Zheng He und die Schatzschiffe des Kaisers

Zheng He war eine der schillernsten Persönlichkeiten in der chinesischen Geschichte. Er war im 15. Jahrhundert Befehlshaber der größten chinesischen Flotte, Entdecker und Eunuch. Man sagt, dass er möglicherweise bis nach Amerika gekommen ist. Was für ein Mann!

Zheng He, Admiral des chinesischen Kaisers

Zheng He (chinesisch 郑和, Pinyin Zhèng Hé). Sein Geburtsname war Mǎ Sānbǎo (马三宝), sein muslimischer Name Haddschi Mahmud Schams (arabisch حجّي محمود شمس, DMG Ḥaǧǧī Maḥmūd Šams).

Er war ein direkter Nachkomme – in sechster Generation – des berühmten, in den Diensten der Mongolen stehenden Ministers Sayyid Adschall Schams ad-Din Umar (1211–1279), dessen Vorfahren aus Buchara stammten und als Nachfahren Mohammeds galten. Sein Großvater und Vater hatten, als gläubige Muslime, beide den Haddsch, die Pilgerfahrt nach Mekka, absolviert. Heute würde man sagen, dass er der etnischen Minderheit der Hui angehörte.

Er soll eine imposante Erscheinung gewesen sein. Man sagt er sei mehr als 2 Meter groß gewesen.

Zheng He Lebensdaten

Zheng He1371 geboren in Kunming, Yunnan

1433 (oder 1435) gestorben in Calicut (heute Kozhikode) in Südindien

1382 Gefangener der Ming-Truppen

1384 kastriert, damit er weiter am Kaiserhof leben durfte

1384 und folgende Jahre Ausbildung am Hof von Prinz Zhu  Di (später Kaiser Yongle 1403–1424) in Kriegskunst und Diplomatie. Kaiser Yongle war übrigens der Kaiser, der in Peking die Verbotene Stadt Anfang des 15. Jahrhunderts erbauen ließ.

1403 Ernennung zum Admiral

1405 – 1407 Erste Reise: Vietnam – Java – Sri Lanka – Süden von Indien

1407–1409 Zweite Reise der Flotte nach Indien. Allerdings ohne Zheng He.

1409–1411 Dritte Reise: Indien und Sri Lanka

1413–1415 Vierte Reise: Hormuz am Persischen Golf und die afrikanische Ostküste

1417–1419 Fünfze Reise: Ostafrika bis Mogadishu

1421–1422 Sechste Reise: Südostasien – Indien – Persischer Golf

1424 Tod des Kaisers Yongle. Sein Nachfolger Kaiser Hongxi stoppt alle Seefahrten. Zheng He wird Militärkommandant von Nanjing

1425 stirbt Kaiser Hongxi. Nachfolger wird Kaiser Xuan De

1431–1433 Siebte Reise: Kaiser Xuan De gibt Befehl für eine weitere Reise. Malakka und Thailand

1433 oder 1435 Tod des Zheng He

Die nachfolgende chinesischen Kaiser hatten kein Interesse mehr an der Welt jenseits der Grenzen Chinas. Sie schotteten das Land ab. Dokumente der Reisen Zheng He’s wurden vernichtet. Deshalb gibt es heute kaum schriftliche Nachweise über seine Reisen. Auch wenn es weiterhin Handel zur See gab, so erreichte dieser nie mehr die Bedeutung wie zu Zeiten von Zheng He.

Die sensationelle Flotte des Zhenghe

Die Flotte umfasste bis zu dreihundert Schiffe mit fast 28 000 Mann Besatzung. Die größten Schiffe der Flotte hatten neun gewaltige Masten, waren möglicherweise bis zu 120 Meter lang und bis zu 50 Meter breit.

Maritimes Museum Dschunken

Chinesische Schiffstypen im Maritimen Museum

Zum Vergleich: Die „Santa Maria“ des Christoph Kolumbus war knapp 24 Meter lang und hatte 39 Mann Besatzung. Das war allerdings ein eher kleines Schiff. Schon die Trieren im antiken Griechenland konnten bis zum 35 Meter lang sein und um die 200 Menschen transportieren.

