Terrakotta-Armee in China – das achte Weltwunder

Aktualisiert im Mai 2019

Die Terrakotta-Armee in Xi’an gilt als Achtes Weltwunder. Sie ist überwältigend beeindruckend! Alles, was Du wissen solltest, findest Du in diesem Artikel! Zusammengetragen in mehr als 30 Jahren Reisen nach China.

NEU: Tipps für den Besuch

Wie lange braucht man mindestens, um die Terrakotta-Armee zu sehen? Wann ist die beste Zeit für eine Besichtigung? Was sollte man nicht versäumen? Siehe weiter unten.

Die Terrakotta-Armee in China

Die Terrakotta-Armee des Ersten Kaisers von China Shin Qi Huang in Xi’an faszinierte mich vom ersten Augenblick an, an dem ich von ihr gehört habe, damals 1985. Schon diese frühen Berichte haben mich so sehr in ihren Bann gezogen, dass ich alles daran setzte, sie selbst zu sehen. 1987 war es soweit! ich begab mich auf eine abenteuerliche Reise, um die Terrakotta-Armee in China selbst zu sehen. Auch heute beeindruckt ihr Anblick mich immer noch jedes Mal, wenn ich die große Halle in Xi’an betrete. Tausende von tönernen, mehr als lebensgroßen Kriegern, dazu Kutschen, Pferde, Bronzetiere! Ständig gibt es neue Funde und Erkenntnisse!

Terrakotta-Armee in Xi'an

Terrakotta-Armee

Terrakotta-Armee in Zahlen

Gefunden: 1974 beim Brunnenbau durch zwei Bauern

Ort: Ca. 30 Kilometer östlich von Xi’an bei dem kleinen Ort Lintong

Alter: Rund 2.200 Jahre

700.000 Handwerker und Arbeiter sollen für den Bau der riesigen Grabanlage benötigt worden sein.

Ausgegraben (Stand 2018): 8.000 Tonfiguren, darunter nicht nur Krieger, sondern auch Akrobaten, Musiker und Beamte. Letztere gehören zu den neusten Entdeckungen. Unweit des Grabes selbst, etwas von der Terrakotta-Armee entfernt, hat man eine weitere Grube entdeckt, in der die Tonfiguren Beamte und andere Würdenträger darstellen. 130 Kutschen bzw. Streitwagen, 670 Pferde, davon 520 Zugpferde für die Kutschen/Streitwagen und 150 Reitpferde der Kavallerie. Auch zahlreiche Tiere wie Gänse und andere Vögel, Schweine und mehr sind gefunden worden.

Bronzene Schwäne, Kraniche und andere Wasservögel fand man angeordnet, als würden sie sich an einem schmalen Wasserlauf tummeln.

Terrakotta Armee Schwäne aus Bronze

Schwäne aus Bronze

Der Erste Kaiser von China Qin Shi Huangdi
Qin Shi Huangdi 秦始皇帝 259 bis 210 v. Chr.

Qin Shi Huang einte das gewaltige Reich der Mitte und wurde so zum ersten Kaiser von China. Er gab schon früh den Auftrag zum Bau seines Mausoleums und der Herstellung einer Armee, die ihm im Jenseits zur Seite stehen sollte. Die Anlage musste bis zu seinem Tod fertiggestellt sein. Er tat gut daran, früh anzufangen, denn vom Start bis zu seinem Tod dauerte es nur 11 Jahre.

Der Erste Kaiser von China herrschte mit viel Gewalt. Wer nicht tat, was er befahl, wurde hingerichtet. Das geschah auch mit Leuten, die nicht seiner Meinung waren. Sogar Bücherverbrennungen gehörten zu seinem Alltag. Er selbst wurde beherrscht von seiner Angst vor dem Tod. Immer war er auf der Suche nach Unsterblichkeit, ein Getriebener, ein unruhiger Mann.

Unsterblichkeit hat er mit seinem gewaltigen Grab und der beeindruckenden tönernen Armee beim heutigen Xi’an erlangt.

Der Name seiner Dynasie “Qin” ist die Basis, aus der die moderne Bezeichnung “China” entstand.

Restauriert: Rund 2.000 Figuren der Terrakotta-Krieger

Die Krieger: Fast 2 Meter hoch, größer als es damals bei den Menschen normal war. Die größten Figuren sind die Generäle. Jede Figur wiegt rund 300 Kilogramm

Bauzeit: 11 Jahre

Das Mausoleum des Ersten Kaisers von China

Größe des Geländes: 16.300qm

Größe des Hauptgebäudes: Halle über der Grube 1.230m lang, 62m breit

Grube 1: rund 7.000 Figuren, von denen man mehr als 1.000 sehen kann, sowie 32 Pferde und die Reste von 8 Streitwagen

Die Soldaten der Terrakotta-Armee waren in 11 langen Gängen aufgestellt, die mit Ziegeln gepflastert waren und mit Holzwänden und -decken versehen waren.

