flüsse Staudamm oder die Smogs in Peking bzw. Shanghai. Die Chinesen machen ihre Umwelt schlichtweg mit dem Vorschlaghammer kaputt.
    Das ist einer der Gründe (es gibt noch einige mehr) warum dieses Land seine Faszination für mich eingebüßt hat. Heute würde ich keinen Fuß mehr dorthin setzen.

    • Das stimmt so nicht mehr. Es geht mir auch in dem Artikel nicht darum, was andere Völker besser machen könnten. Ich betone: Ich finde es nicht richtig, mit dem erhobenen Zeigefinger als “Weißer” auf andere zu zeigen. Wir waren/sind nicht besser.
      Wann warst Du denn das letzte Mal in China? Scheint schon länger her zu sein. Die Chinesen haben gerade in den letzten Jahren sehr große Anstrengungen für eine saubere Umwelt unternommen. Es wird nichts mehr aus den Zugfenstern geworfen, es wird überall aufgeforstet und in Bezug auf Elektro-Autos sind uns die Chinesen weit voraus. Deshalb wird es anscheinend dringend nötig, dass du mal wieder nach China reist.
      LG
      Ulrike

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