Trotzdem: Die Schiffe des Zhenghe waren gewaltig und der Anblick der gigantischen chinesischen Flotte dürfte sensationell und furchteinflössend gewirkt haben.

Natürlich waren nicht alle Schiffe der Flotte so groß. Neben den berühmten Schatzschiffen gabe es auch zahlreiche Versorgungsschiffe und Kriegsschiffe.

Die Schatzschiffe

Die gewaltigen chinesischen Schiffe aus der Zeit des Zheng He nennt man Schatzschiffe. Schatzschiffe (chinesisch 宝船, Pinyin bǎochuán) gehören zu den größten jemals gebauten Segelschiffen.

Die Erbauer nutzten die modernsten Kenntnisse der damaligen Zeit. Für die Hochsee wurden die Schiffe in fast unsinkbarer Schottenbauweise errichtet. Auch den Kompass und eine Art Stundenglas kannten die Chinesen schon.

Die Schatzschiffe dienten dem Transport von Handelsgütern wie Porzellan, Gewürze oder Seide. Doch damit wurde auch die Diplomatie zwischen China und dem Orient gefördert.

In heute fast vergessenen bedeutenden Handelsstädte Ostafrikas wie Kilwa und Groß-Simbabwe haben Archäologen chinesisches Porzellan aus der Ming-Zeit (1368 – 1644) ausgegraben.

Chinesische Dschunke

Chinesische Dschunke im Maritimen Museum

Lokale Fürsten erhielten die Waren zum Geschenk. Im Gegenzug wurde von ihnen erwartet, dass sie selbst oder mit einer Gesandtschaft dem Kaiser in Peking ihre Referenz erwiesen, indem sie Tribute entrichteten. Das wurde in China als Zeichen der Unterwerfung anerkannt.

Allerdings bediente man sich nicht nur der Diplomatie. Mancher Ort wurde mit Waffengewalt eingenommen, die “Gesandten” nach China verschleppt.

Mythos Schatzschiff

Schiffe der Flotte sollen nach Aussage einiger Quellen mit der „Feuerdroge“ (huo yao) ausgestattet gewesen sein. Manche Forscher halten das für entzündbare Pfeile oder Pechkübel. Andere glauben, dass lange vor dem Einsatz in Europa die chinesischen Flotten bereits über funktionstüchtige Kanonen verfügten, die sie auch im Gefecht einsetzten.

Ein anderer Mythos, der sich um die Schatzschiffe rankt, ist die sagenhafte Größe. Sie sollen bis zu 140 Meter lang gewesen sein! Manche Wissenschaftler halten dies technisch für kaum möglich und schätzen die Länge auf ungefähr 50 bis 80 Meter. Was immer noch sehr groß ist.

Kam Zheng He’s Flotte bis nach Amerika?

Der Mangel an schriftlichen Zeugnissen aus der Zeit des Zheng He bietet Raum für Spekulationen.

2001 tauchte eine  Landkarte von 1763 auf, die nach Meinung ihres Besitzers, des chinesischen Sammlers Liu Gang, beweisen könnte, dass tatsächlich der kaiserliche Admiral Zheng He aus der Ming-Dynastie mit seiner Flotte die Welt früher als die Europäer umsegelt hat und dass spätere Weltkarten sich auf die ursprünglichen chinesischen beziehen könnten.

Sie soll eine Kopie einer Karte von 1418 sein. Auf der Karte sind neben den Amerikas auch Grönland und die Antarktis zu erkennen.

Die Geschichte der Landkarte, deren Echtheit immer noch untersucht wird, ist nicht zweifelsfrei rekonstruiert. Historiker äußern Zweifel an der Echtheit und Authentizität.

Archäologische Nachweise, dass Chinesen schon vor Kolumbus in Amerika waren, wurden bislang nicht gefunden. Chinesische Münzen, die man an der Westküste Amerikas fand, stammen aus dem 17. Jahrhundert und wurden möglicherweise später von chinesischen Einwanderern mitgebracht.