Grube 2: Weitere Soldaten, vor allem Bogenschützen

Grube 3: Diese gilt als Kommandostand, da man einige der Figuren als Generäle identifizieren kann.Terrakotta-Armee, General im Shaanxi Provinzmuseum

Massengräber: Auf dem riesigen Gelände der Grabanlage wurden auch zahlreiche Gräber, ja auch Massengräber gefunden. Die Überreste der Menschen lassen darauf schließen, dass sie Opfer von Hinrichtungen und massiver Gewalt waren. Man vermutet, dass es sich zum Einen um unbequeme Konkurrenz aus der Familie des Kaisers handelt, zum Anderen um Konkubinen, die dem Kaiser in den Tod folgen mussten, um ihm dort zu Diensten zu sein. Auch zahlreiche Arbeiter, die an dem Mausoleum gearbeitet haben, hat man in der Nähe beigesetzt. mehr

UNESCO-Weltkulturerbe: seit 1987

Überraschende Erkenntnisse aus der Archäologie

Ausgeraubt: Kurz nach Fertigstellung der Grabanlage wurden die Gänge mit den Ton-Kriegern ausgeraubt. Denn man hatte den Kriegern gute funktionsfähige Waffen in die Hand gegeben. Nach dem Raub wurde die Holzkonstruktion in Brand gesteckt. Trotzdem hat man viele Waffen wie Speere und und Tausende von Pfeilspitzen gefunden. Diese sind auch nach mehr als zweitausend Jahren in der Erde in einem hervorragenden Zustand und lassen Rückschlüsse auf die große Kunst der Waffenschmiede damals zu.

Terrakotta-Armee

Terrakotta-Armee

Überraschend: Die Krieger waren alle bunt bemalt. Die Farbe zerfällt, sobald die Figuren mit Luft in Kontakt kommen. Deshalb ist aktuell die größte Herausforderung, Methoden zu finden, die die Farben erhalten. Dabei arbeitet man u.a. mit dem Max-Planck-Institut in München zusammen.

Waffen: Es wurden bislang mehr als 100.000 Waffen ausgegraben. Darunter ca. 30.000 Pfeilspitzen sowie Armbrüste und Schwerter. Viele sind in einem sehr guten Zustand. Manche Klinge ist noch scharf.

Terrakotta-Armee aktuell

2014: Neueste Entdeckung: Eine komplette Armbrust

2015: Die Ausgrabungen gehen weiter: China Daily
“Archaeologists plan to excavate about 200 square meters of Pit No.2, located near the tomb of Emperor Qinshihuang, founder of the Qin Dynasty (221-206 BC), according to Emperor Qinshihuang’s Mausoleum Site Museum.”

2016: Neueste Erkenntnisse der Archäologen National Geographic
“Now archaeologists have found tantalizing clues that the power grab was even more brutal than Sima Qian described. A group of skeletons was found with artifacts belonging to the royal family. These were mostly males, possibly the deceased emperor’s sons. One skull offers clues to their fate. It’s split by the metal bolt from a crossbow, likely shot at close range. Experts now believe these young princes may have been executed by their ambitious sibling who was trying to secure the throne for himself.”

2016: “Nach Quellenangaben von verschiedenen chinesischen Klassikern gibt es Flüsse mit Quecksilber im Untergrund des Mausoleums. Nun zeigen verschiedene Untersuchungen, dass es am Grund des Mausoleums tatsächlich solche Flüsse gegeben haben könnte, wie aus einer Drainage-Karte der Qin Dynastie (221-206 vor Christus) hervorgeht. Experten glauben, dass die große Menge an Quecksilber in der Grabstätte aus dem 100 Kilometer entfernten Bezirk Xunyang in der Provinz Shaanxi heran transportiert worden sein könnte.” german.china.org.cn vom 02.12.16

2019: Wissenschaftler sind dem guten Erhaltungszustand der Metallteile auf die Spur gekommen. Nicht ein chromhaltiger Lacküberzug schützte die Waffen gegen Korrosion wie man früher annahm, sondern die Zusammensetzung der Waffen selbst. Die Bronze enthält eine hohe Menge Zinn. Man hat herausgefunden, dass Bronzewaffen mit einem höheren Zinngehalt länger erhalten bleiben. Hinzu kommt das dichte Sediment, von dem die Terrakotta-Krieger eingehüllt waren. Dieses lies kaum Luft an die empfindlichen Waffen und hatte einen pH-Wert von mehr als 8. (Quelle: nature.com)

Terrakotta-Armee

Rekonstruktion einer Armbrust

Die Meister der Tonarmee

Die Statuen der Terrakotta-Armee in Xi’an waren mit dem Namen des Meisters versehen, der sie hergestellt hat. Man hat bislang 87 solche Marken, die mit Stempeln an versteckten Stellen angebracht worden waren, gefunden.

Die Wissenschaftler, die diese Markierungen entdeckt haben, nehmen an, dass jeder der Meister 10 Gehilfen hatte. Wenn so eine Gruppe von Handwerkern ungefähr zwei Statuen pro Jahr fertig stellte, könnte die Tonarmee in weniger als 10 Jahren entstanden sein.

Eine große Herausforderung, mit der auch heute Tonfiguren-Hersteller zu kämpfen haben, war es, die Figuren, die innen hohl sind, so herzustellen, dass sie nicht schon im unfertigen Zustand in sich zusammen brachen.