Zheng He über seine Reisen

Zwei Stelen wurden errichtet, die in ihren Inschriften Zheng He selbst zu Wort kommen lassen. Die eine stand in Liujiagang am Yangzi, die andere in Changle, Provinz Fujian.

Inschrift auf der Stele von Liujiagang
In the first inscription Zheng He describes his dependence on Tianfei (“Heavenly Princess”), the goddess of Chinese sailors:
[We have] traversed over a hundred thousand li of vast ocean [and have] beheld great ocean waves, rising as high as the sky and swelling and swelling endlessly. Whether in dense fog and drizzling rain or in wind-driven waves rising like mountains, no matter what the sudden changes in sea conditions, we spread our cloudlike sails aloft and sailed by the stars day and night. [Had we] not trusted her [Heavenly Princess’s] divine merit, how could we have done this in peace and safety? When we met danger, once we invoked the divine name, her answer to our prayer was like an echo; suddenly there was a divine lamp which illuminated the masts and sails, and once this miraculous light appeared, then apprehension turned to calm. The personnel of the fleet were then at rest, and all trusted they had nothing to fear. This is the general outline of the goddess’s merit…

When we arrived at the foreign countries, barbarian kings who resisted transformation and were not respectful we captured alive, and bandit soldiers who looted and plundered recklessly we exterminated. Because of this the sea routes became pure and peaceful and the foreign peoples could rely upon them and pursue their occupations in safety. All of this was due to the aid of the goddess.

Quelle:Khan Academy

Zheng He und Xi Jinping

“Zheng He besuchte bei seinen sieben Seefahrten Anfang des 15. Jahrhunderts über 30 Länder und Regionen. Heutzutage erwähnt der chinesische Staatspräsident Xi Jinping in vielen Situationen die Geschichte von Zheng He und erklärt, der Grund, warum Zheng Hes Seefahrten in der Geschichte so bekannt seien, liege darin, dass er in mit Schätzen beladenen Schiffen Freundschaft verbreitet habe. Er habe nicht versucht, durch Schiffe und Kanonen andere zu erobern.” CRI

Der Treasure Ship Park bei Nanjing

Bei Nanjing hat man Ende des 20. Jahrhunderts die Reste der antiken Werft, in der wahrscheinlich die Schatzschiffe gebaut wurden, ausgegraben. Drei gewaltige Trockendocks sind rund 600 Jahre alt und werden heute anschaulich im Park der Schatzschiffe präsentiert.

Nanjing

Nanjing

Die Trockendocks sind so groß, dass man Schiffe von einer Länge bis zu 50 Metern hätte bauen können. Also kein Beweis für extrem lange Schiffe.

In dem Treasure Ship Park in Nanjing kann man drei Teiche sehen, wo einst die ausgegrabenen Docks lagen. Ein Nachbau gibt dem Besucher einen Eindruck, wie es auf einem Schatzschiff des Zheng He ausgesehen haben mag.

In dem dazugehörigen Museum sind 19 beeindruckende Schiffsmodelle ausgestellt. Dort erfährt man viel über die chinesische Seefahrt der Ming-Dynastie.

Infos Stand Juni 2020
Treasure Boat Shipyard Site Park 南京宝船遗址公园

Adresse: 57 Lijiang Lu, Nanjing, 南京市漓江路57号

Öffnungszeiten: 5:30 a.m.-8:30 p.m. (open daily)

Eintrittspreis: RMB 30

Der Admiral des Kaisers – Das Buch

Die Abenteuer des Eunuchen Zheng He

Buchrezension von Christina Goosmann

Buch Zheng HeDie erste Hälfte des Buches gibt einen guten Überblick über die Geschichte und Gesellschaft Chinas zu Beginn des 15.Jh. So lernen wir, wie die Ming-Dynastie gegründet wurde, erhalten eine Einführung in die Lehren des Konfuzius und machen schließlich die Bekanntschaft mit Kaiser Yongle und seinem Admiral Zheng He.

Anschließend werden wir in Staunen versetzt, wenn die Autoren über den Bau der Schiffe erzählen. Sie beschreiben nicht nur die handwerkliche Meisterleistung der Schiffsbauer, sondern zeigen auch, wie gut die Planung der Flotte durchdacht war. So wurden unter anderem Versorgungsschiffe gebaut, die über Wassertanks, Viehställe und sogar Gärten verfügten.

In der zweiten Hälfte des Buches geht es dann endlich mit Zheng He auf Reisen. Wer jetzt an die Kolonialisierung im Stile unserer westlichen Entdecker denkt, wird erneut in Staunen versetzt. Natürlich geht es Kaiser Yongle um die Ausweitung der Macht Chinas. Aber er und Zheng He zeigen, dass man die Welt auch anders „erobern“ kann. So verteilt Zheng He im Namen seines Kaisers Gastgeschenke, treibt den Handel voran, stiftet Frieden und besiegt auch mal schnell Piraten, um die Meere für alle wieder sicher zu machen. So haben die Reisen Zheng He’s nicht nur Vorteile für das Chinesische Reich sondern auch für die besuchten Völker.

Am Ende des Buches befindet sich schließlich ein umfangreiches Glossar, das alle chinesischen Begriffe noch einmal gut erklärt. In den Buchdeckeln befinden sich außerdem Landkarten, auf denen die Reiserouten eingezeichnet sind.

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Schatzschiff

https://de.wikipedia.org/wiki/Zheng_He

https://www.britannica.com/biography/Zheng-He

http://www.china.org.cn/english/culture/88640.htm

https://www.sueddeutsche.de/wissen/china-seefahrt-zheng-he-entdecker-amerika-reisen-1.4249019

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Ulrike
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8 Kommentare

  • Moin, liebe Christina! Ja, es ist hochinteressant, sich mit Zheng He zu beschäftigen! Xi Jinping ist ja auch ein großer Bewunderer, wie gerade erst erfahren habe. Ob es allerdings immer ohne Gewalt ablief, wenn Zheng He Abgesandte eines Landes eingesammelt hat, damit die am Kaiserhof vorstellig wurde, wage ich zu bezweifeln. Sicherlich machte die schiere Größe seiner Flotte schon soviel Eindruck, dass man sich ungern auf Kämpfe mit der Übermacht einließ.
    Wenigstens im Maritimen Museum steht seine Büste in einer Reiher mit großen europäischen Seefahrern.
    Danke für Deinen Kommentar!

  • Ein sehr schöner Artikel über eine absolut faszinierende Persönlichkeit. Schade, dass Zhang He hier bei uns immer noch so unbekannt ist. Er hat durchaus einen Platz zwischen unseren “großen” Entdeckern verdient. Ich persönlich finde ihn sogar noch beeindruckender, denn er zeigt, dass es auch ohne rohe Waffengewalt geht.
    Danke auch, dass Du meine Buchrezension noch mal veröffentlicht hast.

  • Danke, Mark! So soll es sein!

  • Total super und sehr interessant. Machst dir viel Mühe mit einer interessanten Sache und das finde ich toll!

  • Mich fasziniert die Vorstellung, dass Chinesen schon früh Amerika erreicht haben könnten, sehr. Aber wenn, dann haben sie nnoch weniger Spuren hinterlassen als die Wikinger an der Ostküste Amerikas.
    Danke auch für deinen Hinweis auf die Fernsehdokumentation! Da hab ich gleich mal auf Youtube geguckt und die Doku in meinen Artikel eingebunden.
    LG
    Ulrike

  • Eine faszinierende historische Persönlichkeit! Vor einigen Jahren gab es im TV mal eine interessante Doku über Zheng He. Und es wäre eine Sensation, die unsere bisherige Geschichtsschreibung ganz schön auf den Kopf stellen würde, wenn man eines Tages herausfinden würde, dass er mit seiner Flotte tatsächlich bis nach Amerika gelangt war. Was ich durchaus für möglich halte.
    Liebe Grüße!

  • Ja, das war insgesamt eine tolle Leistung!

  • Nemorino

    Am erstaunlichsten finde ich die Versorgungsschiffe.

Ich freue mich über Deinen Kommentar!