Historiker Sima Qian

Sima Qian (司马迁 * um 145 v. Chr.; † um 90 v. Chr.) war ein chinesischer Astrologe, Historiker und Schriftsteller. Von ihm stammt eine ausführliche Beschreibung des unterirdischen Palastes unter dem imposanten Grabhügel des Ersten Kaisers von China, der auch die Quecksilberflüsse erwähnt. Seine Schilderungen von Pracht und Größe des Grabes sind so aufregend, dass ich die Geduld der heutigen Archäologen bewundere, mit der sie sich mit der Ausgrabung zurückhalten. Allerdings erschien die Beschreibung erst lange, nachdem das Grab verschlossen wurde. Deshalb ist auch nicht sicher, ob das alles so stimmt. Doch die erhöhten Quecksilberwerte der Erde beim Grabhügel lassen vermuten, dass einiges der Wahrheit entspricht.

Infos (Stand Mai 2019)
Eintrittspreis:

Hochsaison 150,- RMB pro Person

Nebenssiason 120,- RMB pro Person

Öffnungszeiten: Hochsaison: 8:30 – 18:35 Uhr Nebensaison: 8:30 – 18:05 Uhr

Die letzten Eintrittskarten werden 90 Minuten vor Ende der Öffnungszeit verkauft

Ich empfehle, sich mindestens 3 Stunden Zeit für eine ausführliche Besichtigung zu nehmen.

Besucher: 2015 haben mehr als 5 Millionen Menschen die Terrakotta-Armee besichtigt.

Das Museum und die Ausgrabungsstätte im Internet: http://www.bmy.com.cn/2015new/bmyweb/ (Englisch)

Terrakotta-Armee Ringkämpfer

Auch Figuren von Ringkämpfern wurden ausgegraben

Tipps für den Besuch

Anfahrt mit dem öffentichen Bus: Vom Bahnhof im Zentrum Xi’ans fährt der Bus Nr. 5 im Abstand von 15 Minuten. Der erste startet um 7:00 Uhr. Die Fahrt dauert ca. 70 Minuten und kostet 7 RMB.

Tipp: Den ersten Bus nehmen, um gleich bei Öffnung am Museum zu sein.

Dann kann man entweder ca. 10 Minuten laufen vom Ticketoffice bis zur großen Halle oder den Elektrozug nehmen.

Vor Ort gibt es Führer, die man engagieren kann.

Man sollte, wie schon beschrieben, sich mindestens 3 Stunden Zeit für die Besichtigung nehmen. Auch ist es angenehm, sich in dem Park bei dem gigantischen Grabhügel umzuschauen. Also eigentlich kann man sich einen ganzen Tag dort aufhalten.

Dabei sind auch die Nebengruben interessant und sollten nicht verpasst werden!

Es gibt Imbisse und Souvenirbuden direkt auf dem Gelände. Doch vor dem Eingang hat sich eine ganze “Stadt” aus Läden und Restaurants entwickelt, die fast alle Bedürfnisse der Besucher befriedigen.

Terrakotta-Armee Souvenirshops

Die “nackte” Terrakotta-Armee Han Yangling

Es gibt in Xi’an noch eine weitere Terrakotta-Armee zu bestaunen: Das Mausoleum Han Yang Ling. Rund 100 Jahre nach Qin Shi Huang ließ sich ein weiterer Kaiser mit einer Armee aus Tonkriegern bestatten. Warum diese auch die “nackte Terrakotta-Armee” genannt wird, erfahrt Ihr hier.

Han Yang Ling Tonarmee

Han Yang Ling (c) Franky Merting

Viele Kaiser und auch hohe Würdenträger haben sich mit einer mehr oder weniger großen Armee von Kriegern und Beamten beerdigen lassen. Ein Beispiel ist die beeindruckende Terrakotta-Armee in Xuzhou

Wer sich für weitere Daten aus dem Reich der Mitte interessiert und Tipps für seine China-Reise sucht, findet meinen China Steckbrief hier

Im Shaanxi-Provinzmuseum in Xi’an habt Ihr die Möglichkeit, in einer sehr gut aufgebauten Ausstellung zur Terrakotta-Armee einigen ausgewählten Kriegern ganz nahe zu kommen! Oder sich auf Schautafeln ein Bild davon zu machen, wie unterschiedlich Gesichter und Frisuren gestaltet sind.

Terrakotta-Armee

Im Shaanxi Provinzmuseum

Tonarmee Bogenschütze

Der berühmte Bogenschütze, der noch Spuren von Farbe zeigt

Bronze Kranich bei Mausoleum ausgegraben

Bronzekranich

Dieser Artikel stammt aus 2014 und wird ständig aktualisiert.

Ulrike

Autorin, Jahrgang 1955. Mehr als 30 Jahre Reisen in China und Asien. China-Expertin bei feel China. Lasst Euch von meinen Erfahrungen inspirieren! Nicht nur über China!
Weitere Themen: Museen, Hamburg, Hannover, Rom, Paris, London u.v.m.
Ulrike

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